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1. Reiseziele Hier berichten die
Orissa-Gäste... |

Orissa-Gäste - ihre Reports
im Dialog mit Bernd
Diese Rubrik wurde am
28. Juni 2003 aktualisiert
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Nur morgens ein Tuch um die Schultern - wegen der
Nachtkühle. Ansonsten sind die Frauen der Bonda (nacktes Volk) nur mit ihren
unzähligen bunten Perlen bekleidet |
Mit einem gestandenen Team aus „KD-geprüften“ Teilnehmern sind wir im Februar 2000 aufgebrochen, um in Indien Neuland zu entdecken. Von langer Hand geplant war dieses Abenteuer kurz vor seinem Start durch den verheerenden Cyclon (Ende Oktober 1999) noch einmal infrage gestellt: Konnten wir es wirklich wagen, in ein von Naturgewalten verwüstetes Land zu fahren, ohne uns gleich als Katastrophentouris fühlen zu müssen? Nach sorgfältiger Prüfung zeigte sich jedoch, daß nur ein kleinerer Teil des Bundesstaates Orissa betroffen war. Das Gebiet, wo der Sturm am schlimmsten getobt hatte, lag nicht auf der geplanten Route. Allerdings haben wir dann später im Gebiet von Puri und Konark furchtbare Verwüstungen gesehen - obwohl wir dort von der Route des Wirbelsturms viele Kilometer entfernt waren!
Auf dieser Erkundungsreise wollten wir in 4 Wochen alles sehen, was die Oriyas - so nennen sich die Einwohner Orissas nach der Landessprache Oriya - für zeigenswert hielten. Aus diesem Fundus wollen wir später die schönsten Ziele für eine neue Discovery auswählen.
Bedenkt diese Intentionen, wenn Ihr die Berichte unserer Teilnehmer/innen lest: Was uns nicht gefallen hat wird geändert oder ausgelassen, wenn wir die „KALINGA-DISCOVERY“ aus der Taufe heben. Kalinga ist der Name des alten Orissa - ein Land, daß man mit Recht als weißen Fleck auf der Landkarte des Tourismus bezeichnen kann. Und trotzdem - wir haben eine Menge ursprüngliche Winkel gefunden und festgestellt: Eine Kalinga-Discovery ist es wert. Allerdings - eine Reise kann nur dann wirklich gelingen, wenn wir die Teilnehmerzahl streng limitieren! Das ist immer schon KD-Prinzip in Kerala und Rajasthan - und in Orissa um so wichtiger.
Das bringt auch Marion zum Ausdruck, die sich heute als erste Teilnehmerin zu Wort meldet. Mit ihr zusammen war ich nach unserer Keralareise im Januar nach Mumbai geflogen, um mit dem restlichen Team dort zusammenzutreffen und gemeinsam nach Bhubaneswar zu fliegen.
Nicht alle Reports sind seitenlang – was nicht heißt, daß Kurzberichte weniger gehaltvoll sind. Herbert aus Wien war mit Kerala Discovery im Nov/Dez in Orissa:
Hallo Bernd !
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Indien ist ein verrücktes
Land, nicht immer „schön“, aber immer interessant! Unsere Reise war ein starkes
Stück, im positiven Sinn !
Gut gesagt! Aus diesen Worten geht schon hervor, daß Herbert nicht zum ersten Mal in Indien war. Und das ist wichtig: Orissa ist ein Ziel, das sich nicht so sehr für Indienneulinge eignet. Schade nur, daß eines der Highlights genau zu dem Zeitpunkt gesperrt wurde. Wegen der Regionalwahlen war unseren Freunden der Weg ins größte Flußdelta der Welt versperrt. Die Behörden fürchteten Unruhen bei den Stammesgruppen und um die Sicherheit der Ausländer:
Negativ war natürlich die
Absage der Sunderbans, besonders Gerhard war schwer enttäuscht. Als
Ersatzprogramm diente ein Stadtprogramm von Kolkata und eine Reise nach
Shantiniketan (Universität und Sitz von Rabindranath Tagore) , für ein
Tagesprogramm ist das allerdings zuwenig. Weiters besuchten wir Vishnupur, (sehr
interessant), besonders die eigenwilligen Tempel sind sehenswert.
Weiters hatten wir
aufgrund des Mottos von Kerala Discovery etwas mehr Familienanschluß erwartet.
Dass das nicht so einfach ist in
Indien, hat uns Sanghamithra dann erzählt.
Das waren die Punkte, die
uns nicht so gefallen haben.
Familien zu finden, die mit entsprechenden Gästezimmern für unsere Ansprüche gerüstet sind, ist in dieser Welt tatsächlich nicht so einfach. Wenigstens haben wir die fürstlichen Nachkommen der ehemaligen Kalinga-Herrscher für uns gewinnen können, die uns ihrem Familienpalast zu Dhenkanal aufnehmen.
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Nun zu den positiven
Seiten. Die Betreuung durch Sanghamithra war erstklassig, Sanatan hat sich wirklich
äußerst engagiert, auch der Driver war schwer in Ordnung.
Sanghamithra („Mitra“)ist die gute Seele des Kalinga-Programms, das sie mit ihrer ganz privaten Energie organisiert. Gleichzeitig hat sie als Agentin von Swosti-Travels die Beziehungen der größten Travel-Agency Orissas im Rücken. Sanatan ist uns als hilfsbereiter Tourbegleiter ans Herz gewachsen – immer dann, wenn Mitra aus Termingründen nicht selbst mit unseren Gästen reisen kann, ist Sanatan aus der männlichen Riege die erste Wahl.
Eine äußerst positive
Überraschung war die Anzahl und die teilweise Ursprünglichkeit der Stämme in
Orissa.
Der Aufenthalt beim Raja
von Dhenkanal hat wirklich alle Erwartungen übertroffen, der Raja selbst war
sehr sympathisch und das Ambiente des
alten Schlosses ist etwas
Außergewöhnliches.
In der Umgebung von
Dhenkanal wären sicher viele Sehenswürdigkeiten anzusehen, die sich aufgrund
des Terminplanes aber leider nicht ausgehen. Sein Onkel , der in der Nähe
wohnt, hat uns z.B. angeboten mit ihm in den Busch zu gehen und die
Wildelefanten zu beobachten, das würde aber einige Tage erfordern.
Vielleicht könnte man in
Zukunft Dhenkanal zum Zentrum machen und von dort Stämme oder
Naturschutzreservate besuchen ?
Die von Dhenkanal aus erreichbaren Stammesdörfer sind wenig reizvoll, verglichen mit den Stämmen im „Wilden Westen“ Orissas – das werdet Ihr mangels Vergleich nicht nachvollziehen können. Wir aber waren dort auf unserer Pionierreise und haben für die Kalinga Discovery später die Highlights ausgewählt, die man in 21/28 tagen schaffen kann.
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Doch Du hast durchaus recht: Dhenkanal Palace und die Familie des derzeitigen Yuvraj ist eine Sonderreise wert!
Die Unterbringung in den Hotels
war für indische Verhältnisse direkt luxuriös (das war ich von meinen früheren
Reisen nicht gewohnt) , das Essen immer gut, sehr oft sogar ausgezeichnet und meistens zuviel, so daß wir immer eine
Mahlzeit gestrichen haben, um nicht aus Indien mit ein paar Kilos zuviel
zurückzukommen !
Das kehrt wieder den höflichen und indienerfahrenen Traveller hervor: „luxuriös“ ist selbst mit der Einschränkung „für indische Verhältnisse“ doch etwas gewagt – wenn man andererseits die fast gar nicht entwickelte Region berücksichtigt, so haben wir schon das Beste, was zu bekommen ist. Doch erwartet nicht zu viel, Orissa-Interessenten!
