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1. Reiseziele |

Die Reiseberichte
unserer Gäste im Dialog mit Bernd
Geduld - es lohnt! Die
Gästereports sind sehr fotolastig
und es dauert, bis diese Seite
vollständig geladen ist!
Annette: "Kerala - alles im grünen Bereich!" (1)
Beschreibung des Unbeschreiblichen
Vettikavumgal Farm - sanftes
Ankommen
Dorfgehupe & Dschungelgeräusche
Klasse Gefühl: Essen mit den
Fingern!
Ab heute Kerala Discovery mit 6
Ladies
Dschungelbad am Eruvanhippuzha
Arriparam
Jeden Morgen das bunte Studentenvolk
Annette: "Kerala - alles im grünen Bereich!" (2)
Bekränzt zum Palast de
Märchenprinzen
Auch die Großstadt erwacht ohne
Hektik
Unverhofft Hochzeits-Ehrengäste
Kunst aus Speckstein und Bronze
Dosa essen abseits des
Touristenstroms
Großer Koloss und kleiner Deal
Am letzten Abend Bollywood ohne
Untertitel
Ein letzter Erinnerungsgang - dann
los!
Die wilden Tiere sind im Urlaub
Erfrischungsbad mit Foto-Showdown
Raju's Bruder kommt - und spricht
schwäbisch!
Trekking nein - Hausboot unbedingt
Genau hier landete da Gama vor
186.480 Tagen!
Unser "freier Tag" mit
Küchendienst und Adventsgottesdienst
Hochhäuser und andere Fremdkörper
Annette: "Kerala - alles
im grünen Bereich!" (3)
Erlebnisreich: Fahrt zum Südkap
Christmas-Dinner am Touri-Beach
Annette: "Kerala - alles im grünen Bereich!" (4)
Ein Basar, ein Todesfall und der
Mann im Glück
Ein neues Jahr wird langsam wach
Wehmütiger Abschied von Kerala und
letzten Rupien
Monika: "Daheim? Wo ist daheim?"
Heidi: Von der Überholspur auf die Erholspur
Kerala: Kaleidoskop schöner Erinnerungen
Tief einatmen: Das ist Indien!
Vertraute Töne: Raju's
"Indglish"
Meine bisher schönste Indienreise!
Manfredo: Der Blick hinter den Spiegel
Nellikunnu Beach - in den warmen Händen von Dr. Lalitha Babu
Erika & Josef: Ohne Hetze viel erlebt
Im Verkehrschaos sicher fühlen
Bewegend sind oft die kleinen Dinge
Süßholz? Nein - Kokos raspeln…
Adelheids Kerala: Das AyurBay
bei Kovalam
12.03.06 Adelheid: "Meine Backwaters"
Backwatertouren in Quilandi &
Allapuzha - ein Vergleich
Kurzbesuch in Rajus "VettikaJungle-Palace"
Adelheid: Die Kinder der Inder
Carmen & Lucas: "Im Farbenrausch Indiens"
Schwimmen im Nellipoyil River:
.Christa & Walter:
"Der wirkliche Garten Eden"
Solch liebe, hilfsbereite Menschen!
Volkskrankheit Rückenschmerzen
Das Zusammensein mit den Menschen
beeindruckt am meisten
Kovalam: Die Überraschung war Lalitha
Reisebericht: Claudia aus Gelnhausen
Meine Keralareise vom 09.01.05 bis
30.01.05
Unser neues Kettuvallam in Feroke
Reisebericht: "Kerala Discovery im November"
Die ersten Tage auf Vettikavumgal
Ausflug in die Nachbarprovinz
Karnataka
Kovalam - das Neptune gefällt uns
nicht
Kerala Discovery: Hilles Fotobericht
Gebratenes Wechselgeld - köstlich!
Reisereport: Christine in Kerala
Unser Backwatertrip auf dem
Kettuvallam
Indien - ein toller Saftladen!
Beti: Kerala-Discovery Oktober 2003
Ruth & Manfred: Kerala im November 2002
24 Stunden auf dem Kettuvallam
Margarete aus Karlsruhe: Kerala in Bildern
Birgit – in Südindien unterwegs
Wunderwelt Tausendundeiner Begegnung
Kerala im November 2000 - Horst
& Georgine aus Rheinfelden
Brigitte: ALLE WOLLEN UNSER
BESTES
Südindien ‑ oder Fische fangen, wo der Pfeffer wächst
Family Anne and Heinz, with all kids
Der schönste, intensivste und erlebnisreichste und, und, und ....
Urlaub in meinem Leben!
Können wir das veröffentlichen??
Kein blauer Dunst in den Blauen
Bergen
Nach Kovalam Beach nicht zum Baden!
Verbesserungsvorschläge gern
aufgegriffen
Joke, Janny, Job & Günter in Kerala
„Weiße“ können nicht verloren gehen
Diese Rubrik wurde am 4. März 2009 aktualisiert
Eure Briefe sind am kursivem Fettdruck zu erkennen - meine Kommentare sind normal gedruckt. Ich greife aus Eurer Post ab und zu ein Thema auf und wende mich dann aber an alle - auch an die Gäste der kommenden Saison. Nimm's also nicht persönlich, wenn ich mal etwas weiter aushole.
Alle Briefkästen - die Rajasthan-Box, die Kerala-Box und künftig auch die Orissa-Box - sind in den neuen Traumheften weit ausführlicher. Auch eingefleischte Websurfer sollten sich mit dem hier dargebotenen "Aperitif" nicht zufriedengeben!
Damit möglichst viele verschiedene Themen angesprochen werden, habe ich aus Platzgründen die Teile Eurer Briefe gekürzt oder ausgespart, die bereits mit den Briefen der anderen angesprochen worden waren.
Gerade die Letterbox kann für neue Interessenten eine gute Entscheidungshilfe sein. Neben exzessiver Schwärmerei werden auch Mißstände aufgezeigt. Dazu kommt etwas Hintergrundinfo von mir für alle, die eine Kerala Discovery noch vor sich haben.
Was verbessert werden kann, werden die Gastgeber verbessern. Was unabwendbar ist wird nochmals erklärt - damit neue Besucher vorbereitet sind. Besser lest Ihr's hier, als im Kleingedruckten. Zumal ich weiß, daß Interessenten solcher Reisen den Paragraphenkram der Reisebedingungen überhaupt nicht mögen. Auch in der letzten Saison habe ich bemerkt, daß viele sich "aus dem Bauch" für KD entschieden und das "Technische" überhaupt nicht gelesen haben.
Für ein solches Vertrauen bin
ich sehr dankbar - möchte aber trotzdem Missverständnisse vermeiden.
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Wir lesen immer wieder Reiseberichte unserer
KD-Gäste. Auch wer sie alle liest, wird vermutlich immer noch nicht genau
wissen, wie sie/er selbst "unser" Indien erleben würde. Denn jeder
Bericht zeigt andere Blickwinkel. Heute lesen wir einen besonders detailreichen
Bericht über einen Farmurlaub in Kerala. Detailreich, weil Annette vor Ort ein
facettenreiches Reisetagebuch geführt hat. Im ersten Teil ihres Berichts
erleben wir, wie Annette und Anneli in Kerala ankommen und sich wie von selbst
aus dem schnelllebigen Deutschland lösen, sich entschleunigen und dem
Lebensrhythmus der indischen Gastgeberfamilie anpassen. Und irgendwie glaube
ich, Annette hat auch den "Gott der kleinen Dinge" getroffen ...
Kurz bevor ich losreise,
entdecke ich einen Flyer von Bernd: 1999! Nun endlich ist die Zeit reif, die
Farm zu entdecken. Am 28.11.08 geht es los. 3 Wochen Farm sind geplant, wir
werden eine 6er Frauengruppe sein, und dann noch für mich 2 Wochen bei Kovalam
am Strand. Meine Freundin Anneli aus Düsseldorf wird dabei sein, die ich vor 9
Jahren auf einer Reise kennen gelernt habe.
Ich bin Annette aus Hamburg, 57, habe meine erste selbst
organisierte Südindienreise vor genau
10 Jahren gemacht. Seitdem lässt mich Indien in Gedanken nicht los, und wenn es
über den Newsletter von Bernd ist. Teilweise werde ich auf dieser Reise die
gleichen Orte besuchen. Darauf bin ich gespannt, wie das für mich ist.
Auf der Reise habe ich für mich täglich ein Reisetagebuch geschrieben,
und irgendwann entstand die Idee, meine Eindrücke und Erlebnisse öffentlich zu
machen. Mir ist klar, dass das Unbeschreibliche eigentlich nicht beschreibbar
ist. Also ist es ein Versuch. Ich erhoffe etwas Freude beim Lesen und
vielleicht kann der Bericht auch hilfreich bei einer Reiseentscheidung sein. Es
muss schließlich nicht jeder 9 Jahre warten von der Idee zur Tat.
28.11.08 Fr - Von Hamburg fliege
ich Mittags nach Dubai. Die wunderschön gekleideten Stewardessen von Emirates
bringen mich in eine schöne Vorfreude auf den Urlaub. Ich freue mich über die
eigenartigen Städtemuster im Dunkeln. In Dubai sagt eine singende Stimme die
Flüge an und haucht arabische Zahlen. Eine sanft exotische Atmosphäre umfängt mich
mit Arabern in langen Gewändern. Nun treffe ich auch Anneli und ich trinke den
teuersten Saft meines Lebens. Ich vergesse lieber gleich den Preis. Neugierig
schauen wir uns das neue Terminal 3 an. Nachts um 3.30 Uhr geht es weiter. Bald
geht die Sonne auch wieder auf. Ich verstelle nochmals die Zeit.
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29.11.08 - Nach dem Frühstück an Bord sind es noch gut 3 Stunden Flug.
Etwas wegnicken und plötzlich sind wir schon in Calicut. Eigentlich ging das
doch ganz schön schnell. Beim Anflug ein kurzer Gedanke, dass es hier ja so
grün und hügelig aussieht wie in Deutschland, aber dann sehe ich schnell, dass
wir über unendliche Palmenwälder hinwegfliegen.
Kaum hat das Flugzeug eine Rolle auf den Boden gesetzt, springen die
Inder auf und wollen an ihr Handgepäck. Die Stewardess hat keine Chance
einzugreifen. Ich staune und lache. Dann kommt das große und unerwartete
Warten: Mir scheint, als ob Tausende von großen Paketen auf das rappelige Band
kommen: Einkäufe aus Dubai. Trotz der Enge finden die Inder einen Platz, um das
begehrte Paket auf den Wagen zu heben.
Irgendwie eine fast entspannte Atmosphäre, obwohl um jeden Zentimeter
gekämpft wird. Glückliche Gesichter, wenn der Besitzer zum Paket findet. Eine
Frau erzählt stolz, dass 18 Pakete für sie seien. Fast 2 Stunden dauert das
Spektakel, dann kommt endlich auch mein Rucksack und ich bin ziemlich
erleichtert. Mittlerweile merke ich, dass es heiß ist in Indien, mir läuft der
Schweiß.
Wir entdecken Raju den Farmvater sofort, der geduldig gewartet hat, und
in seinem Auto fahren wir erst einmal zu einem Tee in einem kleinen Restaurant.
Natürlich muss ich jetzt an Bernd denken. Ich fange an vorsichtig zu genießen,
aber noch fühlt sich alles ganz eigenartig an. Anneli und ich kommen übrigens 2
Tage früher als die anderen Mitreisenden an, weil die Reisekonditionen so
günstiger waren.
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Ca. 1,5 Stunden fahren wir durch Orte und Palmen auf und ab Richtung
Farm. Wenig Verkehr, so empfinde ich es. Gar nicht das wilde zerrende Indien.
Wir biegen ab, der letzte holprige Weg und wir sind da! Raju's Frau Lovely
begrüßt uns mit dem Saft frisch aus einer Kokosnuss. Hmm, das tut gut! Und das
Innere dürfen wir auch noch essen. Wir sind mitten im Palmenwald gelandet, ein
schönes Haus mit großer Veranda und großem Innenraum. Es geht eine Treppe hoch,
und dort sind die Gästezimmer. Hier oben ist auch noch eine kleine Veranda.
Wir erfrischen uns mit einer kalten Dusche, gucken, wo wir so sind.
Stellen fest, dass, wenn man auf der Toilette sitzt, kein Platz mehr für die
Füße ist. Schon ziemlich komisch, denke ich mit meinem deutschen Kopf. Noch
ahne ich nicht, wie schnell ich mich an diesen kleinen Missstand gewöhne.
Allmählich nehme ich mit meinen Sinnen auf: Ich bin in Indien!
Dann gibt es Lunch. Ich erinnere noch an ein Curry mit unreifen Papaya
und Zwiebeln in Joghurt, Fisch und Reis von der Farm – einfach überwältigend
diese Genüsse.
Wir sind müde, wollen aber trotzdem gern wissen, wo wir eigentlich sind
und fragen nach dem Dorf. Lovely begleitet uns das erste Stück auf der Straße.
Aber es ist ihr anzumerken, dass es doch irgendwie ungewohnt ist für sie. Raju
holt sie auf halbem Wege ab. Es ist ein kleines einfaches Dorf ohne
touristische Infrastruktur. Aber einen Tee am Straßenrand gibt es natürlich
auch. Ich wundere mich: keine Bettler, keine Anmache, nur freundliche oder auch
erstaunte Gesichter und Fragen, woher wir sind. Lediglich an das Hupen müssen
wir uns gewöhnen, egal wo wir gehen.
„Zu Hause“ ruhen wir etwas. Es ist schwül. Gibt es ein Gewitter?
Tatsächlich wird es später etwas regnen. Irgendwann gucken wir uns an und
Anneli fragt: Sag mal, was sollen wir hier eigentlich so machen?
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Mit Einbruch der Dämmerung
erbebt die Luft von Geräuschen. Hätte Bernd das auf seiner Internetseite
gehabt, ich hätte sicherlich die Reise früher gebucht! Ich bin im Tropenhaus!
Hurra!
Abend beschenken wir die Kinder. Das Essen ist wieder gut. Lovely steht
am Tisch und guckt uns neugierig zu. Daran werden wir uns noch gewöhnen müssen,
das ist so ihre Art. Diana tanzt uns stolz etwas vor, sie lernt indischen Tanz.
Es ist rührend ihr zuzuschauen.
Ich sinke auf das harte Bett. Es ist heiß, der Fan dreht sich sanft. Ich
bin so froh hier zu sein.
30.11.08 So - Geschlafen wie im Koma. Es ist heiß, alles geht langsam.
Mein Körper muss sich noch an die harte Unterlage gewöhnen. Die Sonne scheint,
Palmen sind auch immer noch da. Kerala-Breakfast: Reisfladen mit „Soße“ =
Curry. Hier schmeckt mir gut, was zu Hause unvorstellbar wäre.
Raju schlägt vor, zum Wasserfall zu fahren. Es ist Sonntagsstimmung. Das
Baden ist schön, die Landschaft natürlich auch. (Später mehr darüber)
Ich muss mich noch an die Art gewöhnen, wie was läuft. So unverabredet –
es passiert einfach. Es gibt keine Uhrzeit für die Mahlzeiten. Alles geschieht
mit einer Ruhe. Lovely strahlt eine unglaubliche Gelassenheit beim Gehen und in
ihrer Bewegung aus. Keine Hektik, auch nicht in der Küche. Mich animiert es,
mich auch bewusst und ruhig zu bewegen und z.B. nicht die Treppe zu unserem
Zimmer einfach hoch zu rennen. Ich fange an, das Paradiesische zu spüren. Von
der oberen Veranda gucke ich auf die fernen Berge.
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Zum Lunch gibt es u.a. Wasserbüffel und andere Köstlichkeiten. Es gibt
immer auch Herbalwater = abgekochtes Wasser mit etwas Ayurvedakraut drin. Ich
laufe ein wenig um Haus und Hof, d.h. ich erkunde vorsichtig die kleinen Wege
hinten raus zur Farm. Ein tropisches Paradies mit kleinen Hütten allüberall.
Die Kinder sind von der Sunday school zurück. Ich schaue amüsiert: Sohn
Martin sitzt am großen Küchentisch und lernt mit einer ayurvedischen
Haarpackung auf dem Kopf und der Nachhilfelehrerin (Ich glaube, es ist die
Schuldirektorin von dem College gegenüber. Wir nennen sie später Mrs.
Principal, weil sie eine so würdevolle und gütige Ausstrahlung hat und wir uns
jeden Morgen an ihrem perfekten und farbenfreudigen Sari freuen können.)
Das Abendessen: Frikadellen aus Kartoffeln, Knofi, Lauch, Ingwer, ohne
Ei, Erbsencurry und noch Kleinigkeiten und ganz bestimmt ein köstliches Brot.
Durch eine Bemerkung der kleinen Diana probieren wir es mit Fingern und das
veranlasst mich, ab jetzt bevorzugt mit den Fingern zu essen. Es ist ein klasse
Gefühl.
Wir sitzen auf der großen Veranda und wir erzählen mit Raju. So
allmählich gewöhnen wir uns an sein Englisch.
So hat sich ein junges Paar umgebracht, dass er auch gut kannte. Die
genauen Gründe sind nicht bekannt. Sie hinterlassen ein kleines Kind. Doch wohl
nicht nur ein Paradies?!
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Und dann sagt er, was mich sehr berührt: Wir sind nicht seine Gäste,
sondern seine Schwestern! So ist das also! Und dann sind wir wieder mitten drin
im abendlichen Tropenhaus und der unvermeidliche abendliche Powercut von ca.
einer halben Stunde war auch. In dem großen Innenraum vom Haus gibt es aber
eine Lampe mit Akku.
01.12.08 Mo - Wir können beide nicht so ganz gut schlafen. Um 7.30 Uhr
habe ich schon einen Termin zur Massage. Fühlt sich aufregend an. Für 10 Euro
liege ich auf einer harten Pritsche mit einem Lendenschurz bekleidet und lasse
mich von einem kleinen wendigen Masseur behandeln und kneten. Das ist nicht nur
sanft. Muss noch schauen, wie ich das finde. Mit heißem Wasser, was ich aus
einem Eimer und mittels eines Topfes über mich gieße, versuche ich mich
hinterher vom Öl zu befreien. Die indische Form der Dusche, die aber wirklich
gut funktioniert.
Zum Frühstück gibt es so eine Art scharfer Grieß mit Banane. Es ist
wunderbar, das mit den Händen zu manschen, die Banane darf und soll so richtig
zerdrückt werden! Und schmeckt auch köstlich. Wie sowieso hier Bananen und
Ananas köstlich schmecken. Wir gehen ein wenig durch die Plantage und
beobachten einen Arbeiter, wie er Pfeffer sammelt. Es ist alles so einfach und
simpel. In eine Art Stoffbeutel, den er sich um die Taille geschlungen hat, tut
er die kleinen Pfefferreben hinein. Die Naturleiter besteht aus einem Stamm an
dem die abgeschnittenen Äste zu
Trittstufen werden. Dieser wird an den Baum gelehnt, an dem sich die
Pfefferranke windet, und dann kann gepflückt werden.
Wir erwarten neugierig die restlichen 4 heute. Sie kommen genau so spät
an wie wir. Es war das gleiche Chaos am Flughafen wie bei uns. Das tröstet uns
etwas. Nun sind wir 6 Frauen und komplett: Zum offiziellen Beginn essen wir
alle von Bananenblättern und mit der Hand.
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Anneli und ich gehen mit etwas Taschengeld von Raju ins Dorf. In der
großen Kirche singen Frauen. Trinken Tee, bestaunen am Fischstand einen großen
Fisch, gucken einfach. Vegetarische Teigtasche zum Abend, ein großer
Regenschauer. Wir reden und spielen Karten mit Lovely. So ist es auf der Farm.
02.12.08 Di - Ich gewöhne mir an, morgens immer hinten raus zur Farm zu
gehen und die Atmosphäre zu schnuppern. Wie das Morgenlicht kommt und was so
los ist. Ich stehe da und plötzlich läuft ein Schulkind vorbei und guckt mich
erstaunt und fröhlich an. So fängt der Tag gut an. Außerdem suche ich immer
noch Bernds Lieblingsstelle. Dann sehe ich noch, wie der Farmarbeiter den
gestern geernteten Pfeffer mit den Füßen tritt. Ein Haufen liegt auf dem Boden
und kräftig tritt er darauf herum, damit die Körner von den Reben fallen. Es
macht mir Respekt, wie viel Arbeit notwendig ist, z.B. um Pfeffer zu ernten.
Das Frühstück kommt langsam in Gang, denn heute sind es die Neuen, die
müde sind. Iddli gibt es zum Frühstück. Entschlossen esse ich mit Fingern. Wenn
mit Fingern, dann kann man es nur entschlossen tun, merke ich.
Um 10.30 geht es los mit der offiziellen Farmführung. Die Kühe haben wir
schon alle entdeckt. Sie werden jeden Morgen gewaschen! Ich habe noch nie so
hübsche Kühe gesehen. Der Kuhdung wird mit Wasser verrührt, ein morgendliches
kratzendes Geräusch, und in einem Becken gesammelt. Es wird Biogas gewonnen für
die Farm. Raju führt uns durch eine Parklandschaft, die eigentlich Teil seiner
Farm ist.
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Ich habe mich sehr angestrengt, mir alles zu merken, was hier wächst:
Betel, Kaffee, Papaya, Ananas, Jackfruit, Bananen, Mango, Muskat, Ingwer,
Yum-yum, Kautschuk, Kakao, Pfeffer, Bohnen, div. essbare Wurzeln, Vanille und
natürlich Kokospalmen. 3 Stunden laufen wir einen Weg durch das Umfeld, an
vielen anderen Familien vorbei. Wir staunen nur noch und fragen und sind
überrascht. Weil der Kreislauf von Michaela etwas schlapp macht, kommen wir
noch in den Genuss der Gastfreundschaft eines Paares, die uns allen gleich
frisches Brunnenwasser servieren.
Verschwitzt zurück, freuen wir uns auf den Lunch. Aus dem College
gegenüber kommen laute skandierende Rufe. Etwas politisches sagt Raju. Etwas
Luftballonspielen mit Jaimon, aber das ist wieder Schweiß treibend. Ich gebe
mich dem Dasein hin. Anneli entdeckt in der Küche ihre Fähigkeiten im Chapathi
machen. Die anderen wollten ins Dorf gehen, sind aber an der Straße rechts
statt links gegangen. Sie kommen lachend zurück und fragen sich, warum so viele
Inder über sie gelacht haben. War es etwa der besondere Sonnenhut von Roswitha?
Oder war es einfach indische Freude über eine kleine Gruppe von Westlern?
Heute Abend sehe ich bewusst den Mond. Er hängt wie in einer Hängematte
und mir scheint, dass rechts und links ein Stern leuchtet! So ist es in Asien.
03.12.08 Mi - Heute wollen sich alle massieren lassen. Ich bin tapfer:
Raju sagt, dass Massagen früh morgens gut sind, also bin ich die erste von uns
und bekomme um 7 Uhr eine Massage. Viel Öl fließt immer, auch ist es mir schon
vertrauter. Heute morgen ist es doch tatsächlich nebelig.
Es macht mir Spaß, dass es schon wieder etwas anderes zum Frühstück
gibt: Omelett und aus gedörrtem Reismehl und Kokosnuss, eine Art Haufen. Auch
mit gematschter Banane zu essen.
Es geht alles langsam los. Wir fahren alle zum Wasserfall. Ich kauere
mit Roswitha hinten auf dem Notsitz in Raju's Wagen, aber für die Strecke geht
es. An dem Haus, wo wir parken, liegen Betelnüsse zum Trocknen. Wir kennen uns
jetzt aus. Auch sehen wir überall Kautschukfladen auf der Wäscheleine. An dem
Haus sind auch reizende Kinder, und ich überzeuge die anderen, ihnen keine
Kugelschreiber zu schenken. Denn sonst werden die nächsten KD-Gäste mit „Hallo
Pen“ begrüßt werden. (Bernd, warum hast du dazu nichts geschrieben?)
Wir gehen einen kleinen Weg runter und sind an einer Art Badesee mit
Felsen drum herum. Eine schöne Naturkulisse. Ich schwimme dieses Mal auf die
andere Seite, Roswitha folgt mir, und plötzlich ist auch Raju da. Er lockt uns
aus dem Wasser und behände wie ein junger Gott springt er mit uns über Fels und
Stein, um uns die Naturschönheiten zu zeigen. Er ist in seinem Element. Ich
werde etwas feige, auch habe ich mich noch gar nicht eingecremt, und kehre um.
Dies kleine Abenteuer reicht mir, will mir nicht den Fuß verknacksen.
Um die anderen herum sind mittlerweile viele junge Inder. Lustig lärmen
sie, und irgendwie begucken wir uns gegenseitig. Unsere Anwesenheit hat sich
herum gesprochen. Michaela ist begehrt und mittendrin. Beim Baden ist man nie
lange allein, das gilt es hinzunehmen, aber es ist auch ein lustiges Spektakel.
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Auf der Rückfahrt zeigt uns Raju den Schneider im Dorf. Das ist das
Signal! Nachmittags gehen wir zu dritt ins Dorf, suchen Stoff aus und gehen
anschließend damit zum Schneider. Mit viel Lachen und einem Tee dauert das
Ganze so seine indische Zeit. Ein schönes Frauenerlebnis.
Abendessen, ich gucke den anderen beim Kartenspiel zu und finde das
Leben so in Ordnung.
04.12.08 - Als ich heute morgen hinten raus ins Feld gehe, beobachte
ich, wie das alte Ehepaar eine Bananenstaude erntet. Stolz und würdevoll trägt
er sie auf dem Kopf heim. Dieses kleine Erlebnis macht mich wieder ganz
glücklich.
Heute morgen gibt es Pineapplepancakes zum Frühstück. Die sind lecker!
Ich habe noch gar nicht erzählt, was ich schon die ganzen Tage, wann
immer möglich, genieße. Gegenüber ist ja ein großes College mitten im Busch.
Die Studenten gehen morgens zur Schule und nachmittags wieder zurück. Und genau
das ist es! In kleinen Pulks laufen sie. Ein farbenfroher bunter Haufen, das
sind die jungen Frauen, und diese Buntheit fasziniert mich am meisten. Aus der
Entfernung kann ich auch noch das Stimmengemurmel hören. Dieses Schauspiel -
allein schon deswegen ist es auf der Farm schön. Es ist beruhigend und
schmeichelt gleichzeitig meinen Sinnen.
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Raju schickt uns heute allein nach Murambathy. Eigentlich nach der
Kreuzung immer gradeaus. Also einfach. Für uns ein kleines Abenteuer und ein
schöner Weg. Wir kommen an seinem Reisfeld vorbei. Ein Korbmacher sitzt mit
seiner Frau vor seinem Haus und flicht Körbe. An einem Laden winken uns Leute
heran. Sie zeigen uns einen
riesengroßen (halbtoten) Schmetterling. So etwas habe ich noch nie gesehen und
auch nicht gewusst, dass es Schmetterlinge gibt, die so groß sind, wie eine
ausgebreitete große Männerhand, wirklich.
Eine Gabelung auf dem Weg hat Raju uns unterschlagen und wir fragen nach
dem Weg, vorsichtshalber 2 mal. Als wir an einer Schule vorbei kommen, es ist
wohl Pause, ernten wir volle Aufmerksamkeit. Im Dorf angekommen, suchen wir die
Moschee. Diese ist unscheinbar, wir stehen direkt davor. Einen Tee an dem
einzigen Laden und dann zurück. Lovely die wunderbare, empfängt uns, die wir
total durchgeschwitzt sind, mit einem Lemonjuice. Und dann gibt es nachmittags
noch Bananenkrapfen. Abends begucken wir alle unsere Stiche am Körper. Man
sieht nichts, aber wir werden alle gestochen. Sonst passiert nicht mehr viel.
Ich glaube an diesem Tag sage ich, dass ich mich wie eine indische Tonne fühle.
So gut genährt, so satt. Heute passiert nix besonderes mehr, aber viele Sterne
im geräuschlichen Abendmeer.
Im ersten Teil ihres Südindien-Tagebuchs hat Annette aus
Hamburg anschaulich geschildert, wie sie sich in den ersten Tagen aus der
Hektik Deutschlands gelöst und sich einer entspannten indischen Langsamkeit des
Kerala-Alltags angepasst hat. Um so intensiver sind die Begegnungen mit dem
einfachen Leben, der üppigen Tropennatur und dem dörflichen Leben im Umfeld
unserer Plantage. Heute aber geht es in ein anderes Indien. Mit ihren 5
Gefährtinnen Anneli, Michaela, Roswitha, Heike und Ute fährt sie in die
Nachbarprovinz Karnataka
05.12.08 - Heute geht es auf nach Mysore! Ich bin sehr neugierig, denn
in dieser Stadt war ich vor 10 Jahren auch einige Tage. Mit etwas Verspätung
fahren wir um 10.30 Uhr in einem schönen weißen Touristmobil los. Unsere
kleinen Rucksäcke sind gepackt, denn in Mysore soll es kühler sein, was wir uns
gar nicht mehr vorstellen können.
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Ein kleiner wehmütiger Abschied, aber ich freue mich auf die nächsten
erlebnisreichen Tage. Richtung Berge geht es, leider haben wir keine gute
Sicht, aber viel Grün und Blumen. Raju kauft Bananen, nicht für uns, aber für
die ersten Affen, die wir sehen, die am Straßenrand herumtollen.
Wir halten an einem großen Bambushain. Nun klärt sich auch das Geheimnis,
warum wir einen Teppich mitgenommen haben: Dieser wird nun ausgebreitet und wir
picknicken mit Lovely's wunderbarem Essen! Ein wahrer Genuss. Der Wind erzeugt
eigentümliche Geräusche in dem Bambus. Der Bambus ist so groß, wie ein
„normaler“ Baum. ist ja auch ein Gras, das am schnellsten wächst. Da darf er
schon mal ächzen und knarren. Ich bin beeindruckt und auch satt. Wir fahren
durch einen Nationalpark und sehen tatsächlich Elefanten. Besonders Ute, unsere
Afrikakennerin, ist ganz aus dem Häuschen.
