Hinduistische Mythen und Legenden

INHALT

Reisen im Zeichen des Ganapathi 1

Kurze Geschichte des Hinduismus. 5

Freie Götterwahl! 13

Ganeshas Elefantenkopf 15

Deutungen der Insignien. 16

Unzählige Legenden ranken sich um Ganesh. 18

Vinayaka Shri Ganesh Chaturti - Ganesh-Tag. 27

Gott der niederen Gottheiten. 27

Zerstörer von Hindernissen. 32

Ganesh – Indiens populärste Gottesfigur 38

Ganesha. 64

Lord Genavan. 77

 

 

Reisen im Zeichen des Ganapathi


Der Anhänger seines Anhängers...

Die indische Kultur & Mythologie ist  umfangreich, vielgestaltig und auch vieldeutig. Die Bedeutung ihrer zahlreichen Aspekte werden von jedem Inder und Indologen anders gesehen, so daß jeder Bericht subjektiv und unvollkommen bleiben muß.

Hadere deshalb auch nicht mit dem vermeintlichen Widerspruch in Indien – bewundere wie ich die Vielfalt des Spirituellen und Mystischen in einer Weltanschauung, in der jeder sich seine persönliche Lieblingslegende aussuchen darf. Und es sind da ebenso viele, wie es Namen für das Göttliche, Erhabene gibt.

Wer genau zu wissen glaubt, welche Gestalt das Göttliche hat, ist engstirnig – deshalb habe ich den Ganapathi (Ganesh) zu meinem persönlichen Symbol der Allmacht gemacht.

In einer Welt, in der Menschen ein goldenes Kreuz als modischen Schmuck um den Hals tragen und den Glauben dennoch nicht ernst nehmen, trage ich an gleicher Stelle ein Symbol aus einem Kulturkreis, in dem der Glaube noch an erster Stelle in der Werteskala steht – meinen kleinen goldenen Ganesh aus Udaipur (Bild rechts).

Ganapathi ist also mehr als nur ein Logo auf dem Briefkopf. Wir reisen in seinem Zeichen durch eine wilde Welt, in der das Sicherheitsbewußtsein des Menschen noch lange brauchen wird, bis alle potentiellen Gefahren gebannt sind.

Und nie ist irgend jemandem etwas Schlimmes passiert. Ganapathi sei Dank!

(Bernd Symons)

PS: Nach dem kleinen goldenen Anhänger werde ich immer wieder gefragt. Ja, er ist aus 22-karätigem Gold (in Indien gibt es nichts andereres) und ja, er ist unverkäuflich. Und nein, ich kann keinen besorgen, denn der Juwelier aus Udaipur hatte nur ein Einzelstück - und bis dahin hatte ich bereits Jahre nach so etwas gesucht…

Kurze Geschichte des Hinduismus

(aus den InderNettNews 125 vom 13.12.2001)   Aus allen Richtungen sehen wir dieser Tage immer öfter hinduistische Götter auf uns herablächeln (oder ganz und gar nicht freundlich gucken). Gut, die Kirchenheiligen und alten Gottheiten unseres Kulturkreises haben für viele abgedankt, doch offensichtlich besteht immer noch Bedarf nach höherer Fügung. Die indischen Götter bieten sich farbenfreudig an. Oder ist es doch nur ein Modetrend, der sich mit der Zeit wieder verlieren wird? Wie dem auch sei, ehe man sich einen Shiva, Ganesh oder Krishna, eine Lakshmi, Kali oder Durga an die Wand oder an den Körper hängt, sollte man sich vielleicht doch informieren, was es mit den hochheiligen Herrschaften auf sich hat.

Rund 2500 v.Chr. blühte in Indien die Induskultur, in der Naturphänomene als göttlicher Eingriff galten, ohne daß damit schon ein Pantheon personifizierter Götter in Verbindung gebracht wurde. Allerdings gab es schon Schlangenverehrung, sowie den Kult einer Muttergöttin, wie er ja so ziemlich in jeder frühen Kultur zelebriert wurde.

Die Indo-Germanen brachten bei ihrer Invasion rund 2000 v.Chr. die Verehrung personifizierter Götter mit. Die dazugehörenden mündlichen Überlieferungen wurden erst zwischen 1200 und 400 v.Chr. schriftlich festgelegt. Die heiligen Schriften, die Vedas, enthalten in drei Teilen Lobgesänge zur Verherrlichung der Götter (Samhitas), ausführliche Beschreibungen der priesterlichen Rituale und deren Inhalt und Bedeutung (Brahmanas) sowie philosophisch-mystische Abhandlungen über die Art und das Wesen der höchsten Wirklichkeit (Aranyakas und Upanishaden).