Das war’s für erste , ich
werde Dir noch eine ausführliche Reisebeschreibung nachliefern !
Darauf freut sich die INN-Leserschaft mit Sicherheit, denn wir haben lange keine Reiseberichte aus Orissa und Umgebung gelesen!
Summa summarum eine
großartige Reise !
PS: Die letzte Woche war
ich in Sikkim, wo ich gerade zu den Maskentänzen in den Klöstern
zurechtgekommen bin. Dieser Teil von Indien hat mich schwer beeindruckt. Die
einsamen Klöster auf den Bergspitzen, das noch dicht bewaldete zerklüftete
Bergland mit dem Kangchenzonga im Hintergrund, die freundlichen Leute und die
Kultur der Bergvölker ist vielleicht ein lohnendes Ziel von Kerala Discovery.
Mit freundlichen Grüßen –
Herbert
Sikkim klingt schon immer reizvoll – doch meiner Kapazität sind Grenzen gesetzt. Dennoch planen Chandra und ich, dem Himalaya in Kürze etwas näher zu kommen.
Danke für die Vorabskizze Deiner Kalinga Discovery, lieber Herbert! Vergiß nicht, ein paar Fotos für Deine Fortsetzung zur Verfügung zu stellen. Für diesmal mußte ich mich noch aus der Orissa-Galerie bei KD-online bedienen...
Nach zwei erholsamen Wochen in Kerala war ich bereit für
das Abenteuer Orissa.
Und ich war vielleicht überrascht, am Samstag morgen die
ganze Gruppe im Restaurant des Hotel Sahar Garden sitzen zu sehen. Müde zwar,
aber da. Ein schönes Gefühl, mit alten Freunden neues Terrain erobern zu
können.
Bei allem neuen, das auf uns zukam, war es schön Chandras
Gesicht in der Menge am Flughafen von Bhubaneswar zu erblicken. Die ersten
Blickwechsel mit Sanghamithra und Sampad waren fremd und ich hatte keine Idee,
was daraus werden könnte.
Als
wir am nächsten Morgen in unseren Bus eingestiegen sind und da vier junge
Männer (unser Guide Sampad, der Driver und noch zwei) vorne saßen, von denen ich nicht wußte, wozu die da sein sollten.
Ich dachte, ein oder zwei von ihnen nehmen wir nur ein Stück mit und die
steigen dann wieder aus. Glücklicherweise sind sie erst am Ende unserer Reise
wieder ausgestiegen, wie sich bald herausgestellt hat.
Marion als exotisches Ausstellungsstück: Touristen sind so selten in Orissa, daß sie für die Bevölkerung hinter starken Eisengittern zur Schau gestellt werden .... (Könnte man meinen. Ich war übrigens ebenfalls in diesem Gehege und habe diesen Schnappschuß gemacht)
Meine Eindrücke auf dem ersten Streckenabschnitt waren
gemischt. Schon in einigen kleinen Nebenstraßen von Bhubaneswar haben wir am Vortag
bei einem Spaziergang die Spuren des Zyklons gesehen und auch auf der Fahrt
haben wir viele entwurzelte und umgeknickte Bäume gesehen. Etliche Strommasten
und dünne Palmen standen total schief in der Landschaft und ich habe mich
gefragt, wo da die Angriffsfläche für den Sturm war. Mir wurde bewußt mit
welcher Wucht dieses Unwetter über das Land gefegt sein muß. Aber richtig
vorstellen kann es sich wohl keiner von uns - wie auch Sampad uns erzählt hat.
Er und die anderen drei unserer Crew haben ihre Häuser verloren. Wie haben
diese Menschen sich geschützt und wo in Sicherheit gebracht???
Im weiteren Verlauf unserer Reise haben wir als
Außenstehende von den Folgen des Zyklons nichts gespürt. Erst am Schluß, auf der
Fahrt nach Konark, sind wir noch mal durch ein Waldstück direkt an der Küste
gefahren, das vollkommen zerstört war. Überall standen Schilder “Picnic in the forest
is not allowed!“ In welchem Wald
- habe ich mich gefragt.
Die Landschaft in Orissa fand ich wenig
abwechslungsreich, was auf den langen Busfahrten besonders störend war.
Allerdings habe ich auch nirgends so ein wunderschönes GRÜN gesehen, wie die
Reisfelder in Orissa. Aber wir alle haben uns nach einer Weile schon nach dem
kleinsten Hügel in der Landschaft neugierig an die Scheibe des Busses gereckt.
Zum Teil hat mich die Landschaft an Afrika erinnert - obwohl ich dort nie war.
Und
nicht nur die Landschaft. Wenn ich mir meine Photos von den Bonda anschaue,
gehören die für mich auch nicht unbedingt nach Indien. Sowohl der Körperbau,
die Bewegungen als auch der Schmuck und die Kleidung haben mich oft zweifeln
lassen, ob ich wirklich noch in Indien bin.
Bekleidet mit unzähligen Ketten aus bunten Perlen: Bonda-Frauen
Diesen Menschen von den
Stämmen der Bonda, Kondh und Gadhaba zu begegnen, war für mich eines der
schönsten Erlebnisse dieser Reise, obwohl ich mich oft wie ein Eindringling
fühlte. Ich weiß nicht, womit wir unser Verhalten rechtfertigen können, wenn
wir wie eine Horde in ein kleines Dorf eindringen, dessen Einwohner einfach nur
in Ruhe gelassen werden möchten. In diesen Situationen haben sich unsere
indischen Begleiter teilweise recht ruppig verhalten, wenn sie den Tribals die
Tücher regelrecht von den Schultern gerissen haben. Ist es das wirklich wert,
die Menschen so entwürdigend zu behandeln nur für ein tolles Photo? Denn mehr
nehmen wir nicht mit. Und vielleicht ist das schon zu viel.
Besonders in diesen Momenten habe ich empfunden, daß die
Gruppe zu groß war. Vier Leute würde ich ideal finden - Guide und Driver kommen
ja auch noch dazu.
Auf der Fahrt nach Bhitarkanika habe ich mich das erste
Mal so richtig fallenlassen und in mein Schicksal gefügt. Die Bootsfahrt in der
Dunkelheit - nachdem wir viel zu spät abgefahren waren - schien kein Ende zu
nehmen. Ein paarmal habe ich mich gefragt, was wir machen, wenn plötzlich der
Motor ausfällt. Am Ufer war kein einziges Licht zu sehen, nicht mal das
winzigste Öllämpchen. Für mich ein Wunder, woran der Bootsführer sich überhaupt
orientiert hat. Als wir dann nach 1 ½ Stunden endlich am Ufer angelegt haben,
war es ja noch eine echte Kletterpartie vom Boot runter - oder rauf - und nur mit unserem Handgepäck unterm Arm
haben wir uns auf den Weg in die Dunkelheit gemacht. Mir war schon jetzt völlig
egal, ob unsere Koffer noch jemals gebracht werden oder nicht. Nach einer Weile
kamen wir an ein beleuchtetes Haus, aber das war leider nicht unseres und
wieder schien der Weg endlos zu sein. Um mich herum war es stockdunkel und ich
habe wie mechanisch einen Fuß vor den anderen gesetzt. Von der Tageszeit her
war es noch gar nicht so spät, aber es war schon so lange dunkel und deshalb
kam es mir vor wie mitten in der Nacht. Auf die Zubereitung des Abendessens
konnte ich dann nicht mehr warten - da bin ich schon vorher ins Bett gegangen.
Dabei hat sich beim Abendessen schon das erste mal die unglaubliche
Flexibilität und Einsatzbereitschaft unserer Crew gezeigt, denn sie haben dem
staff des Government Resorts beim Kochen geholfen. Sonst hätte es an diesem
Abend wohl gar nichts mehr zu essen gegeben.