Jenseits der Berge ändert sich allmählich die Landschaft. Es wirkt ärmer
und es ist auch nicht mehr so grün. Auch ist deutlich mehr Verkehr. Wir alle
beobachten mit großer Spannung endlich so richtigen indischen Verkehr. Mir
macht es Spaß. Um 16 Uhr sind wir an unserem Hotel, nicht weit vom Palast
entfernt. Wo früher ein rumpeliges Backpackerhotel war, ist nun ein
aufgemotztes, modernes Westhotel, was auch für reiche Inder interessant ist. O
je, Michaela findet in ihrem Zimmer eine große Kakerlake vor und tauscht das
Zimmer. Unser Zimmer ist richtig modern, aber wenn man ins Bad geht, hat man
plötzlich das Gefühl in der Küche zu stehen. Die muss direkt dahinter sein. Wie
gut, dass doch nicht alles so perfekt ist.
Raju und der Fahrer übernachten hier nicht; ich frage Raju, und er sagt,
dass es zu europäisch ist für ihn. Sie kommen jedenfalls abends zum Essen. Auf
einer Terrasse sitzen wir, im Hintergrund spielen ein paar Musiker. Wir
empfinden wohl alle, wie das normale touristische Erleben aussieht: Essen
ausgewählt aus der Speisekarte – es kommt nicht einfach auf den Tisch. Wir
machen gemeinsam einen kleinen Rundgang. In mir überschlagen sich die
Erinnerungen. Wir sind in einer richtigen Stadt, das steht fest.
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06.12.0 - Heute ist ein besonderer Tag! Anneli und Heike haben
Geburtstag – ein Doppelereignis, das ist schön. In unserem kleinen Luxushotel
gibt es einen Roomservice und ich bestelle erfolgreich für Anneli einen Kaffee
ans Bett. Raju bringt zum Frühstück zwei Blumengirlanden mit und einen
richtigen Geburtstagskuchen. Dieser ist allerdings vor lauter Süße nicht
wirklich zu genießen. Unsere Geburtstagskinder freuen sich und wir uns auch.
Anneli und Heike mit Blumengirlande geschmückt – so gehen wir alle zum Palace.
Vor 10 Jahren war ein langer Streik, und ich konnte ihn nicht
besichtigen. Um so mehr bin ich jetzt begeistert. Mit einem modernen Guide
(Kopfhörer) gucken wir ihn uns an. Ich würde gern noch eine Zeitreise gebucht
haben. Später in der National Art Gallery können wir auch noch Gemälde aus der
Zeit anschauen, und ein paar moderne Bilder gibt es auch.
Heute ist der Tag der Erinnerungen für mich: So gehen wir essen in einem
typischen Family Restaurant. Es gibt dort hervorragendes und absolut preiswertes Thali (Reis mit
verschiedenen Soßen/Beilagen/Curry). Nur gemütlich essen, wie wir es kennen,
das geht nicht. Wenn man gegessen hat, dann muss man gehen. Und so erleben wir
es auch: Es wird einfach sofort abgeräumt.
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Raju weiß, dass wir endlich mal shoppen wollen, und so führt er uns in
einen Silk-Bazar. 6 Frauen wühlen kaufwütig in Stoffen, Schals, Blusen und den
Churidars (Salwar
Kameez), den Sarikleidern. Vom oberen Stockwerk kann ich Raju unten auf dem
Sofa sehen, und offensichtlich freut er sich über eine Prise Schlaf, die er
nachholen kann. Wir oben beraten uns gegenseitig und die Verkäufer breiten
immer mehr aus. Ein Wahnsinn. Ich bin nicht so erfolgreich, erstehe aber einen
wunderschönen Schal. Glücklich erschöpfte Gesichter, so würde ich unseren
Zustand beschreiben.
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Der berühmte Markt ist nicht weit, und in Kleingruppen genießen wir die
unterschiedlichen Marktregionen: Blütengirlanden, Obst und Gemüse, Bananen,
Düfte, Farben, Haushaltswaren, einfach alles. Eine Foto- und Augenweide. Ich
schwelge in Erinnerungen.
Plötzlich begegnen uns auf der Straße lärmende, aggressive Frauen. Es
sind Hijras. Das sind Transvestiten,
Bernd, das erklärst du bitte besser! (Anm.: Gern, Annette: s. Artikel "Wie
pinkelst Du?", INN
364 v. 08.09.06)
Abends machen wir uns alle schön. Ich habe Bindis gekauft
(Stirnschmuck für Frauen) und fröhlich essen wir mit den Geburtstagskindern im
Roofgarden-Restaurant Shilpashri. Die sind sich sicher, dass sie noch nie einen
so besonderen Geburtstag gefeiert haben, und einen, den sie nie vergessen
werden. Und ich bin immer wieder angerührt, dass ich dort bin, wo ich vor 10
Jahren zum ersten Mal mit Indien in Berührung kam. Roswitha bestellt zur Feier
des Tages einen Wein, der aber eher Essig ist.
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Im Hotelzimmer zeigt unsere absolut moderne große digitale Wanduhr an,
dass der 06.12. sich dem Ende neigt und die Temperatur 28 Grad wie immer
beträgt. Obwohl es abends und morgens tatsächlich etwas frisch ist. Deshalb
gibt es für die Inder auch Mützen und dicke Jacken zu kaufen.
07.12.08 - Wir versuchen um 7 Uhr Frühstück zu bekommen, was aber nicht
so einfach ist. Der erste freundliche Kellner kommt, nachdem er die Bestellung
aufgenommen hat, noch einmal zurück, liest alles vor. Dann kommt nacheinander
das Frühstück an, aber irgendetwas fehlte doch?! So dauert das Frühstück eben
doch eine Stunde. Ich beobachte im Park gegenüber ein paar Inder bei
frühsportlichen Körperübungen. Auch kommt das Straßenleben langsam in Gang, und
das gefällt mir immer zu beobachten.
Wir fahren zum Chamundi Hill. Tanzende, verkleidete Kinder betteln um
unsere Aufmerksamkeit und auch um unser Geld. Wir besuchen eine große
Tempelanlage - viele Menschen, viele Shops, und ich tauche endlich in richtige
„Hinduatmosphäre“ ein. Ich liebe den frisch gepressten Zuckerrohrsaft, den es
an den Ständen gibt.
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Wir haben viel vor: eine längere Autofahrt nach Somnathpur. Eine Fahrt
durch viele kleine Dörfer und grüne Reisfelder. Auf dem Weg dorthin geraten wir
in eine kleine einfache indische Hochzeit. Wir steigen aus und werden sofort
als willkommene und quasi Ehrengäste behandelt. Ein scheuer Bräutigam, mit
einer goldenen Kappe geschmückt, ein Regenschirm mit einem bunten Tuch
geschmückt, meine Güte, ich finde es anrührend. In der Halle, dem
Gemeindehaus?, umfangen uns wilde Trommelklänge, Fröhlichkeit. Wir dürfen ganz
nach vorn auf die Bühne, wo wir einem Ritual zuschauen dürfen. Und eigentlich
sollen wir auch noch unbedingt zum Essen bleiben… Eine schöne Reiseeinlage!
Der Hoysala-Tempel
von Somnathpur fasziniert mich wieder durch die vielfältigen Bildhauerarbeiten.
Der Führer möchte uns unbedingt die Funktion der drei Gottheiten Brahma,
Vishnu, Shiva und deren verschiedene Inkarnationen erklären. Ich finde das
löblich, aber auch immer wieder kompliziert.
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In dem Shop davor entdecke ich ganz besondere Figuren. Tribal Art, sagt
der Shopbesitzer, und ich habe den Eindruck, dass er sich über meine
Begeisterung freut. Jedenfalls entsteht ein großes Kaufen meiner Mitreisenden,
und ganz zum Schluss erstehe ich mit viel Discount, weil ich habe ihm ja die
Kunden gebracht, einen Kopf. (Bernd, kennst du diese Kunst?)
An einer Bahnschranke müssen wir anhalten. Ich beobachte amüsiert das
Spektakel. Auf beiden Seiten verteilt sich der Verkehr über die gesamte
Straßenbreite. Es ist für uns auch Gelegenheit, ein paar exotische Früchte zu
kaufen, die wie Kartoffeln aussehen. Auf beiden Straßenseiten ist der Verkehr in
Warteposition. Ich frage mich, wie das denn ausgehen soll. Fußgängern ist die
Schranke sowieso bedeutungslos. Aber als die Schranke hochgeht, fahren alle
los, und es passiert überhaupt nichts. Wie von Wunderhand löst sich friedlich
alles auf!
Am Kaverifluss machen wir wie in einem deutschen Gartenlokal, eine
verspätete Mittagspause. Nur das Ambiente ist unperfekt, etwas indisch eben.
Gegenüber sitzt eine Gruppe Inder, bei denen die Whiskeyflasche kreist.
Wir besuchen in Srirangapatnam den Tempel und - Raju will uns heute
alles erleben lassen - noch das Grab von Tippu Sultan ….
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Und dann reicht es uns allen auch, denn wir müssen uns fast beeilen um
uns die Illumination des Palastes anzuschauen. Das Highlight der Woche von
Mysore. Es ist wirklich ein richtiges Event. Picknickende und sich freuende und
staunende Inder - ich weiß nicht, wie viele Hunderte Glühlampen das ihrige tun.
Menschenmengen sind unterwegs und wir auch.
Ich hatte im Reiseführer etwas von einem authentischen Lokal gelesen.
Ute und Roswitha schließen sich mir an. In dem Gewühle wollen wir eine Rikscha
nehmen. Also Verhandlungen, aber letztlich haben wir doch zu viel bezahlt, weil
das Lokal viel näher als gedacht war. Ich weiß sowieso nicht, ob wir in dem
Richtigen waren, denn dieses war so authentisch, dass es dort nicht einmal
abgefülltes Ausländerwasser gab. Wir haben Dosas gegessen, die ich so klasse
finde. Diese großen, knackigen Pfannkuchenrollen. Wir saßen etwas ungläubig da
und haben uns wie kleine Abenteurer gefühlt.
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Noch einen Nachtisch und dann zu Fuß zum Hotel, wo die anderen gesittet
gesessen und sich unterhalten haben und einfach eine Kleinigkeit von der
Speisekarte gewählt haben.
08.12.08 - Von heute nur in Kürze. Um 7.30 Uhr geht es ohne Frühstück
los, was ich ganz grässlich finde. Es ist bedeckt. Wir fahren eine gute Stunde
nach Sravana Belagola, und ich nerve die anderen, wann wir endlich da sind und
es Frühstück gibt. Dafür gibt es aber dann Dosa zum Frühstück.
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Unendlich viele Stufen steigen wir hoch, aber es ist ja schattig.
Bestaunen die gewaltige Statue. In einer Sänfte hoch tragen lässt sich niemand.
Ein Shop auf dem Rückweg werde ich in einen Shop gelockt, der wirklich richtig
dunkel war und auf geheimnisvollem Weg wurde es nach einigen Minuten hell.
Wundersames Indien, kann man so Geschäfte machen denke ich, aber ein kleines
hat er mit mir denn auch gehabt.
Auf dem gegenüberliegenden Berg ist eine Tempelanlage, die wir
allein besichtigt haben. Ein netter
Führer erzählte uns etwas. Der Brahmane in dem Tempel wollte mich nicht segnen,
weil ich kein Kleingeld mehr hatte. Unser Führer fragte plötzlich nach
Countrycoins, und ich hatte ein paar Eurocents dabei und gab ihm davon. Der
Brahmane hat das irgendwie gesehen und kam plötzlich angelaufen - und so kam
ich für 2 Cent auch noch zu meinem Segen. Im Laufschritt ist er mit mir zum
Tempel, ich musste innerlich laut lachen.
Wieder am Fluss, aber an einem anderen Platz haben wir gegessen. Das
Ranganathittu Bird Sanctuary stand auf dem Programm. Mit einem kleinen Boot
fahren wir. Es ist nicht die richtige Jahreszeit für Vögel, dafür können wir
ein paar Krokodile, unbeweglich auf einem Felsen liegend, bestaunen.
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Für mich der Hit war Brindavangarten. Ein botanischer Garten – in
Indien. Alles sehr ordentlich und geregelt. Ich staune, Parkwächter passen auf,
dass niemand Müll weg wirft. Über Lautsprecher kommen dauernd irgendwelche
Ansagen. Viele Inder laufen freudig erregt auf und ab. Irgendwann hatte ich das
Gefühl es sind Tausende. Mit Einbruch der Dunkelheit strömen alle und auch wir
zu der Wasserlichtorgel. Zu bekannten Bollywoodmelodien bewegt sich das Wasser
und auch die ausgelassenen Inder. Es war verrückt. Ich hatte zwar etwas Angst,
dass wir uns hier verlieren im Gewühle, aber wie durch ein Wunder und Rajus
Argusaugen fanden wir uns alle wieder zusammen.
Die 3 Kinofreaks unter uns wollen noch einen Kinobesuch wagen, denn es
gibt in Mysore schließlich über 30 Kinos. Wir sind eine Stunde zu spät für den
Abendeinlass, und im ersten Kino haben sie uns tatsächlich nicht rein gelassen.
Ticketcounter geschlossen, hieß es einfach nur. Trotz unserer Beteuerungen, wie
sehr wir indische Filme lieben und dies unser letzter Abend ist.
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Wir geben nicht auf, das nächste Kino ist nicht weit und dort kommen wir
sogar kostenlos durch die Hintertür hinein. Ein Film der in Mysore spielt. Aus
dem Palast wurde ein Thron geklaut. Wir haben uns sehr amüsiert. Es gipfelte in
eine Szene, wo jeder jeden mit der Pistole bedroht hat. Offen bleibt für mich
die Frage, ob es eine Persiflage war.
Was sagt mein realer Tagebucheintrag?: So viele Bilder und Situationen!
09.12.08 - Um 7 Uhr hoch und dann wieder ein langsames Frühstück, wo wir
alles 2 x gesagt haben und 2 x gewartet haben. Aber der Boy lächelt soo nett!
Gegen 11 Uhr wollen wir abreisen. Ich gehe allein. Ich möchte doch noch
mein altes Hotel von damals finden. Ich bin ganz glücklich, als ich es
entdecke. Auch den Bügler in seiner kleinen Nische gibt es noch, oder
vielleicht ist es auch schon die nächste Generation. Ich gehe in die
Nebenstraßen vom Markt und finde es hier noch faszinierender, als auf dem Markt
selbst. Bananen, Papaya usw. lagern hier in großen Mengen. Kleine Einkäufe,
einfaches Gucken und Genießen. Heute sehe ich auch Müllsammler in der Stadt.
Eine arme alte Frau berührt mich, die zusammengehockt da sitzt – und die
Zeitung liest.
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Raus aus Mysore gibt es plötzlich ein Stück richtig deutsche Autobahn,
wie ungewohnt. (Aber ich glaube, man darf sie als Fußgänger überqueren). Wir
können beobachten, wie eine Dorfgemeinschaft eine Pilgergruppe mit lautem Hallo
und geschmücktem Bus verabschiedet. Wir verlassen die perfekte Straße, die
Landschaft ändert sich wieder und plötzlich sind wir in einer tibetischen
Enklave. Ein großes Kloster mit Wohnungen für die Mönche drum herum. Im Kloster
empfängt uns ein besonderes Geräusch:
vier Mönche sind dabei ein großes mehrdimensionales Sandmandala zu erstellen.
Faszinierend. Es gibt ein richtiges Dorf und auch ein kleines tibetisches
Restaurant, in dem wir essen.
Unser Fahrer verpackt unser Gepäck auf dem Dach, denn es gibt
tatsächlich ein paar kleine Regentropfen. Wir haben ihn übrigens Gutmensch
getauft, weil er uns so gut und sicher fährt und ein gutes Herz hat.
Wir durchfahren den Nagarhole Park und sehen kaum Tiere. Wir steigen um
in einen Bus von der Parkverwaltung. So rumpeln wir nun auf Seitenwegen, es ist
die Sitzhölle. Als wir die Hoffnung aufgegeben haben, zeigen sich doch noch
drei Elefanten, die aber leider schnell verschwinden. Viele Termitenhügel sehe
ich.
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Durch große Kaffeeplantagen geht es Richtung Heimat. Noch eine kleine
Stärkung zwischendurch am Straßenrand.
Und dann in der Dunkelheit beginnt eine wahnsinnige Autofahrt über Land
und durch die Städte und über die Berge. Einige sind erst etwas beklommen, denn
im Dunkeln sehen die Situationen noch einmal anders und für uns auch gefährlich
aus. Plötzlich entsteht unter uns etwas im Auto, dass einige die Fahrt wie bei
einer Sportreportage kommentieren. Eine ausgelassene Stimmung und wir müssen
fürchterlich lachen, und das vertreibt das unwohle Gefühl. Bald hat uns Kerala
wieder und auch die kleine ruhige Nebenstraße und um 21 Uhr hat uns die Farm
wieder. Diana hat Geburtstag. Wir singen, es gibt noch Kuchen und ein Geschenk
haben wir ihr auch mitgebracht. Es gibt tatsächlich noch Byiryani und Nachtisch
– puh.
10.12.08 - Das wohlbekannte harte Bett hat mich wieder und auch das
wunderbare Frühstück. Reisnudeln mit Kokos-Kardamom-Zuckersoße, so ungefähr.
Heute ist frei. Plötzlich hören wir eigenartige Gesänge. Unterhalb des Hauses
läuft eine chantende kleine Pilgergruppe vorbei.
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Es ist heiß und schwül heute, und Michaela, Roswitha und ich bekommen
Badegelüste. Jaimon und Diana haben heute schulfrei und kommen gerne mit.
Lovely bestellt ein Tuctuc für uns und los geht’s. Mit Schwimmring und zwei
indischen Kindern, das gefällt mir. Jaimon sitzt vorn beim Fahrer, und ich
beobachte, wie die Beiden ein echtes Männergespräch führen. Der Fahrer kennt
auch die beiden, und er begleitet uns beim Schwimmen. Wunderbar, endlich wieder
im kühlen Wasser zu sein. Erst ist alles ganz ruhig, aber dann kommen sie doch,
die neugierigen jungen Inder. Als dann Michaela das erste Foto macht, ist es
der Auftakt für eine wilde gegenseitige Fotografiererei. Jeder möchte mal drauf
sein. O je, eine etwas ungute Situation, aber das Schwimmen hat gut getan.
Auf dem Rückweg wollen wir beim Taylor reinspringen und unsere genähten
Sachen abholen. Das haben wir unterschätzt, es geht nichts schnell in Indien.
Meine Hose sitzt noch nicht richtig, aber schnell und kompetent ändert er sie.
Roswithas Hose ist etwas zu weit und blitzschnell passt auch die. Michaela hat
ihre Sachen beim Frauenschneider nähen lassen - und das ist eine Katastrophe.
Roswitha fährt lieber mit den Kindern heim, und wir versuchen, die Situation zu
retten und verhandeln. Er hat keine gute Arbeit gemacht.
Tropenwetter
Kerala ist in vielen Dingen anders - das lernen
wir schnell. Auch das Klima unterscheidet sich vom übrigen Südindien. Wenn Du in der idealen Reisezeit Nov-Mrz beim
Anflug aus dem Flugzeug schaust, zeigt sich Kerala üppig grün - seine
Nachbarn Tamil Nadu und Karnataka nur ein vertrocknetes Braun. Der Grund: Wenn in der Trockenperiode doch mal
Regenwolken vom Arabischen Meer kommen, werden sie zum großen Teil von
Keralas natürlicher Grenze aufgehalten, den Westghats. Vor dieser bis zu 2000
m hohen Bergkette erleichtern sich die Wolken, und für das benachbarte
Dekkan-Hochland bleibt kein Regen übrig. So kommen in Kerala auf 3 Reisewochen auch im
Winter ein paar Tropengewitter. Warme Güsse, die man bei 30°C locker genießen
kann - sie haben nichts gemein mit dem deprimierenden, nasskalten
Novemberniesel, vor dem wir aus Deutschland geflohen sind. |
Zum ersten Mal spüre ich Stress und Ärger, aber die freundlichen Inder
auf der Straße erinnern mich daran, dass ich in Indien bin. Es fällt mir ein
wenig schwer, mein Lächeln wieder zu finden. Aber ein Tee und ein Stück Kuchen
helfen. Daheim angekommen hat Lovely auch noch Essen für uns! Ich frage Lovely,
wann denn ein guter Zeitpunkt ist, um mal zuzugucken, wie sie das Gemüsecurry
macht. Ihre Antwort ist, dass sie den ganzen Tag in der Küche ist, und ich
einfach nur reinzuschauen brauche. Aber ich verpasse immer den richtigen
Zeitpunkt, aber einige Einblicke in die Kunst des Kochens bekomme ich im Laufe
der Zeit doch. Und in der Küche, das stimmt, ist wirklich fast immer was im
Gange.
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Wie eine große Familie sitzen wir auf der Veranda, spielen mit den
Kindern, lesen oder tun nichts. Es fängt richtig doll an zu regnen und es
dauert auch an. Fühlt sich aber gut an. Raju hört sich die Geschichte vom
Schneider an. Ein langer Powercut bringt uns abends in die Stimmung, dass wir
anfangen Geschichten zu erzählen. Eine beginnt und die nächste bringt die
Geschichte mit ein paar Sätzen weiter. Das bereitet uns richtig viel Spaß
miteinander.
11.12.08 - Als erstes kommt heute Morgen der Herrenschneider ins Haus
und versucht Michaelas Sachen zu retten! Das Wetter ist wieder angenehmer.
Belle de jour = Mrs. Principal verlässt wieder das Haus. Sie strahlt eine Güte
und eine Würde gleichzeitig aus, und dann immer wieder ein perfekter Sari in wunderbaren
Farben – eine tägliche Augenweide. Zu viert laufen wir durch die „Hintergärten“
und unser Schweiß läuft auch. Frauen gehen mit Kühen spazieren. Einen
Lotusteich entdecken wir auch. Mit einem Limejuice erholen wir uns daheim.
Besondere Essensvorbereitungen laufen für die Ankunft von Rajus Bruder.
Und dann sitzt plötzlich auf der Veranda ein schwäbelnder und gern erzählender
Inder: Johnson.
Wir fahren gemeinsam Nachmittags zu einem anderen Wasserfall. Wie ein
großer Pool. Es ist ein entspanntes und schönes Baden. Raju ist wieder in
seinem Element und springt mit Roswitha über die Felsen und zeigt ihr die
versteckten Naturschönheiten. Wir können bunte Vögel beobachten. Wie aus dem
Nichts springt eine Gruppe von Schulkindern wahnsinnig schnell über die Felsen.
Es scheint ihr Heimweg zu sein. Sie stoppen und kommen mit ihrem Schulbuch
zurück und bitten jede von uns ihren Namen dort einzutragen. Diese Geste und
ihre frische Art berühren mich und uns.
Daheim ist volles Haus und Besuch. Johnson erzählt und wir befragen ihn.
Der unvermeidliche Powercut und spätes Essen mit Puri, meinem Lieblingsbrot.
Dann entsteht eine Diskussion über unsere Trekkingtour. Wir wollen von
Raju wissen, wie die Bedingungen sind. Drei wollen es wagen. Raju erzählt, dass
es aber auch gefährlich sein könne, Tiger, Elefanten, Regen, Blutegel… Tja,
eine unglückliche Situation entstand aus meiner Sicht. Sollte es wirklich so
gefährlich sein? Zu gefährlich? In dieser Form ist die Tour jedenfalls
gestrichen.
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12.12.08 - Heute ist endlich die Hausboottour geplant. Wir wollen auch
übernachten. Nach 1,5 Stunden Autofahrt sind wir da. Zur Begrüßung einen
Pineapplejuice. Na ja, es ist ein „fast schönes“ Boot. Ich hatte es mir
romantischer und hübscher vorgestellt. Wir tuckern los und schnell sind wir
begeistert von der Umgebung, Palmen, springende Fische, viele Vögel, Seeadler
und Eisvögel und Menschen und Kinder an Land. Fischer in ihren Booten und Leute
die verbotener Weise Schlamm aus dem Fluss holen. Die kleine Küche zaubert für
uns ein Essen, natürlich mit frischem Fisch. Ich sitze auch mal oben auf dem
Boot. Es gibt zwei Zimmer, und wir entdecken, dass nur in einem das Wasser
funktioniert. Also doch eine gewisse Romantik die Toilettenspülung mit
Flusswasser zu organisieren, denn wer weiß, wie groß die Wasserkanister sind?
Wir steigen um in ein Badeboot, das uns ans Meer bringt. Aufgrund von
Motorschwierigkeiten knallen wir etwas gegen einen Brückenpfeiler. Unbeschadet
kommen wir aber zu einer Stelle mit endlosem Sandstrand, Palmen und dem warmen
Meer! Inderinnen, die an der Küste mit Anpflanzungen beschäftigt sind, lachen
sich tot über uns.
Jede Menge Greifvögel in der Luft. Zurück auf dem Boot versuchen wir uns
mit möglichst wenig Wasser abzuwaschen. Kurz vor der Dämmerung ankern wir und
schön geht die Sonne unter und ein gelber Vollmond erscheint. Die dreiköpfige
Crew zieht sich zurück. Wir genießen und versuchen ein paar Lieder zu singen.
Wenn nur der Generator nicht wäre. Wird der etwa die ganze Nacht laufen? Wir
haben ja Taschenlampen. Mutig wecke ich die Crew und bitte sie, den Generator
abzuschalten. Erstaunte Blicke - und dann ist Ruhe und der Mond scheint und
Anneli und ich schlafen oben auf dem Schiff unter dem Dach, und alles ist gut.
13.12. Sa - Ich werde wach und sehe die Sonne aufgehen! Ich bin müde und
für die meisten war die Nacht nicht sehr erholsam. Die Bootscrew rumort schon,
und früh frühstücken wir. Bis zum Anleger ist es nicht weit. Dann üben wir uns
im Warten, denn wir sind zu früh und Raju verspätet sich. Vor dem
Kerala-Discovery-Bootstour Werbeschild stehen wir. Aber es gibt auch hier etwas
zu erleben: die Wartenden an der Bushaltestelle und was an dem Stand des
kleinen Fischverkäufers passiert. Roswitha und ich gehen die Stufen am Hang
hoch und schon erleben wir wieder Inder, die uns freudig und neugierig
begrüßen.
Wir fahren nach Kappad an den Strand. Ein Hotel gibt es hier und ein paar
kleine Buden am Strand. Einige müssen ihre Kaffeegelüste befriedigen, aber alle
brauchen wir eine schöne funktionierende Toilette. Und was für ein schöner
Strand! Viele Krabben und Muscheln. Der nächste Hotelneubau ist aber nicht
weit.
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In Calicut verlässt uns Raju und wir haben 4 Stunden Zeit für uns. Auf
dem Fruchtmarkt geht es wild und vielfältig zu, mit dem Verkehr auch. Ich
schwitze und habe immer noch ein wenig Meergefühl von gestern auf dem Körper.
Von einem Restaurant im 1.Stock schauen wir aus einer guten Entfernung auf das
Gewühle. Wie gut und preiswert das Essen ist, ist immer wieder überraschend.
Zum shoppen teilen wir uns, und ich erstehe tatsächlich einen Saristoff, eine
Aufgabe für den Schneider mir eine Churidar zu nähen. Stadt ist anstrengend.
Wir fahren zum Hafen nach Beypore, nahe Calicut. Uns allen bleibt der
Mund offen stehen. Eine geschäftige, eilige Atmosphäre, Fischkutter, Körbe
voller Fische, Träger eilen unter schwerer Last mit Behältern aus denen die
Fischflossen nach oben ragen, mir erscheint es wie ein heilloses Durcheinander.
Ein Teil unserer Gruppe beobachtet dies und die anderen haben ihre Kamera und
ihre Aufmerksamkeit nach oben in den Himmel gerichtet. Dort fliegen Milane,
Seeadler und andere Greifs wie bei uns Möwen und Ute sagt: das glaubt mir zu
Hause keiner!
An der Strandpromenade dann findet samstägliches Bummeln am Strand und
an der langen Mole statt, auch ein Schauspiel. Für eine Fährfahrt reicht die
Zeit nicht. Auf der Rückfahrt kommen wir von einem Verkehrsstau in den anderen
und von einer Tempelprozession in die andere. Genauer gesagt erleben wir drei
mit geschmückten Elefanten, Trommeln, Singen, Feuer, viele Menschen, ein
Wahnsinn. Für heute reicht es, ich möchte nur noch duschen, als wir gegen 20
Uhr zu Hause sind. Später spielen wir noch Mensch-ärgere-dich-nicht mit den
Kindern, der Vollmond scheint, das Abendkonzert umfängt uns, und wir sind
wieder im Paradies.
14.12.08 - Heute ist ein freier Tag, und ich mache mir klar, dass es der
3. Advent ist. Langsam gehen wir in den Tag. Heike und Roswitha machen vor dem
Frühstück QiGong. Es gibt die von uns geliebten Pineapple Pancake. Die Veranda
wird plötzlich zur Werkstatt. Raju schneidet Schwimmwesten zu. Er kann so viel
Geld sparen und außerdem gäbe es eine größere Anzahl gar nicht zu kaufen, so
erklärt er uns. Mir gefällt, wie unkompliziert alles abläuft.