Nach 400 v.Chr. entstand der Glaube an Brahman, das allerhöchste und alles durchdringende göttliche Prinzip und an Atman, die Manifestation dieses Prinzips in der menschlichen Seele (bei uns bekannt unter dem Namen "Höheres Selbst"). In der Zeit von 400 v.Chr. bis 600 n.Chr. entstanden die großen epischen Erzählungen des Hinduismus, die Ramayana, die Mahabharata und die Bhagavad-Gita. In diesen Epen wird der innere Kampf des Menschen beschrieben, welcher sich immer wieder zwischen Gut und Böse entscheiden muß.

Die mitwirkenden Götter treten in menschlicher Gestalt auf und geben dem Menschen immer wieder Gelegenheit, mit dem Göttlichen in seinem Innern in Berührung zu kommen. Noch später entstanden dann die Puranas ("alte Erzählungen"), in denen alle Götter aufgezählt werden und die Instruktionen zur aktiven Verehrung enthalten. In den Puranas werden drei Hauptgötter genannt, die zusammen eine Dreifaltigkeit (Trimurti) formen: Brahma, Vishnu und Shiva. Die Inder hatten auch ohne moderne Physik und Chemie schon erkannt, daß unser gesamtes Universum ständiger Veränderung unterliegt und daß jeder Versuch einer Darstellung nur eine unvollkommene Momentaufnahme sein kann. Um doch ein vollständiges Bild des jeweiligen göttlichen Prinzips schaffen zu können, wurden Regeln für die Darstellung der verschiedenen Aspekte einer Gottheit entworfen. Haltung, Kleidung, Haartracht und Attribute erzählen zusammen dem Betrachter eine Geschichte.

All die bunten Farben und Symbole, die so gut in die heutige psychedelische Kultur passen und von dieser gierig einverleibt werden, sind nicht bloßer Schmuck und Verzierung, sondern haben eine tiefe religiöse Bedeutung. Obwohl sein Name in den frühsten Schriften noch nicht enthalten ist, ist Shiva eine der ältesten Gottheiten Indiens. Sein Name bedeutet "der Freundliche", doch ist er auch als "Herr der drei Welten", "Prinz der Asketen" und "Schützer des Tierreiches" bekannt. Sein Vorläufer, Rudra, war ein rauher und von den anderen Göttern gefürchteter Geselle. Er brachte Sturm und Verwüstung, hatte aber auch schon einige freundliche Züge.

Freie Götterwahl!

Die Alleinigkeit des Göttlichen in Allem ist unbestritten - aber jeder hat in Indien die freie Götterwahl und kann sich aussuchen, in welcher Gestalt / Manifestation er für sich und seine Familie das Göttliche sehen und ihm huldigen will. "Namasthé", der gegenseitige Gruß ist ein Zeichen höchsten Respekts und hat die ungefähre Aussage: „ Du und ich, wir sind eins. Ich grüße, ehre und verehre den Gott in dir.“ In Sanskrit bedeutet das Wort „Namasté“: „Ich beuge mich vor dem Göttlichen in dir.“ Dieser Gruß verdeutlicht jedem Hindu zu jeder Zeit, daß das Göttliche überall und in jedem zugegen ist. Im Norden heißt es manchmal auch "Namaskaar" und in Kerala sagen die Malayalees "Namashkaram".


“Namasthé“ grüßt dieser indische Eunuch

Bei der Aussprache dieses Grußes werden beide Handflächen in Herznähe zusammengepreßt und der Kopf wird leicht nach vorne gebeugt. Hinter dieser Gestik, die „Anjali Mudra“ heißt, liegt eine große symbolische Bedeutung. Die beiden Hände sollen die positiven und negativen Kräfte darstellen, ähnlich dem Ying und Yang. Diese Dualität in zusammengebrachter Form hebt sich auf und verdeutlicht eine gewisse Ausgeglichenheit.