Gratulation
an dieser Stelle auch an Swosti! In unserem Gepäck hatten wir Besteck, Geschirr,
Teebecher, Decken, Laken, Matten - an allem waren wir irgendwann mal froh!
Haarklammern, Ohrringe und drei Nasenringe - Kennzeichen der Dongharia Kondh Frauen - bei den älteren kommt noch die qualmende Zigarre im Haar hinzu.
Am
nächsten Morgen war klar, warum wir am Vorabend nicht auch nur das winzigste
Licht am Ufer des Flusses gesehen haben - überall waren Krokodile. Wir bekamen
Exemplare in allen Größen zu Gesicht und - eine dramaturgische Glanzleistung -
die Größe der Tiere steigerte sich von Mal zu Mal. Als ich da nochmal an meine
Visionen mit dem Motorausfall dachte, wurde mir doppelt mulmig.
Es dauerte ein paar Tage (oder Wochen), bis wir uns auf
den ungewöhnlichen Umgang unserer indischen Begleiter mit der englischen
Sprache eingestellt hatten, aber auch danach überraschten sie uns immer wieder.
Während des Essens wisperten sie uns “Pish pry“ (gebratenen Fisch) ins Ohr, und
Gertrud wollte gerne was von dem Griesbrei.
Auch als Sanatan uns höflich bat, in den ersten Stock zu
kommen “Please come to pirst ploor“, wollte G. wissen, warum die denn schon
wieder den Passport zeigen müssen.
Mit den Buchstaben “f“ und “p“ hatten sie die meisten
Schwierigkeiten, was lustig wurde, als Sampad uns von der Schönheit und Eleganz
des “pemale dance“ erzählt hat. Was uns während der ganzen Reise nicht gelungen
ist, daß einer von unseren Guides mal den Namen ihres geliebten Nachbarstaates
Pakistan ausspricht.
Trotz allem war vor allem Sampad nie um eine Antwort
verlegen. Nach dem Motto „besser eine falsche Antwort als gar keine“ hat er mir
in Simlipal auf meine Frage, wofür die etwa 2m hohen Gestelle mit Stroh drauf
seien, geantwortet: “To protect against the elepants.“ Für die war es genau die
richtige Fresshöhe.
Ein
schönes Erlebnis war für mich in Cyonasika, unserem ersten Juang-Dorf, als wir
schon fast wieder in den Bus gestiegen waren, und der Blinde mit seinem völlig
verschlissenen T-Shirt dastand und anfing, auf seinem Musikinstrument zu
spielen. Das war so eine Kokosgeige aus dem oberen Teil eines Spazierstockes
und einer halben Kokosnußschale als Klangkörper und, ich glaube, mit einer
Saite. Er spielte und sang dazu, so daß man seine Stimme nicht mehr vom Klang
des Instruments unterscheiden konnte. Wir haben ihm ein paar Rupien in seine
Einkaufstasche gesteckt, aber das schönste war, als Gertrud ihm ein Hemd
geschenkt hat und wir ihm das gemeinsam angezogen haben. Da hat er sich
wirklich riesig gefreut. Daraufhin hat er gleich noch eine Zugabe gespielt.
Bei den Juang in
Cyonasika:
Christa
bei der Kontaktaufnahme
Auch beim Einkaufsbummel auf dem Wochenbasar: „Futterventil stets griffbereit“
In all den Dörfern war ich diesmal froh über die große
Menge an Überraschungseiern, die ich dabeihatte. Sobald ich anfing, eines
dieser kleinen Bastelfigürchen zusammenzubauen, rannten die Kinder zusammen und
es weckte auch die Neugier der Erwachsenen. Auf diese Weise ist es immer wieder
gelungen, auch mit den sonst schwer zugänglichen Tribes in etwas engeren
Kontakt zu kommen. Das ist für mich wichtiger als das aus dem Hinterhalt
geschossene anonyme Photo.
Ein wunderschöner Abschluß der Reise war Varanasi. Bis
auf das Hotel habe ich mich dort sehr wohlgefühlt. Dort hätte ich noch einige
Tage an den Ghats und in den engen Gassen der Stadt verbringen können. Vieles,
was ich inzwischen in dem Heft über Benares nachgelesen habe, möchte ich gerne
noch mal selber sehen und erleben. Trotz der Hektik auf den Straßen und der
ständigen Bewegung strahlt diese Stadt eine unheimliche Ruhe aus. Selten habe
ich mich so friedlich und ganz eins mit mir selbst gefühlt, wie an den
Cremation-Ghats. Wenn ich doch auch so enden könnte und meine Familie und ich
auch so mit dem Tod umgehen könnten. Vielleicht können wir das noch lernen. Kashi, I come again!
Falls Du nicht alles aus dem Text rausfieseln möchtest,
hier noch ein paar Schlagworte:
Klima angenehm
Guide
und Driver much more than expected
Unterkünfte wenn
nach dem Rattenloch ein Schloß kommt, ist auch das für eine
Nacht
o.k.
Sanghamitra mit
der würde ich gerne mal verreisen
Essen und Trinken
kein Vergleich zu Bhavnas
Küche, Tee nicht so lecker
Swosti super organisiert
(Packed lunch, utensils, Cool-box, Getränke)
Kultur Jaganath is not
Ganpathi! Schade, daß man in die
schönen Tempel
nicht
rein darf, viele von den Ruinen sind nicht so interessant
muß OD
enthalten die Wochenbasare von
Chatikona, Onukudelli und Baligam, Jeypore, Puri, Varanasi,
schönste Erinnerung daß
wir uns in der Gruppe so gut verstanden haben
negativste Erinnerung als
Sampad und der andere Scherge den Mädchen die Tücher
vom
Leib gerissen haben und daß all unsere vier Begleiter
ihre
Häuser beim Sturm verloren haben
Wenn Du aus meinen fast 1000 Photos welche haben
möchtest, mußt Du es mal sagen - du hast sie ja schon gesehen. Ich schicke dir
jetzt nicht auf gut Glück welche. Vielleicht mache ich es wie fast alle anderen
auch - ich schicke dir die Bilder, auf denen Du drauf bist.
Wenn Du die allerdings für Dein neues Heft oder die
Website verwendest, dann gute Nacht KD!
Marion aus Ravensburg, 28.03.2000
So bezeichnet die Mutter der Kalinga-Discovery unsere Pionierreise zu den Tribes & Temples am Golf von Bengalen. Heidi aus Basel ist es, die ich meine - mit ihr stieg und fiel das Projekt. Auf einer unserer gemeinsamen Indienreisen hatte sie von Orissa erzählt. Mit Freunden war diese Reise schon einmal geplant gewesen, aber widrige Umstände hatten das Projekt gekippt. Also habe ich mich schlau gemacht, und schließlich auch Chandra aus Jodhpur eingespannt, weil er Kontakte nach Orissa hatte. Durch ihn lernte ich die quirlige Sanghamithra aus Bhubaneswar kennen, die nach unseren Vorgaben eine Route zusammenstellte, Fahrzeuge besorgte und sich vor allem um Sondergenehmigungen kümmerte.
Alles, was die Inder für zeigenswert hielten, wollten wir uns ansehen - etwas anderes konnte ich nicht akzeptieren. Von meinen Reisen in den letzen 17 Jahren weiß ich, daß so manches für Europäer kaum von Interesse ist, obwohl es indischen Touristen den größten Spaß bereitet. Wenn man also noch nicht selbst da war, muß man reichlich Zeit mitnehmen, sich möglichst alles ansehen, und dann die Highlights zu einer neuen Discovery zusammenzusetzen.
Mit indischen Touristen kannte Sanghamithra sich nämlich aus - aus Europa waren bislang nur wenige Reisende in Orissa unterwegs.