Die Mutter von Muli, der Küchenhilfe, ist gestorben, und so werden wir
heute etwas mithelfen. Es ist eine sonntägliche Ruhe. Ich vermisse die Schüler,
die tägliche Schülerwanderung. Ich gehe an die Hauptstraße und auch die ist
leer. Aber, plötzlich ein Fahrrad mit eigenartigen runden Behältern: ein
Kükentransport fährt vorbei! Ich liebe diese eigenwilligen Transportarten und
–formen. Mit einer Teilgruppe gehe ich
um 15 Uhr zur Kirche. Unterwegs hält plötzlich ein Auto an. Ein junger
etwas deutschsprechender Inder sitzt drin. Er arbeitet bei einer Bank und kennt
die Farm. Er hat uns Touristen gesehen und lässt uns Grüße ausrichten. So klein
ist die Welt.
Tourismussünde
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Die Kirche ist gut besucht. Man sitzt nach Geschlechtern getrennt, die
meisten auf dem Fußboden, nur die alten (und Touristen) sitzen auf Stühlen.
Anschließend trinken wir in der Bakery einen Kaffee. Und schon wieder wird es
einfach Abend.
15.12.08 - Es gibt wieder Reisnudeln mit der leckern Kokossoße. Wir
fahren zu den Tusharagiri Wasserfällen. Es ist ein Naturschutzgebiet mit 3
großen Wasserfällen. Ein Führer geht mit uns über Stock und Stein. Ein
faszinierender schweißtreibender kleiner Dschungel. Wunderbare alte Bäume,
Lianen, die sich wundersam ranken und eigenartige Formationen bilden.
Wir finden knallrote kleine Federn, aber der Vogel dazu zeigt sich
nicht. Für uns ist es streckenweise mühsam zu gehen, aber unser Guide mit
seinen Latschen geht irgendwie locker spazieren. Wir lunchen auf einem Felsen
(Lovely hat Nudeln gemacht), der Wasserfall rauscht und sieht einfach gut aus,
meine Füße sind kühl im Wasser, so ist es gut.
Im Hintergrund rotten sich doch tatsächlich Wolken zusammen, und auf halbem
Weg zurück fängt es an zu regnen. Wir warten etwas ab. Nun sind die Felsen
superglitschig. Zusammengekauert rutsche ich lang, Ute sogar auf dem
Hosenboden. Wir schaffen es alle und der Weg wird besser. War da nicht was,
wenn es regnet? Blutegel?!
Der Guide verabschiedet sich von uns per Handschlag, und schon ruft die
erste erschrocken, dass ihre Socken blutig sind. Mein Gedanke, ich sei wohl
davon gekommen, ist grad zu Ende gedacht, als ich höre, dass meine Hose an der
Wade ganz blutig ist. Da hängt sogar noch einer, den Raju mit dem Feuerzeug
abbrennt. Es blutet zwar, es tut aber nicht weh, und ich hatte es mir schlimmer
und ekliger vorgestellt. Meine Blutegelinitiation.
Ich bringe meinen Stoff zu den Schneiderinnen und bespreche, wie es
werden soll. Ich habe ein gutes Gefühl dabei.
16.12.08 - Heute ist der letzte freie richtige Tag. Irgendwie ist es
nicht mein Tag. Roswitha und ich gehen noch einmal nach Murambathi. Es geht
erstaunlich schnell und einfach, was vor ein paar Tagen noch ein kleines
Abenteuer war. Wir finden sogar einen kleinen Rundweg. Ein Minischulbus hält,
und ein cleverer Junge sagt uns sofort, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Aus dem wird sicher mal was.
Ich habe das Gefühl, dass ich einen Schnupfen bekomme. Diana malt in
mein Tagebuch ein Gesicht, geht ganz sorgsam mit meinem 4-Farbenkuli um und
schreibt ihren Namen auf Malayalam daneben. Trotzdem ist heute nicht mein Tag.
17.12.08 - Heute ist unweigerlich der letzte Tag auf der Farm. Ich gehe
ein letztes Mal morgens ins Feld. Plötzlich blühen die Kaffeebäume. Eine junge
Frau kommt und grüßt mich nett und fragt, ob ich ihr Haus sehen möchte. Ich
zögere kurz, aber dann gehe ich mit ihr. Sie wohnt mit ihren Eltern und ihrer
Schwester und erzählt von ihrem Studium. Das original keralitische Frühstück
ist wohl einfacher, denn der Mann isst Tapiokawurzel mit klein geschnittenem
grünen Chili. Ich probiere etwas davon. Dann möchte sie meine Adresse haben,
denn ihr Traum ist, nach Europa zu reisen. Ich fühle mich ganz beglückt über
dieses nette Extra-Erlebnis.
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Die Stimmung beim Frühstück ist etwas gedrückt, weil Lovely's Onkel
gestorben ist. Johnson zeigt uns einen schönen Fußweg abseits der Straße nach
Kodancherry. Hätten wir das nur früher gewusst. Ich hole von den Schneiderinnen
mein Sarikleid und freue mich sehr. Auch die Schneiderfrauen freuen sich mit
mir und die Freude vervielfacht sich. Ich weiß nun, was ich am Abschiedsabend
tragen werde! Michaelas Sachen sind auch repariert . Im großen Stoffladen
entsteht noch einmal ein gemeinsamer Kaufrausch. Auch die typischen papiernen
Weihnachtssterne werden noch erstanden.
Nach dem Lunch beginnt das Packen und für viele die Sorge, ob alles in
den Koffer passt. Wir alle nehmen natürlich noch Gewürze mit. Ich bin so froh,
dass für mich die Reise noch weiter geht, aber das Abschiednehmen beginnt und
fällt mir schwer. Ich beobachte die reizende Szene, wie Jaimon und Diana
Michaela beim Packen helfen. Aber die Atmosphäre des Aufbruchs ist allüberall
spürbar. Raju tut sich schwer die Abschlussrechnung zu erstellen.
Aber auch am allerletzten Abend gibt es noch eine Überraschung: nämlich
der Dachgarten, den wir noch gar nicht entdeckt hatten. Es gibt Tandoori
Chicken. Unter dem wunderschönen Sternenhimmel, mit Powercut, Tropenkonzert und
in großer Gemeinschaft lassen wir es uns gut gehen. Sofern man das so sagen
kann, wenn eine Abschiedswehmut oder sogar –schmerz über allem schwingt. Wie
sagt mein originaler Tagebucheintrag: Ich kann den Abschied nicht wirklich
beschreiben.
18.12.08 - Große Abreise. Um 7 Uhr ist Frühstück. Letzte Gruppenfotos
werden gemacht. Wir alle haben viel Gepäck, und es ist irgendwie traurig und
auch nicht. Wir machen etliche Pausen, und jedes Mal fragt Anneli, ob wir jetzt
nicht wieder zurück zur Farm fahren. Wir besuchen eine Elefantenfarm, wo viele
Tempelelefanten auf ihren Einsatz warten. Wir lernen etwas über die
Unterschiede der indischen Elefanten. „Eigentlich“ ist es eine ganz schöne
Fahrt, wenn wir uns nicht immer weiter von der Farm entfernen würden…
Kochi kündigt sich an durch viel Verkehr. Große Plakate an der Straße
wollen wissen lassen, wie wunderbar es ist, in einer Hochhaussiedlung zu
wohnen! Und so ist es auch bald zu sehen. Ich kann es nicht glauben. Mir
erscheint der Gegensatz sehr krass zur herkömmlichen Lebensweise. In Ernakulam hat uns dann Großstadtleben
eingeholt mit allen Facetten. Ein modernes Hotel für uns, ein Boy hält die Tür
auf. Aber Buddhaseidank ist nicht alles perfekt, denn in unserem Zimmer lässt
sich die Klimaanlage nicht ausschalten. Erfindungsreich verstopfe ich etwas die
Lüftung.
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Das Abenteuer wartet vor dem Hotel, denn die Straße ist so stark
befahren, dass es der besonderen Technik bedarf, um sie zu überqueren,
entschlossen und mutig. Die Promenade dahinter gibt uns wieder Urlaubsgefühle
und Dank der unternehmungsfreudigen Gruppenpower nehmen wir eine Fähre und
fahren nach Fort Cochin. Das erinnert mich an Hamburg, wenn es dort je einen so
heißen Sommerabend geben würde. Wir finden auch ein nettes Lokal, und es fühlt
sich wieder heimelig an. Mit der letzten
Fähre fahren wir heim und in Ernakulam ist es ruhig.
19.12.08 - Vor dem Frühstück gehe ich durch die rückwärtigen Gassen
hinter dem Hotel und bin ganz beruhigt, dass hier buntes Leben herrscht.
Glitzernde Weihnachtsgirlanden sind angesagt. Nach dem Hotelfrühstück und
kleinen Hindernissen fahren wir wieder mit der Fähre nach Fort Cochin. Auf eine
Autofahrt haben wir alle keine Lust.
Für mich beginnt jetzt wieder eine Erinnerungsreise. Wir genießen die
Atmosphäre des jüdischen Viertels, all die Reis- und Gewürzhändler, die kleinen
Seitengassen und das vielfältige Leben. Und dann erst einmal die vielen
professionellen Andenken- und Antiquitätenläden. Eine regelrechte
Reizüberflutung. Das sind wir gar nicht gewohnt.
Die Synagoge hat leider geschlossen. Ich freue mich, dass wir viel Zeit zum schlendern haben. Wir treffen
uns alle bei einem wohltuenden Pineapplejuice an einem Kiosk wieder. (So etwas
ist übrigens gar nicht abgesprochen, es passiert einfach. Nicht wie auf
Gruppenreisen um xx Uhr Treffpunkt xx)
Und dann muss ich gestehen, passiert etwas sehr eigentümliches. Direkt
nebenan ist ein Souvenirshop und eine typische, aber äußerst kitschige
Elefantenkette erregt mein Interesse. Kaum ausgesprochen, sind vier von uns in
Verkaufsverhandlungen, und ich erstehe das kitschigste Urlaubsmitbringsel, was
ich in meinem Leben gekauft habe. Soll ich
es den Entbehrungen auf der Farm zuschreiben?
Es ist so heiß, aber tapfer laufen wir zurück, schauen die typischen
chinesischen Fischernetze an, gehen noch in die Kirche, aber die Stoffwedel,
die früher mal Luft gefächelt haben, sind außer Betrieb. Äußerst touristisch
erfrischen wir uns in Kashis Art-Cafe.
Um 16.30 Uhr ist Abschied von unserer Gruppe. Schön-traurig ist es. Die
werden heute Abend eine Kathakali-Tanzaufführung sehen, während wir unterwegs
Richtung Süden und Meer sind. Unser Fahrer muss erst einmal etwas ordentliches
essen, denn in dem Cafe, das war nichts für ihn. Viele kleine Etappen – viele
erleuchtete Hindutempel, etliche Chais und Johnson redet ununterbrochen mit dem
Fahrer. Es ist sein Job, ihn wach zu halten. Nach 6 Stunden kommen wir bei
Ayurbay und Lalitha an. Ich sehe im Dunkeln die Anlage und bin nicht sicher, ob
es mir hier gefallen wird. Es sieht für mich wieder zu prächtig aus, aber
vielleicht ist ja auch hier nicht alles perfekt.
Noch ein Abschied von Johnson und Gutmensch, denn die müssen noch zurück
fahren und die anderen morgens zum Flughafen bringen. Unglaublich, denn wir
legen uns todmüde ins Bett.
Annette aus Hamburg, die Dritte - einen so ausführlichen
Bericht über die KD-Südindienreise hatten wir lange nicht. Annette macht sich
schon Sorgen, dass sie uns damit überfordert. Da kenne ich aber etliche, die
hier widersprechen - nicht zuletzt ich! Annettes Bericht ist nämlich in vieler
Hinsicht etwas Besonderes. Zum einen hat der Arbeitgeber Annette mit 33
Urlaubstagen gebenedeit - zum anderen gestattet sie uns einen Blick in ihr
intimes Reisetagebuch.
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Das Ergebnis ist ein Indienbild voller kleiner Erlebnisse und
Gefühle, das hinsichtlich Farbintensität und Überlänge durchaus mit
Bollywoodfilmen vergleichbar ist. Aber sonst hat Annettes Tagebuch wenig mit
Mumbais Traumfabrik gemein - ihr Reisetraum ist Realität. Heute erleben wir mit
ihr acht Tage, die Annette mit ihrer Reisefreundin Anneli bei Dr. Lalitha
südlich des Kovalam Beach verbrachte - über 500 Kilometer von unserer
Tropenfarm in Nord-Kerala und über 9000 km vom restlichen Reiseteam entfernt,
das bereits nach der 3. Reisewoche nach Hause fliegen musste. Der Aufenthalt in
einem Strandresort am Arabischen Meer hat eine neue Dimension nach 3 Wochen
Farmferien im Hinterland.
20.12.08 Sa - Etwas verstört
gucke ich mich um, als ich wach werde. Wo bin ich? Ich höre das Meer rauschen.
Meine erste Tat: ich gehe baden. So etwa 2 Menschen sind am Strand, außer den
Fischern, die mit ihren winzigen Booten vor den Felsen nach Muscheln und
Tintenfischen Ausschau halten.
Die Bucht gefällt mir, ein wenig
größer wäre schön zum Laufen, aber sie strahlt etwas Heimeliges aus. Ein
Fischermensch bekommt Signale von seinen Kollegen aus dem Wasser. Mit einem
Speer schwimmt er rasch hinaus und kommt strahlend mit einem Octopus zurück. Er
fragt mich, ob ich gern so etwas esse. Etwas von seinem Glück springt auf mich
über.
Wir sind keine normalen Gäste,
sondern in der Ayurvedagruppe eingeteilt und dadurch in einer kleinen
Gemeinschaft. Wie schön! Mitten in den Palmen oberhalb des Meeres ist der Ort
für die Mahlzeiten. Es gibt einen leckeren Fruchtsalat, und ich bekomme mein
geliebtes Keralafrühstück.
Ein Mann, der heute abreist,
erzählt, dass er es zwei Wochen lang bestellt hätte, aber immer Toast bekommen
hätte! Es ist eben alles nicht perfekt, und das erfreut mich. Jetzt jedenfalls.
Ich beobachte etwas schläfrig und noch fremdelnd, wie es hier ist: Der Ort, das
Personal, meine Mitmenschen, das Strandleben und Lalitha, die resolut und
liebevoll über allem wacht. Eine energievolle, herzliche Person, das merke ich.
Wir reden über Ayurvedatypen. Der Tailor winkt auch schon vorsichtig zu uns
neuen Gästen herüber.
Zum Essen, übrigens sehr lecker,
finden wir uns an den Tischen zusammen. Nachmittags wagen wir uns über die
Felsen und landen in einem neuen wunderbaren Shop eines Tibeters. Eine kleinere
Bucht hier, Hotel, beschauliches Leben. Der Schweiß läuft und das Meer ruft
mich drei Mal an diesem Tag. Ich erlebe einen ruhigen Tag rund um Lalitha. Ich
komme an.
Eine quicklebendige Holländerin,
die für eine Nacht bleibt, erzählt abends vom Filmfest in Trivandrum.
21.12.08 So, 4. Advent - Mein
frühmorgendliches Bad und der nett lächelnde Fischer bringen mich in den Tag.
Anneli und ich machen Pläne, was tun und was nicht tun. Wir haben einen Termin
mit Lalitha, ob wir kuren wollen. Ich kann mich nicht total auf eine Kur einstellen,
sondern möchte nur Massagen nach eigenem Ermessen haben.
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Der Blick durch die Palmen aufs
Meer ist einfach gut. Ab und zu geht ein Holztransport vorbei = eine Inderin
trägt auf dem Kopf eine schwere Menge Feuerholz. Ich gucke mir die Stoffe bei
dem Schneider an, und nachmittags ist meine erste Massage inklusive Stirnguss.
Von letzterem war ich nicht so angetan. Es ist fantastisch: Ich liege nackt auf
einer Massagebank, ein sanfter Wind fächelt, das Meer rauscht, es ist angenehm
warm, so dass wirklich kein Frösteln aufkommen kann, und meine Masseuse
bearbeitet mich liebevoll, wenn auch nicht immer sanft. Aber sie guckt genau
und fragt beim leichtesten Unbehagen „pain?“.
Völlig eingeölt hilft sie mir in
den hauseigenen Bademantel, und ich ruhe und fühle meine Zugehörigkeit zur
Ayurvedagruppe. Der Tag geht mit einem fast schönen Sonnenuntergang vorbei. Von
der Kirche vom Dorf kommt Gesang herüber. Stundenlang vom Band – es ist weit
genug weg und nah genug um Indien hörbar zu machen. Es ist nicht viel passiert,
aber es war ein guter Tag. Ich bin froh, hier zu sein.
22.12.08 Mo - Die beiden
Belgierinnen aus unserer Gruppe wollen zu Amma
fahren, eine bekannte spirituelle Lehrerin, die ihren Ashram nicht allzu weit
entfernt hat. So denke ich drüber nach, ob ich mitfahren möchte. Ich habe mal
einen Film über sie gesehen.
Heute wollen wir sehen, wie es
in Kovalam
ist. Wir laufen unseren Berg hoch und nehmen uns eine Rikscha. Ein
touristischer geschäftiger Ort. Was könnte/sollte ich noch alles in diesen
letzten Tagen erstehen?! In der ersten Bucht holen die Fischer ihr langes Netz
ein. Mich fasziniert der Wechselgesang, der das Ganze begleitet und auch, dass
immer Einer frische Energie in diesen langen und anstrengenden Vorgang bringt.
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Hier liegen nun viele Touristen
am Strand, und mir wird endgültig klar, wie paradiesisch es bei Lalitha ist.
Die Ruhe dort und dass es direkt am Strand liegt, ist einfach toll.
Shops gibt es unendlich viele.
Natürlich kaufen wir auch etwas ein, erfühlen die bestaunenswerte Qualität
eines echten Pashminaschals.
Einkaufen hört sich so einfach an, ist aber ab einer bestimmten Stufe ein
anstrengender und längerer Vorgang, für mich jedenfalls.
Ich gebe mich noch einer Massage
bei Lalitha hin, einem Bad im Meer, dem Betrachten des Sonnenuntergangs und den
Gesprächen mit den anderen.
23.12.08 Di - Heute bade ich
richtig früh, denn wir wollen nach Kanyakumari,
an die Südspitze Indiens. Ein luxuriös aussehendes Auto steht bereit für uns.
Wie werden wir verwöhnt.
Ein Arbeitselefant an der
Straße, grad richtig für einen kurzen Stopp, für eine Berührung und ein Foto –
kleines Entgelt erwünscht.
Der Padmanabhapuram
Palace mit vielen Holzverzierungen und einer schönen
Anlage liegt auf dem Weg. Wir halten auch an einem großen Hindutempel in Suchindram.
Der Führer zeigt uns die lange Säulenhalle und die klingenden Säulen. Eine
schöne Atmosphäre ist im Tempel, wieder auch mit vielen Pilgern. Als hungriger
Mensch esse ich noch frittierte Bananen und trinke einen Tee.
Nach langer Fahrt kommen wir in
Kanyakumari an. Es hört sich sicher eigenartig an, aber der Fahrer macht uns
etwas fertig, weil er so vorsichtig fährt. Er überholt nicht „indisch“, er hat
nicht dieses Vertrauen oder auch Erfahrung, dass schon alles gut geht. Er hupt,
aber dann passiert nix. Eine völlig neue Übung in Geduld für mich.
Aber wir kommen an, und am
modernen Boat Jetty steigen wir aus und gucken irritiert auf die akkurat
sitzende Warteschlange. Von neugierigen Blicken und Fragen begleitet kommen wir
schnell voran. Kaum sind wir aus dem Gebäude, ist die Ordnung vorbei. Wild drängen
sich alle auf das Boot, und voll gepackt fährt es los. Es ist regelrecht
stürmisch und die Wellen lassen das Boot auf und nieder steigen, unterstützt
von lauten Juchzern.
Ich male mir nur kurz aus, was passieren
könnte, wenn alle mit ihrem Gewicht mit den Wellen schwingen würden. Wir
tuckern zum Vivekananda
Tempelrock, und ich muss gestehen, dass ich ab jetzt nur noch fasziniert bin
von den Menschenmassen, die sich ergießen und wieder vor dem Ticketcounter
anstehen, dann vor dem Gebäude und dann wieder eine lange Schlange bilden um
mit der Fähre zur nächsten Insel mit der Statue zu fahren. Wir sind Teil des
manchmal zerrendem Treibens und auch wieder wundervollem fremdartigen Trubels.
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An Land essen wir eine
Kleinigkeit und arbeiten uns durch eine Unmenge von Souvenirständen,
Wahrsagern, Pilgern, Touristen vor bis zur Spitze. Hier bekomme ich eine Ahnung
davon, wie viele Menschen an diesem Ort sein könnten.
Wir wollen den Sonnenuntergang
nicht abwarten, sondern fahren heim. Die ca. 90 km dauern rund 3 Stunden. Ich
bin zwischen Geduld und Ungeduld gefangen. In der Dunkelheit leuchten viele
weihnachtliche Sterne, Krippen und auch Lichterketten. Es war gut, es war der
Tag der un-geordneten Menschenmengen.
Bei Lalitha ist richtig was los.
Zwei indische Familien sind gekommen. O Schreck, das kleine Kind läuft unter
stolzen Blicken der Verwandtschaft, mit Schuhen einher, die bei jedem Schritt
ein beabsichtigtes lautes Quietschen erzeugen. So ein kleines Kind läuft auch
abends noch viel. Bleiben die lange?
24.12.08 Mi – Heiligabend - Ich
gehe baden, und Anneli bekommt ihren morgendlichen Kaffee serviert. Beim
Frühstück stellt sich wie jeden Morgen die Frage für mich, kommt der Tee
rechtzeitig oder erst nach dem Frühstück? Aber Lalitha dirigiert ihr Personal.
Sonst ist alles normal, Meer, Palmen, Sonne und eine Morgendliche Massage. Ich
schenke meiner Masseuse den mitgebrachten Lebkuchen. Vielleicht hat sie Freude
dran, ihre Augen strahlen, aber sie strahlt sowieso.
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Heute bekommen wir ein extra
schönes Mittagessen. Der Taylor hat meine Bluse fertig, und ich bin zufrieden
damit. So geht das Strandleben. Plötzlich gibt es Aktivitäten vom Personal:
Eine Krippe wird unter einer Palme gebaut. Mit Sand vom Strand, trockenen
Palmwedeln, Figuren, Glitzerkette und Beleuchtung wird sie liebevoll gestaltet.
Der Klempner kommt, zieht Kabel ab, und dann hängt zwischen den Palmen eine
Lichterkette mit großen Papiersternen. Unglaublich!
Wir wollen heute alle in Kovalam
essen. Um 17 Uhr treffen wir uns. Anne aus Bremen, die mit Lalitha befreundet
ist und sie auch schon lange kennt, möchte einen Sari verschenken. So gehen wir
alle im nächsten Dorf in einen Laden.
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In Kovalam gehen Anneli und ich
auf und ab, auf der Suche nach dem schönsten und angenehmsten Restaurant. Im Santana
gibt es Fisch und Huhn satt. Es ist unweihnachtlich und auch wieder nicht, denn
auf der Rückfahrt an unserer kleinen Kirche ist Trubel und Leben. Eine
festliche Atmosphäre. Die Kinder laufen aufgeregt lachend mit einem in
Zeitungspapier eingewickeltem Geschenk hin und her. Es war offensichtlich
Bescherung. So viel einfaches Glück und Zufriedenheit! Unsere Krippe daheim
strahlt uns hell entgegen.
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25.12.08 Do - Heute fahren wir
zu viert zu Amma. Anneli will nur gucken und
wieder zurück fahren. Um kurz nach 7 Uhr gibt es ein Minifrühstück, und dann
fahren wir mit unserem langsamen Fahrer los. Eigentlich ist kein Verkehr, aber
wir kommen erst kurz vor 10 Uhr in Kollam an. Ein kurzer Verhandlungsstress mit
dem Bootsmenschen.
Das Boot fährt nicht direkt,
sondern macht noch eine Pause. In einer halben Stunde geht es schon los, und
ich muss unbedingt noch frühstücken, ein rasches Dosa-Frühstück. Das Boot wird
voll und mit Touristen unterschiedlichster Art geht es noch einmal durch die
Backwaters. Mittags halten wir an für ein schnelles Thali.
Mehrere Hochhäuser und eine
Brücke kündigen den Ashram an. Ja, der Ashram besteht aus Hochhäusern. Vor 10
Jahren bin ich hier vorbei gefahren und habe mich gewundert und erst hinterher
gehört, was dort ist. Jetzt bin ich hier. Die Größe und das Leben dort erzeugen
in mir etwas Unbehagen. Anneli guckt und fährt zurück. Ich checke ein und
bekomme ein Bett im Viererzimmer, dunkel und einfach, im 10. Stock. Ich nehme
an einer organisierten Führung teil.
Heute ist Darshan, der
Tag an dem Amma stundenlang aus unendlicher Güte und Mitgefühl Menschen rituell
umarmt. Laute Musik ist überall auf dem Gelände zu hören.
Ich gebe mich für 24 Stunden dem
Leben hier hin. Inder, Europäer, Familien, Einzelne, Junge, Alte, Normale,
Ausgeflippte, alle sind hier und viele Ehrenamtliche. Ich bin von Amma umarmt
worden, und so kann ich gut gehen.
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(Meine Erfahrungen hier sind
sehr intensiv und ich möchte es an dieser Stelle nicht weiter öffentlich
machen. Wenn jemand Interesse hat und mehr wissen möchte, bin ich gern bereit
davon zu erzählen.)
26.12. Fr - Ich verbringe nach
einer guten Nacht bis zum Nachmittag die Stunden im Ashram. Wir rufen bei
Lalitha an, ob der Fahrer uns heute abholen kann. Ein Local Call, aber wir
probieren es ganz bestimmt vier Mal um Durchzukommen und um eine stabile
Leitung zu haben. Mittags geht der Reis aus, und ich beobachte wie eine
Schlange von Menschen (mich eingeschlossen) mehr oder weniger geduldig bestimmt
20 Minuten warten.
Unser Fahrer kommt jedenfalls pünktlich
um 15 Uhr. Ich habe mir vorgenommen, ihn einfach fahren zu lassen und nicht zu
gucken. Das klappt auch fast. Große, bunte Tempelfiguren bestaunen wir
unterwegs. Gerade noch rechtzeitig für ein Meeresbad vor Einbruch der
Dunkelheit kommen wir an. Ich stürme zum Strand und bin wieder im
Lalitha-Ashram. Auch das ist gut.
27.12. Sa - Natürlich Baden als
Erstes – Couscous-Frühstück mit Banane. Der Kartenverkäufer am Strand möchte
nun endlich mit mir ins Geschäft kommen. Jeden Tag fragte er mich geduldig -
auch wenn ich nass aus dem Meer komme. Aussuchen, Handeln, er ist zufrieden,
und ich bin gespannt, was nun ist.
Das Internet bei Lalitha ist
nicht funktionsfähig, wir gehen bzw. fahren nach Kovalam. Auf dem Weg zur
Rikscha: Zwei Männer sitzen vor einem Haus und singen.
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Ich versuche in Kovalam die
dritte Bucht zu entdecken. Aber das überzeugt mich alles nicht. Luxusherbergen.
Es scheint keine Teezeit mehr zu sein, was ist das? Bin froh, einen dunklen
Teastall zu finden und Tee und Dosas zu bekommen. In diesem Tourismus mutet so
ein Ort plötzlich ganz eigentümlich an. Treffe Anneli in der German Bakery –
was für ein Kontrast.
In einem Shop klagt der Händler
über schlechte Geschäfte. Ich falle auf einen Stoff herein, den der Schneider
nicht nähen will, weil keine gute Qualität.
Ein alter, dünner, kräftiger
Fischer hat heute bei Lalitha Fisch vorbei gebracht. Ein starkes Handeln brach
aus, mir wurde schon ganz anders. Also gibt es Fisch heute Abend, wirklich
fangfrisch. Zu dritt bekommen wir noch Besuch von schmucken Polizisten. Sie
wollten Neujahresgeld, haben aber auch die Küche inspiziert.
nächster Zeit aber nachgeholt, und dann bleibt jeweils nur die aktuelle Ausgabe eine Woche lang frei zugänglich.
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Der
vierte und letzte Teil des schönen Südindien-Berichts von Annette aus Hamburg.
Es stimmt ein wenig wehmütig, dass er schon zu Ende sein soll. Zumal Annette
sagt, sie könne noch viel mehr erzählen. Aber auch eine 33-Tage-Kerala-Discovery
geht irgendwann zu Ende. Zum Ausklang erzählt Annette von den letzten Tagen bei
Lalitha am Strand.
28.12.08 So - Das Meer ist wie
immer einladend da und warm. Mein etwas grummelnder Magen bekommt heute Morgen
Porridge. Es ist ruhiger Strandtag. Ich beobachte die sonntäglichen Inder, die
einen Ausflug machen und was sonst am Strand passiert. Wenn der Strandverkäufer
seine Tücher ausbreitet und sie anpreist und die indischen Kinder, die
ausgelassen an der Meereskante toben.
Abends wollen wir zum Kathakali
(trad. Tempeltanz, aber für Touristen) nach Kovalam. Deutsche Zeitplanung holt
uns ein, wir kalkulieren zu knapp. Unterwegs geraten wir in eine christliche
Prozession, spannend und interessant, aber nicht vorgesehen. Wir müssen einen
Umweg nehmen und hetzen über die Strandpromenade zur Tanzaufführung. Das
Schminken und Ankleiden gehört dazu. In dem Hotel möchte ich meinen Urlaub
jedenfalls nicht verbringen.
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In Kovalam ist es völlig
überfüllt mit Menschen und nun erleben wir, dass das Essen über eine Stunde
dauert. Der Kellner ist sehr nett, aber ich fürchterlich hungrig. An „unserer
Ecke“ steht keine Rikscha mehr. Es ist spät geworden. Sind froh, dass ein Stück
weiter wir doch noch eine finden.
