RAJPUTANA ist der historische Name Rajasthans - das Land der Wüstenkönige   

 

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Dubiose Schatzsuche

Rajasthan

Rajasthan, kurz skizziert

Rajasthan-News

"Up, Up and Away 2008" - Bernd in Rajasthan

Das Land der Wüstenfürsten

Zu Gast im Indrashan

Wiedersehen mit alten Freunden

Chandelao 2008

Grußworte der Gastgeber

Places & People - Unterkünfte und Gastgeber (mit Fotogalerien)

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Diese Rubrik wurde am 12. Oktober 2010 aktualisiert

 

 

 

 

 

Bunte Farbtupfer in
karger Wüstenlandschaft:
Rajasthans Frauen
(Foto: Marion Baumgart)

 

 

 

 

 

 

 

 

Dubiose Schatzsuche

Während andere es vorziehen, ihren Schatz auf den Philippinen oder in Thailand  zu suchen - und sich womöglich bei Erfolg mit einer ‘galanten Krankheit’ infizieren - suchen wir nach den Perlen Asiens und infizieren uns mit dem virus indicus. Es ist ein gutartiges Virus, das Hirn und Herz befällt und Vorurteile abtötet, um Platz zu schaffen für neue Lebenseinsichten.

Andere, die nach uns kommen, suchen zur Zeit auch in Indien verstärkt nach alternativen Schätzchen der dritten Art. Nachdem in Thailand und den Philippinen die Gesetze gegen Kinderprostitution verschärft wurden, haben jetzt Sextouristen Indien zum Reiseziel erkoren. Schuld daran sei die lasche Gesetzesauslegung, klagt die Organisation “End Child Prostitution in Asian Tourism (ECPAT)”. Immer wieder wurden zwar Ausländer in den Ferienregionen von Goa und Kerala verhaftet, aber gegen eine Kaution sofort wieder freigelassen. Von den rund eine Million Kindern, die in Asien zur Prostitution gezwungen werden, schätzt ECAP-Sprecherin Anne Badger, leben fast die Hälfte in Indien.

Wenn ich so etwas lese, packt mich eine kalte Wut. Die hübschesten Kinder der Welt sehe ich alljährlich in Indien. Ihre großen Augen gehören zu den Lieblingsmotiven meiner Kameras. Sollte ich einmal auf unseren Routen einem solchen Sextouristen begegnen - ich müßte meine kompromißlos gewaltlose Grundhaltung neu überprüfen.

Offiziell will man in Indien nur unsere Devisen, alle anderen Einflüsse aber abblocken. Klappt bloß nicht. Zur Zeit arbeitet man in kräftig daran, “koloniale Altlasten” abzuschütteln. Alte, teils unaussprechliche Städtenamen werden reaktiviert und “Verbal-lhornungen” der ehemaligen Kolonialmächte (Trivandrum, Bombay, Madras etc)  eingemottet.

Deutsche Bemühungen um ein Vasco-da-Gama-Festival waren 1998 bei der indischen Regierung auf wenig Gegenliebe stoßen. Man befürchtete eine Verherrlichung des Kolonialismus in der westlichen Welt. Also wurde nichts aus der großen 500-Jahr-Feier der Entdeckung des Seeweges nach Indien. Mit Vasco da Gama hatte 1498 das Wettrennen der großen Entdecker ein Ende. Die Schatzsuche der Europäer bekam eine neue Dimension.

Allgemein denkt man, der Kolonialismus sei grundsätzlich negativ. Aus Prag klang das anders: Die liberale tschechische Zeitung "Mlada fronta dnes" schrieb: "Britannien übernahm Hongkong als ödes Nest und gab stattdessen eine glänzende Perle zurück, das asiatische Gegenstück New Yorks. Nicht anders sieht heute Singapur aus, das genau wie Malaysia die Bedingungen für die Mitgliedschaft in der Europäischen Union erfüllen würde.

Die berühmteste britische Kolonie, Indien, ist die größte Demokratie der Welt. Sogar in Afrika, wo Erfolg ein weitentfernter Begriff ist, geht es der Mehrheit der ehemaligen britischen Gebiete besser als anderen dortigen Staaten. Wie ist das möglich?