Vielleicht liegt das daran, weil diese Region alljährlich in der Nachmonsunzeit von Überschwemmungen und Wirbelstürmen heimgesucht wird. Genau in der Zeit von September an, in der sich westliche Touristen für eine Indienreise bereit machen.
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Radler auf dem Highway No. 6 - mit dem Zyklon kam die Flut |
Genau diese Problematik hätte unsere Pionierreise beinahe auch gekippt - Ihr erinnert Euch an die beiden verheerenden Zyklone, die Mitte und Ende Oktober 1999 über den Osten dieser Provinz hergefallen sind.
Unterkünfte, Fahrzeuge und ortskundige Guides mußten spätestens im Dezember 99 bestätigt werden, wenn wir im Januar aufbrechen wollten. Und Katastrophentourismus wollten wir auf keinen Fall machen. Vier bange Novemberwochen lang habe ich täglich die Katastrophennachrichten direkt aus Orissa verfolgt, zwei Wochen dauerte es mindestens, bis ich eine Nachricht von Sanghamithra bekam: Sie meldete, daß die Telefonleitungen repariert seien und daß hinsichtlich unserer Route keine Änderungen notwendig seien - in die Nähe der schlimm verwüstete Region im Distrikt Jagathsinghpur würden wir nur auf der Strecke Puri-Konark kommen. Auch meinte sie, daß die Medien eine maßlos übertriebene Katastrophenberichterstattung forciert hätten, weil Orissa sich und seine notleidende Bevölkerung von der Welt (und besonders von den Hilfsorganisationen) vergessen fühlte.
Natürlich mußte diese Sichtweise auch durch andere Quellen verifiziert werden - ich kannte Sanghamithra nicht und mußte damit rechnen, daß sie versucht sein könnte, die Situation zu bagatellisieren. Schließlich hatte sie an dem Projekt in den vorangegangenen Monaten aktiv mitgearbeitet - das sollte nicht umsonst gewesen sein.
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7 Tage nach dem Inferno: Vor den Trümmern ihrer Hütte bearbeiten Sushma Sahu und ihre Schwestern ihr Feld mit bloßen Händen |
Nun - sie hatte im Grunde recht. Mißtrauen war unbegründet - die Reise wurde ein großes Erlebnis. Obwohl ich mir angesichts der Spuren eines so gewaltigen Sturms doch dachte: Diese fröhliche Frau gehört nebst den Männern, die sie uns zur Seite gestellt hatte, zu einem Volk, das gottgewollte Katastrophen mit unvorstellbarer Duldsamkeit hinnimmt, um schon Stunden nach dem Zyklon mit eisernem Überlebenswillen an den Wiederaufbau zu gehen.
Zum Glück bestand unsere Reisegruppe ausnahmslos aus „sturmgeprüften KD-Stammgästen“, die im November Ruhe bewahrten und Chandra und mir die Entscheidung über die Durchführbarkeit der Pioniertour überließen. Auch auf der Reise selbst bewährten sich alle Teilnehmer. Wir erkannten schon sehr schnell, daß unsere Gruppe für eine Kalinga-Discovery zu groß war. Mit weniger indienerfahrenen Travellern hätte schon dieser Umstand zum Problem werden können. So haben wir uns hier und da mal aufgeteilt und unter Belastung mit großem Teamgeist reagiert.
So zeigt sich im Resümee der Einbruch einer Jungratte ins Moskitonetz von Gertrud und Christine als einziges Gefahrmoment einer Reise in die wildesten Ecken des indischen Subkontinents.
Lest nun, wie Heidi diese Reise erlebt hat.
Wahrlich – dieser reichhaltige „Ausflug“ war eine
Reise wert!!!
Wie bloss soll ich 1001 kunterbunte ORISSA –
Schmetterlinge einfangen und einordnen?? Schmetterlinge, die unkontrolliert von
einer Blüte zur anderen flattern, in der Luft stehen bleiben, im Flug ihre
schillernden Farben und Zeichnungen zeigen , um dann wieder im „Ruhezustand“
fast farblos auf ihren nächsten Flug zu
warten.
So könnte ich in groben Zügen aus meiner Sicht unsere
Reise beschreiben.
Meiner Meinung nach steht und fällt, meistens jedenfalls,
eine Reise mit dem Reise-Team. Und da kann ich nur lobend sagen, dass diese von
Bernd sorgfältig ausgewählte bunte und gewagt grosse ORISSA-Gruppe die beste
Voraussetzung war für diese oft abenteuerliche und ungewöhnliche Pionierreise.
Alle haben wir diesen „Härtetest“ überlebt und dazu noch genossen.
Eines
der nervenkitzelnden Abenteuer erlebten wir schon in den ersten Tagen. Eine
stundenlange Bootsfahrt bei tiefschwarzer Nacht in einem Fluss, wo grosskalibrige
Krokodile nach einer wahrscheinlich langen Abstinenz ganz gern mal an einem
weissen Männerbein (bitte ohne Pelz) knappern würden. Die fast beklemmende
Situation wurde tapfer mit einer Whisky-Runde (oder waren`s gar zwei??)
überspielt. Da kam man sich ganz schön nah!!
Was uns noch erwartete, wusste keiner. Nach einer
schier endlosen Fahrt waren wir offenbar am Ziel. Das Aussteigen aus dem Boot,
mit Gepäck, war noch abenteuerlicher als die Fahrt! Das spärliche
Taschenlampenlicht half wenigstens etwas mit, keine Fehltritte von der steilen
„Hühnerleiter“, die schwankte, ins offene Maul der Krokis zu machen. Das wäre ein Fressen gewesen!!!
Wir tasteten uns durch den Busch zu unserer
Unterkunft. Zelte aufstellen in tiefschwarzer Nacht?? Da war uns Massenlager
lieber. Mit Stereo-Sound!! (schnarch...schnarch...). Chandra und Co. wären im
Guinessbuch Rekordhalter!
Aber diese menschlichen Geräusche waren mir lieber als der nächtliche Rattenbesuch bei der tapferen Gertrud. Die Moskitos schafften den Durchbruch nicht, aber die Ratte setzte alles daran, Gertrud zu küssen.
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„Fütterung“ am „Betontisch“ der Forststation: Schmackhaftes Huhn serviert von Sanatan, der dazu wirklich über den Tisch lief. Von links: Gertrud, Marianne, Stefan, Christine und im Hintergrund läuft Heidi, unsere Autorin... |
Die Moskitos trieben’s anderweitig bunt, aber die
Coils machten ihnen das Überleben schwer. Erst am anderen (kalten) Morgen
entdeckten wir unser „Zuhause“: Fast menschenleer und ruhig. Die „Fütterung“ im
Freien, wo das „Personal“ (unser Guide) auf dem Tisch (mit Schuhen) serviert,
war wohl auch sehr exklusiv! Und einmalig! Doch auch hier, wie überall auf der
ganzen Reise, war unsere Crew vom Bus vom Feinsten. Liebevoll wurden wir jeden
Tag aufmerksam verwöhnt und mit leckeren Picknicks versorgt. Was die
Abfallentsorgung betrifft, tun sich die Inder schwer. Wir wollten ihnen
weismachen, dass man Plastik nicht einfach liegen lässt. Da sammelten sie alles
in einem Karton, und stellten ihn mitten in die Natur!!!
Sampat, unser hervorragender Guide, war sprachgewandt
(die lustigen Missverständnisse durch seine exotische Aussprache ergaben ein fast vollständiges Vocabulaire) und
ausgestattet mit einem reichen Schatz an Wissen über Geschichte, Kultur ,
Religion und vieles mehr.