29.12.08 Mo - Heute wollen wir
mal die Straße hochgehen bis zur Hauptstraße. Viele Kleinigkeiten zu bestaunen
am Straßenrand. Auf der Anhöhe eine schöne Aussicht über die Palmen bis zu
unserem Kirchen/Moscheedorf. Ein kleiner Markt ist oben. Ein unglaubliches
Gewusel und viele unbekannte Dinge. Lautes Reden, nette Menschen,
Freundlichkeit. Viele kleine Verkaufsstände, nein, Menschen, die ihr Gut um
sich drapiert haben, mehr nicht. Eine lautstarke Diskussion, viele erregte
Frauen. Worum mag es gehen?
Wir kaufen uns ein Gebäck und
trinken einen Tee im „Restaurant“. Neugierig beobachtet uns eine Frau. Bei
einer Korbverkäuferin am Straßenrand erstehe ich einen kleinen Korb für eine
Freundin. Schade, nicht so einen großen, wunderbaren Naturkorb mit heim nehmen
zu können. Bei einem Gemischtwarenhändler kaufe ich Seife. In einem Sack gibt
es dort Teerstücke zu kaufen. Was ist das bloß?
Auf dem Heimweg werden wir von
einer kleinen Gesellschaft heran gewunken. Wir müssen Tee trinken und eine
Banane essen und werden befragt. Es wird uns gesagt, dass wir auf einer
Beerdigungsfeier des Großvaters sind.
Wir gehen gelassen und entdecken
einen Kindergarten. Auch hier sollen wir eintreten und viele Kinderaugen gucken
uns teils verängstigt, teils neugierig an. Sie wollen uns etwas vorsingen.
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Daheim essen wir einen kleinen
Lunch. Anne erzählt mir, wie das alles mit Lalitha begann. Pineapplejuice am
Nachmittag. Die Wellen sind heute etwas stürmisch und der Fischermann vom
Personal guckt nach uns beim Baden. Erstaunlich finde ich, dass der
Kartenverkäufer mich jetzt wie eine Freundin begrüßt. Das gefällt mir. „No
business“ sagt er mir heute, guckt aber nicht betrübt. Mit dem Schneider sind
Verhandlungen im Gang über neue Projekte. Am Strand begegnet uns heute ein Mann
mit Tochter und feuerverletzten Händen, der uns anbettelt. Ist ein wenig
schwer, aber Lalitha sagt später, er würde Unterstützung bekommen und Leute
würden viele Geschichten erzählen.
Zum Sonnenuntergang setze ich
mich auf die Stufen vom Hotel und der Kartenverkäufer setzt sich vertraut zu
mir. Ziemlich unvermittelt sagt er: I am so happy! - mit einem großen Strahlen
im Gesicht und seinen schiefen Zähnen. Ja, er habe eine Frau und drei Töchter
und ein Haus mit mehreren Zimmern! Meine Güte, welch eine Lektion in Sachen
Glück.
Heute ist es den ersten Abend
etwas kühler. Der Mond ist zu sehen.
30.12.08 Di - Es war auch eine
etwas „kühle“ Nacht. Wir wollen nach Thiruvananthapuram (Trivandrum) mit dem Bus.
An der Hauptstraße steigen wir in einen kleinen Bus, der in Vizhinjam hält, und
dort müssen wir umsteigen. Dann kommt (endlich) die Herausforderung. Wir stehen
eng gedrängt in einem picke-packe-vollem Bus. Eine schmale, zarte Frau lächelt
mich an und sagt, dass sie im Pineapple Business (in Kovalam am Strand) ist.
Aber das sei schlecht in diesem Jahr.
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Nach einer dreiviertel Stunde
sind wir am East Fort, richtig mitten in einer geschäftigen Stadt. Hier ist
gleich alles anders. Schuhreparatur am Straßenrand für wirklich hoffnungslose
Schuhe und Sandalen. Ich sauge die Musik rund um den Tempel und das Leben in
mich auf, denn hinein dürfen wir nicht. Wir laufen die MG-Road, gucken das
Stadtleben, sehen Kaufhäuser, ist aber nicht verlockend. Das berühmte Indian
Coffee House haben wir leider verpasst. Für eine besondere Schulfeier wird ein
Gelände vorbereitet. Wir nehmen einen fast leeren Bus zurück bis Kovalam.
Heute sind richtig hohe Wellen,
die mich auch einmal richtig umschmeißen. Die Belgierinnen waren beim
Elefantenreiten irgendwo nah bei, aber das wussten wir nicht.
Mit einem Schneiderbesuch geht
der Tag zu Ende.
31.12.08 Mi - Heute in der Nacht
wird Anneli abreisen. Heute Morgen sind mir die Wellen zu hoch zum Baden.
Schade. Wir wollen etwas Richtung Muslimdorf am Strand laufen, aber wir brechen
ab, als sich die ersten Kinder an uns hängen. Wir fühlen uns doch nicht korrekt
genug angezogen.
Lalitha bzw. ihr Sohn Manoj will
eine richtige Sylvesterfeier organisieren. Das Plakat kündigt einen Grand Gala
Evening an. Ich bin noch skeptisch, kann es mir nicht vorstellen. Aber in der Küche
wird geschnippelt, Lautsprecher werden gebracht und langsam entsteht eine
Geschäftigkeit.
Zum Lunch wollen Anneli und ich
ins Thapovan, ein Edelresort, gehen. Als ich das köstliche Essen sehe, was die
anderen serviert bekommen, wird mir schon wehmütig. Auf einer Terrasse mit
perfektem Service und wunderbarem Blick über die Palmen sitzen wir dort steril
herum. Morgens hatte ich am Strand mit einer Frau gesprochen, die sich dort
aufgrund eines Tipps eingebucht hatte und sehr unglücklich war. Ich wäre es
auch gewesen.
Der Tag ist geprägt von einer
Abreiseaufregung und Ruhen. Mittlerweile ist unten aus den Strandliegen eine
Bühne entstanden. Für das Buffet wird professionelles Geschirr gebracht. Dann
kommen zwei Kathakalitänzer, zwei Musiker und zwei Helfer – alles für uns.
Etwas hektische Vorbereitungen der Tänzer, das Schminken und das Ankleiden. Um
19 Uhr ging es los. Festlich und neugierig sitzen wir da.
Nur die indischen Gäste, die
auch im Hotel sind, die scheint es überhaupt nicht zu interessieren. Wie
ignorant, denke ich. Lalitha nimmt es gelassen. Das Essen ist festlich bereitet
und wir werden vom Personal richtig vornehm bedient. Es gibt u.a. Muscheln mit
Tapioka und wirklich viele andere Köstlichkeiten. Es kommt mir fast wie im
Traum vor. Zwischendurch kommt noch einmal Polizei, kontrolliert und will Geld
haben.
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Dann erscheinen noch sechs
Musiker. Sie spielen wahnsinnig gut, engagiert und mit viel Freude, als ob sie
vor einem großen Publikum spielen würden. Wir paar europäische Touristen, die
wir übrig geblieben sind, geben unsererseits unsere ganze Begeisterung im
Zuhören und manchmal auch Mittanzen. Um Mitternacht veranstaltet das Hotel
nebenan ein großes Feuerwerk. Wir stehen am Strand mit Herbal Water und dem
sog. Popeye Juice (Bier) für Anneli. Ein wahrhaft unvergesslicher Abend. Um 1
Uhr fährt Anneli.
01.01.09 Do - Alles wird langsam
wach. Der Kellner, der Anneli immer den Kaffee gebracht hat, guckt ganz
traurig. Die beiden hatten immer Spaß miteinander.
Das Meer ist wieder ruhig und
badefreundlich, das ist schön. Beim Frühstück funktioniert heute fast gar nichts,
vielleicht sind alle noch etwas betrunken. Ich lasse mich massieren und werde
plötzlich so traurig, dass mir die Tränen herunter laufen, und meine Masseuse
mich ganz erschrocken anschaut und sie mir liebevoll abtrocknet. Sie ist
übrigens auch glücklich, weil sie frisch verheiratet und schwanger ist, und
mein Postkartenmann ist heute happy, weil er gestern viel getrunken hat.
Mit Alexandra, deren Freundin
auch schon abgereist ist, fahre ich zum Resort Somatheram. Meine Güte, ist das
perfekt. Einen langen, breiten Strand gibt es dort, mit viel Strandleben und
vielen Menschen, die ihren Neujahrsspaziergang machen und Indern, die sich mit
großer Begeisterung nass machen lassen, bekleidet natürlich.
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Der nette Kellner macht mir ein
verstecktes Angebot für eine Wohnung, wenn wir denn nächstes Jahr wieder
kommen. Er will auch für uns kochen. Wie rührend.
Ich genieße erst einmal unser
Abendessen. Dann fallen plötzlich 10 junge studentische Inder bei uns ein.
Große Aufregung, denn das hatte Lalitha nicht gewusst. Sie hat Sorge, dass die
laut sind und uns stören können. Ich bekomme zum Schlafen ein anderes Zimmer.
Aber ich glaube, es war gar nicht laut.
02.01.09 Fr - Heute ist schon
mein letzter Tag. Letzte Fotos, letztes Baden, schönes Wetter. Ich starte einen
Einkaufsgang. Ich gehe zum anderen Schneider und gebe noch etwas in Auftrag.
Kaufe Seidenschals für meine Freundinnen und gucke, was ich nicht noch alles
kaufen kann. In dem Shop gibt es wunderschöne und kostbare Wandbehänge aus
Kaschmir. Es ist schön und es ist traurig, diese letzten Wege zu machen und
mich in Resonanz mit all den strahlenden Gesichtern zu erleben. Trinke Tee.
Will Cashewnüsse kaufen, was mir aber nicht gelingt. Sie scheinen zu teuer zu
sein für die Bevölkerung hier. Kaufe für die Reise Bananen und bei den
Clementinen sucht der Verkäufer liebevoll mit mir 2 schöne heraus.
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In unserer übrig gebliebenen 4er
Gruppe fahren wir Nachmittags mit der Riksha nach Vizhinjam. Es ist immer zu sehen
und zu hören, aber wir waren noch nie da. Ein armer Ort mit einem belebten
Hafen. Durch enge Gassen laufen wir zur Kirche hoch. Festlich geschmückt ist
sie. Auch im Inneren. Ich erlebe etwas mich sehr berührendes: ein weiß
gekleideter Mann geht nach vorn, kniet und in einer zu Herzen gehenden Bewegung
und Geste breitet er seine Arme aus. Da lag so viel Intensität drin, dass es
mir unvergesslich bleiben wird, und leider ist es unbeschreiblich.
Viele bettelnde Kinder hier und
eine Dichte. Wir fahren zur Moschee. Aus der Ferne sah sie märchenhaft aus.
Jetzt ist sie einfach Realität und irgendwie ist es hier trostlos. Die Trennung
im Dorf christlich/islamisch ist zu spüren.
Beim Abschiedsgucken am Strand
lerne ich noch die Familie des Postkartenverkäufers kennen. Seine Frau ist
nicht so happy, sie hat Diabetes und sieht auch krank aus. Die ältere Tochter
spricht nett mit mir, und natürlich geht es auch um Geld.
In meinen Rucksack passt alles
rein. Der abendliche Powercut kommt, und ich sitze relaxed auf der Terrasse.
Plötzlich suchen mich die anderen, denn sie sitzen schon bereit zum Essen. Ich
durfte mir etwas wünschen. So gibt es (fast) krosse Dosas und zum Dessert
frische Ananas.
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Der Schneider hat meine Hose
fertig, aber die Bluse, die er nach meiner Lieblingsbluse nacharbeiten will, da
muss er noch wo anders hin und die Knopflöcher machen lassen. Später! Später
ist sie auch noch nicht fertig, aber er will sie zum Hotel bringen. O je, was
habe ich da noch am letzten Tag inszeniert? Die Rechnung von Lalitha ist auch
nicht einfach zu bekommen. Kurz vor dem Schlafen gehen ist es so weit. Nicht
nachvollziehbar ist sie, aber moderat. So kann ich fast beruhigt noch etwas
ruhen.
03.01.09 Sa - Um 1 Uhr Nachts
kommt unser langsamer Fahrer und der Security Service bringt tatsächlich meine
perfekt genähte Bluse. Fühle mich wie Teil eines kleinen indischen Wunders. Die
letzten Meter durch Indien. Viele Kontrollen am Flughafen. Ich beobachte
distanziert eine kleine Studiosusgruppe. Die Anführerin fragt laut: Wo sind wir
denn hier eigentlich? O Gott, ein letztes Mal bin ich froh, „zu Bernd zu
gehören“. Der Flug verspätet sich, aber es macht nichts.
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Im Flugzeug eine nette Szene:
Einer schlafenden Inderin rutscht der Kopf zur Seite in den Mittelgang. Der
Servicewagen kommt nicht durch. Ein achtsamer Steward, es muss ein Inder
gewesen sein (!), schiebt so langsam und behutsam, dass er sie tatsächlich nicht
wecken muss.
Schnelles Umsteigen in Dubai.
Der Kreis schließt sich, als ich wieder die gehauchten arabischen Flugansagen
höre. Fliege über viel Nichts von Arabien, und dann sind Berge da und plötzlich
auch Schnee. Meine Flugnachbarin von Studiosus erzählt mir irgendwann etwas vom
tollen Service und von den tollen Hotels in Kerala. Wenn die wüsste?!
Ich komme um 14 Uhr in Frankfurt
an, und über ein Auf und Ab komme ich zum Bahnhof - ich muss ja noch nach
Hamburg. Es gefällt mir fast nicht, dass die Zugfahrt durch das zauberhaft
rauhreifige und sonnige Deutschland mit einem wunderschönen Sonnenuntergang
auch schön ist. (Nur in Indien soll es schön sein) Ich muss an Johnson denken,
der erzählt hat, wie unmöglich es ist, seinen Landsleuten zu erzählen, wie
Winter in Deutschland ist.
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Aber in Hamburg regnet es. Ich esse
zu Hause eine Samosa und ein Stück Grießkuchen habe ich auch noch. Die Gewürze
fühlen sich hier anders an.
04.01.09 So - Höre ich das Meer
rauschen? Krächzen die Krähen? Scheint die Sonne durch die Palmen? Nein, es ist
still. Ich mache mir mein deutsches Müslifrühstück mit einer Banane und aus
Kerala und echtem deutschen Brot. Im Feature im Radio läuft eine Sendung über
Utopien. Ich komme langsam in der hiesigen Realität an.
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Barbara aus Bern war im Februar 2008 vier Wochen mit KD in Kerala. Und wie es vielen geht, hat der Alltag sie gleich nach der Rückkehr wieder voll vereinnahmt. Der Universitätsabschluss hatte Vorrang, und die Kerala Discovery Reportage kam mit 6-monatiger Verspätung. Aber sie kam - zusammen mit über 450 Beweisfotos auf CD, aus denen Du heute eine kleine Auswahl bewundern kannst.
Hallo Bernd, schon ist es ein halbes Jahr her seit der
Kerala-Reise. Ich wollte mich schon lange bei dir melden…. Aber wie es so ist:
Dauernd eine Menge los im Leben. Ich werde dir zuerst etwas über meine
Reiseeindrücke im Rückblick schreiben, dann etwas über das halbe Jahr seit ich
zurück bin und zum Schluss komme ich zum aktuellen Anlass, dir zu schreiben:
ich brauche deine Unterstützung.
Die Reise war insgesamt toll. Unsere Gruppe war äußerst
angenehm. Ein richtig gutes Team. Die drei deutschen Frauen waren alle sehr
nett und unkompliziert. Wir verstanden uns auf Anhieb gut. Raju, Lovely und die
Kinder sind einfach nur unglaublich nett, süß und hilfsbereit. Nach kurzer Zeit
fühlte ich mich, als würde ich Freunde besuchen.
Raju bemühte sich, alle unsere Sonderwünsche zu erfüllen.
Ich erzählte, dass ich auf Elefanten stehe, er machte einen Arbeitselefanten in
der Gegend ausfindig und wir besuchten ihn eines Mittags bei seinem Bad. Das
war ein schönes Erlebnis.
Ein weiterer Wunsch von mir war es, eine Schule zu
besuchen. Auch das hat Raju eingefädelt. Und das war nun wirklich ein
unglaubliches Erlebnis! Die Primary School machte daraus einen Event. Wir kamen
auf die Bühne, die Kinder saßen davor und einige auch auf der Bühne. Die Kinder
stellten Fragen über Deutschland und die Schweiz, wir sollte diese beantworten.
Dazwischen sangen die Kinder Lieder und auch meine deutschen Kameradinnen
glänzten mit zwei Gesangseinlagen. Bei der Ankunft wurden wir Popstars gefeiert
und am Schluss mussten wir Autogramme geben….. Anschließend wurden wir im
Lehrerzimmer begrüßt und konnten und noch mit den Lehrpersonen austauschen. Es
war ein faszinierender Nachmittag und gab uns einen Einblick in eine
öffentliche Schule in Indien. Es ist beeindruckend mit welch einfachen Mitteln
und mit wie wenig Infrastruktur Unterricht durchgeführt wird.
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Unterwegs in Mysore und später in den Süden nach Kovalam
fühlte ich mich immer bestens aufgehoben, Raju und Sadish ließen uns nicht aus
den Augen, so konnten wir unbeschwert alles bestaunen und gingen nicht
verloren. Besonders geschätzt habe ich auch das gemächliche Tempo der Reise. Es
war immer genügend Zeit die Eindrücke zu sortieren und zur Ruhe zu kommen.
Auch die letzten Tage bei Lalitha waren schön.
Ausspannen, Massagen, Ausflüge in die Umgebung. Ganz zum Schluss, als meine
drei Reisegefährtinnen schon auf dem Heimweg waren, wollte ich noch etwas
Indien auf eigene Faust erleben und fuhr mit dem öffentlichen Bus nach
Trivandrum, schaute mir die Stadt und den Tempel an und kaufte noch dies und
das ein. Das war ein angenehmes Erlebnis. Alles klappte wunderbar und die Leute
waren sehr freundlich und nicht aufdringlich zu mir. Nach den behüteten Wochen
mit Raju war das schon ein bisschen Abenteuer…
Ich hätte mich gerne etwas mehr bewegt. Ab und zu einen
Spaziergang ins Programm aufnehmen fände ich nicht schlecht. Gerade wenn man so
viel im Bus sitzt (Mysore). Die Rundfahrt in Nagarhole (oder wo es war, auf der
Rückfahrt von Mysore), war für nichts. Man sah kaum aus dem Jeep raus und es
hat nach Abgasen gestunken. Hier wäre ein kurzer Rundgang zu Fuß tausendmal
angenehmer gewesen.
Der Sari-Shop in Mysore war ein Reinfall. Viel zu teuer,
schlecht genäht….
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Das war's auch schon mit dem Gemeckere. Alles Positive
aufzuzählen würde jetzt zu lange dauern….. Joseph der Ayurveda-Masseur,
Lovely's Essen, die Backwater-Fahrt (hätte allerdings auch etwas länger dauern
können), der Streiktag in Kochi usw.
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So ist das abseits der Touristenstraßen: Ihr seid Stars, und aus dem Wunsch, in eine indische Schulklasse zu schnuppern, wird sogleich ein Staatsempfang. Es ist nicht immer so angenehm, solcherart hofiert zu werden.
"Etwas mehr Bewegung" werde ich allerdings nicht ins Programm bringen. Der Reiseplan schreibt bei KD nur die Termine für die einzelnen Stationen vor. Was dort unternommen werden kann, ist als Vorschlag zu betrachten und nach Tagesform vom Team selbst zu entscheiden. Ich lege Wert auf Eigeninitiative und Phasen der Ruhe. Wer nicht ausgelastet ist, kann jederzeit morgens um 7 für den New York-Marathon trainieren - so machte es Christa und bleibt seither im Dorf unvergessen ;-)
Termine mit der Natur sind unmöglich. Diesmal hattet Ihr nicht so viel Glück mit wilden Tieren im Nagarhole Nationalpark. Dafür haben andere entschieden weniger Vögel im Ranganathittu Vogelreservat zu sehen bekommen. Manchmal ist es wie verhext, und wir bekommen auf der Fahrt außerhalb der Schutzgebiete mehr Wild zu sehen als im Reservat selbst. Übrigens: Im Wildschutzgebiet aus dem Fahrzeug zu steigen, ist aus Sicherheitsgründen streng verboten.
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Den Neppladen in Mysore hat Raju schon nach den Berichten der anderen Teammitglieder auf die schwarze Liste gesetzt. Es ist ihm peinlich. Er hat nicht gewusst, dass sich nach einem Besitzerwechsel auch die Geschäftspolitik so geändert hat.
Abschließend meinen herzlichen Dank für Deinen Bericht. Selbstverständlich gebe ich ihn ungeschminkt und ungekürzt wieder. Solche Lobeshymnen kann ich seitens der Gäste nicht oft genug bekommen, denn viele Indieninteressenten sind immer noch etwas zögerlich, wenn es darum geht, unseren gewohnten Kulturkreis für einige Tage vollständig zu verlassen und bei einer indischen Familie zu Gast zu sein. Diese Indienneulinge werden sich allerdings wundern, dass Du einen Generalstreik in Kochi zu den Highlights der Reise zählst ;-)
Mehr Fotos von Barbara siehst Du in den InderNettNews Nr. 466, wo die Erstveröffentlichung ihres Reports stattfand. Die Fotostrecke Teil II kam dann in der nächsten Ausgabe INN-467
Monika aus Ottersberg bei Bremen gehört zu unseren Stammgästen. Nach einer spannenden Rajputana Discovery mit ihrem Ehemann Friedrich wollte sie nun auf unsere Kerala-Farm und den Süden kennen lernen. Was sie uns schon kurz nach der Heimkehr aufgeschrieben hat, ist kein kompletter Reisebericht, sondern eine Sammlung nützlicher Tipps
Monikas Bollywood-ParodienUnbedingt
ansehen - ich habe mich schlapp gelacht!! (Grundkenntnisse in Schwäbisch sind
nützlich) |
"Den Süden kennen
lernen" ist vielleicht übertrieben, denn Monika und Friedrich haben als
Entwicklungshelfer viele Jahre in dieser Region gelebt. Monikas neuestes Buch
spielt sogar auf Sri Lanka ("Die Welle", Dr. Monika Kahrs, Krimi). Dass es die
beiden immer wieder dorthin zieht, liegt am ganz normalen "Virus
Indicus", und die familiennahe Reisephilosophie Kerala Discovery liegt
ganz auf ihrer Wellenlänge.
Der Wermutstropfen in der
Planungsphase der Reise wurde inzwischen zum Motiv für die nächste: Monikas
Mann musste beruflich bedingt absagen. Jetzt will sie natürlich um so
dringender wieder nach Südindien und ihrem Friedrich das alles zeigen. Doch
erst einmal von Anfang an:
Hallo Bernd, nun hab ich sogar schon wieder die ersten beiden Arbeitstage hinter mir und bin dennoch noch nicht richtig daheim angekommen.
Daheim? Wo ist daheim?
Im Hinterkopf plane ich ja schon wieder die nächste Indienreise für 2009 … diesmal so Gott-Allah-Shiva will mit Gatten … und mit Flug nach Bangalore, über Mysore nach Kerala, damit Raju und Lovely endlich auch mal meine bessere Hälfte kennen lernen. Da muss ich mir nur vorher noch einen neuen Job besorgen, bei dem ich wieder 3,5-4 Wochen Urlaub bekomme, denn mein jetziger Chef wird dem nie und nimmer wieder zustimmen, aber das wird schon. Schließlich habe ich noch immer hingekriegt, was ich hinkriegen wollte.
Ein paar Tipps von meiner Seite aus, die ich Dir aber noch geben wollte, sind folgende:
Bitte streiche den Passus aus Deinen Tipps, dass man bei der Ankunft am Flughafen seine Euronen in Rupien tauschen solle, oder weise zumindest darauf hin, dass man nicht mehr als 50 Euro tauschen soll. Nirgends sonst kriegt man einen schlechteren Kurs als auf dem Flughafen! Und wenn es nur 6 Rupien am Euro sind, so sind’s immerhin 3000 Rupien (oder umgerechnet in meine Einkäufe in Kodancherry: 4 Shalvar Kameez, 3 maßgeschneiderte Herrenhosen sowie 4 maßgeschneiderte Herrenhemden!!), die man beim Umtausch von 500 Euro spart. Das ist doch was, oder? – Alle Händler, bei denen man was kauft, nehmen gerne Euro (und tauschen 1:58 oder sogar 1:60, im Gegensatz zu 1:52 am Flughafen oder im Hotel) und geben in Rupien heraus.
Mit den Tipps meinst Du mein
Merkblatt, das jeder KD-Reisende mit der Teilnehmerliste bekommt. Dort stand
immer schon, dass der Wechselkurs in Mumbai und Delhi besser ist als im Süden.
Und so bezieht sich Dein Tipp auch auf die Airports Calicut, Kochi und
Thiruvananthapuram - alle Kerala. Trotzdem Danke - ich habe das sofort
aktualisiert und noch deutlicher gemacht.
Die Fahrt von Cochi nach Kovalam war die Hölle! – Andererseits waren Maria und Barbara traurig, dass sie nicht mal mit einem Zug unterwegs waren. Da es doch eine ganz nette Bahnverbindung zwischen Cochi und Kovalam gibt, sollte die Zugfahrt zwischen den beiden Punkten vielleicht als zusätzlichen Event eingefügt werden, was hältst Du davon?
Das ist oft so gemacht worden,
und Raju muss es nur vorher wissen. Die Train-Tickets sollten nämlich ein paar
Tage im voraus reserviert werden, denn die Züge sind immer voll. Auch muss er
Lalitha im Süden anrufen, damit sie Euch am Bahnsteig in Thiruvananthapuram
erwartet. In solchen Fällen heiß es dann schon in Kochi Abschied nehmen von der
Vettikavumgal-Family.
Alles in allem war’s aber rundherum gelungen … und ich freue mich schon auf das nächste Mal .
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Raju hat sich ja um uns Mädels gekümmert, wie eine Mutter um ihr schwachsinniges Kind ;-)
Lieb und artig hat er uns daher in Mysore in einen Laden geschoben, der wahrscheinlich seiner Meinung nach „okay“– meiner Meinung nach aber (und der Meinung hat sich z.B. Maria auch angeschlossen) ein ziemlicher Verbrechershop - war:
Da hat Raju wieder einmal
gezeigt, dass er kein Touristenprofi ist. Das soll er auch nicht sein. Trotzdem
ist ihm diese Geschichte sehr peinlich, und er hat daraus gelernt - nicht
zuletzt mit Eurer Hilfe. Künftigen Gästen wird er die Quellen nennen, die
unsere fachkundigen Einkaufsprofis empfehlen - nämlich Ihr.
Der Schneider war der wahrscheinlich schlechteste Schneider, dem ich im asiatischen Raum jemals über den Weg gelaufen bin. Der Schneider war außerdem der wahrscheinlich teuerste Schneider, dem ich im asiatischen Raum jemals über den Weg gelaufen bin.
Es wurde Material als „echte Seide“ zu „echten Seidenpreisen“ verkauft, das mit echter Seide so viel zu tun hat wie Zigarettenrauch mit Schokolade.
Ich hab dort außer einer Sari für 400 Rupees und zweier Baumwollblusen nix gekauft – es war mir echt zu teuer – aber Maria, der der Schneider den Shalvar völlig verhunzt hatte, und Anne (die Kunstfaser-Chintz als Seide verkauft bekam) waren echt angefressen. Dafür haben die beiden pro Teil auch noch gut 3000 (!!!) Rupien gelassen (zum Vergleich, ich hab mir in Kodanchery 4 wunderschöne Baumwoll-Shalvars nähen lassen bei der netten Damenschneiderin oben links vom Fischstand, und hab incl. Material 1650,-- Rupees gezahlt!) Auch Lovely, die das Shalvar-Drama auf der Farm begutachtete, war von der schlechten Qualität aus Mysore nicht angetan und hat ihren Gatten deswegen schon mal ins Gebet genommen, aber vielleicht weist Du Raju darauf auch noch mal hin?
Ungekürzt hier für alle zu
lesen. Die Sache ist zwar erledigt - doch Ihr sollt wissen: Fehlgriffe können
immer mal vorkommen. Raju hat erzählt, dass genau dieser Laden früher von
unseren Gästen gelobt worden war. Hat der Besitzer gewechselt - zumindest aber
seine Verkaufspolitik.
Wenn es also unbedingt echte Seide aus Mysore sein soll, dann sollen sich zukünftig die Weissnasen an folgenden Laden wenden:
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Anuradha Textorium
#40, Shivarampet, Near Olympia Talkies, Mysore (nicht weit von dem Gallery-Hotel entfernt, in der Basar-Gasse gleich auf der rechten Seite)
Dort waren Maria und ich drin, nachdem wir Rajus Wunsch, das Abendessen in der Kantine des Gallery-Hotels (mit dem Charme einer Schultoilette zur 10-Uhr-Pause) zu uns zu nehmen und hernach schlafen zu gehen, NICHT entsprochen haben. (Wahrscheinlich würde Raju sich immer noch Sorgen machen, wenn er wüsste, auf welchen Basaren und in welchen Shops Maria und ich uns noch herumgetrieben haben, wenn er uns am Hotel abgesetzt hatte ***lach***). Jedenfalls gibt’s bei Anuradha – ohne Verhandlungsbasis – sehr gute Seiden- u.ä. Stoffe zu sehr günstigen Preisen, und wenn man in Euro zahlen will (so wie ich das getan habe), macht der Shopbesitzer noch einen extra-guten Kurs. Nähen lassen sollte man auf jeden Fall in Kodanchery entweder bei der o.e. Damenschneiderin (die sich einen Wolf über ein kleines Fläschchen Parfüm freut) oder Herrenkleidung bei Stitchwell. Super-Arbeit zu super-Kursen – unerreicht!