Ganeshas Elefantenkopf

Es gibt wohl viele Versionen der Geschichte über die Herkunft seines Elefantenkopfes. Eine davon erzählt, wie Ganesha von seiner Mutter beauftragt wurde, das Haus in ihrer Abwesenheit zu bewachen, während Shiva sich zur Meditation in die Berge zurückgezogen hatte. Als Shiva in der Zwischenzeit zurückkehrte und von seinem Sohn auch nicht ins Haus gelassen wurde, schlug er ihm wutentbrannt den Kopf ab. Um Parvati in ihrer Trauer zu trösten, versprach Shiva ihr, daß Ganesha den Kopf des ersten Lebewesens erhalten sollte, dem Shiva begegnete. Zufällig war das ein Elefant, und weil beim Abschlagen des Kopfes ein Stoßzahn dran glauben mußte, hat Ganesha nun einen Elefantenkopf mit nur einem Zahn. Seine Anhänger sehen ihn als Schutzherrn der Wissenschaften, der Schulen und Schriften - was oft wie ein Bündel Geldscheine in seiner Hand aussieht, ist eigentlich ein Buch - und des Yoga. Seine dickbäuchige Erscheinung zeigt, daß irdische Freuden tiefer Weisheit nicht im Weg zu stehen brauchen.

Deutungen der Insignien

Daher ist Ganesha auch glücklich verheiratet mit Siddhi (mystische Kraft) und Buddhi (Einsicht). Wie auch sein Vater, trägt er eine Schlange um den Körper, und seine häufigsten Attribute sind die Fangschnur (Bindung ans Weltliche und Fähigkeit, das Böse und die Unwissenheit einzufangen), Süßigkeiten (das weltliche Leben), die Lotusblüte (Symbol der Erleuchtung), die Muschel, deren Ton den Klang OM symbolisiert und der Haken eines Elefantentreibers, der die Aktivität des Gottes andeutet sowie die Fähigkeit, die verschiedenen Triebfedern des Geistes zu unterscheiden und zu steuern. Kein Wunder, daß sein Reittier die Maus (bzw. Ratte) ist; offensichtlich hat er die Angst des Elefanten vor diesem Tier durchschaut und überwunden. Ebenfalls wie sein Vater, wird auch Ganesha häufig tanzend dargestellt. Seine Bewegung von einem Bein aufs andere symbolisiert den Pulsschlag des Universums, mit dem sich das Universum ausdehnt und zusammenzieht. Also, wenn Euch bei der nächsten Goa-Trance-Party mal wieder der Pulsschlag des Synthesizers ans Herz greift, dann versucht es doch mal mit einem meditativen Elefantentanz. Ganesha wird sich freuen. Und hatten wir eigentlich schon erwähnt, daß die meisten indischen Sadhus (Asketen), die Shiva verehren, das Haschischrauchen als tägliche religiöse Pflicht betrachten und ausüben?

Unzählige Legenden ranken sich um Ganesh

Über kaum eine Gottheit gibt es so viele Geschichten wie über Ganesh. Er ist der erste Sohn Shivas und symbolisiert Weisheit und Erfolg. Ganesha gilt als die Verkörperung des kosmischen Urlauts "Om". Eine Silbe, die sich aus den 3 Buchstaben A (für Brahman den Schöpfer), U (für Vishnu den Erhalter) und M (für Shiva den Zerstörer) zusammen setzt.

Die Geschichten zu seiner Geburt sind sehr unterschiedlich. In einigen gilt er als aus dem Geist Shivas geboren, in anderen ist er die Schöpfung Parvathis (Shivas weiblicher Aspekt) oder von Shiva und Parvati zusammen. Unterschiedliche Geschichten gibt es auch zu seinem Elefantenkopf.

In einer Legende heißt es, Shivas Frau Parvati rieb sich beim Baden Staub und Öl ab und formte daraus den Körper eines jungen Knabens, dem sie Leben einhauchte. Sie erzählte ihm, dass sie seine Mutter sei und er möge den Eingang bewachen während sie sich badet. Shiva, der sich in die Berge zum Meditieren zurückgezogen hatte, kam zurück und fand den Knaben, der ihm den Weg versperrte, vor seiner Tür. Darüber erboste sich Shiva und begann mit dem Jungen zu kämpfen, dabei wurde diesem der Kopf abgeschlagen. Nachdem Parvati vom Bad kam und ihren getöten Sohn sah, drohte sie Himmel und Erde zu zerstörren, so groß war ihr Kummer. Shiva tröstete sie und sagte, er werde ihn zu neuem Leben erwecken. Er nahm den Kopf des ersten Lebewesens (Elefant), das ihm begegnete und brachte ihn am Rumpf an und hauchte dem Körper neues Leben ein. Glücklich umarmte Parvati ihren elefantenköpfigen Jungen, welchen Shiva Ganesha nannte, den Gebieter über die himmlischen Heerscharen den Ganas.