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„Filmefüllende Motive!“ |
Depa, der zuverlässige Driver mit seinem schalkhaften Lachen,
wunderte sich oft, weshalb wir immer wieder Foto-Stops verlangten. Ein
Ochsengespann, brennholztragende Frauen, Reihen von im Reisfeld arbeitenden
Frauen, alter Mann im pinkesten Lunghi, und immer wieder Kinder, Kinder. Für
Inder Alltag, für unsere Augen Delikatessen. Und filmefüllende Motive!
Diese häufigen Foto-Stops verlängerten oft die
Tagesetappen bis in die Dunkelheit spät abends. Diese Etappen waren oft, nicht
unbedingt mal KM-mässig, aber zeitlich zu lang. Die schlechten Strassen waren
schuld.
Aber die familiäre Ambiance im Bus machte das wieder
wett. Zumal jeden Tag eine kulinarische Überraschung die Runde machte. Die
Fantasie im Frauen-Team war erstaunlich! Und unsere lieben männlichen Kollegen
verwöhnten uns immer wieder mit indischen herrlichen Babybananen (und Whisky).
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„Simlipal Treasure“ - Bestandsaufnahme am Eingang des Nationalparks: 1076 Pflanzenarten - 92 Orchideenarten - 29 Reptilienarten - 241 Vogelarten - 42 Säugetierarten - 7000 Sambarhirsche - 2500 Stück Rehwild - 432 Elefanten - 100 Leoparden.. Die Inder hatten ihren Schatz
wirklich gut versteckt - den Tiger sogar in dieser Liste: „RBT“ heißt „Royal
Bengal Tiger“! Wir sahen lediglich 1 Schmetterling. |
Wenn ich ans Tiger-Reservat denke, bleibt in der
Erinnerung nur ein malträtierter Rücken von der stundenlangen
Schüttel-Jeepfahrt auf holprigen Naturwegen. Das konnte auch der Wasserfall nicht
aufwerten! Da konnten wir endlich Fotos sparen!! Aber vom Tiger war keine
Spur!! Wir kauften später dann farbige Holztiger, als Ersatz!! Ja – diese
mühselige Ganztagesfahrt lohnte sich nicht, da waren sich alle einig.
Um mal das Team beim Namen zu nennen :
Chandra, unser indischer Fürst, der einige von uns
schon durch das märchenhafte Rajasthan führte;
Bernd, durch den die meisten überhaupt die Liebe zu
Indien entdeckt haben,
Marion, seit Jahren nicht mehr von Indien (und Bernd)
wegzudenken,
Fritz, unser rüstiger Gentleman;
Christa, die liebenswerte Intellektuelle;
Marianne, der Kumpel durch dick und dünn;
Gertrud, die nichts aus der Ruhe bringt;
Christine, die Unermüdliche;
Heidi U., mit echtem Münchner Charme;
Stefan, der Fotojäger;
Harald, den sein Geschäft auch nach Indien verfolgt;
Ein unkompliziertes, tolerantes, humorvolles und
liebenswertes Team.
Obwohl ich mir als einzige nicht EU-Staatliche, (aber
auch als Einzige mit dem knallroten Pass—ex-pex!!!) unter dieser deutschen
„Einheit“ manchmal schon fast exotisch vorkam, hatte ich in keiner Hinsicht
(ausser der sprachlichen - na-ja) keinerlei Probleme. Da mir ja sieben Leute
von gemeinsamen Reisen bestens vertraut waren, ist das auch nicht anders zu
erwarten. Und mit den noch Unbekannten hat sich bereits schon vor dem Abflug in
Frankfurt eine herzliche Annäherung ergeben. No problem!!!
Nun wieder zurück zu unserem Orissa-Kaleidoskop. Es
hätte vielseitiger nicht sein können! In vier Wochen in so vielen verschiedenen
und sternemässig unterschiedlichen Betten zu schlafen kann oft auch schon ein
Abenteuer sein.
Mit dem eigenen Schlafsack lässt sich auch mal ein
Anflug von leichtem Ekel leichter überwinden. Andrerseits weiss man dann wieder
eine funktionierende Dusche (mit heissem Wasser) ganz schön zu estimieren.
Mit ein paar wenigen Ausnahmen waren die Unterkünfte
aber doch akzeptabel.
Unser „Familienbus“, der uns drei Wochen lang sicher
durch oft unwegsame Gegenden kutschierte, war urgemütlich und hat sich echt zu
einem „sweet home“ entwickelt. In familiärer Atmosphäre wurde geplaudert,
gegessen, gelacht, auch oft geschlafen und natürlich optisch alles eingefangen,
was sich auf unseren Wegen bot. Und das war fast pausenlos irgend etwas für
irgend jemand.
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Wichtiges Pilgerziel:
Der Jaganath-Tempel in Puri |
Die fast 20-stündige Bahnfahrt von Bhubaneswar nach
Varanasi, (dem eigentlichen Highlight )war überraschenderweise recht gut
organisiert vom Service her. Kissen, Decken, Essen und Trinken - alles war zu
haben. Selbst das WC (Indian style) war brauchbar. Die wohlverdiente Nachtruhe
allerdings versauten uns die Berufsschnarchler ganz gehörig. Sie jedenfalls
haben tief geschlafen.
Die wunderschönen Tempel im klassischen Dreieck
Bhubaneswar, Puri und Konark sind absolut ein Muss. Und filmefüllend! Die
Landschaften zeigen viele Aspekte:. Berge, Seen, Reisfelder, Palmen- und
Bambuswälder, dann wieder schöne Küstenstriche, urtümliche Dörfer, die ebenso
im tiefen Afrika sein könnten.
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Außer
den silbernen Halsreifen nur mit hunderttausenden bunter Perlen bekleidet:
Die Schönen der Bonda |
Sehr beeindruckend waren die Besuche bei den
„Ureinwohnern“ in weit abgelegenen Dörfern, die wir auf interessanten Fusswegen
erreichten. Auf den verschiedenen Stammesmärkten waren die typischen Handwerke,
Produkte und eine unermessliche Vielfalt von nützlichen Gegenständen des
bäuerlichen Alltags zu bestaunen. Und eine unbeschreibliche Farbenpracht.
Das Schwergewicht dieser Reise hatte für mich eindeutig Varanasi. Seit Jahren träumte ich davon, diesen brodelnden heiligsten Pilgerort Indiens mit all meinen Sinnen zu erleben. Indischer gibt’s wohl nichts auf diesem Kontinent! Die Stimmung am frühen Morgen bei Sonnenaufgang am Ganges mit den vielen Pilgern, den religiösen Zeremonien, den kleinen Lichtlein, die mit vielen guten Wünschen mit dem Ganges dahinfliessen und eine leuchtend rotorange Sonnenkugel, die die einmalige Silhouette entlang des Ganges in ein zauberhaftes Licht verwandelt — Eindrücke, die man nie vergisst. Auch der natürliche Umgang mit Sterben und Tod wird besonders an diesem Ort zum tiefen Erlebnis.
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An den Ganges-Ghats von Varanasi - hier ein rituelles Bad
genommen zu haben, bedeutet für Millionen Hindus das Ende des unendlichen
Kreislaufs der Wiedergeburt. |
Die engen Gassen der Altstadt, die oft stark an Israel
erinnern (auch wegen der strengen militärischen Aufsicht) sind ein richtiger
Irrgarten. Ein bühnenreifes Gassenleben, das vor Menschenmassen kocht, würzige
und andere Düfte sind oft atemberaubend, heilige Kühe und kranke und völlig
verwahrloste Hunde drängen sich dicht an den Menschenmassen vorbei, Bettler mit
ihrem scheppernden Geschirr, Kinder, die mit einer verblüffenden
Verkaufsmethodik erfolgreich ihre Karten und Räucherstäbchen loswerden – eine
überwältigende Andersartigkeit, die einem fesselt und völlig benebelt.