Wichtige Tipps, die aber jedes
Mal vor Ort neu geprüft werden sollten. Immer wieder stellen wir fest, dass
sich die Verhältnisse in Indien schnell ändern können. Das gilt im Besonderen
für die Touristenzentren. Bei der Kerala Discovery sind das nur zwei: Mysore,
das sich künftig Mysuru nennt - und Kovalam.
Dir, liebe Monika, gebührt mein
herzlicher Dank für Deine Anregungen. Schreib uns mehr!
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Eindrücke aus einer anderen Welt verarbeiten Beate und Gerhard aus dem schönen Baar bei Augsburg. Ihre Kerala-Discovery vom 09.03.-02.04.08 war die erste Begegnung mit Indien - und die ist naturgemäß auch bei reiseerfahrenen Travellern besonders intensiv.
Durchweg positive Erlebnisse
beschreiben Beate & Gerhard - selbst ein Regentag auf den Backwaters hat
ihnen nichts ausgemacht. Der Bericht ist die beste Antwort an alle Zauderer,
die immer fragen: "Zum ersten Mal in ein so fremdes Land, und dann gleich
völlig raus aus dem Gewohnten und bei einer einheimischen Familie wohnen?"
Lass mich also für diese Indienneulinge Beates Reisereportage um ein paar
Erläuterungen erweitern.
Entscheidend ist sicherlich immer die Erwartungshaltung die man in ein fernes Land für seine Reise hat. Für uns war es der erste Indienaufenthalt und wir haben sehr viele Informationen durch Bernd und das KD-Forum sowie die Feedbacks unserer Vorgänger erhalten, was uns sehr geholfen hat.
Nach unserem Flug mit der SriLankan Air, der problemlos verlief, wurden wir von Raju am Flughafen in Calicut erwartet. Auf der kurzen Fahrt (ca. 1 Stunde) zur Vettikavumgal-Farm sammelten wir schon die ersten Eindrücke. Der Empfang auf der Farm durch die Familie war sehr herzlich und wir fühlten uns schon nach kurzer Zeit heimisch.
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Die ersten Tage verbrachten wir mit kleinen Ausflügen auf der Farm und genossen die indischen Kochkünste von Lovely mit der exotischen Vielfalt der Gewürze und bewunderten die Kunst mit den Fingern zu essen. Nach den anfänglichen Versuchen entschieden wir uns allerdings für ein Besteck.
Die abendlichen Spiele mit den reizenden Kindern machten uns großen Spaß, und man vergisst in kürzester Zeit den etwas anderen Alltag von Zuhause. Bei Spaziergängen um die Farm durch den Tropenwald lernten wir die Herzlichkeit der Menschen und ihre Lebensweise hautnah kennen. Wir wurden ganz selbstverständlich eingeladen zu Tee, Kokosnuss, Mango und allen Köstlichkeiten die vor der Türe wachsen, was für uns Europäer im ersten Moment immer mit Hintergedanken versehen ist, aber es ist Herzlichkeit und Achtung!
Tatsächlich wird gerade in der
Provinz Kerala die extrovertierte Herzlichkeit der Einheimischen oft
missverstanden. Besonders die Reisenden, die Erfahrung in anderen ärmeren
Ländern haben, vermuten hinter dieser Freundlichkeit sogleich finanzielle
Interessen.
Doch die Keraliten wollen Dir
gar nichts verkaufen. Sie buhlen auch nicht um Deine Freundschaft, um eine
Einladung nach Deutschland zu ergattern (die man hier für ein Touristenvisum
braucht).
Mach Dich von solchen
Hintergedanken gleich beim ersten Dorfspaziergang frei, und Du erlebst eine
völlig natürliche Herzlichkeit, gepaart mit Achtung, Respekt und sogar
Bewunderung.
Kein Wunder, dass man sich beim Erstbesuch dieses Landes als VIP fühlt. Beate hatte ihren Bericht mit "Achtung und Herzlichkeit" überschrieben. Ich habe das 'und' weggelassen, denn man muss die Indienneulinge tatsächlich warnen.
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Bei unserem Ausflug für 5 Tage nach Mysore lernten wir intensivst das Verhalten im Straßenverkehr – die Hupe ist das Wichtigste Utensil am Auto und dann Augen zu! Für uns Europäer ist wichtig (klärte uns Raju sofort auf) langsam über die Straße zu gehen. Und es klappt, man kommt wohlbehalten auf der anderen Seite an. Der Palast in Mysore mit seinen über 200.000 Lichtern (nur am Sonntagabend 07:00-08:00pm) war ein Highlight. Wer Märkte liebt, der muss unbedingt in Mysore über den Obst und Gemüsemarkt schlendern mit den tausend Eindrücken und Gerüchen.
Die Ausflüge nach Chamundi-Hill, Somnathpur, Srirangapatna und den wunderschönen Rangannathittu-Birdsgarden waren alle sehr eindrucksvoll. Shoppen in Mysore gehört natürlich dazu. Die Farbenpracht an Seidenstoffen war für mich (Beate) überwältigend und Achtung – Kaufrauschgefahr! Deshalb sollte der Koffer bei einer Indienreise möglichst noch viel Stauraum haben.
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Diese ehemalige Hauptstadt des
alten Königreichs Mysore will nun "Mysuru" genannt werden. Man kann
diese schönste Stadt des indischen Südens von der Farm aus in 5 Stunden mit dem
Expressbus erreichen - doch man würde sich an der wunderschönen Landschaft
versündigen.
Deshalb nehmen wir Rajus
Fahrzeug und können an den Dörfern der Ureinwohner (Adivasi), an der
Elefantenstation, im Nagarhole-Nationalpark oder in den Teeplantagen anhalten.
Vor allem interessant ist die Fahrt für die, die Kerala gesehen und gesagt
haben: Das ist also Indien. Denn auf dieser Fahrt in die Nachbarprovinz
Karnataka verändert sich alles. Wir erleben eine neue Vegetation, andere Tiere,
ein anderes Klima und andere Menschen mit einer neuen Schriftsprache und
Kultur. Und Du nimmst Dir vor, mit den Bekannten noch mal zu reden, die gesagt
haben: "Nach Indien fliegst Du? Kennen wir. Haben wir 1998 gemacht: 2
Wochen Goa - traumhaft!"
Du ahnst es jetzt noch nicht -
aber dieses Indien wird immer wieder anders sein. Egal, wie oft und wo man
hinkommt.
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Die Backwaters konnten wir an einem ganztägigen Regentag genießen und trotzdem war es ein besonderes Erlebnis auf Raju`s Hausboot. Zudem uns die Familie begleitete und wir deshalb sehr viel Spaß und Unterhaltung hatten.
Man gleitet durch die Quilandi-Lagune und genießt die einzigartige Natur der Backwaters. Wenn dann auch noch Lovely für das leibliche Wohl sorgt, passt alles.
Alles hat ein Ende und wir mussten uns von der Familie verabschieden, was uns nicht leicht viel. Man kommt sich über die 2 Wochen doch sehr nah, was die Familie auch zulässt. Raju, Lovely, Paul, Martin und die hübsche Prinzessin Djana werden uns in Erinnerung bleiben.
Über Calicut und Cochin mit einer wunderschönen Altstadt und einem sehenswerten Fischmarkt ging es an den Kovalam Beach in Lalitha`s Ayurbay Beach Resort. Eine kleine gepflegte sehr individuelle Anlage (zu unserem Zeitpunkt waren nur 5 Gäste), die sehr entspannenden Ayurvedamassagen, der persönliche Tisch am Meer (traumhafter Sonnenuntergang inbegriffen) und der leckere Fisch serviert von Krishna ließen uns die Eindrücke der anderen Welt noch mal Revue passieren und verarbeiten!
Rundum eine sehr schöne und gelungene Reise!
Beate und Gerhard
Schön erzählt, liebe Beate! Es
ist der Extrakt Deiner Begeisterung am Telefon und nimmt hoffentlich einigen
Zauderern ein wenig von ihrer Scheu. Auch die Bilder habt Ihr gut ausgewählt -
nur ein paar mehr dürfen es schon sein. Schickt mir mehr!
Die Heidi aus München durfte ich im November dorthin schicken, wo der Pfeffer wächst: Nach Kerala. Sie hatte bereits früher Reisen mit KD-Teams gemacht - doch diesmal wollte sie allein losziehen, Körper, Geist und Seele etwas Gutes tun. Eine Ayurvedakur bei Lalitha passt in diesen Plan ebenso gut, wie der Besuch bei Heidis Patenkind Raji. Heute berichtet Heidi für die INN in Wort & Bild
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Zehn Tage ist Heidi bereits in
Indien, da findet sie das erste Mal Gelegenheit zu einer begeisterten
eMail-Nachricht (die ich bereits in den INN
428 v. 30.11.07 erwähnte):
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"... zunächst einmal viele liebe Grüße aus Kerala. Dr. Lalitha hat Dir ja schon gemailt, dass ich gut hier angekommen bin. Ich genieße jede Minute hier. Das Ayurbay-Resort ist ein Ort zum Erholen und Gesundwerden, aber auch zum Genießen und die Seele-baumeln-lassen.
Mama Lalitha regelt alles und ich lasse sie auch gerne agieren. Ich habe mir eine Panchakarma-Kur geleistet und nach dem Cleaning (nicht immer ganz so angenehm) hatte ich gestern als Krönung meinen ersten Stirnguss. Es war wunderschön !!!!! So weit weg zu sein in einer ganz anderen Dimension, einfach unbeschreiblich ... Viele Grüße in das kalte Deutschland. Ich melde mich spätestens nach meiner Rückkehr mit einem ausführlichen Bericht...."
Nach dieser Nachricht war
zunächst Funkstille. Der versprochene Foto-Bericht kam erst im Januar. So ist
das oft, wenn unsere Gäste nach der Reise von den hiesigen Zwängen wieder
eingeholt werden. Da habe ich besonders nach kurzen Kuren oft Sorge, dass die
Wirkung der indischen Ayurveda nicht lange anhält. Zumal Heidi zwischenzeitlich
auch noch von der Grippewelle erwischt worden war. Kannst Du denn sagen, ob die
Grippe Dir die Langzeitwirkung der Kur völlig verdorben hat, oder spürst Du
noch eine wohltuende Nachwirkung?
"Ja, trotz eines überquellenden Schreibtisches, Terminhetze und nervenden Chefs bin ich immer noch erstaunlich gelassen. Ich fühle mich sehr gut erholt. Auch mein Hautproblem (Hauptgrund für die Panchakarma-Kur) hat sich sehr gebessert. Allerdings meint Dr. Lalitha, dass ich mich bis spätestens in einem Jahr nochmals dieser Behandlung unterziehen sollte, um das Problem endgültig in den Griff zu bekommen."
Lalitha ist oft in Deutschland.
Auch sie ist überzeugt, dass viele Hautkrankheiten reine
Zivilisationskrankheiten sind, mit denen sich unsere gemarterte Seele gegen
unseren ungesunden Lebensrhythmus wehrt. Redewendungen wie "Das juckt mich
nicht" und "ein dickes Fell haben" kommen nicht von ungefähr. Da
bringt allein der Aufenthalt bei unserer Gastgeberfamilie in Kerala oft schon
die notwendige Balance zurück - auch ganz ohne Ayurveda. Eine gute KD-Freundin
kann das bestätigen. Ihre böse Schuppenflechte war bereits nach wenigen
Keralatagen weg und kam auch in Deutschland erst nach Monaten wieder. In viel
leichterer Form und bis heute nicht mehr so stark wie vor der ersten Reise. Ich
bin sicher, dass eine gezielte Ayurvedabehandlung hier eine deutlich bessere
Langzeitwirkung hätte.
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Doch kommen wir nun zu Heidis
Reisebericht, der nicht nur mir neue Anregungen bringt, sondern auch allen
anderen letzte Skrupel vor einer ersten Indienreise nehmen kann. Das gilt im
besonderen für allein reisende Frauen: Kerala lässt Dich nicht allein, und Du
bist - Ayurveda oder nicht - immer in guten Händen:
Lieber Bernd, leider habe ich es bisher nicht geschafft, mich nach meiner Rückkehr aus Indien bei Dir zu melden. Gleich nach meiner Ankunft in Deutschland hat sich ein besonders hartnäckiger und hundsgemeiner Grippevirus auf meinen Ayurveda-verwöhnten Körper gestürzt und mich für längere Zeit derart malträtiert, dass sich meine Aktivitäten auf die existenziell unbedingt notwendigen Aufgaben beschränken mussten. Soviel zu meinem verunglückten Start in Deutschland. Allerdings hat mir das meine Erinnerungen an vier wunderschöne Wochen in Kerala nicht vernebeln können. Die 18 Tage im Ayurbay Resort waren eine herrliche Erholung und die sich daran anschließenden 12 Tage, während der ich mein indisches Patenkind Raji besuchte und mich über einige Projekte des Landshuter Indienhilfe-Vereins "Schritt für Schritt" Hilfe mit System informieren konnte, waren für mich eine wertvolle Erfahrung und eine unvergessliche Zeit.
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Zunächst zu Dr. Lalitha und ihrem Ayurbay Beach Resort. Ich kann hier nur die positiven Eindrücke wiederholen, die andere Gäste bereits in Deinen InderNettNews geschildert haben. Für mich war dies die erste Begegnung mit Ayurveda. Aber soweit ich es beurteilen kann und mir auch in Gesprächen mit anderen Gästen bestätigt wurde, ist Dr. Lalitha eine erfahrene Ayurveda-Ärztin, die etwas von ihrem "Handwerk" versteht. Eine solide Praktikerin, die sich viel Zeit für ihre Gäste nimmt. Gespräche mit ihr sind immer ein Gewinn, nie langweilig und meist ausgesprochen amüsant. Ich habe von ihr viel über die Traditionen und Grundlagen des Ayurveda gelernt, aber auch viele hilfereiche Reisetipps für Kerala bekommen. Dr. Lalitha ist nämlich nicht nur eine empfehlenswerte Ayurveda-Ärztin, ihre zweite Passion ist die Planung von Ausflügen in Kerala und die angrenzenden Regionen. Es macht ihr sichtlich Freude, wenn sie sich auch als Reiseplaner für ihre Gäste engagieren kann. Für mich hat sie übrigens ein Hotel in Fort Cochin - der letzten Station meiner Reise - gebucht, das mir sehr gut gefallen hat, und das ich deshalb auch gerne weiter empfehlen kann. Es handelt sich um das Hotel Arches www.hotelarches.com .
Dr. Lalitha steht ein gutes Therapeuten-Team zur Seite. Ich habe die täglichen Synchron-Massagen der beiden Masseurinnen Genua und Villassini sehr genossen. Ich hatte zwar manchmal den Eindruck, dass sie mich im anschließenden steam-bath garkochen wollten, aber sei meinten dann, dass das so sein müsse und gut für mich sei. Nachdem ich sämtliche Reinigungsschritte der Panchakarma-Kur absolviert hatte, war während der letzten Tage meines Aufenthalts der Stirnguss (Sirodhara) der krönende Abschluss.
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An der Verpflegung im Ayurbay, hatte ich nichts auszusetzen. Die Küche ist rein vegetarisch und an der drei Dosha-Lehre des Ayurveda ausgerichtet. Dem freundlichen Koch durften wir auch gerne mal bei der Zubereitung unserer Lieblingsgerichte über die Schulter schauen. Überhaupt sind die Mitarbeiter der Resorts ausnahmslos freundlich und hilfsbereit. Dies ist besonders für Alleinreisende sehr angenehm. Man fühlt sich in der familiären Atmosphäre der kleinen Anlage geborgen und hat stets Gelegenheit für ein Schwätzchen. Ich hatte auch das große Glück, dass ich hier auf weitere Gästinnen traf, mit denen ich mich sehr gut verstanden habe. Wir haben uns einen Joga-Lehrer geteilt, lange Spaziergänge in der näheren Umgebung der Nellikuna-Beach und Shoppingausflüge nach Trivandrum unternommen, Nachbarresorts besucht usw. Nach dem Besuch anderer Resorts bin ich immer wieder gerne in das Ayurbay Beach Resort zurück gegangen und zu dem Ergebnis gekommen, dass Du mir mit dem Ayurbay genau das Richtige empfohlen hast. Es gibt hier zwar keine Klimaanlage in den Zimmern, keinen Pool im Garten und ab und zu auch kein heißes Wasser, aber ich hatte niemals ein Problem damit.
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Der zweite Teil meiner Reise sollte mich zu meinem Patenkind Raji führen. Vor rund 5 Jahren habe ich bei dem kleinen Indienhilfeverein "Schritt für Schritt" eine Patenschaft übernommen. Überzeugt hat mich seinerzeit die Tatsache, dass in diesem Verein sowohl in Deutschland als auch in Indien alle Mitarbeiter ehrenamtlich tätig sind. Für eine Patenschaft fallen 10,-- € an, die dann auch in voller Höhe dem Patenkind zu Gute kommen. Mit diesem Geld können die Kinder zur Schule gehen; Schulgeld, Schulkleidung, Bücher, alle sonstigen Kosten des Schulbesuchs und täglich eine warme Schulmahlzeit können damit gedeckt werden. Neben den Patenschaften werden vom Verein viele erfolgreiche Projekte in verschiedenen Teilen Indiens geschultert wie z.B. Selbsthilfeprogramme für Existenzgründungen, Brunnenbauprojekte, der Bau von Schulen, Kinderheimen, eines Krankenhauses und Altenheimes und vieles mehr. Ich möchte jedem, der sich für die Arbeit des Vereins interessiert die Internetseite www.wirhelfenindien.de ans Herz legen. Ich konnte mich in Kerala überzeugen, welch hervorragende Arbeit hier geleistet wird und wieviel Hilfe dadurch möglich ist. Ich kenne zwischenzeitlich auch das Ehepaar Gaßner aus Landshut persönlich, das den Verein vor 12 Jahren gegründet hat und deren Lebensinhalt ihre Arbeit für Indien zwischenzeitlich geworden ist. Ich stehe hundertprozentig hinter diesem Engagement und stehe für die Beantwortung weiterer Fragen hierzu gerne zur Verfügung.
Begleitet wurde ich auf dem zweiten Teil meiner Reise von Schwester Kala, einer Ordensschwester, die einige Jahre in Deutschland gearbeitet hatte und heute eine der wichtigsten Ansprechpartner und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins in Indien ist. Mit Schwester Kala besuchte ich verschiedene vom Verein unterstützte Einrichtungen in Allepey und Umgebung aber auch weiter im Süden, am Rande der Ponmudi-Berge, wo z.B. im Kinderheim "Maria Kiran" in Vithura die Kinder von Teepflückern und Kräutersammlern aus abgelegenen Bergregionen während ihrer Schulzeit wohnen können. Beeindruckt hat mich auch der Besuch eines Behindertenheims, in dem die Lebensumstände der Bewohner mit Hilfe des Verein erheblich verbessert werden konnten. Der Höhepunkt der Reise war jedoch die Begegnung mit meinem Patenkind Raji. Raji und ihre Familie wohnen in einem kleinen Dorf in der Nähe der Stadt Kattappana, im Gebiet der Cardamom Hills.
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Die Fahrt dorthin führte uns auf engen kurvenreichen Straßen vorbei an Bananen-, Gummibaum- und Teeplantagen und am Ende der Fahrt wartete die kleine Raji auf mich. Ich wurde von der Familie mit unbeschreiblicher Gastfreundschaft begrüßt und bewirtet. Der Vater erzielt als Tagelöhner nur ein geringes, unregelmäßiges Einkommen, das nicht für den Schulbesuch von Raji reichen würde. Auf dem kleine Grundstück der Familie werden Gemüse und Früchte angebaut und es gibt zwei Ziegen. Das alles zeigte mir die kleine Raji, sowie ihre Zeichnungen und einige Preise, die sie in der Schule für gute Leistungen erhalten hatte und schon bald war mir klar, dass mein Patenkind ein besonders gescheites, hübsches und liebenswertes Kind ist und ich war an diesem Tag eine sehr glückliche und stolze Patentante (eines der Fotos zeigt mich mit Raji sowie deren Mutter und Brüder). Der Abschied fiel uns allen sehr schwer.
Während der letzten drei Tage meiner Reise bin ich durch Cochin und Ernakulam gestreift. In Ernakulum zeigen sich die enormen Veränderungen, die sich derzeit im Schwellenland Indien auftun, besonders deutlich. Ein neuer Wolkenkratzer nach dem anderen wird in die Höhe gezogen. Voller Nostalgie erinnerte ich mich an meine erste Indienreise, die mich vor genau 20 Jahren ebenfalls nach Kerala geführt hatte.
Ja lieber Bernd, so waren meine vier Wochen in Indien wie im Fluge vergangen und nach vier Wochen Deutschland beginne ich allmählich schon meine nächste Reise zu planen. Dir wünsche ich einen schönen Aufenthalt in Indien und freue mich auf anregende Berichte. Grüße bitte Dr. Lalitha von mir.
Das werde ich am 16. Februar gern tun, wenn ich unsere Freundin Lalitha nach Jahren erstmals wieder umarmen darf!
Susanne kommt aus Hannover - ist aber trotzdem nett, denn sie kann nichts dafür. Man sagt ja, wer aus Hannover kommt, dem gefällt es überall. Das soll aber Susannes Begeisterung über Indien jetzt nicht abwerten. Hier und heute geht es auch weniger darum, dass Susanne aus Hannover kommt - sie kommt vielmehr aus Kerala. Lies Ihren Bericht und erfahre, was an Indien schrecklich, grausam und unerträglich ist: Die Heimreise!
Susanne war mehrfach mit
Schwester Sonja und Freundin Anja in Nordindien und hat dort bewiesen, daß sie
durchaus in der Lage sind, eine Frauenreise in ein schwieriges Reiseland auf
eigene Faust zu organisieren - um so mehr bin ich stolz, dass ihre Entscheidung
diesmal richtig war und alle Erwartungen übertroffen hat: Sich für die erste
Südindienreise mir und Kerala Discovery anzuvertrauen! Und so schreibt Susanne
eine Woche nach der Heimkehr:
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Lieber Bernd, endlich nehme ich mir jetzt auch mal die Zeit - trotz unseres schon ziemlich umfangreichen Telefonats -, Dir in "epischer Breite" von den Erlebnissen zu berichten, wie ich sie empfunden/erlebt habe.
Ankunft in Calicut: Wie soll ich es beschreiben, wenn man die Gangway des Flugzeugs runterkommt, die für Indien so typische Luft schnuppert und sich einfach zu Hause fühlt? Auch jetzt nach meiner 4. Reise nach Indien kann ich immer noch nicht sagen, was in der Luft liegt (außer dem Staub, ein Hauch von Verbranntem, Gewürze?, und etwas, was man einfach nicht zuordnen kann), dass so unverwechselbar für Indien steht. Dieser erste Atemzug bereitet mir immer wieder Gänsehaut ... und den nachfolgenden Fluggästen ein Stirnrunzeln, weil ich dazu neige, auf der Gangway stehen zu bleiben und einfach nur mit geschlossenen Augen tief einzuatmen.
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Bei den Einreiseformalitäten hatten wir die gleiche Prozedur, wie die Januar-Teilnehmer. Aber hey, auch das ist Indien! Sicherlich hätte ich mir nach dem langen Flug schneller eine Dusche gewünscht, aber da ich die Einreise schon mehrmals hinter mich gebracht habe, wusste ich auch, was auf mich zukommt. Genauso die vor dem Ausgang stehenden Inder, die mir auf meiner 1. Reise mit Ankunft in Delhi doch eine Heidenangst eingejagt haben und ich wieder in den Flughafen zurück wollte ;-). Aber die wartende Masse vor dem Flughafen wird von mir heutzutage mit einem Schmunzeln registriert.
Was habe ich mich gefreut, die ersten Worte von Raju in dem so typischen Englisch zu hören, die mich stark an unseren Fahrer Anand aus dem Norden erinnerte. Auch diesmal brauchte ich doch wieder so ca. 1-2 Tage, um mich daran zu gewöhnen und etwas zu verstehen, aber allein der Klang hat mich schon gefreut.
Meine erste - und ich glaube auch einzige Enttäuschung: Als wir uns auf den Weg zur Farm machten, waren die Straßen fast wie leergefegt! Wo war der Verkehr, die hupenden Autos, das geordnete Chaos auf den Straßen, dass ich so gern beobachte? In Mysore wurde ich dann so richtig entlohnt, aber dazu später mehr.
Enttäuschung über fehlendes
Verkehrsgewimmel? Das kann einem Indienkenner in Kerala tatsächlich passieren.
Man hat ja schließlich gelesen, dass diese kleine Provinz eine
Bevölkerungsdichte haben soll, die zu den höchsten der Welt zählt.
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Das ist auch richtig - nur konzentriert
sich das auf die Küste. Dort geht eine Stadt nahtlos in die andere über, und in
der Küstenstadt Calicut werdet Ihr ja auch das erwartete Gewühl erlebt haben.
Im Hinterland aber kann man oft weite Strecken wandern und sieht nur wenige
Menschen.
Die Ankunft auf der Farm war geprägt von so vielen Eindrücken, dass es mir schwer fällt, alles zu Papier zu bringen. Die liebevolle Familie, all das Grün, das Haus an sich, die Zimmer, mein geliebtes "2-Eimer-System" im Bad, welches ich nach der erfrischenden Kokosnuss ausgiebig nutzte.
Danach sofort in neue Klamotten, dass hieß für uns 3 den Salwar Kameez überstreifen. Als wir in diesem Outfit die Treppe runterkamen, trafen uns etliche erstaunte Blicke und zwar nicht nur die der Mitreisenden. Was die Familie davon hielt, kann ich bis heute noch nicht sagen, aber sie haben sich schnell dran gewöhnt ;-).
Klar, dass die überrascht waren!
Dass unsere Gäste nach einigen Tagen die landesübliche Kleidung ausprobieren,
das sind sie gewöhnt. Dass Ihr aber gleich bei der Ankunft im typischen Dress
des Nordens erscheint, war schon etwas Neues für die Keralafamilie.
Nach dem 1. stilechten indischem Mahl auf einem Bananenblatt (lecker!) wollte uns Raju "kurz" die Farm zeigen. Dieser kurze Rundgang entwickelte sich zu einem ausgedehnten 3-Stunden-Spaziergang, auf dem er uns unermüdlich all unsere Fragen zu div. Pflanzen beantwortete (Touris können so anstrengend sein!). Ich glaube, über den komatösen Erschöpfungsschlaf in der 1. Nacht brauche ich nichts zu schreiben...
Natürlich könnte ich über die Farm und die Family so vieles schreiben, aber ich bin mir sicher, Du hast alles schon einmal gehört. Nicht nur, dass uns alle Wünsche erfüllt wurden (u.a. auch der Good-Night-Coffee, den uns Lovely so oft auch spät abends noch mit einem Lächeln zubereitet hat), nein, ein ganz besonderer Dank gilt Raju, der alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, damit wir unsere Tanzkostüme bekommen.
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Und das hat sich als ganz schön schwierig herausgestellt. Mit so viel Problemen hatten wir nicht gerechnet, vor allem nicht, dass es nirgendwo einen Schneider gab, der sich damit auskannte.
Raju hat dann in Mysore nach unzähligen Telefonaten einen aus dem Hut gezaubert. Zu einem Zeitpunkt, wo wir schon alle Hoffnung aufgegeben hatten, tauchte er mit besagtem Schneider plötzlich im Hotel auf und strahlte, als er unsere begeisterte Reaktion sah.
Für die Leser/innen muss ich
ergänzen, dass das Abenteuer ja noch gar nicht sein Happy End gefunden hat: Die
Kostüme waren zu Eurer Abreise noch gar nicht fertig! Aber Raju ist noch einmal
nach Mysore gefahren und wird nun die Tanzkostüme als Paket nach Hannover
senden! Vergiss nicht, uns zu informieren, wenn alles gut angekommen ist - und
vor allem auch passt!
Es waren auch so viele Kleinigkeiten, über die ich mich gefreut habe und die mir immer wieder ein Schmunzeln entlocken: die ausgiebige Shopping-Tour, die mit Lovely mit uns 3en gemacht hat (sie schien sogar Spaß daran zu haben ;-) ), das leckere Essen, die Luftballon-Schlacht mit den Kindern in unserem Zimmer (Raju klopfte bei dem Radau besorgt an die Tür und fragte, ob die Kinder uns stören würden; da haben wir ihn kurzerhand wieder vor die Tür gesetzt und weitergetobt).
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Dann die lauschige Abendstimmung auf der Terrasse, der Tag des gemeinsamen Familienausflugs, auf dem wir auch Paul aus seinem College abgeholt haben, das Malen mit den Kindern (wiederum auf unserem Zimmer; diesmal fragte Lovely, ob bei uns alles in Ordnung sei, da es so verdächtig still war...).
Und die Badeausflüge mit dem Früchtepicknick, das morgendliche Wecken durch das Kokosnussraspeln (Sonja und ich hatten das Zimmer über der Küche, und so kamen wir manchmal in den Genuss der Düfte, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen ließen), der "Tandoori-Abend" auf dem Dach, bei dem die Kinder, Lovely, Amachi und der Koch vom Hausboot (der spontan eingeladen war) abwechselnd Lieder auf Malayalam gesungen haben.
Da waren die Spaziergänge nach Kodancherry und die Tuk-Tuk-Fahrten zurück zur Farm, Lovely's bezauberndes und herzliches Lächeln, meine Kniemassagen (auch, wenn es Raju einmal zu gut mit der Hitze meinte und ich Brandblasen am Knie bekam), die erstaunte Reaktion von Lovely, als wir 3 ihr das Jasminöl schenken, das wir aus Mysore für sie mitgebracht haben (ungläubig: "For me?"), das Gehechel nach Luft beim Anprobieren der zu engen Sari-Bluse (warum schneidern mir die Inder eigentlich immer die Oberweite weg?), Amachis Tränen in den Augen beim Abschied (von meinem Tränenfluss ganz zu schweigen!), der Besuch bei Jessy und ihrer Familie, und und und....