In einer anderen Geschichte heißt es, die Devas (kleine Götter) baten Shiva um Hilfe gegen die ständige Belästigung durch Dämonen. Shiva versprach Hilfe und aus seinem Kopf erschien ein strahlend schöner Junge. Parvati war verärgert, dass der Junge ohne ihre Beteiligung geboren wurde und sie wünschte, das sich der Kopf in einen Elefantenkopf verwandelt. Als sie nun das elefantenköpfige Kind sah, fühlte sie eine große Liebe und legte fest, dass keine menschliche und göttliche Bemühung erfolgreich sein wird ohne ein vorheriges Gebet zu Ganapati (Gebieter über die himmlischen Herrscharen den Ganas).

Als Shiva auszog zum Kampf gegen den bösen Dämon Tripuraasura, vergaß er in der Eile das Gebot, das nichts Erfolg haben wird bevor Ganesha nicht angebetet worden ist. Er bestieg seinen Streitwagen, aber eine Speiche brach und nichts bewegte sich. Überrascht dass ihm, Shiva so etwas zustieß, dachte er nach. Es fiel ihm ein, dass er vergessen hatte Ganesha anzubeten. Darauf huldigte er seinem Sohn und zog aus zum Sieg im Tripuraantaka Krieg.


Vijaya Ganapathi 6 kg schwere Bronze aus Jodhpur

Hauptsächlich wird zwischen 32 verschiedenen Ganesh Darstellungen unterschieden. Die Darstellung des Tempelganesh repräsentiert den Vijaya Ganapathi (Geber des Erfolgs). Seine Attribute sind Stachelstock, Fangschlinge, Stosszahn und eine Mango. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Legenden bezüglich des abgebrochenen Stosszahns.

Parashurama eine Inkarnation Vishnus, wurde auf der Erde geboren um der herrschenden Klasse den Kshatriyas ihre Lektion zu lehren. Die Kshatriyas waren sehr arrogant und regierten ihr Volk mit brutaler Gewalt. Parashurama begann als Mensch auf Erden auf Shiva zu meditieren und erhielt von ihm die heilige Axt Parashu, mit welcher er in den Krieg zog gegen die sündigen Prinzen und die Erde vom Bösen befreite. Nach dem Kampf machte sich Parashurama auf den Weg zum Kailash, dem Wohnsitz Shivas, um ihm zu huldigen. Ganesh, der den Zugang zum Kailash bewachte, liess ihn nicht eintreten und sagte ihm, er müsse warten bis Shiva die Erlaubnis gäbe. Parshurama meinte, als devotee (Anhänger) bräuchte er keine Erlaubnis. Nachdem Ganesh weiter den Zugang verwährte, soll es zu einem heftigen Streit und Kampf zwischen den beiden gekommen sein, während dessen Verlauf Ganesh durch den Hieb mit der heiligen Axt, den Stoßzahn abgeschlagen bekommen haben soll.

Eine andere Legende erzählt, dass Ganesh sich seinen Stosszahn selbst in seinem Kampf gegen Gajamukhaasura. abgebrochen haben soll. Gajamukha, ein Dämon tat auf Rat des Gurus der Dämonen, Shukraachaarya Buße und erhielt von Shiva dafür unbesiegbare Kraft. Nachdem er diese erhalten hatte, fing er an, die Götter ständig zu belästigen und quälen. Die Götter wanden sich an Ganesh mit der Bitte um Hilfe. Es kam zum Kampf zwischen beiden, doch war Gajamukha durch die von Shiva verliehene Kraft nicht zu töten. Ganesh brach sich seinen rechten Stosszahn ab und schleuderte ihn auf Gajamukha und verwandelte ihn in eine Ratte. Ganesh setzte sich auf die Ratte und brachte sie unter seine Kontrolle, so kam Ganesh zu seinem Reittier.