Das hängt damit zusammen, daß in der britischen Zeit die Ehrfurcht vor dem Recht, der Glauben an Regeln, der Sinn für fair play und Angelegenheiten wie die Meinungsfreiheit Wurzeln schlugen ... Als die Völker der dritten Welt nach Freiheit verlangten, waren die von Britannien verwalteten Länder am besten darauf vorbereitet, nicht in ihren Wellen zu ertrinken."

Trifft nicht ganz meine Meinung - ist aber ein interessanter Aspekt. Wie auch immer - Indien feierte am 15. August 2007 den 60. Jahrestag seiner Unabhängigkeit - und ich habe allen Grund zur Gratulation!

Rajasthan

Das nächste Projekt von KD wurde nach einer sorgfältigen Vorbereitungszeit von fast 3 Jahren eine glanzvolle Premiere in der Reisezeit 1996/97. Da wir mit dem Landadel der Rajputenfamilien eine Reise ins alte Rajasthan machen, wählen wir auch den alten Namen dieser Wüstenregion: Rajputana.

Möchtest Du Dich "in die Wüste schicken" lassen? Dem höfischen Lebensstil der Royal Families des heutigen Rajputen-Adels beiwohnen, geführt vom Fürsten die wilde Vergangenheit in prachtvollen Forts und Palästen lebendig werden lassen? Dann wähle die RAJPUTANA-DISCOVERY!

Auf Kamelen & Ochsenkarren durch Wüsten & malerische Dörfer. Burgen, Forts, Paläste - Maharaj Chandra (Foto) führt uns persönlich auf den Spuren einer kriegerischen Vergangenheit.

Erwarte aber auch dort nicht den perfekten 4-Sterne-Luxus! Deine Gastgeber pflegen nach wie vor den trad. fürstlichen Lebensstil - ihre prachtvollen Trutzburgen hingegen sind vom Zahn der Zeit benagt, die alten Möbel der Gästezimmer angestaubt und die Uniformen der Diener haben Flecken & Flicken. Doch gerade das macht die nostalgische Atmosphäre dieser Reise aus - und die vielfältigen Mahlzeiten sind auf jeden Fall königlich!

Ich habe lange gezögert, in den Norden Indiens zu ziehen. Es ist doch bekannt, daß von allen Touristen, die Indien besuchen, der größte Teil nach Rajasthan kommt. Da waren wir von Kerala doch verwöhnt: Auf Vettikavumgal waren wir im Umkreis von etwa 100 km die einzigen weißen Reisenden.

Aber dann habe ich doch die Einladung der Fürsten angenommen und lernte Chandra und seine liebenswerte Familie kennen. Sein voller Name und Titel ist Maharaj Chandrashekhar Singh of Raoti, und wenn 11 Generationen zuvor sein Ahnherr nicht der 2. Sohn des Maharajas, sondern der Erstgeborene gewesen wäre - dann wäre Chandra heute der amtierende Maharaja von Jodhpur.

Für ihn wäre es ein zweifelhaftes Glück - für uns Pech. Denn dem Luxustourismus, der im Maharaja-Palast Umaid Bhawan zu Jodhpur flaniert, dem wollen wir ja möglichst ausweichen.

Und deshalb zeigt Dir die RAJPUTANA DISCOVERY, daß man lediglich ein paar Kilometer von den Trampelpfaden der Großtouristik abweichen muß, um das farbenprächtigste Indien in seiner vollen Ursprünglichkeit zu erleben.

Rajasthan, kurz skizziert

Rajasthan ist mit einer Fläche von 342.239 qkm der zweitgrößte Staat Indiens. Insgesamt 44 Mio. Menschen leben hier (1991), die Rajasthani oder Hindi sprechen. Rund 75 Prozent der Bevölkerung sind Hindus, darüber hinaus gibt es als Minderheiten Muslime sowie Angehörige verschiedener Stammesreligionen.

Der Staat wurde 1948 aus zehn Fürstenstaaten gegründet, zu denen 1949 nochmals vier hinzukamen. Rajasthan ist umgeben von Pakistan im Westen, Punjab, Haryana und Uttar Pradesh im Norden und Nordosten, Madhya Pradesh im Westen und Gujarat im Süden. Hauptstadt des Staates ist Jaipur, bekannt als Pink City.