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Was der Europäerin die Jeans ist
(die oft nur im Liegen zugeht), ist der Inderin die Saribluse. Die muss eng
sein, sonst sieht es nicht gut aus. Führe einmal ein intimes Gespräch mit einer
Inderin über die ständig steigende Zahl von Brustvergrößerungen im Westen und
erlebe das entsetzt Gesicht! Im Gegensatz zum Blößenwahn im Okzident trägt die
Inderin ihre "hervorragenden Argumente" möglichst unauffällig.
Plattgeschnürt von der engen Saribluse und zusätzlich noch Schal oder Sari
locker darüber. Ich als Mann tröste mich immer: Ich bin weniger abgelenkt und
kann mich mehr auf die schönen indischen Augen konzentrieren ;-)
Du fragst nach meinen Motiven, mich für Deine
Südindienexpedition Dir und KD anzuvertrauen - nachdem ich mehrfach bewiesen
habe, dass ich durchaus in der Lage bin, eine solche Reise auf eigene Faust zu
organisieren? Die Gründe dafür sind ganz einfach...
1. Die letzte Reise nach Nordindien hab´ ich zwar allein organisiert und es hat
soweit auch alles geklappt (na ja, bis auf das - wir nennen es mittlerweile
liebevoll - ´Kakerlak-Inn´ in Agra), aber das ist auch alles ziemlich
anstrengend. Nicht körperlich, aber mental!
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Über das Fortkommen brauchten wir uns ja keine Sorgen
machen, dank unseres Fahrers und guten Freundes Anand, aber allein das
Auskundschaften der Nachtbleibe und das Verhandeln, Zimmer anschauen etc. zehrt
manchmal ganz schön an den Nerven (vor allem nach einer anstrengenden
Tagesfahrt über Indiens abenteuerliche ´Straßen´). Da ist es doch auch mal ganz
schön, die Organisation anderen zu überlassen und sich einfach zurück zu lehnen
und zu genießen!
2. Und dieser Grund ist weit wichtiger als der 1.! Der Familienanschluss!!! Ich
berichtete ja schon, dass wir auf der letzten Reise auch in Guesthouses
übernachtet haben. Und diese Aufenthalte waren einfach ein Highlight für mich.
Vor allem, wenn ich mit der Familie wirklich in Kontakt kam, mich mit ihnen über
ihr Leben und Indien unterhalten und gleichzeitig auch von mir erzählen konnte,
ohne mich auf die Antworten von "What´s your name" und "Where do
you come from" beschränken zu müssen.
Da mich in Indien auch gerade die Menschen und ihr Leben faszinieren, ist das eine wundervolle Möglichkeit der Kontaktaufnahme und des Austauschs. Und davon haben wir in Raju´s Familie auch ordentlich Gebrauch gemacht (im Nachhinein betrachtet, natürlich immer noch zu wenig!)!!!! Deswegen gefiel mir Dein Konzept auf Anhieb, auch im Hinblick darauf, dass ich bisher nirgendwo etwas Ähnliches gefunden habe.
Fazit: Für mich war es bisher die schönste Reise nach
Indien. Und es war das erste Mal, dass ich beim Abschied wirklich Tränen
vergossen habe!
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Ich könnte noch so Viiiiiiieles schreiben, aber Sonja ermahnte mich gerade eben noch am Telefon: "Lass mir gefälligst auch noch ´was übrig!" Also werd´ ich mich etwas zurückhalten..., aber ganz bestimmt nicht ganz! Ich hoffe, Du siehst es mir nach, dass ich diese Mail etwas kurz gehalten habe. Ab nächste Woche wird´s wieder besser (dann ist der Kollege wieder da), und dann werde ich mir auch wieder etwas mehr Zeit nehmen.
Schwesterlein Sonja will
tatsächlich etwas schreiben? Bisher hat sie Dich lieber vorgelassen, und ich
habe im ganzen letzten Jahr nur 2 Emails mit insgesamt 86 Worten von Sonja
bekommen. da darf ich aber gespannt sein!
PS: Am Wochenende werde ich die Foto-CD für Dich zusammenstellen, damit wir nächste Woche das Päckchen für Dich abschicken können. Mit dem Film wird´s wohl noch etwas dauern, da ich erst mal auskundschaften muss, wie ich am besten das Filmmaterial mit meinem klapprigen PC verkupple...
Liebe Grüße von der indien-süchtigen und noch immer nicht wieder eingelebten Susanne
Wie schön Du Dein
"Kaleidoskop schöner Erinnerungen" zu Papier gebracht hast! Oder muß
man sagen "zu Bildschirm"? Wie ich Dich kenne, nimmst Du es mir auch
diesmal nicht übel, wenn ich eingangs wieder ein wenig über Hannover frozzelte.
Das hat in unserem Dialog ja schon fast Tradition. Vielleicht bäumt sich ja
diesmal ein Indienfan aus dem Raum Hannover auf und schreibt eine saftige Retourkutsche?
Auf Dein Carepaket freue ich
mich schon - und andere sicher auch, wenn ich wieder ein paar schöne Bilder
online stellen kann.
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Manfredo lebt mit Frau & Hund im schweizerischen Seuzach.
Er war mit unserem Februarteam in Kerala und gehörte im Gegensatz zu Susanne zu
den Privilegierten, die noch eine Woche länger bleiben konnten. Manfredo sehnte
sich schon sehr lange nach Indien, und als er Kerala Discovery im Internet
entdeckte, war die Zeit für "einen Blick hinter den Spiegel" für ihn
reif.
Namashkaram lieber Bernd
Am Sonntag um 13.00 kam ich bei strahlend blauem Himmel und angenehmer Vorfrühlingstemperatur in Seuzach an. Denise holte mich am Bahnhof ab, der sich nur 5 Min. Fußweg von unserem Haus befindet. Da Denise noch einige Wochen mit Krücken laufen muss, war das Tempo sehr angemessen. Eigentlich bin ich noch nicht ganz angekommen.
Als ich vor unserer Haustür stand, nahm ich die sagenhafte Stille wahr, die uns hier umgibt. Im Haus selbst bekam ich vor Stille ein gewisses Ohrensausen. Ja ich nahm meine häusliche Umgebung als sehr wohltuend wahr. Die Distanz zum Gewohnten, mit der entsprechenden Diskrepanz zur KERALA-Indischen-Lebensweise hat mich mein „Zu-Hause“ besonders deutlich und klar wieder entdecken lassen. Ich bin wohl ein sehr reich beschenkter Mensch.
Um einen Reisebericht zu schreiben ist die Zeit noch nicht da. Gerne gebe ich Dir, lieber Bernd, ein Blitzlicht:
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Der Blick hinter den Spiegel hat stattgefunden. Ich sah meine Grundauffassung vom Leben als Zusammenspiel und Kooperation vollumfänglich Bestätigt. Je einfacher, umso nachhaltiger die Wirkung! Als Symbol dazu gefällt mir schon viele Jahre der offene Kreis. Noch besser: Ein Punkt. So habe ich doch tatsächlich 6 Klangschalen gefunden! Je ein Ton mit nachhaltiger Schwingung! Ich bin ja so was von glücklich über diese Bestätigung. Bert Brecht schrieb in seinem „Lob der Dialektik“ den Satz: „Wer seine Lage erkannt hat, wie sollte der aufzuhalten sein?“
Am liebsten wäre ich grad auf der Farm geblieben. Irgendwie fühlte ich mich dazugehörig. Sohn von Amachi, Bruder von Raju, Freund von Lovely und Onkel den Kindern. Bruder den Arbeitern. Und Freund der Kühe, den Hühnern, Dackeln und all dem übrigen Getier.
Was könnte ich dort wohl tun? Abfallbeseitigung in Kodancherry und Umgebung. Das wäre ein angemessenes Projekt für mich. Gewiss wird dies auch noch in 10 Jahren sehr willkommen sein.
Der Lärm beim Busfahren. Die waghalsigen Fahrmanöver! Nie hatte ich Angst! Wie viel Menschen sterben in Indien, pro Jahr im Straßenverkehr? Und wie sieht ein Vergleich mit Schweiz/ Deutschland/ Italien aus? Dieser Frage werde ich mal nachgehen und ich vermute: Die Inder stehen nicht schlecht da.
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Die 95% freundlich, lächelnden, kopfwackelnden Männer und Frauen. Das Bild: Männer gehen Hand in Hand, berühren sich zärtlich und müssen deswegen nicht Schwul sein. Hier wurde ein sehr empfindlicher Nerv bei mir getroffen! Ich liebe diese Menschen. Ich konnte nicht oft genug in ihrer Nähe sein und in ihre Lebensart eintauchen. Ja so hat es mir sehr gefallen. Den Lunghi trug ich mit Selbstverständlichkeit. Die Wanderung mit Josef und einem Führer in die Nilgiriberge war auch ohne Übernachtung ein unvergessliches Erlebnis.
Kovalam Beach: Schönes Hotel. Meeresrauschen. Geldgiermentalität. Dr. Lalitha Babu ist definitiv nicht meine Freundin. Obwohl sie gut Deutsch spricht, war sie an einem persönlichen Kontakt in keiner Weise interessiert. Sie stelle Fragen nach befinden und wollte die Antwort gar nicht hören. Die Preise sind günstig. Von personzentrierter Haltung hat diese Frau keine Ahnung. Ihre Masseure leisten absolute Toparbeit zu unangemessen günstigem Preis. Denise würde es hier sehr gefallen. Frau Dr. Babu beklagte zu Recht die verdorbenen Sitten in Kovalam. Nach ihrer Auskunft warst Du noch nie in ihrem Ressort? So wie ich es sehe, war Frau Babu noch nie auf Raju’s Farm.
Das Lebenstempo auf der Farm entspricht meinem eigenen absolut. Ich hoffe, dass ich mir hier treu bleiben kann. Ich werde die Familie wieder besuchen.
Danke für alles was Du für Indien und seine Freunde tust!
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Inzwischen haben wir auch
telefoniert, und Du hast deutlich gemacht, daß die wohltuend neu erlebte Stille
Deines Heims bei der Rückkehr keine Kritik am indischen Lärm sein sollte.
Obwohl es mir auch nach einem Vierteljahrhundert Indienreisen immer noch
unmöglich ist, unseren indischen Freunden den Begriff "Lärmbelastung"
zu erklären, ging es Dir hier nur wertfrei um den wohltuenden Gegensatz
zwischen hier und dort.
"Unsere" Inder
kennen den Begriff "Lärmbelästigung" tatsächlich nicht.
"Unsere" sage ich, weil wir nicht bei indischen Familien zu Gast
sind, die in Industriegebieten leben. Aber auch in den Großstädten Indiens hat
man nicht den Eindruck, dass irgendjemand unter dem oft unglaublichen Lärm
leidet. Sie haben noch nicht wie wir erkannt, dass Lärm gesundheitsschädlich
sein kann. Dazu kommt aber bei uns noch die individualistische Mentalität, die
auch gesundheitlich unbedenkliche Geräusche der anderen als unberechtigtes
Eindringen in unsere Privatsphäre betrachtet. So werden Hühnerhalter von
Nachbarn verklagt, weil morgens der Hahn kräht - über so etwas können Inder
sich tot lachen. Aber das entspricht nicht Deiner Mentalität - Du beobachtest
die Unterschiede zweier Welten und tolerierst sie.
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So auch Deine beiläufige
Anmerkung, Du könntest den Indern bei der Müllbeseitigung helfen. Hier ist es
ebenso wie mit dem Lärm - ja mit der gesamten Umweltproblematik, für die wir im
Westen hoch sensibilisiert sind. Wo wir uns schon über einzelne bunte, achtlos
im Palmenwald weggeworfene Plastiktüten erregen, sind dies für die Inder immer
noch hübsche Farbtupfer in der Landschaft. Denken wir zurück: Vor 40 Jahren
waren Kunststoffe auch für uns edle Materialien der Zukunft - erst heute ist
der Plastikmüll ein Symbol für die umweltbelastende Wegwerfkultur. Aber es gibt
Hoffnung: Indien wird keine 40 Jahre brauchen, um für diese Problematik
sensibilisiert zu werden - es gibt schon seit einigen Jahren Bestrebungen, das
Müllproblem zu lösen. In einigen Städten sind Plastiktüten sogar schon
verboten, weil sie in den Monsunmonaten die Kanalisation verstopften und ganze
Stadtteile überschwemmt wurden. Aber all diese Bewegungen stecken noch in den
Anfängen. Nicht zuletzt deshalb sperrt sich Indien auch noch gegen
internationale Abkommen zur Reduzierung der Luftverschmutzung und
Treibhausgase.
Insgesamt dokumentiert Dein
Beitrag eine liberale, tolerante Erstbegegnung mit Indien. Da verwundert Dein
negatives Urteil über unser Strandresort doch ein wenig.
Was Dr. Lalitha angeht,
so gehen die Meinungen Eures Teams ziemlich auseinander. Während Du und Josef nach
dem intensiven Familienerlebnis auf Vettikavumgal das AyurBay-Resort bei
Lalitha deutlich kommerzieller empfanden, sahen das Hildegard und Ernst aus
Düsseldorf wesentlich positiver. Und Sabine & Christian (s. nächster
Bericht) erst recht.
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Wie kommt das? Ich glaube, dass
bei feinfühligen Menschen oft die ersten Minuten einer neuen Begegnung über
Sympathie und Antipathie entscheiden können. Und an Kerala Discovery Reisen
nehmen überwiegend feinfühlige Menschen teil. Hier sollen gerade solch
unterschiedliche Meinungen jeden gemahnen, mit der nötigen Toleranz jedem
zunächst ein positives Punktekonto einzurichten. Das ist man der fremden Kultur
und ihrer Andersartigkeit schuldig.
Dann wird man vielleicht das
Angebot komfortablerer Zimmer bei der Ankunft als wohlmeinenden Service
empfinden und nicht als Versuch, möglichst viel Geld zu verdienen (die
Deluxe-Zimmer sind bei Lalitha natürlich teurer als unsere vorreservierten
Standard-Zimmer). Das gleiche gilt auch, wenn Du Inder geflissentlich
ignorierst, die Dir von hinten "Hello, Sir!" zurufen - das muss nicht
gleich wieder jemand sein, der Dir was verkaufen will. Es kann auch jemand
sein, der Dir Deinen Rucksack bringt, den Du im Restaurant Shilpashri (Mysore)
vergessen hattest ;-)
Aber gut -
"Meinungsaustausch" bedeutet nicht, dass Du mit Deiner Meinung in die
InderNettNews einsteigst und zwangsläufig mit meiner Meinung wieder heraus
kommst. Insofern hoffe ich, Du verstehst, was ich sagen möchte.
Insgesamt ein dickes DANKE,
lieber Manfredo! Du hast mit diesen Zeilen meine Seele gestreichelt. Und sagst,
die Zeit für einen Reisebericht sei noch nicht reif? So ein Resümee, wie Du es
schreibst, ist mir doch zehnmal wertvoller als jeder andere Reisereport, denn
es ist viel interessanter zu lesen, was Du gefühlt hast als das, was Du gesehen
hast.
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Aus meinen Berichten wirst Du
herausgelesen haben, dass ich mich bei der (durchaus intensiven)
spirituell-esoterischen Komponente unserer Indienreise absichtlich zurückhalte.
Ich weiß, dass die meisten auf Reisen ihren Erlebnishunger ausleben - dass aber
auch viele gerade in Indien automatisch emotional und spirituell berührt
werden. Ich will das nicht in irgendeine Richtung steuern und nehme mich in
dieser Thematik etwas zurück. Wenn aber aus berufenem Gästemund so schön
berichtet wird, dann ist das ein Geschenk von hohem Wert. Für mich.
Ein Reisebericht von Sabine Wilhelm und Christian Bulla
(Februar 2007). Der Kontakt entstand über Christians Vater Norbert aus Hamburg,
der als langjähriger INN-Leser sofort an KD dachte, als Christian aus Jodhpur
über Skype nach einem Tipp fragte, wo er und Sabine die letzten Tage ihrer
Indienrundreise am besten ausklingen lassen könnten
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Am Flughafen von Trivandrum werden
wir von Peter, dem Ressortfahrer, abgeholt. Das ist äußert angenehm, denn
draußen schlagen uns zirka 35 Grad ins Gesicht und ein typisches indisches
Getümmel mit zahlreichen Taxi-Angeboten.
Nach etwas mehr als einer halben
Stunde Fahrt über Land- und zuletzt Sandstrassen biegen wir in die kleine Ayurveda Anlage von Dr. Lalitha ein.
„Einfach, sauber, familiär und freundlich,“ so der erste Eindruck beim Betreten
der Rezeption. Dort werden wir auch schon freudig empfangen – auf Deutsch – und
von der Chefin persönlich. Nach einem Kokos-Erfrischungs-Getränk und einem
ersten Blick auf den Indischen Ozean haben wir die Möglichkeit, unser Zimmer
auszuwählen. Es gibt drei verschiedene Kategorien zu wählen. Standard, Deluxe
und eine Suite – daneben noch ein Appartement, das ideal für vier Personen ist.
Wir entscheiden uns für Deluxe, um während unseres Wellnessaufenthaltes ein
geräumigeres Zimmer zu haben.
Nach der Anmeldung haben wir
dann einen Termin bei Dr. Lalitha für ein Einführungsgespräch. Nach einer
Stunde wissen wir mehr, nicht nur über die Geheimnisse von Ayurveda, einer über
5000 Jahre alten Medizin, die auf Vorbeugung von Krankheiten ausgerichtet ist
und nicht auf die Bekämpfung der Symptome, sondern auch über Dr. Lalitha Babu
selbst. Sie ist eine äußerst interessante Persönlichkeit, weswegen es sich
schon lohnt, in die AyurBay zu fahren, denn sie hat sich mit dem Ressort ihren
Lebenstraum erfüllt, aus eigner Kraft aufgebaut und mit Hilfe und Unterstützung
von Freunden und Bekannten, mehr erzählen wir an dieser Stelle nicht.
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Dann drängt es uns, endlich das
Meer und die Palmen nicht nur aus der Ferne zu sehen, sondern zu erleben. Das
Ressort hat einen abgetrennten Bereich, wo die Gäste Liegestühle bekommen. „Es
ist Nachmittag und deshalb relativ hoher Wellengang und starke Strömung“,
erklärt uns der resorteigene Lifeguard bevor er uns die Stelle zeigt an der wir
unbekümmert schwimmen können. Eins, zwei, drei, Kopfüber geht hinein, in das
klare, erfrischende Salzwasser – mit einem Sprung geht es in die Erholung…
Kaum aus dem Wasser, sind wir,
die Neuankömmlinge, auch schon Opfer der Strandhändler, die einem von Obst über
Kleidung und Kitsch allerhand anbieten, nur nicht Ruhe… von daher legen wir uns
gerne in den etwas abgetrennten Bereich des Ressorts.
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AyurBay Beach Resort auf einen Blick: u u
Gegründet hat Dr.
Lalitha ihre Praxis 1984 direkt am Leuchtturm - seit 2003 hat sie ihr eigenes
Resort 4 km südlich der Touristenburg Kovalam. u u
20 km südlich von
Thiruvananthapuram , der Hauptstadt Keralas entfernt. u u
Familiäres, sauber
und gepflegtes Resort mit 16 Zimmern und 2 Suiten. u
u
Exzellentes Team von
ayurvedischen Masseuren und natürlich diagnostiziert und therapiert auch die
Chefin selbst! u
u
Sehr engagierte
Mitarbeiter, die auch gerne bei der Reise- und Tourenplanung helfen, z.B. Teeplantagen im Hinterland. u
u
Im hauseigenen
Restaurant (direkt an der Beach) genießt man Schmackhaftes, sehr frisches
Essen – empfehlenswert zum Lunch |
Die nächsten Tage bestehen aus
Faulenzen, Lesen, Schwimmen, Essen und dem Highlight jedes Tages: Der Ayurveda
Massage! Eine Stunde lang wird der Körper von vorne und hinten und von der
Zehenspitze bis zur Haarwurzel eingeölt und massiert, eine Wohltat für beide
Körper und Seele. Diesen Luxus haben wir uns gegönnt. Eine Massage kosten ca. 25 Euro.
Ansonsten können Gäste von hier
aus auch zahlreiche Unternehmungen machen, die das Personal gerne organisiert.
Das kann vom Stadtbesuch bis hin zum Besuch von Teeplantagen gehen. Am Besten
ist es, wenn man sich direkt bei Dr. Lalitha oder dem Servicemanager
informiert.
Rund um kann man nur sagen, dass
es ein Ort der Erholung bei Dr. Lalitha ist, denn man uneingeschränkt
weiterempfehlen kann. Was uns mit am besten gefallen hat, war sicherlich Dr.
Lalitha selbst. Eine Persönlichkeit, die eine unglaublich faszinierende Art und
Geschichte zu Erzählen hat, sehr warm herzig und unvergesslich ist.
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Weitere Ressort Tipps: Auf
unserer Entdeckungsreise entlang der Küste südlich haben wir uns noch folgende
wunderbare, etwas grössere und
exklusiverer Ressorts angeschaut: Coconut Bay Beach Ressort (sehr viele
Deutsche), Surya Samudra Beach Garden (international)
Restaurant
Tipp:
In Lalitha’s Ressort gibt es
ebenfalls ein Restaurant, das exzellente Küche und vor allem sehr guten Service
bietet, allerdings ist das Ambiente unserer Meinung eher für Frühstück und
Mittagessen ausgerichtet – weniger für ein romantisches Abendessen.
Wir können die „The Gallery“
empfehlen, das Seeblick Restaurant des nahe gelegenen Coconut Bay Beach
Ressort. Dort sollte man unbedingt das vegetarische Buffet ausprobieren. Hier
werden die verschiedensten Kerala Spezialitäten auf einem Bananenblatt serviert
– dazu ein Bier – göttlich.
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Es war ihre erste Begegnung mit
Indien, und Erika & Josef aus München waren froh, sie sozusagen auf die
Sanfte Tour angegangen zu sein. Interessant ist, wie unterschiedlich die
Sichtweisen der Keralagäste sind, und was sie erwähnenswert finden. Lies heute,
wie Erika die Eindrücke aus Südindien zusammenfasst:
Lieber Bernd, Dein Konzept gefällt uns. Dieses alternative Reisen kommt uns sehr entgegen; denn es gibt Angebote und Anregungen und lässt Spielraum. Wir wollen kein Programm, das uns von einer Sehenswürdigkeit zur anderen führt.
Dank Deiner Newsletter und TV Dokumentationen waren wir recht gut vorbereitet, aber noch neugierig auf die tausend Gesichter in dem vielfarbigen und gegensätzlichen Kerala. Dies war unsere erste Indienreise und der Virus hat sich festgesetzt. Wir hatten die Vettigkavumgal-Saga und die aktuellen Fotos vom Dez. im Kopf und trafen auf diese Familie, die uns bezauberte. Lovely und Amachi, die stets freundlich und hilfsbereit alle Wünsche zu erfüllen suchten und uns täglich von frühmorgens bis abends aus der schmackhaften Küche Keralas abwechslungsreich verköstigten (genauso wie ihre große Familie, die Lehrer-Pensionsgäste im Nebenhaus und die aktuell auf dem Hof anwesenden Saisonarbeiter)!
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Schön, dass Ihr sie erwähnt,
meine Vettikavumgal-Saga. Die Geschichte der Gastgeberfamilie unserer
Tropenfarm beginnt im Jahr 1.111 in einem Baumhaus, als es das Dorf noch gar
nicht gab und alles Wildnis voller gefährlicher Tiere und böser Geister war.
Klickt Euch mal hinein, falls Ihr sie noch nicht gelesen habt!
Raju, der Unermüdliche, war dauernd unterwegs und doch täglich ansprechbar und unternehmungslustig. Bewundernswert sind sein Engagement und seine Flexibilität im Einsatz für die Touris und seine progressiven Veränderungen auf der Farm (Recycling, Biogasproduktion und -nutzung, die Abwasserreinigung und die neue Warmwassererzeugung ) sowie seine laufenden baulichen Maßnahmen um das Haus herum, nachdem die Dschungelvilla zurzeit fertig scheint.
Liebenswert
quirlig stürmten die Kleinen, Diana und Joseph, nach der Schule auf uns zu und
nahmen uns voll als temporäre Familienmitglieder auf. Wir durchstreiften
Vettikavumgal, schauten und fragten und nutzten alle Angebote: Wir gingen in
der Küche aus und ein, wie auch sonst im Haus der offenen Türen von der
Dachterrasse bis zum Stall, im Ayurveda-Massageraum und im Schwitzkasten, ums
Haus herum und im Farmland.
Alle
unsere Fragen wurden freundlich ausführlich beantwortet. In Kodancherry waren
wir bald alle namentlich bekannt. Das Besondere an unserer Gruppe war: jeder
und jede brachten sich aktiv ein und akzeptierten Andersartigkeit. Wir haben
viel miteinander geredet und gelacht und waren sehr traurig, als die
"Mädels" nach 3 Wochen abreisen mussten.
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Eine wirklich nette Truppe hatte
sich da aus den verschiedensten Regionen Deutschlands auf der Farm zusammen
gefunden. Nord, West und Süd; Indienneulinge und Indienkenner konnten sich
optimal ergänzen. Acht Gäste waren es - das Maximum, das wir uns im Rahmen der
Kerala Discovery Prinzipien erlauben.
Zum
Abschied von der Farm hatten sie uns in der Wohnhalle noch Kostproben ihrer
Freizeitbeschäftigung vorgeführt: nordindischen Tempeltanz in farbenfrohen
Saris. Welch herrliche Zeit miteinander!!! Zum Glück konnten wir noch eine
farbenprächtige Kathakali Tanzvorführung im kleinen Theater in Cochin zusammen
erleben und auch sehen, wie sich der bejahrte Theaterdirektor zusehends
verjüngte, während er sich schminkte und anschließend einführende Beispiele
gab, welche Aussagekraft Augen, Hände und Mimik zu Trommelrhythmen gewinnen
können.
Zwei
seiner Tänzer gewährten uns einen kleinen Einblick, wie Mahabaratha und
Ramayana auch erzählt werden können!
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Die
Tuk Tuk Fahrer im Rushhourverkehr von Cochin zum und vom Theater zurück ließen
uns teilhaben am körpernahen hektischen indischen Straßenverkehr. Sie
beförderten uns sicher und schadensfrei. Ich hatte niemals Angst, weder im
öffentlichen, gestopft vollen Bus mit einer Traube von Trittbrettfahrern noch
mit Rajus Fahrer.
Zwar
unterscheiden sich unsere Fahrstile gewaltig, aber das Ergebnis zählt. Und auf
diesen indischen Straßen mit den vielen Löchern und Unebenheiten, den
Speedbreakers und Baustellen, von vielen Fußgängern und unterschiedlichen
Tieren bevölkert, zwischen vorsintflutlichen Gefährten und modernen schweren
Lastwagen und Bussen muss man einfach anders fahren als bei uns. Und alles ging
gut.
… und das war in 25 Jahren immer
so. Wir hatten noch nie einen Unfall mit unseren Gästen - auch wenn die sich
nicht selten in Gefahr wähnten. So kooperativ wie die Driver in Indien fahren,
könnten sie bei uns tatsächlich nicht weit kommen. Ich bin sogar überzeugt,
dass die, die uns in Indien so sicher kutschieren, mit ihrem Fahrstil in
Deutschland in permanenter Lebensgefahr wären.
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Wir
genossen ausgiebig staunend und intensiv das reichhaltige Programmangebot, die
Touren und Sehenswürdigkeiten: Mysore, die Museen, die Heiligtümer, das
Vogelparadies, die Tempel und Memorials, ...den einzigartigen Holzpalast von
Padmanabhapuram... und die reiche Natur (den wirbelnden
Schmetterlingsregenschauer am Wasserfall in den Nilgiri Bergen, das
erfrischende Bad im Nellipoyil River, die herrliche Backwatertour mit der
freundlich zuvorkommenden good cooking Crew............, die Wildparks und
-gehege, und die zahlreichen Einblicke ins Leben der Anderen, auch bei Jessy
und ihrer Familie.
Mich
persönlich hat am meisten beeindruckt: die grazile Anmut der bildhübschen
Frauen in ihren wundervollen Saris, ihre geduldige freundliche Gelassenheit und
ihr großes Interesse an uns. Am eindrücklichsten, tief bewegt haben mich die
stillen Momente: zu Füßen des Gomatta das leise Gespräch mit Raju über seinen
geliebten Bruder Jaison; bei einem Stopp zum Obstkauf an der Landstraße das
zarte Berühren einer Kinderhand und das strahlende Lächeln; nachts die
Tierlaute im gar nicht so dichten Kavu; das abendliche Schwimmen im Arabischen
Meer in den Sonnenuntergang hinein, und der wehmütige Abschied von Lovely und
Raju und die zarte Umarmung von Amachi
(Erika)
Man sollte Arundhati Roy's
"Gott der kleinen Dinge" mit auf die Reise nehmen, nicht wahr? Ihr Dörfchen
Ayemenem könnte durchaus unser Dorf sein.
Riesendank für diesen netten
Report. Man spürt beim Lesen, dass Ihr beide sicherlich nicht das letzte Mal in
Indien gewesen seid. Ich will hoffen, dass Ihr von den Fotos noch etwas retten
konntet, nachdem die Kamera in den letzten Tagen ihren Geist aufgegeben hatte!
… und das ist auch gut so, denn
Aniya aus Hannover ist in Kerala so richtig aufgeblüht. Lies heute, was sie
über ihre Kerala Discovery im Februar 2007 schreibt:
Namashkaram, lieber Bernd!