Baby Ganesh – 11 cm lange, 350 g schwere Tribalbronce aus der Tharwüste

 Ganesh gilt als der Schreiber des Mahabharata, welches er mit seinem abgebrochenen Stosszahn schrieb. Diktiert wurde es von Vyasa im Autrag Brahmans. Vyasa, der Autor des Epos meditierte auf Brahman und bekam von ihm den Rat, Ganesh das Epos zu diktieren. Ganesh erschien vor Brahman und erklärte sich bereit das Mahabaratha zu schreiben, aber nur unter der Bedingung, dass Vyasa ohne Pause diktiert. Vyasa erklärte sich einverstanden unter der Bedingung, dass Ganesh die Gedanken und Bedeutung erst verstanden haben muss, bevor er es niederschreibt. Dies gab Vyasa genug Zeit die Verse zu dichten. Aus dieser Legende wird abgeleitet, dass das Mahabaratha nicht gelesen werden sollte. Vielmehr ist es wichtiger wie Ganesh die Geschichte in kleinen Teilen zu hören, um die Tiefe der Bedeutung der einzelnen Verse zu verstehen. Interessant ist, dass Brahman (der Schöpfer) den Auftrag gibt, Ganesh Sohn Shivas (der "Zerstörer" oder soll man besser sagen der "Vollender") das Epos schreibt und Krishna, die Inkarnation Vishnus (der Erhalter) der Hauptheld der grössten und bedeutensten Sanskritdichtung ist. Mahabharata (der grosse Kampf) gilt als Lehrbuch des Dharmas.

Als Ganesh ein kleines Kind war, spielte er mit einer Katze und wie es bei Babys und Kleinkindern üblich ist, fing er an sie am Schwanz zu ziehen, im Staub zu rollen und an ihren Haaren zu zerren. Nach einer Weile war er des Spiels überdrüssig und ließ die Katze los. Ganesh begab sich alsbald zu seiner Mutter Parvati und fand diese in großen Schmerzen schmutzig und zerzaust. Erstaunt fragte er, was geschehen sei, Parvati erklärte Ganesh, dass der Schmerz den er der Schöpfung antut, ihr Schmerz ist.

Die Süßigkeit in der Hand von Ganesh symbolisiert das verwirklichte Innere Selbst.

Nritya Ganapathi (Glücklicher Tänzer) beim Tanz unter dem Kalpavriksha Baum. Seinem Tanz wird die gleiche Bedeutung zu gemessen, wie dem kosmischen Tanz Shivas, mit dem linken und rechten Fuß lässt Ganesha durch die Schaukelbewegungen die Welt entstehen und wieder verschwinden. Sein Tanz wird auch mit dem Herzschlag des Universums verglichen.


Nritya Ganapathi

Vinayaka Shri Ganesh Chaturti - Ganesh-Tag

Ganesh beseitigt für seine Anhänger an diesem Tag Hindernisse. Probiert „ihn“ am nächsten Dienstag doch einfach mal aus! Ihr wißt ja: Man muß nur daran glauben (Denn wer an gar nichts glaubt, muß erst recht dran glauben...) Und der Ganesh-Tag ist besonders gut für:

Beseitigung großer Probleme Erfolg Befreiung von Ängsten Klarer Intellekt Wissen und Intelligenz Verbesserung der Gesundheit Verbesserung der Finanzen Erfolg im Examen

Gott der niederen Gottheiten

Zum Ganesh Chaturti schreibt Ilja Trojanow

Ganesha ist ein sympathischer, humorvoller Gott, niedlich mit seinem Rüssel, seinen runden Augen und den etwas pummeligen Beinchen. Doch sagt man ihm auch Verdrießlichkeit und Jähzorn nach, vor allem jenen gegenüber, die ihm nicht den nötigen Respekt erweisen. An allen wichtigen Feiertagen wird er zuerst um einen Segen angerufen, und die Erstklässler lernen zuerst den Buchstaben G. Zudem fördert er Bildung, die Künste, den kreativen Erfolg. Kein Wunder, daß Ganesh das Götter-Ranking in Indien, vor allem in Bombay, klar anführt.

Ursprünglich war Ganesh ein Naturgeist, zuständig für die Fruchtbarkeit der Felder. Den einst in den Dschungeln des südlichen Indiens lebenden Stammesvölkern galt er – in der bedrohenden Gestalt eines Elefanten – als "Erschaffer von Hindernissen", eine Charakterisierung, die sich nach der Vermischung mit den aus Zentralasien eingewanderten Ariern in ihr Gegenteil wandelte. Ganesh war wohl der letzte Gott, der ins Hindu-Pantheon aufgenommen wurde. Zwar bedeutet sein Name wortwörtlich "Gott der niederen Gottheiten", doch diese theologische Klassifikation kann durch das im gläubigen Alltag befolgte Prinzip der freien Götterwahl überwunden werden. Dann erscheint er als wichtigster aller Götter, als allmächtig. Deswegen existieren Erklärungen, er vereine den ganzen Kosmos in sich, wobei der Kopf die Sterne, der Körper den Äther und die Füße die Erde verkörpern. Oder: Der Torso, der menschliche Teil, verkörpere die vergängliche Schöpfung, wogegen der göttliche Kopf die Erlösung darstelle. Oder: Sein ganzer Körper symbolisiere das magische Aum (Om); A für die Beine, U für den Bauch und M für den Kopf.