Wichtiger Wirtschaftsfaktor ist die Landwirtschaft: Hirse, Weizen, Mais und Baumwolle werden hier angebaut. Das verarbeitende Gewerbe stellt in erster Linie Textilien, Glas, Zement und Zucker her.

Rajasthan mit der Wüste Thar und dem Aravalli-Gebirgszug, seinen Palästen, Forts und seinen kriegerischen Rajputen entspricht am meisten dem bei uns gängigen Indienbild. Die Rajputen sind als heldenhafte Kämpfer bekannt, die eher in den Tod gingen als sich dem Sieger zu beugen. Auch ihre Frauen zogen den Feuertod der Unterwerfung vor. Den Rajasthani ist dieser Stolz auch heute noch anzusehen. Rajasthani sind als Volksgruppe durch ihre Kleidung sofort zu erkennen. Die Männer tragen Turbane und die Frauen statt Saris Röcke, Blusen und ein großes Tuch, das in den Rock gesteckt und wie ein Sari über den Kopf gezogen wird.

Die interessantesten Orte haben Chandrashekar und ich für Dich ausgewählt: Jodhpur, Jaisalmer, Pushkar, Udaipur, und Jaipur sowie Agra in der 4. Woche. Die Ansicht von Udaipur ist vielen aus den Filmen “Der Tiger von Eschnapur” und „James Bond 007 - Octopussy“ bekannt. Um für einige Tage richtige Wüstenatmosphäre zu erleben und eine Kamelsafari zu unternehmen, bietet sich der Besuch in Jaisalmer an. Das Wohnen im Fort mit den wunderschönen Steinmetzarbeiten ist ein ganz besonderes Erlebnis. Um mal der Hitze entfliehen, werden wir Mount Abu auf 1.220 m Höhe besuchen. Hier kann man Näheres über die Jains erfahren, denn Mount Abu ist der bedeutendste Pilgerort der Jains. Rajasthan ist auch bekannt für seine farbenfrohen Feste, vor allem sollte man das Pushkarfestival im November nicht versäumen.

Neben den wichtigsten Kulturzentren steht die Begegnung mit den Rajasthanifamilien im Vordergrund. So besuchen wir auch weniger bekannte Orte wie Daspan, Dungarpur, Chandelao, die Stammesdörfer um Jodhpur, Osiyan und Mandore. Je nach Termin stehen auch die Burgen von Khejarla oder Nimaj auf unserer Hitliste.

Wir haben uns viel vorgenommen.

Daß unsere Gäste dieses Programm dennoch nicht als stressige Hetzerei empfinden, liest Du im Rajputana-Forum. Wir verdanken das der ortskundigen Beratung von Chandrashekar Singh. Er ist die „Schlüsselfigur“ der Rajputana Discovery.

Chandra besitzt die Schlüssel zu den Kastellen, Burgen und Schlössern seiner fürstlichen Freunde und nicht zuletzt auch den Schlüssel zu den Herzen seiner Gäste.

 

 

 

 

Rajasthan-News

(Aus den TravelNews - akt. 18.8.01) Auch in der Tharwüste des indischen Nordens beträgt die Grundreisezeit nun 21 Tage - wie bei unseren anderen Discoveries aufzustocken auf 28 Tage. Oder auf Wunsch noch länger. Hauptgastgeber bleibt der Maharaj Chandrashekhar Singh of Rathor (Chandra) aus der königlichen Familie des Maharajas zu Jodhpur. Er und seine Familienangehörigen begleiten und betreuen uns fast auf der gesamten Rajputana-Discovery. Nicht dabei ist Chandra auf unserem Ausflug nach Jaisalmer: Dort sind wir unter der Obhut von Prinzessin Divya und wohnen in der prächtigen, über 200 Jahre alten Nachana-Haveli ihres Vaters, des Maharaj Kishan Singh of Nachana. Ebenfalls nicht dabei ist Chandra in der Verlängerungswoche. Aber Chandra ist für alle Stationen die "Schlüsselfigur" - im wahrsten Sinne: Die Royal Families des Rajputenadels pflegen engste Kontakte, und Chandra ist in diesen Kreisen sehr beliebt. Durch ihn öffnen sich für uns die schweren Tore zu den Burgen und Palästen seiner Freunde. Dennoch ist er weder hochnäsig noch distanziert, und niemand von uns muß einen Nachhilfekurs in höfischer Etikette belegen - unsere Gäste bestätigen das gern.