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Habt Ihr gewußt, das es
mitten in der ältesten Stadt Indiens Delphine gibt? Marion hat sie entdeckt,
und ich glaube, daß diese Tiere zusammen mit den Flußschildkröten den Ganges
sauber halten. |
Varanasi ist buchstäblich berauschend. Und man weiss,
dass man wieder kommen möchte. Varanasi als Abschluss einer Indienreise ist
sehr zu empfehlen. Es ist das absolute Dessert!!
Dir Bernd, möchte ich an dieser Stelle ganz herzlich
danken, dass Du es nach einigem anfänglichem Zögern doch gewagt hast, dieses
ungewisse Abenteuer in Angriff zu nehmen und nach intensiver Vorbereitung auch
zu verwirklichen.
Zugegeben, wir waren eine
verschworene Gemeinschaft auf dieser Entdeckungsreise durch ein Indien, daß
sich wiederum von einer völlig anderen Seite zeigte. Wir waren (fast) alle
schon einmal zusammen in Indien und wußten, was wir voneinander erwarten
konnten. So gesehen, klingt es vielleicht nicht verwunderlich - aber INDIEN
läßt uns auch im deutschen Alltag nicht los. Glaubt mir - es geht auch anderen
so, die nur einmal dort waren. Egal, ob ich sie dorthin geschickt habe, wo der
Pfeffer wächst (Kerala) oder in die Wüste (Rajasthan).
Wieder ist es Christa, die in
der Pfingstwoche so richtig auf Indien eingestellt war. Lest selbst, was sie
schreibt:
Pfingstsonntag - 7.30 Uhr
- im IC nach Heidelberg. Draußen rauscht die Landschaft vorbei: üppig grün,
keine Menschen. Wie war das noch in ORISSA? Dort auf den manchmal langen
Fahrten (Durchschnittsgeschwindigkeit 40 km/h ) immer wieder Strecken mit viel
Landschaft und nur gelegentlich mal ein paar Menschen, mal ein Bauer mit seinem
Gespann - so ganz anders als man sich INDIEN denkt. Da legte sich dann schon
mal Trägheit auf die sonst so quirlige Touri-Mannschaft. Selbst die Guides
dösten vor sich hin, bis nach einer Weile dann wieder plötzlich Bewegung ins
Bild kam: Mal wurden Apfelschnitze, mal Mandeln, Quittenwürfel von Bank zu Bank
weitergegeben (wir waren gut bestückt), mal verrutschte die Ladung auf den
hintersten Sitzen, mal hieß es Fotostop - manchmal zögerlich, ab und zu auch
gebieterisch. Dann zuckte der Fahrer zusammen, und wir reckten die Hälse und
stiegen mal wieder aus, mit gezückter Kamera und mancher Zigarette, auf der
Suche nach einem neuen Motiv (oder auch nur einer abseitigen Pinkelecke).
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Wo gibt’s denn so was? Mitten in der Pilgermetropole Puri kommt ein Nackter vom Einkaufen! (Foto von Stefan „Hat sich schon gelohnt“ aus Kaiserslautern) |
Ach ja, der Bus - der war
einfach und paßte in die Gegend und zu uns, anders als der riesige, hochlehnige
Bus, den wir in Varanasi hatten, und von dem Marianne meinte: In dem hätten wir
uns ja gar nicht kennengelernt! Nun, wir lernten uns kennen, und der Bus wurde
uns immer vertrauter, auch wenn er manches Mysterium nicht preisgab: Wohin war
die grüne Mütze verschwunden, wohin Zigaretten und die Cola? Und woher kam
dieser Duft wie ein Hauch von Orangen? Nur von den vor sich hin reifenden
Guaven? Manchmal sollen es auch andere Düfte gewesen sein, schliefen doch
Fahrer und Boy im Bus (von uns gelegentlich bei der Morgentoilette heimlich
beäugt).
Wir waren doch eine ganz
stattliche Anzahl mit 12 Leuten und 4 Mann Crew, da mußten wir uns beim
Fotografieren schon mal Platz machen. Trotzdem hatten wir beim Fototreff bei
Marianne 5-6 Stunden Video, 450 (ausgewählte!) Dias und Tausende von Fotos
vorzuweisen. Stefan vor allem hatte eine reiche Ausbeute zusammengetragen
(manchmal kam er bei einem Stopp und meinte: hat sich schon gelohnt!).
Draußen zieht Neu-Ulm
vorüber.
Die letzte Woche war
wieder eine richtige Indien-Woche: am letzten Samstag saßen Marianne, Gertrud
und ich zusammen, und natürlich lieferte Indien einen reichlichen
Gesprächsstoff. Natürlich haben wir auch mal wieder Fotos ausgetauscht. Dann
hatte ich in einem alten GEO einen Bericht über die Bonda entdeckt, den ich
Euch kopiert habe. Als ich nach Hause kam, lagen da Fotos von Christel, am
nächsten Tag im Büro ein Fax von Bernd mit dem Beitrag von Marion. Und so habe
ich die Foto-Indexe und was zum Schreiben mitgenommen, um Euch einen Brief zu
schreiben. Und während ich hier aus dem Fenster schaue, denke ich an
Reisfelder, Krokodile, Wasserbüffel .
Überhaupt Wasser: Lagunen,
Binnenseen, Meer, Wasserfälle, Kanäle, Seerosenteiche, kleine Wasserläufe, (die
wir mehr oder weniger elegant überwunden haben), das entspricht so gar nicht
der Vorstellung vom dürren, vertrockneten Indien.
Trotzdem sind die Menschen
im Mittelpunkt meiner sämtlichen Erinnerungen. Die, die wir überall zufällig an
der Straße getroffen haben, die uns an Teeständen umlagert haben, auf Märkten,
auf Feldern, die oft festlich gekleidet die Tempel besucht haben und zu denen wir
in ihre Dörfer gegangen sind.
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Archaische Impressionen aus einem Kondh-Dorf - eingefangen
von Christa aus Augsburg |
Da war die Alte in der Lumpenkiste in Varanasi, dort wo überhaupt nicht fotografiert werden durfte, wo überall Uniformierte aufpaßten, daß nicht aus Versehen die Moslems und die Hindus aneinandergeraten in den schmalen Gassen um den Goldenen Tempel. Aber Heidi A. hat es trotzdem fertiggebracht, und ich warte auf ihr Foto, aber das werde ich mir wohl in Basel abholen dürfen. Und die Loreley, die sich so hingebungsvoll ihre schwarzen Haare kämmte. Und der Beinamputierte, der flotten Schrittes mit seinen Krücken in den Tempel marschierte, seine Prothese abschnallte, die Krücken an die Mauer lehnte und seine Hände aufhielt, um bald danach eine Arbeitspause einzulegen, alles wieder anmontierte und von dannen schritt. Da war das Mädchen, das sagte: you never will forget me? Und die Kinder mit ihren schwarzumrandeten Augen. Und die vielen Menschen in den Gassen und Ghats von Varanasi, die Leichenträger und die Rikscha-Fahrer bei unserer spätabendlichen Fahrt durch Straßen, und der schmächtige junge Mann am Verbrennungsghat, der 110 Rupien von mir wollte für Holz für eine Verbrennung. Ob die jungen Leute in der German Bakery wohl noch ihre Kuchen backen? Wenn mal jemand von uns wieder hinkommt, kann er ja nachschauen und uns Bescheid sagen. Aber zu den Franziskanerinnen in Gopalpur wird wohl keiner mehr kommen, dort wo das alte Hotel steht mit dem lyrischen Namen "Song of the Sea".