Auch um die Geburt von Ganesh ranken sich viele Legenden: Seine Mutter Parvati hat den Sohn einst aus dem Schorf ihres Körpers unter Hinzunahme von Salben, Ölen und Gangeswasser geformt, weil ihr ein Freund und Begleiter fehlte, der nur ihr zur Treue verpflichtet war. Dann bat sie ihren Sprößling, ihre Gemächer zu bewachen und niemanden hereinzulassen, denn ich gedenke, ein Bad zu nehmen. Just zu diesem Zeitpunkt kehrte der Ehemann Shiva, der Gott der Zerstörung, heim. Zu seinem Erstaunen wurde er von einem frechen Burschen daran gehindert, seine Frau aufzusuchen. In Rage zückte er sein Schwert und köpfte den Aufmüpfigen. Zum Trost versprach er Parvati, den Kopf des ersten lebenden Wesens auf den enthaupteten Leib zu setzen, der ihm im Wald begegnen würde. Es war ein Elefant!

Das heutige Fest verdankt seine Existenz dem Nationalisten Bal Gangadhar Tilak, der Anfang des Jahrhunderts nach Wegen der kulturellen Selbstbehauptung suchte, die nicht unter die Verbote der britischen Kolonialregierung fielen. Das bis dahin nur privat gefeierte Ganeshfest bot eine volkstümliche Möglichkeit, Identität und Selbstwertgefühl zu stärken. Vor mehr als hundert Jahren wurde Ganesh zum ersten Mal öffentlich ausgestellt, angebetet und nach zehn Tagen in einem Gewässer versenkt. Über die Jahrzehnte mag sich die Motivation geändert, der Charakter gewandelt haben – Volkserziehung hat Massenkultur Platz gemacht –, doch ist die Begeisterung im westlichen Indien unvermindert. In diesen Tagen bestimmt Ganesh über alle Götter und Menschen.

Zerstörer von Hindernissen

Ilija Trojanow  22.11.1999     

 Dort, wo das restliche Jahr über Autos parken, sitzen Idole unter einer Plastikplane in Reih und Glied. Hunderte von ihnen, bemalte Skulpturen aus Gips und Kokosnußfasern. Ganesh hat auf einem Globus Platz genommen, im Schneidersitz, unter seinen Beinen der indische Subkontinent. Er trägt einen rosanen Bauch und einen roten Schleier, sein Rüssel leuchtet mit metallischen Sternen. Einige Jugendliche bepinseln noch die Fußnägel des Gottes – die Arbeit der Werkstatt von Mr. Khatu, einem der führenden Ganesh-Skulptoren Bombays, wird bald vorbei sein; sie endet an dem Tage, an dem das Fest zu Ehren des Elefantengottes beginnt.

Vor vier Monaten wurde Mr. Khatu von altbekannten Kunden in seiner Werkstatt besucht – Mitglieder eines der 12.000 Mandals Bombays, jener straff organisierter Vereine, die zur Festzeit in einem Provisorium am Straßenrand ein Ganesh-Idol aufstellen und alle möglichen Aktivitäten organisieren, von Riten über Essaywettbewerben bis hin zu Kriegsinszenierungen. Finanziert werden sie dabei von Bürgern, Firmen, Politikern und Gangstern. Der Präsident, der Schatzmeister und der Sekretär des Chandanwadi-Mandals nahmen in dem kleinen Büro Platz. Sie legten ein Album mit Fotos der Idole aus vergangenen Jahren auf dem Tisch, als Grundlage für ein Gespräch über Veränderungen und Neuerungen. Einige Vorschläge hatten sie mitgebracht. 25 Fuß hoch sollte der Ganesh dieses Jahr werden. Wir wollen, sagte einer der Männer, den größten Ganesh in Bombay. Mr. Khatu zeichnete und rechnete. Ganesh würde mit einem Fuß auf einer riesigen Trommel stehen, das zweite Bein in tanzender Bewegung. Und er würde 150.000 Rupien kosten, mehr als 5000 DM. Der Vorschlag wurde angenommen, der Auftrag erteilt.


zum großen Ganesh Chaturthi werden in den werkstätten Ganeshas in allen Größen gefertigt