Die neuen Routen von 2000 haben sich bewährt: Die 3 Tage im Chandelao Garh als Gast von Thakur Pradyuman Singh und seiner Familie sind bei unseren Gästen besser angekommen als erwartet. Safari mit trad. Kamel-Karren, Besuch urspr. Dörfer, Wüstenwanderung, Candlelight-Dinner auf dem Dach des Castle Chandelao. Von Chandelao führt der Weg nach Udaipur über Ranakpur. Die prächtigen Sakralbauten der Jains in Ranakpur gehören zum Weltkulturerbe - ein weiteres Highlight auf unseren neuen Routen.

Auf der Sonderreise im Oktober/November übernachten wir künftig auch im Fort Nimaj und zum Pushkar-Festival in Komfortzelten mit Einzelbetten und eigenem Bad - mitten auf dem größten Kamelmarkt der Welt.

Selbst wenn Du bereits in Rajasthan warst - wenn Du Chandra wiedersehen und Dich von Bhavna verwöhnen lassen möchtest, wenn die Stippvisiten in Jaisalmer und Udaipur zu kurz waren und Du jede Menge Neues in Zentral-Rajasthan entdecken möchtest - ein Mitreiseantrag findet sich zum Ausdrucken und Faxen bei KD-online.

 

"Up, Up and Away 2008" - Bernd in Rajasthan

(Aus den InderNettNews 451)   Ankunft in der Tharwüste - Rajasthan ist das Thema. Nicht mal ganze vier Wochen Zeit haben Neffe Sascha und ich diesmal für Indien. Ich, der ich seit 25 Jahren gegen Turbotourismus wettere, stelle mich den Zwängen von Saschas Resturlaubsansprüchen und hetze mit ihm in dieser kurzen Zeit von Süd nach Nord durch den Subkontinent. Und habe auch noch die Stirn, ausführlich darüber zu schreiben. Das ist so widersprüchlich wie Indien selbst. Und genau das ist der Punkt.

Diese Reise ist nämlich kein Eingeständnis, dass es wider alle Predigten doch schneller geht. Denn ich habe mich der Zeitverknappung nicht gestellt. Ich habe es wie immer ruhig und entspannt angehen lassen - und deshalb hat der arme Sascha auf seiner ersten Indienreise nicht einmal einen Bruchteil der Schönheit Indiens zu sehen bekommen, die ich Euch auf einer Kerala Discovery oder Rajputana Discovery zeigen kann. Aber die vielgerühmte Gastfreundschaft hat er genossen, und wie ich auch ein paar vielversprechende Geschäftskontakte knüpfen können. 

Die Route Süd-Nord habe ich vorgegeben. Kerala halte ich seit jeher für den besten Einstieg nach Indien. Dort, wo es keine Slums, keine Bettler und die freundlichsten Inder gibt, kann der Indienneuling sein Indienbild zunächst einmal um etliche Vorurteile bereinigen. Aber auch was das Reiseklima angeht, besucht man Kerala am besten zuerst. Das Klima hat einen wesentlichen Einfluss auf die Erlebnisqualität.

Es ist sehr viel angenehmer, sich zuerst an das feuchtwarme Tropenklima Keralas zu gewöhnen. Wenn Du dann in die Nachbarprovinzen weiter ziehst, ist das erheblich angenehmer als umgekehrt. So habe auch ich diesmal die Route für Sascha und mich so geplant: Zuerst Keralas Malabarküste im Strandresort von Lalitha zum Akklimatisieren, dann ins Hinterland auf unsere Tropenfarm - und zum Schluss ins trockene Wüstenklima Rajasthans.

Weil zum Reisen auch immer ein wenig Glück gehört, muss ich mich zusätzlich beim Wettergott bedanken: Wären wir zuerst nach Rajasthan geflogen, hätten Erfrierungen gedroht. Denn während im molligen Kerala das Deodorant zu versagen drohte, drängten sich die Rajputen der Tharwüste im Hof ihrer heizungslosen Burgen um die Holzfeuer: Rajasthan schnatterte unter einer für die Jahreszeit ungewohnten Kältewelle, die pünktlich zu unserer Ankunft zuende war.