Was sie wohl alle gerade jetzt tun, während ich hier
im Zug sitze? Wie jetzt bei der Zugfahrt sind so viele Eindrücke an uns vorbei
gerauscht und sind flüchtig geblieben und ich möchte am liebsten wieder dort
sein, möchte Zeit haben, um stehen zu bleiben und alles genau in mir
aufzunehmen. Aber vorerst sind da nur die Fotos, die mir helfen, mich zu
erinnern an den Prinzen von Orissa und die Schweizer Torte. Ob Gertruds
Spenden-Hemd inzwischen wohl gewaschen wurden - Merkt es Euch: Hemden kommen
gut an! Jetzt wird es dort knallheiß sein, und alles wird auf den Monsun
warten.
Stuttgart, noch 50 Minuten
bis Heidelberg. Nach Varansi sind wir 20 Stunden im Zug gefahren...
Nach unserer Forschungstour 2000 fand die erste Kalinga-Discovery im Januar 2001 statt. Die Teilnehmerinnen waren gestandene Indienkenner, die all schon mehrfach die verschiedensten Regionen Indiens erkundet hatten. Orissa aber war Neuland für Margret aus München, Heidi aus Frankfurt und Sabine aus Ludwigsburg.
Margret ist die erste, die einen kurzen Report abliefert:
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The Flame of the Jungle - Als Dank für Deine Vorbereitung ein
Blumengruß |
Hallo Bernd, die Zeit
vergeht so rasend schnell, kaum ist der Urlaub zuende, fängt die Arbeit schon
wieder an, sozusagen.
Scherz beiseite: Aus meiner Sicht war die Kalinga-Tour ein voller
Erfolg: sehr gut geplant, sehr gute Führer, rundes Programm. Das war meine
bisher entspannteste und vielleicht auch interessanteste Indientour.
Als Dank für Deine Vorbereitung ein Blumengruß (Flame of the
Jungle)
Zu Deiner Frage: Lohnt sich Bhitarkanika ohne Kamera): Ich finde
ein Kameraverbot in dieser Gegend nicht so schlimm. Es gibt - außer dem Bootle,
der wunderbaren Palmenallee (von den Übernachtungshütten zum Dinnerplatz) und
ein paar kleinen Krokodilen am Flußufer, wenn man Glück hat, eigentlich auch
nichts zu fotografieren. Deswegen kann man die Seele aber auch mal ein bißchen
baumeln lassen, traue ich mich zu sagen.
Ja, es ist also außer tropischer Natur nicht so viel geboten. Hier
könnte man das Reiseprogramm, diese Meinung haben meine Mitreisenden Sabine
& Heidi noch vehementer vertreten, um einen Tag zusammenstreichen: Also:
Ankunft am späten Nachmittag/Abend (das lange Warten auf die
Eintrittsgenehmigung muß man dann aber trotzdem in Kauf nehmen), am nächsten
Morgen die lange Bootsfahrt zum nächsten Landungspunkt. Der Aufenthaltstag
dazwischen ist was zum Faulenzen; und das liegt ja nicht jedem. Außerdem: Für
einen Tag zum Nichtstun eignet sich dieser Naturpark auch nicht optimal: Man
kann nicht baden, abends sind die Mücken ein bißchen böse; man ist von der
Landschaft fast ein wenig "eingekreist"; hat keinen freien
Blickhorizont - und muß immer aufpassen, nicht von einem Krokodil gefressen zu
werden. Vielleicht gibt es eine andere
Gegend, wo sich Natur & Freizeit noch besser kombinieren ließe. Für mich eine ideale Verlängerung wären ein
paar Tage an einem sauberen, gepflegten Strand; Luxus braucht es nicht
unbedingt.
Beste Grüße Margret aus München
Nun, in dieser Beziehung hat sich unsere Kalinga Discovery im Zuge der Neuorganisation und Verlängerung ja enorm verbessert. Bitharkanika wurde durch einen Abstecher in das größte Flußdelta der Erde ersetzt: Die legendären Sunderban-Sümpfe im Delta des Ganges. Siehe Routenpläne...
Sabine, Margret und Heidi machten die erste Kalinga-Discovery in diesem Jahr. Für eine solche Reise braucht es Indienkenner – für Neulinge ist das nichts, das ist meine Meinung. Und die der Mädels sind Indienkennerinnen – keine unter ihnen, die nicht mindestens schon 3 ausgedehnte Indienreisen hinter sich hatte.
Heute habe ich für Euch den Bericht von Sabine. Er zeigt, daß die für solche Reisen notwendige Flexibilität mit Toleranz gut gepaart letztlich nur zu dem Gesamturteil „Superreise“ führen konnte. Sabine ist jedenfalls nicht „geheilt“ – sie pflegt ihren Indienvirus und träumt schon wieder von der nächsten Reise. Am Sonntag schrieb sie mir per Email: „...habe soeben ausführlich Euren Reisebericht "Gujarat" studiert und ........... ich will sofort da hin!“
Wenn ich in Ihrem Orissabericht lese, daß sie bei den schlichten Unterkünften sehnsüchtig an die romantischen Fürstenhäuser Rajasthans zurückgedacht hat, dürfte Gujarat auch genau die richtige Kombination bieten.
Aber lest selbst, wie Sabine die Kalinga Discovery erlebte:
"Bewaffnet" mit Rucksack und vielen kopierten Reiseführern (eben die Teile die frau so in dieser Ecke braucht) ging's am 11.2. los. Am Gate in Frankfurt traf ich Margret und nach dem ersten Schnuppergespräch startete der Flieger. Heide gabelten wir in Bombay auf.
Der Flug nach Vizag hatte es dann in sich.
Es ging die Kunde, daß die Maschine über Vizag nach Hyderabad flog und so stiegen wir beim 1. Stop aus. Als dann unser Gepäck nicht auf dem Band erschien und wir 3 uns etwas verduzt anguckten, trabte ich zu einem Flughafen-Boy und befragte ihn, wo denn das Gepäck bliebe; der Junge war so intelligent zu fragen, wo wir hin wollten und ich erwähnte "Vizag".
Wow, wir standen nämlich in Hyderabad auf'm Flughafen!
Sofort zurück zum Beamten, rein in einen Fliegerzubringerbus, der dann leider im Stau stehen blieb - nix ging vorwärts und rückwärts. Raus aus'm Bus und übers Rollfeld gejoggt. Uff, geschafft! Dann hatte das Ding allerdings noch ca. 1 Stunde Verspätung - sehr zum Leidwesen von Sanghamithra.
Sie erwartete uns in Vizag und damit stand schon eines der Highlights vor uns. Dieser Guide ist das Beste was einem Reisenden passieren kann. Freundlich, lebhaft, kompetent, clever, hilfsbereit, auskunftsfreudig und, und, und.........!
So ein 1. Nachmittag gibt noch viel her; Strandspaziergang, Kino (so ein richtig schöner Familienfilm mit Herz/Schmerz und auch ohne Sprache verständlich) und nach dem lecker Prawn-Dinner noch ein bißchen Disco zum Valentinstag! Dann war „Schluß mit lustig“ - die Tour begann!
Jedes einzelne Trible-Village zu beschreiben würden den Rahmen sprengen. Dank Mitra, die mit sehr viel Gefühl den Kontakt aufnimmt, die Menschen anspricht und aufgrund ihrer Erfahrung so manche nicht einfache Situation meisterte, konnten wir die Ausflüge sehr genießen. Wir tauchten in eine zum Teil noch sehr archaische Welt ein. Meist waren die Menschen sehr freundlich und neugierig. Wir nahmen uns die Zeit uns erst einmal beschnuppern zu lassen. Ich habe selten in meinem Leben so viel gelächelt, um zum Ausdruck zu bringen, daß ich nichts Böses will. Das hat mir selbst sehr gut getan und ich will es hier grad so beibehalten.