Nun, am späten Vorabend des ersten Festtages, warten die Idole darauf, abgeholt zu werden. Der letzte Monsunregen hämmert auf die Plane und ergießt sich auf die drängende Menschenmenge. Kurz nach Mitternacht rollt der Zwanzigtonnen-Laster des Chandanwadi-Mandals, drapiert in Bannern und Bildern, millimetergenau durch die Gasse, auf seiner Ladefläche vier Trommler und etwa fünfzig bis in die Knochen durchnäßte Aktivisten. Doch die Begeisterung ist unvermindert – die Gaben des Gottes entsprechen den Gaben des Himmels. Wie eingefleischte Fußballfans skandieren, singen, gestikulieren und tänzeln die jungen Männer im Wettstreit mit anderen Lastwägen. Der riesige Ganesh, nach einem kurzen Ritual transportbereit, soll mit purer Menschenkraft auf den Lastwagen gehievt werden. Der Sockel wird angehoben, Stimmen stoßen Ganpathi in die Höhe. Auf glitschigem Grund, mit vielen kleinen Schritten, schwankend, trippelnd, wird Ganesh in die Nacht hinaus getragen. "Haltet das Idol, haltet das Idol. Stützt ihn. Von hinten." Schließlich steht das Idol eingewickelt auf der Ladefläche und die heisere Fahrt nach Hause beginnt.

Neben der großen Werkstatt verkaufen an der Hauptstraße viele Buden und Kioske Miniaturidole für den familiären Gebrauch. Die Lastwägen haben einen Stau verursacht, durch den Fußgänger mühsam Karren schieben, darauf Mädchen mit glitzernden Hütchen und Buben mit Dämonenfratzen. In jeder Nische tanzen junge Männer mit roten Armen, roten Händen, roten Gesichtern und Haaren. Inmitten all dem Trubel, weit nach Mitternacht, versucht ein braver Vater seine zwei Töchter, unisono in rosanen Regenschutz gekleidet, mit der einen Hand zu halten, während die andere Hand Ganesh in sein neues Gasthaus eskortiert.

Ganesh – Indiens populärste Gottesfigur

Auszug aus dem Buch “Indien – zwischen Mythos und Moderne”
von Shashi Tharoor (Dank für die Zusendung an Sabine aus Lubu)

„Om maha Ganapatha namaba,
sarva vignoba shantaye
am Ganeshaya namaha [. . .]“

Jeden Tag, länger als ich mich erinnern kann, habe ich den Tag mit diesem Gebet begonnen. Ich lernte es auswendig, ohne mir völlig bewußt zu sein, was all diese Sanskrit‑Worte bedeuteten. Ich wußte nur, daß ich wie Millionen von Hindus auf der gan­zen Welt den Namen des großen elefantenköpfigen Gottes be­schwor, damit er meine bevorstehenden Unternehmungen seg­nen möge.

Ganesha oder Ganapathi, wie wir ihn im Süden lieber nen­nen, sitzt teilnahmslos in meinem Regal im Schlafzimmer, in Form von zahlreichen Statuen aus Stein, Metall und Pappma­che. Daran ist nichts Ungehöriges: Er wird zu Schlimmerem mißbraucht, wenn er auf zahlreichen Kalendern, Plakaten, Wa­renzeichen und Einladungskarten für Hochzeiten vorkommt. Dickbäuchig, schwer, mit langem Rüssel (wenn auch mit einem abgebrochenen Stoßzahn), mit jedem beliebigen Kostüm be­kleidet, das dem Künstler eingefallen ist (vom Asketen bis zum Astronauten), ist Ganesha, der seinen Weg durch die indischen Herzen auf einer Ratte als Reittier zurücklegt, wohl Indiens populärste Gottesfigur.

Man läßt sich kaum auf eine wichtige Angelegenheit ein, ohne zuvor um den Segen Ganeshas zu bitten. Seine Haupt­funktion in der Hindu‑Mythologie ‑ ein Vorzug, der sowohl auf seine Klugheit als auch auf seine Körperkraft zurückgeht ‑ ist das Beseitigen von Hindernissen, damit Wünsche erfüllt wer­den können. Kein Wunder also, daß ein jeder Ganesha an sei­ner Seite haben will, bevor er sich auf ein Projekt einläßt, sei es die Gründung einer Fabrik oder das Werben um eine Frau. Als ich auf Freiersfüßen wandelte, verstieß ich zwar gegen die ehr­ würdigen Regeln der Kaste, der Sprache, der Region, des Alters und der elterlichen Zustimmung, doch als wir heirateten, ließen meine Frau und ich die Vorderseite unserer Hochzeitseinladung mit einem aufgeprägten roten Ganesha verzieren.