Das Land der Wüstenfürsten

Jodhpur, die alte blaue Maharajastadt im Zentrum des alten Rajputana ist unser Ziel. Hier sind wir Gäste im Indrashan, dem Haus von Maharaj Chandrashekhar Singh of Raoti und seiner Rani Bhavna. Wenn ich eingangs die Keraliten als die freundlichsten Inder bezeichnet habe, so sind die Rajputen Bhavna & Chandra die berühmte Ausnahme von der Regel. Es sind ohne Zweifel die liebenswürdigsten Menschen, die ich - abgesehen von meiner Keralafamilie - je in Indien kennen gelernt habe.

Dazu kennt Chandra jeden, der im nordindischen Adel Rang und Namen hat. Er wurde deshalb schnell wortwörtlich zur Schlüsselfigur unserer Reisen: Er öffnet die Türen zu immer neuen Adelsfamilien, die sich von seinen Ideen vom Homestay-Tourismus anstecken ließen. Auch auf dieser Reise werde ich neue Standorte und Gastgeberfamilien für unsere Rajputana Discovery kennen lernen.

Aber auch neue Kontakte zu Kunsthandwerkern hat Chandra für mich knüpfen können. Schließlich ist es die schönste Nebensache meiner Indienreisen, sozusagen "Beutekunst" in Containern nach Deutschland zu verfrachten. Doch erst einmal wird bei Bhavna & Chandra Wiedersehen gefeiert.

Angenehm ist übrigens, dass der Indrashan-Bungalow unserer Gastgeber nur wenige Minuten vom Jodhpur Airport entfernt ist. Der liegt ziemlich nah am Stadtzentrum, was bei innerindischen Flughäfen durchaus die Ausnahme ist. In Udaipur und Calicut sind die Airports beispielsweise mindestens 20km von der Stadt entfernt. Aber auch in Jodhpur soll bald der zivile Flughafen weit außerhalb entstehen, denn das Militär will den jetzigen Airport nun ganz für sich allein.

Zu Gast im Indrashan

Chandras Indrashan ist ein beliebtes Ziel - nicht nur für unsereins. Warum sie alle gerade hierher kommen, weiß ich nicht. Aber um den Indrashan versammeln sich jeden Morgen kurz vor Sonnenaufgang anscheinend sämtliche Vögel des Subkontinents zur Tagesbesprechung. Das ist ein vieltausendfaches Gezwitscher und Geschnatter, dass ich spätestens um sechs Uhr wach bin. Wenn Dhan Singh mit meinem Bed-Chai klopft, sind die meisten Vögel bereits wieder in alle Himmelsrichtungen aufgebrochen.

Bhavna hat das große Zimmer oben auf der Terrasse für mich hergerichtet. Die oberen Zimmer sind erst nach meinem letzten Besuch angebaut worden, und Bhavna & Chandra haben nun 7 Gästezimmer. Mit 23 Schaltern und Ventilatorreglern kann man mein Zimmer "electrical overdressed" nennen. Jede der 8 Deckenleuchten lässt sich einzeln schalten, und bis zum letzten Tag war es meistens der zuletzt probierte Schalter, der die gewünschte Lampe leuchten ließ. Im Memory-Spiel war ich noch nie gut...

Der ca. 24 qm große Raum hat 3 Deckenventilatoren und eine Klimaanlage. Es ist zum Glück eine ganz moderne A/C, die fast lautlos arbeitet und mit Fernbedienung exakt einstellbar ist. Also stelle ich sie auf 30 Grad, und es ist angenehm kühl, wenn ich von draußen komme. 30 Grad sind kühl, fragst Du? Sind sie, wenn draußen 40° C herrschen...

Von den meisten (älteren, schlecht regulierten) Klimaanlagen rate ich nach wie vor ab. Sie sind immer noch die Ursache für die Tropenkrankheit Nr. 1 - die fieberhafte Erkältung. Ich nutze die A/C nur, wenn sich die Innentemperatur zuverlässig um 5-10°C senken lässt - mehr ist ungesund.