Mitra kennt einfach noch Stellen, Wege und Dörfer, die von anderen Guides nicht angesteuert werden; liegt vielleicht aber auch an längeren Fußwegen, die wir sehr genossen, auch wenn's ab und zu ganz schön heiss war. Die Märkte, die wir besuchten, waren einfach einsame Klasse. Das Thema fotografieren hat Mitra sehr erleichtert; sie hat selbst eine prima Ausrüstung dabei gehabt und hat von früheren clients (Profi-Photografen) viel gelernt und mir weitergegeben; wir versuchten so sanft als möglich vorzugehen (lange sitzen, nicht gleich losknipsen, Kamera vorher schon grob einstellen, keinen Blitz verwenden, elektronische Zoome von Kleinbildkameras sind oft zu laut).
Und doch (und das ist meine ganz persönlich Meinung) ist und bleibt es eine Art "Fleischbeschau". Ich selbst werde vermutlich so eine Trible-Tour nicht mehr machen. Ich kann mir nur schwer vorstellen wie es mit 10-12 Personen ist, die durch so ein Mini-Dorf laufen. Trotz allem: Ich habe diese Tage sehr genossen.
Dann kam der Tempel-Kultur-Trip. Alle Tempel waren sehr schön. Konark ist ein "must"! Leider mußten wir uns dann von Mitra verabschieden, die eine neue Gruppe (10-12 Amis) durch die Trible-Villages führte. In Bhubaneswar übernahm uns dann Sanatan, der seine Sache auch gut machte, aber eben das Pech der perfekten Vorgängerin hatte.
Bhubaneswar hat auch wunderschöne Anlagen zu bieten und auf der Fahrt nach Dhenkanal besuchten wir noch Steinmetze, Eisen-Skulpturen-/Malerei-Handwerker und SariweberInnen.
Dhenkanal mit dem Palace und der netten Fürsten-Familie ist auch ein toller Punkt dieser Reise gewesen. Amarjyoti Singhdeo ist ein sehr angenehmer und freundlicher Herr und seine Schwester eine liebenswerte Gastgeberin. Jeetu, der Cousin von Amarjyoti, seine Frau Navneeta und ihrem Baby, waren auch mit von der Partie; sie leben in der Nähe auf einer Farm (Stil moderner kleinerer Palace). Jeetu besitzt eine 350 ccm. Bullet Endfield und da ich doch so ein Fan bin, fuhr er mich dann dort auch 'mal hin und zeigt mir die Farm – wunderschön.
Leider hat die angedachte Tier-Safari nicht geklappt, da Jeetu's Vater nach Delhi mußte; er ist einer der wenigen, der mit Genehmigung der Regierung in den letzten 2 Jahrzehnten Tiger abschießen durfte; Grund: Es gibt Dörfer, die von Tigern mehrfach angegriffen werden und zum Teil 17 Personen aus einem Dorf töteten; Grund: Der Lebensraum für diese Tiger wird immer knapper.
Da der Ort Dhenkanal nicht soviel hergab, gab ich mich den Rest der Zeit der Entspannung im Garten hin. Trotz sittlicher Bekleidung war der ältere Gärtner ziemlich irritiert, daß ich auf seinem Rasen mit Buch in der Hand lag, den er gerade sprengen wollte.
Der Palace selbst mit vielen Räumen und Winkeln und unsere Zimmer waren wirklich toll (allerdings nagt der Zahn der Zeit an ihm und es ist halt verdammt teuer so einen "Zweitwohnsitz" zu erhalten).
Der Beschreibung von Margret vom Naturschutzpark möchte ich mich vollinhaltlich anschließen. Dann erlebte ich meine 1. Zugfahrt in Indien; zwar hängen keine Menschentrauben an solchen Überlandzügen, aber wie ich schon hörte, wackeln die Züge ziemlich. Mein Gleichgewichtssinn (und ich bilde mir ein, einen guten zu haben) war beim 1. WC-Gang sehr gefordert. Eine Zigarette an den offenen Zugtüren zu rauchen hat man/frau auch nicht alle Tage; unsere Schaffner hier in Germany würden bei dem Anblick in Ohnmacht sinken!
Kalkutta war einfach zu kurz! Eine tolle Stadt und bei weitem nicht so schrecklich, wie sie oft dargestellt wird! Sicherlich gibt es schlimme Ecken, doch auch sehr viel Schönes zu sehen. Am Bahnhof kamen wir um 23.00 Uhr an; ab 22.00 Uhr dürfen erst die Trucks in die Stadt (tagsüber verboten!); wir standen in einer Lawine von Taxis und Trucks und dachten ersticken zu müssen; aber auch das ging vorbei. Auch die Kühe müssen am Stadtrand bleiben. Die U-Bahn (pickobello sauber - zumindest in der Innenstadt) und die Straßenbahn helfen auch etwas den Verkehr zu entlasten.
Es gibt so vieles dort zu sehen und hierfür war die Zeit für meinen Geschmack leider zu kurz (diesen Tag könnte man vom Naturschutzpark abzwacken).
Der "Sleeper" (Nachtzug nach Varanasi) war perfekt. 2 frische Leintücher, 1 Decke und 1 frisches Kopfkissen! Auf dem 1. Ausflug zu den Ghats hatte ich dann ein echtes "Aha-Erlebnis". Auf meinen Reisen habe ich ja schon viele Städte mit Wahnsinns-Verkehrsverhältnissen gesehen, aber Varanasi's Hauptstraße hat alles andere in den Schatten gestellt!!! Die Bootsfahrten auf der Ganga (Sunset and Sunrise) sind sehr schön, aber noch schöner ist es einfach nur an den Ghats zu sitzen und zu schauen.
Unvergeßlich: Kricket-Spieler auf 5 verschiedenen Ebenen und Stufen; perfekt die Jungs - eine absolute Augenweide! Eigentlich habe ich ja auch einen guten Orientierungssinn, aber in den Gassen von Varanasi gab's für mich nur eine Frage: direction ganga? Richtung Hotel blieb dann nur die Hauptstraße, um sich nicht zu verlaufen.
Tja, und dann war's auch schon 'rum. Der Flieger brachte uns nach Delhi und dort hatten wir noch einen wunderschönen Abend im Naari-Guesthouse. Für Frauen (und nur für die) eine sehr schöne Unterkunft bei klasse Frauen! In Kopenhagen nach 3 Stunden warten noch eine 1 Stunde Verspätung; 1 x durchstarten Sekunden vor der Landung mit anschließender Warteschleife in Frankfurt brachten Heidi und mich auf deutschen Boden zurück; Regen und kalt. 0.25 Uhr der Zug. 02.30 Uhr zurück in Ludwigsburg. Fix und alle!
Dann war der Körper zwar da, aber mein Seelchen hinkte noch tagelang hinterher. Aber das kennen ja die meisten von Euch!
Sofern ich's nicht schon oben erwähnte: Eine tolle Reise, die tip top in der Organisation war; immer war jeder Guide, Abholer oder Hinbringer zur Stelle. Die Hotels nicht schlecht, aber nach meinem Rajasthan-Urlaub vom letzten Jahr war ich doch sehr verwöhnt; das Ambiente von Hotels in alten Fort's und Havelis ist einfach nicht zu überbieten! Keinen Indien-Urlaub mehr ohne nicht 1 Woche am Schluss an einem schönen Ort "abzuhängen". Ich habe jetzt 2 x den gleichen "Fehler" in Folge gemacht und ein 3. Mal werde ich das nicht mehr tun!
Nun freue ich mich erst mal auf die "Indische Nacht" in Stuttgart am 7.4. und irgendwann auf die nächste Reise nach Indien.
Es grüßt Sabine aus Lubu
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