Lieben Dank für Deinen Willkommensgruß, auch wenn ich gedanklich noch zu mindestens 80% in Kerala bin, auf der Farm, bei Raju und Lovely, die uns so warmherzig in ihrem Haus aufgenommen haben. Vorhin habe ich mir das rosa Trinkwasser zubereitet, das es dort immer gab (zumindest bilde ich mir ein, zu wissen, welches Kraut dem Wasser beigegeben wurde: Catuabarinde?). Heute morgen bin ich durch die Stadt geschlichen, immer noch etwas müde vom langen Flug, und sehnte mich ins warme Kerala zurück. Folgerichtig landete dann das in meiner Einkaufstasche: frische Ananas, 2 Kokosnüsse (ich habe mir nämlich in Kodancherry eine Kokosraspel besorgt - nachdem ich jeden Morgen von diesem Geräusch geweckt wurde...), frischer Koriander, Ingwer, Limonen und indische Würzpasten aus dem Asia-Laden... Ansonsten laufe ich in der Wohnung rum wie Falschgeld, packe aus, schaue mir zwischendurch all die schönen Schätze an, die ich mitgebracht habe. Gott sei Dank haben wir alle noch zwei Tage frei, bevor uns der Alltag endlich wieder hat.
Catuabarinde im Wasser? Was Du
alles weißt! Also, ich kannte das bisher nur aus Brasilien und habe gleich
nachgeblättert: das gibt es seit langem auch in Indien. Wieso ich das nicht
gewusst habe? Weil ich dieses gefärbte Wasser in 25 Jahren noch nicht ein
einziges Mal getrunken habe. Wieder was gelernt!
Und schon wurde ich unterbrochen, heute ist schon Dienstag! Und morgen muss ich wieder...nein!! Bloß nicht dran denken! Lieber schaue ich mir noch mal, ob ich nicht wenigstens ein paar Deiner Fragen beantworten kann.
Die Airline: An Sri Lankan Airline gibt es nichts zu meckern.
Im Nachhinein kamen wir nur ins Grübeln, ob ein Flug über Mumbai nicht sinnvoller gewesen wäre. Auf dem Bildschirm im Sitz des Vordermanns konnten wir beobachten, wir wir so schön an unserem Zielort vorbeiflogen um nach etlichen Stunden Aufenthalt den Weg wieder zurück zu fliegen. Auf dem Flughafen in Colombo kann man zwar mit Euro bezahllen, kriegt aber entweder Dollar oder Sri Lankan Rupies zurück. Das sind aber wirklich nur Kleinigkeiten, über eventuelle Alternativen weißt Du bestimmt besser Bescheid.
Weiß ich! Über Mumbai ist es zum
einen unbequemer, weil die Anschlusswartezeiten lang sind. Zum anderen aber
auch teurer, weil der Anschlussflug nach Calicut gesondert berechnet wird - bei
SriLankan ist er enthalten.
Gastgeber: Über Raju und Lovely, Amachi und die Kinder gibt es wirklich nur Positives zu berichten. Ich bin immer noch völlig hin und weg, wie Raju sich für uns drei ins Zeug gelegt hat, damit wir an unser Tanzkostüm für Bharata Natyam kommen. Obwohl wir innerhalb der Reisegruppe unterschiedliche Interessen hatten, wurde alles unternommen, um jeden zufrieden zu stellen. Nur zwei von uns wollten die Trekkingtour machen - kein Problem. Wenn auch ohne Übernachtung, so wurde doch für die beiden ein Tagesausflug arrangiert. Ein Extra-Einkaufstag in Calicut? Raju musste sich zwar mal wieder im Office sehen lassen, organisierte aber einen der Lehrer von nebenan für uns als Guide. Ob Bestätigung des Rückflugs, Abchecken nach Änderungen der Abflugzeit oder Geldwechsel, alles wurde erledigt und man konnte sich wirklich zurücklehnen und entspannen.
Bei Lovely hatte ich den Eindruck, sie hat sich zum Ziel gesetzt, jedem den Wunsch von den Augen abzulesen. Und unsere kleine Prinzessin, hach - wir waren alle ganz hin und weg. Einen Nachmittag haben wir spontan eine Malaktion auf Susannes und Sonjas Zimmer gestartet. Bin nun stolze Besitzerin eines Kunstwerkes sowohl von Diana als auch von Joseph.
Tatsächlich habe ich es geschafft, ein Aquarell zu malen. Das ist nicht viel, aber ich bin ganz stolz, dass ich es überhaupt geschafft habe. Leider habe ich immer noch keinen Scanner, aber irgendwer wird mir schon über den Weg laufen, der einen hat.
"Prishemenilla" oder
"Prishenemilla" - ich weiß auch nicht genau, wie man das in
lateinische Lettern presst. Jedenfalls heißt es soviel wie "Null
Problemo". Dass es für die Familie schwerer sein könnte, bei Eurem
8-köpfigen Team jedem seine Sonderwünsche zu erfüllen, wurde dadurch
ausgeglichen, dass Ihr alle der Familie besonders sympathisch wart.
Und was Deine Aquarellkunst
angeht, so lasse ich keine Verzögerungstaktik gelten: Pack es ungerahmt in
Watte und schick es per Post. Ich werde es sogleich nach dem Scannen wieder
zurückschicken! Fotos haben wir ja schon Tausende, und ich freue mich immer
noch über neues Bildmaterial - aber Zeichnungen und Malereien sind bisher ganz
selten. Also her damit - ich freue mich drauf!
Das schönste Erlebnis gibt es nicht, es waren so viele!
Mein Zimmer lag direkt über der Küche. Ich habe diese Geräuschkulisse genossen, mit der ich geweckt wurde.
Das Klappern der Töpfe, die bellenden Dackel und die Krähen, die bei der Küche auf Frühstück hofften, das Trillern fremder Vögel und nicht zuletzt - die Kokosraspel!
Der Moment, als wir in Calicut aus dem Flieger stiegen - es trifft mich wie ein Hammer: Ich rieche Indien!
Der erste Schluck aus der grünen Kokosnuss, der erste Zuckerrohrsaft, Lovelys gefüllte Kokospfannkuchen und auf mein Nachfragen hin eine Küchendemonstration am Nachmittag.
Der zweite Besuch beim Dorfschneider, man kennt uns bereits mit Namen!
Die Überlänge, die Raju uns dreien auf dem Hausboot gewährt hat.
Lovely, die Susanne und mir ihren Spezialkaffee unaufgefordert und als "Schlummertrunk" abends auf die Veranda bringt.
Bestimmt kann ich noch das eine oder andere Highlight ausgraben, wenn ich mein Tagebuch noch mal durchlese.
Hier noch eine Geschichte zum heutigen Abschluss: Auf dem Rückweg von Mysore zur Farm beschließen wir, unterwegs zu essen, damit Lovely nicht noch so spät in der Küche stehen muss. Irgendwo im Hochland legen wir Pause ein. Wir sitzen in einem kleinen Nebenraum, ein Kabuff ohne Fenster, dafür bläst uns die Klimaanlage in den Nacken. Gar nicht gut für unsere Erkältung (Sonja und meine).
Sonja u. ich wollen uns ein Ginger Chicken teilen. Nach einer halben Ewigkeit (und dem leckersten Chai, den wir bislang auf dieser Reise hatten) kommt das Essen. Sonja probiert zuerst.
" Alter, ist das scharf!"
Ich nehme auch einen Bissen und habe Sonjas Kommentar nichts hinzuzufügen. Raju lacht sich kaputt. Ich erkläre ihm, dass ich das von ihm angepriesene Dampfbad auf der Farm bestimmt nicht mehr brauche, da meine Erkältung jetzt sicher ein gnadenloses Ende finden wird. Als sich unsere Kicherei aber in einen ausgewachsenen Lachanfall ausdehnt und ich mir nicht nur den Schweiß, sondern auch noch die Tränen aus dem Gesicht wischen muss, wittert Raju, dass mit dem Essen wohl was nicht stimmen kann.
Er nimmt selbst eine Gabel voll - und verzieht das Gesicht. Der Kellner wird herzitiert und genötigt, sich gefälligst selbst die Zunge an seinem Hähnchenfeuertopf zu verbrennen. Wir bitten um plain yoghurt, damit man wenigstens noch etwas davon essen kann.
Der Joghurt kommt - das Hühnchen geht... was ist denn jetzt wieder?!
"Ich bin fertig", sagt Sonja. "Ich dann wohl auch", sage ich trocken. Diesmal lacht sich Susanne kringelig, die mit ihrem schnöden cheese sandwich keinerlei Risiko eingegangen ist.
Auf einmal kommt der Hühnchenteller wieder zurück, das Gericht wurde wohl etwas gestreckt um es zu entschärfen. Wir nehmen noch ein paar Anstandshappen. Ich fische mir Knorpel, Knochen und Fettgnubbel aus dem Mund und beschließe, dass ich künftig entweder nur noch boneless chicken oder gleich was Vegetarisches bestellen werde.
Also lieber Bernd, für heute mache ich Schluss, muss noch diverse Kleinigkeit für meinen morgigen Arbeitstag erledigen. Bis demnächst...
Liebe Grüße Aniya (indische Schreibweise)
Schön hast Du das geschrieben,
liebe Aniya! Obwohl ich von "Boneless Chicken" eigentlich abraten
würde. Wir haben da zu oft "Chickenless Bones" bekommen. Der gewohnte
Umgang mit dem Geflügel ist: Hack das Huhn roh in kleine Teile und wirf es in
den Topf. Das bedeutet zwar Fleisch mit nadelspitzen Knochensplittern - aber
wenn man die indischen Köche sortieren lässt, kommt wohl das Gute ins
Kröpfchen.
Es ist übrigens häufig so, dass
man in den Garküchen unterwegs so scharfes Essen vorgesetzt bekommt. Besonders,
wenn das Schild "Meals Ready" schon ein paar Stunden aushängt. Dann
hat wohl inzwischen einer in der Küche das Tagesgericht mehrfach verlängert und
nachgewürzt. Und dann kommt der Chef und wirft nochmals eine Handvoll Chili in
den Topf.
Ihr habt Raju zu spät zur
Bombenentschärfung gerufen - aber es ist eine lustige Geschichte, die auch
zeigt, wie sich manchmal unterwegs im Ausland die Missverständnisse verketten.
Blättere ruhig noch einmal in Deinem Reisetagebuch - wir freuen uns alle auf
Deine nächste Post!
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Aus den INN-345: Meine INN-Co-Autorin Adelheid aus Magdeburg hat heute ebenfalls einen Beitrag zum Thema Kovalam - mit frischen Fotos vom Februar dieses Jahres
Lieber Bernd, da Du Lalithas Deutschlandbesuch angekündigt hast, möchte ich Dir ein paar Fotos von der verschönerten Anlage senden. Martina und Ullrich, Petra und Katja waren so beeindruckt, dass sie am liebsten Weihnachten dort verleben möchten.
Da kann ich nur zuraten!
Weihnachten in Kerala ist wunderschön. Besonders für die, die den Sinn des
Festes unter übertriebenem Kommerz begraben sehen. In Kerala sind keine
Weihnachtsgeschenke üblich.
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Die christlichen Gemeinden
feiern es mit großer Inbrunst, Krippenspielen, Musik und Feuerwerk. Die
blaufichtenfreien Tropen und die hinduistischen Rituale, die hier einfließen,
machen Weihnachten zu einem exotischen Erlebnis in einer Intensität, die ich
nie vergessen werde.
"Ayurbay", so nennt sich Dr. Lalitha Babus ayurvedische Kureinrichtung am Arabischen Meer. Lalitha war die erste weibliche promovierte ayurvedische Ärztin in Kerala und feierte im Dez. 2005 ihr 25jähriges Dienstjubiläum. (Bernd berichtete darüber). Zu diesem Anlaß hat sie, gemeinsam mit Sohn und Schwiegertochter, die Einrichtung noch verschönert und zwei Anwendungshäuschen im landestypischen Stil gebaut. Daneben steht eine neue Theke, von der sie aus die Gäste besser bedienen kann. Außerdem kann man sich dort tagsüber Getränke servieren lassen. Diese Einrichtung verbindet geschickt das Flair von Kerala mit den Ansprüchen der Westeuropäer.
Jedes Zimmer hat einen Duschraum mit "Sitzklo". Alle Zimmer haben einen Balkon mit Blick durch die Palmen zum Meer. Das Areal ist in sich geschlossen und wird rund um die Uhr von einem Pförtner bewacht. Am Strand hat sie einen Strandwächter von 10.00 bis 17.00 Uhr sitzen, der auf die Gäste und deren Sachen aufpasst. So ist es sehr gut möglich, sich auch allein am Strand aufzuhalten. Das Wasser ist ein Traum. Aber 2 m hohe Wellen (so wie der Biker es beschrieben hat) habe ich noch nicht erlebt, obwohl ich schon 2 Mal dort war. Man kann herrlich schwimmen und sehr lange im Wasser bleiben.
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Du warst ja auch nicht in der
Monsunzeit in Kerala. Dann erst erlebst Du eine stürmische See, und das Baden
im Meer wird gefährlich.
Das schönste jedoch sind die Ölmassagen und deren Wirkungen. Alles zusammen wirkt wie ein Jungbrunnen. So ist es nicht verwunderlich, dass viele allein stehende Damen sich hier wohlfühlen. Ansonsten sind Gäste jeder Altersklasse zu Gast.
Mit dem Tuck Tuck kann man nach Kovalam tuckern. Das Angebot in den kleinen Geschäften ist so vielseitig, das man von Shiva bis zu warmen Wollhandschuhen alles kaufen kann. So ist es auch in den Restaurants: von Torte über Bier und Wasserbüffel bis zum erstklassigen Fisch wird alles angeboten. Und doch haben wir uns immer wieder auf unsere Meeresoase bei Lalitha gefreut.
Natürlich sieht man außerhalb von Kovalam sehr arme Hütten, doch die Touristen sind gern gesehen, denn sie bringen Arbeit und Geld. Für mich und meine Freunde war es der schönste "Winterurlaub" mit großem Erholungseffekt. Man findet Lalitha auch im Internet unter: www.ayurbay.com
Spontane Einladungen in Kodancherry - erlebt und
aufgeschrieben von Adelheid aus Magdeburg (Teil 2 - den ersten Teil findest Du
in INN 341)
In Kodancherry lernten wir
verschiedene Leute kennen und folgten auch gern ihren Einladungen. Johnson, der
Bruder vom Farmer Raju, machte mit uns einen kleinen Rundgang. Zuerst trafen
wir eine Tante von ihm. Sie ist eine der ältesten Einwohnerinnen des Ortes und
trägt ihre interessanten Ohrringe seit ihrer Jugend ohne sie aus ihren Ohren
jemals entfernt zu haben. Dann klopfte Johnson an einem Haus eines
Ayurvedaarztes für Rheuma an, der besondere Pflanzen anbaut und deren Blätter
dann verkauft. Für 80 Blätter erhält er 10 Rp.(ca. 20 Cent) Ich schenkte ihm 10
Cent, wollte natürlich keine Blätter. Nun machte er allen eine Pulsdiagnose mit
dem Ergebnis, dass von 9 Leutchen 7 Rheuma haben. Sicher war das nicht nur
Geschäftsgebaren, denn übersäuert und mit Ablagerungen gesegnet werden wir wohl
alle sein. Das war natürlich 100 Rp. wert.
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Wir sahen eine Frau bei einer
Wasserentnahmestelle, die plötzlich ganz deutlich in Deutsch sagte: "Ich
verstehe alles." Sie war die Frau eines Lehrers. Der Sohn Colin hat sehr
oft die deutschen Gäste auf der Farm betreut und lernte dadurch sehr gut unsere
Sprache. Auf Grund seiner Sprachkenntnisse hat er eine Stelle bei einer
Schweizer Firma in Bangalore bekommen. Er besuchte uns später auf der Farm. Wir
wurden von der Frau in das hübsche Haus gebeten, und der Lehrer erzählte, dass
er das Haus gekauft habe. Kaufen sei besser als selbst bauen, da hat man nicht
so viel Arbeit. Mein Gedanke: das ist ja interessant, denn so haben wir als
junges Lehrerehepaar auch mal gedacht, zumal es in der DDR keine Baumaterialien
gab.
Als wir Tage später im Ort zum
Einkaufen waren, entdeckte uns Paulson, der Geschäftsmann in Kochi ist. Wir
berichteten bereits davon. Ich kannte ihn bereits schon vom vorigen Jahr und
die Freude war auf beiden Seiten. Die Einladung ins Cafe und in sein Haus
nahmen wir gern an. Seine Frau ist Lehrerin und unterrichtet Malayalam. Man sah
einen guten Wohlstand. Die große Tochter zeigte uns ihre Auszeichnung für die
beste Handschrift. Wir sagten spontan: Das müsste man bei uns auch mal
einführen Durch Paul sind wir ein paar Tage später auf der Hochzeit seines
Freundes gelandet (siehe Katjas Bericht, INN 342)
Unser kleiner Reiseleiter
Bineesh wollte nicht nachstehen und lud uns nach dem Kindergottesdienst spontan
zu sich ein. Ich freute mich darauf, da ich schon Fotos von der Familie gesehen
hatte und seine Mutti einen sehr anmutigen Eindruck machte. Genau das
bestätigte sich. Die beiden Söhne Bineesh und Gineesh haben einen sehr innigen
Kontakt zur Mutter. Der Vater stieg sofort auf die Palme und schlug Kokosnüsse
ab, deren Getränk erfrischend und schmackhaft ist. Ich hatte dabei Bedenken,
denn er hatte schon einmal einen Sturz von einer Palme erlebt und sich schlimme
Verletzungen zugezogen. Die Folge war damals, dass beide Söhne das Priesterseminar
abbrechen mussten, um zu Hause die Mutter, den kranken Vater und die Tiere zu
versorgen. Ich konnte das erst nachempfinden, als ich sah wo und wie die
Familie lebt. Sie haben ihre Hütte oben auf dem Berg, zu dem nur ein Kraxelweg
führt. Sie haben weder Strom noch Wasser. Alles muss hoch geschleppt werden,
auch für die Tiere.(ein paar Kühe, Ziegen und Schweine) Trotz allem haben sie
ihren Söhnen den Besuch des Gymnasiums ermöglicht, das sie jetzt abgeschlossen
haben.
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Nun fragte auch der Freund Nixon
ganz zaghaft, ob wir auch ihn besuchen würden. Natürlich sagten wir zu, denn
eine Absage würde ihn verletzen. Er hat jetzt auch das Abitur absolviert und
möchte in die Computerbranche. Sein Vater hat vor 2 Jahren eine Kokospalmenfarm
gekauft, wo das Haus natürlich mitten drin steht. Sie haben Stromanschluss und
einen Brunnen. Leider ist der Vater seit 10 Jahren verwitwet. Seine Frau starb
an einem Gehirntumor, und der Vater zog drei Kinder allein groß. Vater und Sohn
haben sich über unseren Besuch sehr gefreut.
Als wir mal von einer kleinen
Tour zurückkamen, fragte uns der Fahrer Anil, ob wir auch in sein Haus kommen
würden. So lernten wir auch seine Familie kennen. Die Mutter hat zweimal
Zwillinge geboren, einmal 2 Jungen (beide Kraftfahrer) und einmal 2 Mädchen
(beide auf dem Gymnasium). Natürlich waren wir dort eine Sensation. Nachbarn
und Kinder nahmen uns in Augenschein. Gineesh bestand darauf, dass wir uns mit
einem Lied und einem Jodler verabschiedeten zum Jubel der Kinder.
Auch Babu, unser Masseur (bei
dem wir auch schon im vorigen Jahr eingeladen waren), nahm uns in sein Haus
mit. Seine Frau, Mutter und 4 Kinder waren ebenfalls zugegen. Die
Gastfreundschaft ist sehr herzlich.
Die Einladung von Shibu (unserem
Kraftfahrer vom vorigen Jahr) konnten wir leider aus zeitlichen Gründen nicht
mehr wahrnehmen.
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Alle Gastgeber boten uns
Getränke, Obst bzw. Nüsse oder Chips an. Es scheint für sie eine Ehre zu sein,
wenn wir ihr Haus besuchen. Wenn bei uns unangemeldeter, fremder Besuch kommt,
ist mein erster Gedanke, ist auch alles aufgeräumt usw. Ein wenig Freude geht
dadurch verloren, weil bei uns über Äußerlichkeiten hart Kritik geübt wird.
Eigentlich schade !!!
Zum Abschluss zeige ich noch ein
paar Fotos von unserer Modenschau auf der Farm Wir ließen uns von Lovely
(Farmersfrau) einwickeln und die Männer von Raju. Wir waren begeistert von den
Farben und schritten vornehm durchs Haus.
Mit meinen Beiträgen wollte ich
ein wenig den Zweiflern den Wind aus den Segeln nehmen, ihnen die
liebenswürdige Seite der Menschen zeigen, die trotz vieler Probleme fröhlich
und zufrieden sind. Ich hoffe, dass ich weitere Reisen nach Indien unternehmen
kann.
Bernd: Danke, liebe Adelheid, für
Deine Einblicke ins Leben der südindischen Landbevölkerung. Einblicke, die der
"normale" Tourist nie bekommt - es sei denn, er ist Privatgast bei
Kerala Discovery. Die weiteren Bilder Deiner Serie folgen unten.
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Adelheid
aus Magdeburg war zum zweiten Mal mit KD in Kerala - diesmal im Januar 2006 mit
ihren Freunden. Sie nutzt heute die Gelegenheit, ihre Erfahrungen aus der
ersten Reise ein Jahr zuvor mit den neuen Erlebnissen zu vergleichen. Denn eine
neuerliche Hausboottour wollte Adelheid sich natürlich nicht entgehen lassen,
zumal es diesmal mit unserem neuen Kettuvallam in die touristenfreie Zone der
Quilandi-Backwaters ging.
Lieber Bernd, anbei ein Beitrag zur Backwatertour. Die Fotos von Quilandi sende ich gesondert. Herzliche Grüße von Adelheid (Ingrid Arndt wird einen Bericht über den Besuch bei Amma schreiben und Katja über die katholische Hochzeit in Kodancherry)
Die Fahrt allen sehr gut gefallen. Einige sind vom
Indienvirus befallen worden und würden gern mal wieder hinfahren.
Einige Besonderheiten haben wir erlebt: Dieter, Heidrun und Ingrid waren bei Amma in Kollam. Du hattest gerade davon berichtet. Ich druckte mir Deinen Artikel aus und zeigte es ihnen. Es waren beeindruckende Stunden, die die 3 dort erlebt haben.
Dieter und Heidi haben bei Lalitha eine Prüfung in Massage abgelegt und ein Zertifikat erhalten. Johnson hat uns 3 Tage betreut, das war sehr aufschlussreich.
Petra, Katja, Jürgen und ich nahmen an der 10jährigen Jubiläumsfeier des Collegiums von Bineesh teil. Ich habe sogar eine kleine Rede vor 400 Jugendlichen gehalten. Wir würden sagen eine Grußbotschaft gebracht. Bineesh war sehr stolz. Natürlich folgte eine Einladung des Direktors.
Weiterhin nahmen wir an dem Kindergottesdienst in Kodancherry teil, wurden in die Häuser von Bineesh, den Fahrern Sunil und Anil, von einem Farmersohn Nixon, von einem Geschäftsmann Paul und von Babu eingeladen.
Wir nahmen an einer christlichen Hochzeit und deren Essen (Abspeisung) teil.
Raju und Lovely weihten ihre Dachterrasse mit uns bei einem Dinner ein.
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Mit Rajus Familie waren wir zum Baden, wo auch Lovely sich bei mir die ersten Schwimmversuche traute und die Kinder mit unseren Schwimmhilfen große Freude hatten.
Du siehst also, dass wir nicht nur das Land sondern auch die Leute und deren Lebensweise kennen lernen wollten. Wir haben uns alle Saris gekauft und große Modenschau gemacht. Dafür haben wir etwas "Tempeliges" weggelassen.
Die Erholung im Meer kam auch nicht zu kurz. Einige von uns haben schon am frühen Morgen am Meer meditiert, Yoga oder QiGong gemacht.
Ich habe vor allem die herrlichen Ölmassagen genossen, die meinen Körper entschlackten und neu belebten. Nur den neuen Schwitzkasten bei Raju habe ich nicht ausprobiert. Er sieht wie der mittelalterliche Folterapparat aus. Dieter, Ingrid und Jürgen saßen drin. Ich habe auch Fotos davon.
Du siehst, dass wir mit einer Menge neuer Eindrücke nach
Hause kamen und vor allem das schöne Wetter vermissen, was wir alle gut
vertragen haben.
Die letzten INN
berichteten, dass in Allapuzha ca. 300 Hausboote unterwegs seien und die
Wasserqualität durch den Touristenstrom bedroht ist. Aber 300 km nördlich nur
ein Boot in Quilandi unterwegs ist.
So fühle ich mich bewogen,
mal einen Vergleich anzustellen, da ich im vorigen Jahr in Allapuzha und in
diesem Jahr in Quilandi unterwegs war. Jedes Gewässer hat seinen Reiz. In
Allapuzha gibt es enge Wasserarme, eine dichtere Bebauung auf den Dämmen,
Lastkähne und Hausboote aller Art sind unterwegs. So kann man interessante
Beobachtungen machen.
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Doch den anwohnenden
Menschen wird es manchmal zu viel, wenn wir wie die Majestäten an ihnen
vorbeischwimmen, dabei allen Komfort haben, sie aber jedoch im Wasser stehen,
sich waschen, Zähne putzen mit dem Wasser, was wir gerade beschmutzen und dabei
noch Zuschauer haben. Ich hatte dabei ein schmerzliches Gefühl, weil dieses
Wasser jedoch die Lebensgrundlage der Menschen ist.
Wiederum bringen die
Touristen Geld ins Land und Arbeitsplätze. Natürlich war es wunderschön, die
herrliche subtropische Natur zu genießen, das Treiben der Leute zu beobachten
und dabei die Seele baumeln zu lassen.
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Die Backwater in Quilandi
sind weiträumiger, also keine Bebauung auf Dämmen, und dadurch ist die
Wasserversorgung der Anwohner über Brunnen gesichert. Hier darf man auch mal
das Steuer übernehmen, ohne Angst zu haben, jemanden anzufahren. Die Vegetation
kann man in voller Ruhe genießen, einzelne Fischerboote bieten eine malerische
Kulisse. Auch sie wollen nicht gestört werden.
Man kann aus dem Boot
steigen und im klaren salzhaltigen Wasser schwimmen. Das Wasser ist morgens und
abends spiegelglatt, dass es wunderschöne Spiegelbilder ergibt. Der
Sonnenuntergang und Mondaufgang konnten nicht schöner sein, ebenfalls der
Sonnenaufgang mit dem Morgendunst.
Diese Stimmungen der Natur sind für uns Stadtkinder Erholung pur.
2 Mal legten wir an, um zu
sehen, wie aus der Kokosschale Fasern gewonnen und zu Seilen verarbeitet
werden. Natürlich ist das für die Kinder ein Fest, wenn das neue Boot anlegt.
Zur Nacht ankerten wir mitten auf dem Wasser und waren die "Könige der
Meere".
In Alappuzha lagen wir in
einem kleinen Hafen, wobei man das Feiern der Nachbarboote mitbekam. Drei
umsichtige Inder betreuten uns auf dem Boot. Ihre fröhliche, nette Art passte
zur Harmonie der Bootstour.
So werden die Touristen
unterschiedlich urteilen, je nach eigener Stimmung und Einstellung.
Dem Bootseigner in
Quilandi möchte ich Dank sagen für die Idee und Mühe, ein Hausboot auch in
diesem Gewässer auf Tour zu schicken.
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Dein letzter Satz klingt ein
wenig mißverständlich. Deshalb betone ich nochmals: das Kettuvallam in Quilandi
gehört uns, und Raju hat es bezeichnenderweise im vergangenen August
"Kerala Discovery" getauft. Danke, liebe Adelheid - auch für die
schönen Fotos, mit denen ich diese INN garnieren durfte. Es sind ausschließlich
Bilder von der neuen Tour in Quilandi - keine aus Allapuzha.
So ist also Adelheids Report
hier zu Ende - in und mit ihren Fotos geht er aber noch weiter…
Aus Platzmangel zu sehen in der Erstveröffentlichung des
Berichts in den INN-339
Aus dem Reisetagebuch von Angelika aus Waidhofen (südl. v. Ingolstadt). Sie ist langjährige Leserin der INN und wollte sich und ihrem Manfred diesmal zumindest die erste Woche ihrer Indienreise auf der Vettikavumgal-Farm gönnen. Das Urteil, das hier eine asienerfahrene Individualreisende fällt, schmeichelt uns besonders. Sonst plant Angelika ihre Reisen nämlich grundsätzlich selbst und lehnt es ab, sich von der Touristik bei der Hand nehmen zu lassen. Lest nun selbst und erfahrt, daß gerade die überzeugten Individual-Traveller bei uns genau richtig sind!
Ihren kompletten Bericht mit
vielen Fotos findest Du hier in
den InderNettNews Nr. 293 vom 28.04.05
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Adelheid liefert zu ihren Betrachtungen auch diesmal wieder passend die aktuellen Bilder vom Januar 2006. Die Inder-Kinder aus meinem Archiv stammen hingegen aus den Reisen 2001 und vervollständigen die heutige Fotostrecke.