Auf der Terrasse vor meinem Zimmer kann man schneeblind werden, wenn mittags die Sonne fast senkrecht über den weiß gekalkten Wänden steht. Kein Lüftchen rührt sich, und das Thermometer klettert jetzt schon im frühen März auf 40 Grad. Eine trockene Hitze, die erträglich ist. Ich stelle mir vor, wie ich wohl schwitzen würde, wenn im tropisch feuchten Kerala die Temperaturen so hoch wären. Hier in Rajasthan schwitzt man kaum. Ab und zu ein feuchter Rücken auf den Kunstledersitzen des alten Mahindra-Jeeps, mit dem Deepak uns über die Dörfer schaukelt. Dann beuge ich mich vor und lasse den Fahrtwind ans Hemd. Das kühlt herrlich - ist aber im Nu wieder trocken.

Sascha hat sich dick mit Lichtschutzfaktor 30 beschichtet und es in der Glut der Terrasse einmal fast 15 Minuten ausgehalten. Sonnenbaden ist aber noch nie mein Ding gewesen. Wenn ich nach meinen Indienreisen zu Hause aus der Dusche steige und mein Spiegelbild betrachte, muss ich lachen: Der ganze Körper ist schweinchenrosa - nur der linke Unterarm ist knackig braun. Den habe ich in Indien im Auto immer im Fahrtwind des offenen Fensters.

Klingt zwar heiß - aber wir vertragen das Klima gut. Jedenfalls besser als die Kältewelle wenige Tage vor unserer Ankunft. Tags gab es da nur 25°C und nach Sonnenuntergang fielen die Temperaturen oft in Gefrierpunktnähe, und Bhavna & Chandra saßen nach dem Dinner mit ihren Gästen im Atrium um einen Holzofen herum und froren. Das war vor 10 Tagen aber ganz plötzlich vorbei. Glück gehabt.

Wiedersehen mit alten Freunden

Zum Dinner geben mir die Jodhpur Royals die Ehre. Fast alle sind sie da, die ich in den letzten 15 Jahren lieb gewonnen habe: Thakur Mahipal Singh of Daspan und seine Thakurani Durgeshwari, Chandras Schwager Commander Chouhan nebst Frau Neeru, Cousin Bhanu und seine Frau Siddhi und Bhanus Bruder Chandraveer mit Frau Marudhar.

 

 

Bhanu und Chandraveer haben nach meinem letzten Besuch geheiratet, und ihre Frauen sehe ich heute zum ersten Mal. Bhanus Siddhi ist die Jüngste in der Runde, und bei der traditionellen Begrüßung der höherrangigen Adligen hüpft sie wie ein Hase in der Runde, weil sie vor jedem mit gebeugtem Haupt und gefalteten Händen tief in die Hocke geht. Sascha verfolgt die Begrüßungsrituale mit Staunen und ist froh, dass die komplizierten Respektsbezeugungen für uns Europäer nicht gelten.

Während vor dem Dinner in gemütlicher Runde fast 2 Stunden gebechert wird, verabschieden sich üblicherweise die Gäste nach dem Essen sehr schnell. Mahipal lässt es sich beim Abschied nicht nehmen, uns für den übernächsten Abend bei sich zum Abendessen einzuladen.

 

Chandelao 2008

(Aus den InderNettNews 451)  Auch Thakur Pradyuman Singh of Chandelao hat uns das Versprechen abgenommen, sein Chandelaogarh zu besuchen. Es habe sich so manches getan seit meinem letzten Besuch. Also steigen wir zusammen mit Chandra und seinem Schwager Chouhan ins Auto und fahren 40 km hinaus aufs Land.

In Pradyumans altem Castle gibt es auf der Terrasse erst einmal Chai, und der Hausherr erzählt stolz von seinen neuesten Projekten. Weitere Zimmer sind in den ehemaligen Stallungen des Chandelaogarh entstanden, Solaranlagen auf dem Dach versorgen jetzt die Gästezimmer mit warmem Wasser.

Chandelao-Tipp: Denkt daran, dass diese Solar-Technologie ihre Tücken hat: Je nach Rohrlänge dauert es ungewöhnlich lange, bis das warme Wasser aus den Hähnen kommt. Bei Raju und Lalitha in Kerala war das auch so - mit dem Unterschied, dass Kerala genug Wasser hat.. Denn die lange Leitung erhöht bei den weiter vom Warmwassertank entfernten Zimmern den Wasserverbrauch enorm. Und Trinkwasser ist in dieser Wüstenregion kostbar. Da sollten nicht 20 Liter Wasser ungenutzt durch den Abfluss gejagt werden - bloß weil Du die Zähne putzen möchtest. Der Umweltvorteil der Solartechnik wird dadurch wieder zum Nachteil.

Mit 7 Dienern/innen unter der Leitung von Pradyumans Cousin Harsh ist das Castle inzwischen auf einen größeren Gästeansturm eingerichtet. Cousin Harshvardan sieht man deutlich an, dass seine Mutter aus den nördlichen Himalayaregionen stammt. Er ist sympathisch und sehr hilfsbereit - sieht aber aus, wie man sich die kriegerischen Mannen des Dschinghis Khan vorstellt.

Kerala Discovery hat vor ein paar Jahren die ersten Gäste nach Chandelao geschickt, und Chandra und ich wussten, dass die Bewirtschaftung des Castle mit den wenigen KD-Gästen auf Dauer nicht möglich war. Dass ist immer unser Problem bei allen Gastgebern in Rajasthan gewesen: Die alten Anwesen der Fürsten verlieren im Zuge des Wachstums früher oder später ihre touristische Jungfräulichkeit.

Aus unserem Homestay-Urlaub mit Familienanschluss wird schlimmstenfalls ein unpersönlicher Hotelbetrieb. Selbstverständlich bleibt das nostalgische und noble Flair der Unterkunft - das aber reicht nicht für KD: Wir wollen nach wie vor die Begegnung mit den Menschen im Vordergrund sehen.

Während wir aus diesem Grund schon mehrfach Gastgeber gewechselt haben, die nach einem sehr persönlichen Start mit uns nach kurzer Zeit allzu touristisch geworden waren, hat Chandelao sich bis heute seinen privaten Charme bewahrt. Das liegt daran, dass Pradyuman außer mit KD nur noch mit einem schwedischen Veranstalter zusammen arbeitet. Dessen Name Basecamp Explorer lässt schon erahnen: Die Schweden vertreten eine ähnliche Reisephilosophie wie wir. Denn nicht nur die Menge der Touristen ist maßgeblich für eine negative Veränderung der Dörfer, auch die Einstimmung der Reisenden durch die Veranstalter hat einen großen Einfluss darauf, wie die Touristen letztendlich den Einheimischen begegnen.

Es ist im Dorf Chandelao deutlich spürbar, dass hier der Sanfte Tourismus regiert. Es waren schon viele Besucher aus aller Welt hier - aber dieses Dorf hat sich bis heute eine Ursprünglichkeit bewahrt, die bei anderen viel schneller verloren gegangen ist. Während uns anderswo durch aggressives Betteln der Besuch der Dörfer verleidet wird, begegnen uns die Menschen aus Chandelao mit freundlicher Zurückhaltung.

Mit der Gründung des Projekts Sunder Rang haben die Schweden einmal mehr bewiesen, dass ihnen die Menschen der Dörfer am Herzen liegen. Anna Lewerth von Basecamp hat zusammen mit Thakur Pradyuman Arbeitsplätze für benachteiligte Frauen der Region geschaffen. Unmittelbar neben dem Chandelaogarh wird nun fleißig, genäht, gewebt und gestickt. Stoffe werden im überlieferten Blockprint-Verfahren bedruckt, und in der Boutique kann man die fertigen Produkte auch kaufen. Das Design vieler Textilprodukte ist auf den europäischen Geschmack abgestimmt.

Aber das Projekt will auch andere traditionelle Handwerkskunst aus der Region fördern und vermarkten.

(Reisebericht erschien in den InderNettNews 451, wo noch viele weitere Fotos aus Chandelao zu sehen sind)

 

Grußworte der Gastgeber

Schau einmal in der English Area vorbei - dort liest Du die Grußworte unserer Gastgeber im Originaltext. Briefe von Maharaj Chandrashekhar aus Jodhpur sowie von Prinzessin Divya und Prinz Vikram aus Jaisalmer sind dort bereits veröffentlicht. Es wäre schade, diese authentischen Worte ins Deutsche zu übertragen. Du weißt - Übersetzungen sind wie Frauen: Die Schönen sind nicht treu, und die Treuen sind nicht schön...

 

Places & People - Unterkünfte und Gastgeber

 

 

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