Unsere Farmerfamilie in
Kodancherry hat 4 Kinder. In Deutschland wird dies schon als Belastung
angesehen. In Kerala herrscht im allgemeinen die 2-Kind-Familie vor. Aber wenn
man unbedingt noch ein Töchterchen haben will, dann freut man sich auch über
das 4. Kind. Die kleine Diana geht bereits in die Vorschule und trägt ganz
stolz ihre Schulkleidung und einen kleinen Ranzen. Sie gehört nun zu den großen
Schulkindern und fährt täglich mit dem Schulbus zur Schule. Doch am späten
Nachmittag kommen Diana und ihr größerer Bruder erschöpft den Berg hinauf zur
Farm. Als ich aber mit der Kamera vor ihnen stand, war Dianas Müdigkeit
verschwunden und sie posierte ganz niedlich.
Sonntags ist von 10 Uhr an
Kindergottesdienst. Natürlich interessierten wir uns dafür, und Papa Raju fuhr
uns gemeinsam zur Kirche, nahm natürlich noch die drei Kinder seines Bruders
mit, die in der Nähe wohnen. Alle Kinder kommen in Sonntagskleidung. Die
größeren Mädchen haben ihre Kommunionskleider an. Es ist ein wunderschöner
Anblick. Auch sie sitzen schon getrennt, die Mädchen rechts, die Jungen lins in
Blickrichtung zum Altar. Für die Alten und Gäste stehen an den Seiten Stühle,
ansonsten sitzt man auf dem Fußboden. Er wirkt wie ein schöner Marmorboden und
darf nicht mit Schuhen betreten werden. Ich wunderte mich, dass alle einen
kleinen Beutel oder Hefte bei sich trugen, aber sie haben nach dem langen (80
min) Gottesdienst noch Religionsunterricht in der Schule nebenan.
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Die Kirche war bis auf den
letzten Platz besetzt. Das Foto machte ich 10 min vor Beginn. Schöne Mädchen-
und Knabenstimmen begannen den Gottesdienst mit Gesang. Es wurde dann viel
abwechselnd gesungen und gebetet, und ich staunte, mit welcher Disziplin sie
der Zeremonie folgten. Doch die Freude war groß, als sie sich wieder bewegen
konnten, aber der Religionsunterricht wartete schon.
Wenn Kinder uns erblickten,
kamen sie neugierig und freuten sich riesig, fotografiert zu werden.
Auch in Mysore (Bundesstaat
Karnataka) hatten wir ein nettes
Erlebnis. Bei der Besichtigung einer christlichen Kirche (erbaut 1934) hörten wir
Blasmusik, stellten aber fest, dass das Musizieren hinter der Kirche geschah.
Hier übte ein älterer Lehrer mit den Kindern. Als sie uns erblickten, war die
Konzentration weg. Wir gaben zu verstehen, dass wir zuhören möchten, und dann
wollte jeder jeden übertreffen. Auch die Mädchen fragten, ob sie uns mit ihren
Flöten vorspielen dürfen. Natürlich gaben wir ihnen Rupien für die
Sondereinlagen.
Neben der Kirche marschierte
plötzlich eine große Schar kleiner Kinder auf, stellte sich in Reih und Glied.
Zwei Lehrerinnen mit Dirigentenstock dirigierten nun die Kleinen zur Musik
einer elektronischen Orgel, und die Kleinen machten das allerliebst, sie
verbeugten sich in alle Richtungen, schritten in Kreisen usw. Natürlich wurden
sie durch uns abgelenkt, aber die Lehrerinnen waren streng. Leider hatten wir
nicht viel Zeit, wir wollten noch Saris kaufen, denn Mysore ist die Stadt der
Seide.
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Carmen und Lucas kommen aus Italien und waren vom 17.12. bis
zum 7.01.05 zum ersten Mal in Indien. Die beiden entsprechen auch vom Alter her
nicht dem Durchschnitt unserer KD-Gäste. Die meisten sind sonst nicht nur
asienerfahren, sondern auch meist 20 Jahre älter. Genau deshalb habe ich mich
auf den Bericht von Carmen besonders gefreut. Carmen, die von den
Vettikavumgal-Kids den Namen "Carmelie" bekam, ist die
"Schreiberin" dieses Pärchens, und schon im Vorwege der Reise gab es
einen besonders intensiven Emailaustausch, der mir viel Freude gemacht hat.
Manches war auch in den INN zu lesen. Die subjektiven Eindrücke unserer Gäste
verschaffen Dir einen objektiven Eindruck von "meinem" Indien, wenn Du
mehrere Berichte im Kerala-Forum studierst. Nur wenige Anmerkungen habe ich
eingefügt - hauptsächlich für die anderen Gäste, seien es die gegangenen oder
kommenden.Carmen lebt übrigens ihre künstlerischen Neigungen in einem
graphischen Beruf aus - kein Wunder, daß Indien eine Farborgie für ihre Seele
war.
Wenn mich meine Freunde fragen, was ich alles in Indien gesehen und erlebt habe, dann weiß ich meistens keine Antwort darauf zu geben. Weil wir sooooo viel erlebt haben - und ich nicht weiß wo ich anfangen soll...!
Wenn ich jetzt an die Reise zurückdenke, dann sind es nicht bestimmte Bilder, die ich sehe, sondern Farben und noch mal Farben: rot, safran, grün, rot, magenta, orange, rot, grün, braun, gelb, ultramarin, rosa, cyan, violett, R.O.T, G. E.L.B....und unzählbare Zwischentöne für die es keine gängigen Namen gibt.
Wenn man vorbei an den Kokosbäumen zwischen den Bananenblättern auf die Felder blickt, sieht man nicht nur Grün, nein, man sieht 100e von Grüntönen. In allen Nuancen: hellgrün, dunkelgrün, oliv, grasgrün....und, und, und... Und wenn man länger hinsieht, huscht bestimmt wieder ein roter, gelber, pinker, oder blauer Punkt vorbei. Er hat den grazilen Gang einer Kaiserin. Er ist so leise wie ein Fuchs auf der Jagd, und der Stoff des Punktes weht leicht im Hauch, der beim Vorbeihuschen entsteht....
Man könnte meinen, die Frau im dem leuchtenden Sari war inmitten dieses Grünrausches nur eine wunderbare farbenfrohe Fata Morgana....
Nein, wäre die Frau im Sari eine Fata Morgana gewesen, wäre der ganze Urlaub in Kerala eine Sinnestäuschung der Farben gewesen.
Menschen, die Farben lieben - besonders diejenigen, die wie ich mit Farben, Formen und Linien arbeiten - werden begeistert sein von einer Reise durch Indiens Kerala!
Man wird betäubt von unzähligen Quadratmetern handgemalter Werbeflächen an den Straßenrändern - in 3facher Lebensgröße.
Aber damit ist noch lange nicht genug.
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Nicht nur die Straßen sind vollplakatiert, nein, an jeder freien Mauer, wurde geklebt, gespachtelt und gemalt. Sogar die Rolläden der Geschäfte wurden, kunstvoll von Hand, und in vielen Arbeitsstunden bemalt. Die Fresken sind so wirklichkeitsgetreu gemalt, dass man von weitem diese bunten Malereien von einem gedruckten Plakat nicht unterscheiden hätte können. Immer wieder sind Frauen in wunderschönen Stoffen und mit Schmuck behangen abgebildet - die eine hübscher als die andere. Aber wenn ich jetzt überlege, habe ich keine Ahnung, was der eigentliche Zweck dieser Werbung war und für was diese Werbeflächen überhaupt geworben haben...so schön waren die Bilder, dass man die eigentliche Aussage des Gemalten gar nicht beachtet... Das würde, in unseren materialistisch eingestellten westlichen Welt, bestimmt nicht passieren.
Aber auch vor dem uns bekannten, langweiligen billigen und doch geliebten Plastikstuhl wurde nicht halt gemacht! Sitzfläche und Rückenlehne besteht in Kerala nicht wie bei uns aus einer gerippten Plastikfläche, sondern aus einem kunstvoll ornamentalen Relief. Und davon gibt es noch hunderte von Variationen in Farbe und Form.
Von den Malereien und Grafiken abgesehen, sind schon die Menschen selbst es wert, stundenlang beobachtet zu werden. Jedes Gesicht vermag etwas anderes zu erzählen, ob Alt mit unzähligen Falten im Gesicht oder Jung mit vollkommener kakaofarbener Babyhaut...
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Es ist spannend die Menschen bei Ihren alltäglichen Beschäftigungen zu beobachten, ob bei der schweißtreibenden Hitze im Straßengraben buddelnd, Arm in Arm im Dorf mit seinen Kumpels die Zeit vertreibend oder die Sarigekleideten Frauen mit unheimlich schwerer Last auf dem Kopf, doch immer mit dem Gang einer Göttin - alles ist immer und jederzeit in Bewegung und kunterbunt.
Am allerbesten gefiel mir jedoch Mysore. Und davon fand ich den Markt am wunder-wunder-wunderschönsten und beeindruckendsten!
Wahrscheinlich, deshalb weil der Markt wie eine Farbskala auf mich gewirkt hat und ich mir Indien genauso vorgestellt hatte wie die Atmosphäre hier war (aber noch lange nicht so schön).
Zuerst ist man überwältigt von den Frauen, die vor dem Markt ihre Früchte darbieten. Sie balancieren mit einer bemerkenswerten Leichtigkeit riesige und sicherlich furchtbar schwere Körbe voller Früchte auf Ihren Köpfen.
Ich habe noch nie so wunderschöne Granatäpfel wie die der Obsthändler hier gesehen!
Dann zwängt man sich durch sehr engstehende Betonstangen hindurch, und schon steht man mittendrin. Ich hatte immer ein typisches Bild vom Orient in meinem Kopf, und das Bild in meiner Vorstellung war nun Wirklichkeit.
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Links, rechts und vor mir standen überall kleine Marktstände mit Schüsseln voll kegelförmig aufgeschütteter Farbpigmente. Und wieder, rot, gelb, orange, cyan, grün, ultramarin, ocker.....
Man fotografiert, was die Kamera her gibt, einmal da, einmal dort, und auf einmal steht man in einer Gasse voller Bananen...soweit das Auge reichte, nur Bananen und noch mal Bananen. Das Licht war durchtränkt von einer braunen, ockernen bis gelben Farbe. Wieso das Licht so war? Am Oberboden hingen Jutesäcke und Plastikfolien in genau diesen Farben. So reflektiert das Gelb der Bananen zum ocker und wieder retour... Das war die gelb, braune, ockerne Bananenwelt.
Kaum aus der gelben Welt heraus, war man schon in der nächsten Farbenwelt drin. So was habe ich in meinem Leben noch nie gesehen!
Die Gemüsesorten und Stände waren genau nach Farben geordnet und dazu farblich abgestimmt immer die passende Plastikfolie zum Sonnenschutz. Das Licht war durchtränkt von grün, blau bei den vollendet geformten Gurken und mir ansonsten unbekannten Gemüsesorten
Das Licht war durchtränkt von pink, rot und orange bei den Obstständen, die wunderschöne Orangen, Granatäpfel, Mandarinen und allerhand Rotes, verkauften.
Und dann der Farbenrausch der Blüten. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele und so verschiedene Blüten auf einem Haufen gesehen.
Ich kann das gar nicht in Worten ausdrücken, wie schön dieses Erlebnis war!
Ich war trunken vom Rausch der Farben auf diesem Markt, ich konnte weder piep, noch pap sagen. Das einzige, was ich zwischen Fotografieren und Weitergehen sagen konnte, war: "Waaaahnsinn" und nochmal "Waaaahnsinn!".
Das Farberlebnis in Indien werde ich nie, nie vergessen!
Anbei auch die versprochenen Fotos....Das war kein leichtes Unterfangen bei etwa 1.500 Fotos - da hat man schon die Qual der Wahl...
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Aber ich hatte unheimlichen Spass, die schönen Erinnerungen immer wieder Revue passieren zu lassen! Als wir zusammen am Nellipoyil River waren, musste ich besonders bei den Fotos von den Jungs immer wieder schmunzeln ;-) Mein Gott, was hatten die Drei für einen Spass, immer wieder ins Wasser zu springen bzw. für meine Fotos zu posieren! Ich durfte gar nicht mehr aufhören zu fotografieren, immer wieder hies es:" Carmelie, one, two, three...platsch!"
Nun zu den einzelnen Reisepunkten:
Das allerbeste was uns passieren hat können, war, dass du uns mit Evelin und Bernd in den Urlaub geschickt hast!!!!!!!!
Wir haben uns nicht nur super verstanden, nein, wir waren das "DREAM-TEAM" schlechthin! Wir hatten wahnsinnigen und unbeschreiblichen Spass miteinander! Wir haben so viele schöne Geschichten mit den Zweien erlebt, da könnte man ein wunderbares Buch darüber schreiben.
Es ist schön, wenn man sich auf so einer Reise so gut versteht, zumal man ja auf "engsten Raum" den gesamten Urlaub miteinander verbringt.
Ich denke, dass kleine Gruppen zum Vorteil der Reisenden sind. Je kleiner die Gruppe, desto leichter ist es, eine kurzfristige Entscheidung zu fällen oder einen spontanen Trip zu planen. Aber natürlich kommt das immer auf die einzelnen Personen an.
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Danke Dir, dass Du uns zusammengeführt hast, und danke Euch Zwei`n - bis zum nächsten Urlaub!
Das kleine Eichhörnchen (anlaan) mit dem großen Herz! Wenn wir Daynee nicht als Driver gehabt hätten, wären wir im indischen Verkehr ertrunken. Mein Gott, was der "Kleine" drauf hat, macht einem so schnell niemand nach!
Wir saßen im Bus und hatten während der ganzen Fahrt vom Flughafen zur Farm alle den Mund vor Staunen offen - und manchmal die Hand fast vor Augen, wenn's wieder haarscharf an einem Bus oder Laster vorbei ging.
Ich dachte immer schon, das Maximum an Kuriosität der Verkehrsregeln- und Handhabung des Verkehrs in Ländern wie Ägypten, Venezuela, Tschechien, usw. gesehen zu haben - aber Indien schlägt weitaus alle Massstäbe!
Ich glaube wir alle vier haben Daynee ins Herz geschlossen. Er war nicht nur unser Fahrer, er war Mädchen für alles: Er verköstigt uns mit Früchten, trug unsere Koffer, Taschen und Einkaufstaschen, half bei den Massagen - er war sehr, sehr aufmerksam!
Indien ist das Einkaufsparadies für Frauen! Mannomann, wenn ich kein Gepäckslimit gehabt und noch etwas mehr Zeit gehabt hätte, dann hätte man ein Flugzeug für mich alleine chartern müssen! Wir hatten viel Spass beim Shopping im "Dörfli" und noch mehr Spass beim Shoppen in Mysore!
Ein guter Rat für alle KD Reisenden: haltet euch im Dorf mit dem Einkaufen noch etwas zurück - Mysore wird alles noch mal übertrumpfen!
Hier hat man ein unendliche Auswahl an Bindis (die im Schnitt 15 Rupees pro Packung, je nach Verarbeitung), eine Wahnsinnsauswahl an Armreifen in allen Farben und Variationen, (ca. 50R =1Euro), wunderschöne seidene Saristoffe (aber Achtung: für indische Verhältnisse nicht so billig. Mindestens 1.500 Rupees muss man schon rechnen), man kann aber auch als Alternative einen billigen Baumwoll- oder Synthetiksari kaufen (ab 100 Rs) und auf dem Markt jede Menge Farbpigmente, Gewürze, und, und, und....
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Einer meiner Einkaufshits ist eine wunderbare bestickte Tages-Spiegeldecke für ca. 2.200 Rs. Jedes Mal wenn ich ins Zimmer gehe und die Decke sehe, springt mein Herz ein bisschen höher!
Was auch noch zu sagen ist, hier in Indien kann man sich wunderbar und spottbillig Kleidung auf Maß nähen lassen. Mein Tipp: lasst euch in Mysore etwas nähen, weil die Schneider im Dorf 10x länger brauchen (und Achtung, dass der Stoffverkäufer euch nicht das doppelte an Stoff verkaufen will, als der Schneider benötigt) In Mysore wurde mir ein wunderschöner langer Rock in ca. 2 Stunden genäht, für ca. 200 Rs. Es lohnt sich!
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Emirates ist bis jetzt die beste Fluggesellschaft mit der ich geflogen bin, da kommt so schnell keine andere nach! Ich kann diese Fluggesellschaft nur empfehlen und werde sicher wieder bevorzugt Emirates buchen! Die Filmauswahl und Computerspieleauswahl am eigenen Bildschirm war 1a ! (Bietet auch eine schöne Auswahl an Bollywoodfilmen) Vom Sitzplatz aus kann man sogar in der Holzfällerklasse telefonieren und faxen.
Essen ist bei mir so eine Sache - bin wahrscheinlich zu viel vom Italienischen und Südtiroler Essen verwöhnt - es schmeckte mittelmäßig, bietet aber eine große Auswahl. Service sehr gut!
Bootsausflug auf den Backwaters...
Der Ausflug war wunderwunderschön! So ein schönes Boot habe ich noch nie gesehen! Die Backwaterlandschaft war atemberaubend! Die Besatzung war diskret, aber trotzdem wahnsinnig aufmerksam! (Genauso habe ich mir das vorgestellt) Ein Lob auch an den Koch - das Essen war lecker!
Ich habe mich auf dem Boot wahnsinnig wohl gefühlt! Hier konnten wir endlich unsere langersehnte Ruhe genießen!!!
Wenn man sich nicht zu sehr umgesehen hat, hat man die vielen weißen Gesichter und die eigentliche Massenabfertigung auch nicht so war genommen. Natürlich wäre in Quilandi besser gewesen, aber der Ausflug war trotzdem unvergesslich!
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Ich würde jedoch vorschlagen, die Bootstour am Anfang vom Urlaub festzusetzen, um eventuell spontan den Bootsausflug verlängern zu können. Wir wären gerne länger auf dem Boot geblieben, mussten aber leider nach Hause, weil das unser letzter Tag war...schade! (ich hätte mir auch eine ganze Woche auf dem Boot vorstellen können) Vielleicht sollte der Bootsausflug generell länger sein?
(Anmerkung von Bernd: Die
Erfahrung hat gezeigt, daß ein Tag und eine Nacht mit Vollpension auf dem
Kettuvallam-Hausboot für die meisten Gäste genau richtig ist. Natürlich würden
viele gern verlängern - doch dies gilt auch für viele andere Events unseres
3-Wochenplans. Kaum einer möchte zu Gunsten des Hausboots auf die anderen
Erlebnisse verzichten - die Gesamtreisedauer verlängern können die wenigsten.
Nur wer 4 Wochen Zeit für die Indienreise hat, könnte zu Gunsten des
Kettuvallams auf ein paar Kovalam-Strandtage verzichten - dort in Kovalam aber
bietet sich eine weitere Möglichkeit, mit einem kleineren Boot durch die
Flußlandschaften von Thiruvallam zu schippern. Ein völlig anderes
Backwatererlebnis in schmalen Kanälen, das man mit dem großen Kahn nie hätte.
Kurzum: In fast allen Fällen reden wir vor der Reise über den endgültigen Plan
und passen ihn Euren Wünschen an. Raju hat ja inzwischen das Hausboot in
Quilandi gekauft, und das gibt uns künftig mehr Möglichkeiten, den anderen
Touristenbooten auszuweichen.)
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Einige Tage darauf starteten Lucas, Raju, Sunny, ein Trekkingguide und ich zum Trekkingausflug in die Berge. Bernd und Eveline gingen, nachdem Sie den Wasserfall gesehen hatten, wieder zurück auf die Farm und das war auch besser so. Die Zwei-Tagestour fiel aus irgendwelchen Gründen ins Wasser und wir machten somit nur eine Ein-Tagestour.
Gott sei Dank, muss ich jetzt im Nachhinein sagen, denn ich bin halb verreckt auf der Tour! Hast Du jemals die Tour mitgemacht???????
Ich sage nur: 5 Personen, 1 Liter Wasser, aber dafür 1 Liter Superalkohol (Whisky, oder was das war). Lucas und ich haben natürlich keinen Alkohol getrunken. Als in den Bergen wohnende Menschen, wissen wir, dass Alkohol auf dem Berg doppelte und dreifache Wirkung erzielt, und daß es verantwortungslos ist, auf einer Bergtour Alkohol zu trinken. Besonders für einen Guide!
Wir mußten uns mit 1l Wasser begnügen und den 2 Gebirgsbächen, die es Gott sei Dank, noch zusätzlich gab.
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Zur Tour selbst ist noch zu sagen, daß sie sehr anspruchsvoll, steil und unwegsam ist und nur denjenigen zu empfehlen ist, welche wirklich BERGERFAHREN sind und eine sehr gute Kondition mitbringen! ->Ich appelliere an Dich, daß du das auf deinem Routenplan erwähnst!!!
Zudem solltest du noch erwähnen wie lange die Tour in Stunden dauert.(siehe zu erwähnende Zeitangaben) ca. 6 Stunden(+ -) für eine Tagestour mit 1 Stunde Mittagspause. Rückwärts sind wir fast dem Berg hinunter gerannt, damit wir den größten Teil der Strecke nicht im Dunkeln gehen müssen.
Ich würde die Tour nicht noch einmal machen, auch wenn 10 l Wasser mit dabei wären! Die Aussicht war zwar sehr schön und mein persönliches Highlight der Wanderung war es, eine wild wachsende Orchidee zu sehen, aber das wiegt die Anstrengung leider nicht auf.
Der Dank für die Tour war, dass mir 1 Tag lang hundeelend war und eine Weile im Bett bleiben musste. Meiner Beurteilung nach zu viel Sonne abgekriegt, zu überanstrengt und zu WENIG WASSER!
Und das was man am Nellypoyilriver sieht, ist nicht einmal eine Andeutung von dem was man "er-trekken" wird.
(Anmerkung von Bernd: Der
geneigte Leser möge Carmens subjektive Wertung durch Vergleich mit anderen
Trekkingberichten relativieren. Nein, ich habe diese Trekkingtour nie gemacht -
so etwas ist nicht mein Geschmack. Aber viele von uns haben sich da schon an
die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit begeben und diese Herausforderung
genossen. Ich bin nicht der Typ. Allerdings wundere ich mich nun: Ich habe Dich
als Kind der Alpenschluchten doch als bergerfahren, jung und rüstig kennen
gelernt? Bilder vom Trekking im Januar werden in Kürze in einer neuen Fotogalerie
veröffentlicht. Da wirst Du sehen, daß es Leute waren, die nicht nur doppelt so
alt wie Du waren, sondern auch absolute "Flachländer"!)
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Nachdem wir am Anfang der Reise hundemüde in Cochin am Flughafen ankamen, stand uns noch eine unerwartete, endlos erscheinende Stunde Wartezeit, an den Pass- und Zollkontrollen bevor. Als wir endlich diesen langwierigen Papierkrieg hinter uns hatten, waren wir zusätzlich zur Müdigkeit, gereizt und genervt.
Was war das dann für ein Glücksmoment, als uns Raju hinter der Absperrung ansprach und sich als unser Gastgeber vorstellte! Daynnee nahm unser Gepäck, Raju versuchte die Bestätigung des Rückfluges in die Wege zu leiten und anschließend die zwei Mitreisenden abzupassen, und wir, wir durften uns nur noch in den Schatten eines Baumes setzen, brauchten uns um nichts mehr zu kümmern, und konnten nun unseren lang ersehnten Urlaub genießen!
Was kann man sich schöneres vorstellen als einen so gelungenen Anfang eines Urlaubes!
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Ich möchte, dass dieser Punkt der Reise, noch mal ins Licht gerückt wird. Denn ich finde diese aufmerksamen Empfang etwas ganz Besonders! Man fühlt sich als Gast sofort aufgenommen, in sicherer Hand und lässt seine Gedanken und Sorgen einfach fallen...
Das muss man mal mitgemacht haben!
....Eine brennende Kerze in der Ecke, Babu, mit seinem strengen Gesichtsausdruck, zieht andächtig und konzentriert seinen Gürtel um den Lunghi und sagt "Come!". Er schließt die Tür und wischt dir die Füsse mit einem Tuch ab, nachdem du dich auf die niedere Massagebank gesetzt hast. Dann wird dir der "indische Tanga" angelegt. Und nun kannst du dich erst auf die ölige, eigenartig riechende Massagematte legen. Hände nach vorne gestreckt, das Gesicht nach unten. Dann von oben bis unten und von unten bis oben Öl und noch mal Öl...eine 3/4 Stunde...keine Körperregion wird nicht eingeölt, sogar in die Ohren wird Kokosöl getupft. Menschen, die nicht ganz so freizügig sind, sollten vorgewarnt werden: Keine Körperregion wird bei der Massage ausgelassen - da bildet der Scham- und Brustbereich auch keine Ausnahme.
Anschließend setzt man sich als "Chickencurry" (wie Eveline den Gemütszustand getauft hat) auf einen alten vom Öl fast schwarzen Plastikstuhl auf die Veranda, und lässt das Öl einwirken, während man das Treiben auf der Farm beobachtet...
Nach der halben Stunde Einwirkzeit wäscht und kratzt man sich unter der kalten Dusche im etwas schmuddeligen ehemaligen Gästezimmer das Öl vom Leib. Wenn man Lovely fragt, bekommt man auch in einem Plastikkübel siedend heißes Wasser gestellt. Dann geht's auch mit dem Öl etwas leichter.
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(Zwei Fragen haben sich bis jetzt noch nicht geklärt: Was haben die komischen Grunzlaute von Babu zu bedeuten? Und das auf den Kopf Gehaue?)
Wie schön ist es, wenn unsere Freunde an Weihnachten zu Hause vor Kälte zittern und man selbst in der warmen Sonne Indiens in einem romantischen Gebirgsbach- und See schwimmen darf! Ein herrliches Fleckchen Erde hat uns dort begrüßt!
Nach einer kurzen Fahrt von der Farm in die Berge, steigt man kurz einen schmalen Pfad abwärts und schon kann man den ersten Blick auf das wunderbare Landschaftsbild erhaschen.
Ein flach abfallender klarer See glitzert in der Sonne. Dahinter erhebt sich eine riesige, vom Wasser geschliffene Felswand in deren Mitte noch das restliche Monsunwasser herabbraust. Die Felswand versperrt den Blick, und man kann nur erahnen, was sich dahinter verbirgt. Zu Füßen des Sees befinden sich große Steinbrocken, die das Wasser so glatt geschliffen hat, dass sie aussehen wie lauter süße, riesige Bonbons. Zwischen den Steinen haben sich immer wieder grüne Bambusse ihren Weg gebahnt. Hier auf den Steinen haben wir uns niedergelassen.
Zack, zack runter mit den verschwitzten Klamotten und rein ins frischende Nass!
Natürlich konnte ich mir eine Rutschpartie von den geschliffenen Felsen nicht entgehen lassen. Ich habe nur nicht bedacht, dass die Felsen nicht so fein geschliffen sind, wie sie aussehen und hatte nach der 2. oder 3. Partie die kurzen Hosen, den darunter getragenen Badeanzug und das darüber angezogene T-Shirt voller Löcher. Aber das war der Spass wert!
Nach dem herrlichen Bad, wartete Raju und Daynee schon mit frischer Ananas, leckeren kleinen Bananen und einem süßen Chaya...
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(Anmerkung von Bernd: "Glück ist das angenehme Gefühl bei der
Betrachtung fremden Elends" hat mal jemand gesagt. Am Nellipoyil Adiparam
zu sitzen und der winterschnatternden Daheimgebliebenen zu gedenken, ist genau
die Motivation, die internationale Kitschpostkartenverlage reich macht. Wie
findet Ihr im Winter diese Ansichtskarten guter Freunde, die Sonne, Sand &
Meer zeigen und mit einem mitleidigen "Ich wünschte, Ihr wäret hier"
garniert sind? Am besten kommen diese Sonnengrüße natürlich in der Firma. Da
werden sie an die Wand gepinnt und Dir sogleich ein zusätzlicher Stapel
Unerledigtes auf den Schreibtisch geknallt - man weiß jetzt, daß Du gut erholt
zurückkehrst… Ich konnte diese touristischen Sadomasorituale nur abbauen, indem
ich selbst keine Ansichtskarten mehr verschickte.
Zu den rauhen Felsen kann ich
nur sagen, daß ich selbst bei den Rutschpartien im sprudelnden Wasserfall von
Nellipoyil regelmäßig zum Kleinkind mutiere. Da stört's auch nicht, daß der
Hartalgenbewuchs der Felsen unter der Wasseroberfläche mir regelmäßig den Po
frei schleifen - trotz der stabilen Jeansshorts, die ich als Badehose benutze.
Ein Tipp: Diese Algen sind im kristallklaren Wasser als dunkle Flecken
erkennbar. Viele Neulinge meiden sie beim Kraxeln am Fluß und treten auf die
unbewachsenen hellen Stellen, weil sie sie für weniger glitschig halten. Es ist
genau umgekehrt: Nur auf den Algen hast Du einen sicheren Tritt - und beim
Rutschen später ein Loch im Badedreß….)
Nun noch ein Vorschlag zur Zeitangabe. Du solltest am Reiseplan eine ungefähre Stundenzahl beifügen. Ich bin normalerweise kein penibler Mensch was Zeit betrifft, aber es ist schon ein Unterschied, ob man 2 Stunden steil bergauf wandert,(so wie ich mir das vorgestellt habe, und was in meinem Ermessen liegt zu wandern) oder eine 6-stündige Wahnsinnstour macht.
Der Gast sollte sich auch im klaren sein, dass man vom Flughafen Cochin (nachdem man schon einen Tag für die Anreise benötigt hat) noch einmal ca. 5-6 Stunden Fahrtzeit einkalkulieren sollte, bzw. dass man in Indien für ca. 200 km Strecke mit 5-6 Stunden Fahrtzeit rechnen muss. Wenn man das mal weiss, kann man sich den Rest selbst ausrechnen, so wie wir es dann auf unseren übrigen Fahrten, wie Mysore, Alleppey, Kozhikode, usw. gemacht haben. Es wäre halt schön wenn man das vorher wüßte.
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