Meine Verbindung zu Ganesha ist seither noch enger gewor­den. Das große, zweitausend Jahre alte Epos Mahabharata soll angeblich der weise Vedavyasa einst Ganesha diktiert haben; seither hat es schon so mancher Schriftsteller nützlich gefun­den, sich in seinem Motto auf Ganesha zu berufen. Als ich die Figuren und Episoden des Mahabharata zu einer politischen Satire über die indische Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts umformte ‑ Der große Roman Indiens ‑ ließ ich das Epos von dem pensionierten Nationalisten Ved Vyas einem Sekretär namens Ganapathi diktieren, der eine große Nase und aufge­weckte, intelligente Augen hat, mit dem Gang eines Elefanten auftritt und einen riesigen Schrankkoffer hinter sich herzieht. Von solcher Art ist die säkulare Verwendung der Hindu‑Gott­heit.

In meinem Hinduismus ist die Gottheit keine entrückte und verbietende Entität in einem fernen Himmel. Gott ist mitten unter uns, unmittelbar zugänglich, und nimmt für jene, die ihn sich in einer stärker personalisierten Form vorstellen müssen, viele Formen an. Das Hindu‑Pantheon enthält Tausende sol­cher Gestalten, große und kleine. Ganesha ist das Oberhaupt der Gana, die einige Gelehrte als „geringere Gottheiten“ bezeichnen. Er gehört nicht zu der Trinität von Brahma [der Schöpfer]; Shiva [der Zerstörer] und Vishnu [der Bewahrer], den wichtigsten Hindu‑Göttern, den drei Facetten der Aller­höchsten Ersten Ursache. Er ist jedoch ;der Sohn Shivas oder zumindest von Shivas Gattin Parvati (einer bestimmten Theo­rie zufolge formte sie ihn aus den Hautschuppen ihres eigenen Körpers, ohne väterliches Zutun). Als Schriftsteller habe ich mich immer schon für die verschiedenartigen Geschichten in­teressiert, die die Gesellschaft über sich selbst erzählt. Deshalb liegt die Anziehungskraft Ganeshas für mich zum Teil in der Fülle der Geschichten darüber, wie diese schwerfälligste aller Gottheiten ihren (ursprünglichen) Kopf verlor und zu seiner ungewöhnlichen äußeren Erscheinung kam.

Die am weitesten verbreitete Version ist die, die meine Großmutter mir erzählte, als ich klein war ‑ darüber, daß Par­vati einmal ein Bad nehmen ging und ihren Sohn bat, die Türe zu bewachen. Shiva kam an und wollte hineingehen, doch Ga­nesha hielt ihn unbeirrt davon ab. Erzürnt über diesen Affront schnitt Shiva dem Jungen den Kopf ab. Entsetzt forderte Par­vati ihn auf, den Kopf zu ersetzen, und Shiva gehorchte, indem er den Kopf des ersten Lebewesens nahm, das er finden konnte: eines Elefanten.

Das war eine heilsame Lektion über die Gefahren eines übertriebenen Gehorsams gegenüber den Eltern, auch wenn ich nicht glaube, daß meine Großmutter die Geschichte so ver­standen wissen wollte. Meine Mutter, die stets erfolglos der Versuchung zu widerstehen versuchte, sich ihrer Kinder zu rüh­men, kannte eine andere Version: Die eitle Parvati bat Shani [Saturn], ihren vollkommenen Sohn anzuschauen, wobei sie vergaß, daß Shanis Blick den Kopf des Jungen in Asche ver­wandeln konnte. Wiederum war es der Kopf eines Elefanten, der als Ersatz diente.

Da ich in einem Indien aufwuchs, wo Loyalität nur allzu oft für den Meistbietenden käuflich zu sein scheint, mußte mich Ganeshas seltene Eigenschaft der hartnäckigen Pflichttreue ganz einfach beeindrucken. Wie er seinen Kopf auch immer verloren haben mochte, es war Ganeshas Hartnäckigkeit als Wächter, die ihn nach der Erzählung meiner Großmutter einen Stoßzahn kostete. „Der mächtige Avatara Parashu‑Rama“, er­zählte sie, als wir Kleinen uns in der Dämmerung um sie schar­ten, „der manche Wohltat von Shiva empfangen hatte, kam den Großen Zerstörer an dessen Wohnsitz auf dem Berg Kailasa besuchen. Wieder war Ganesha an der Tür und verweigerte dem Besucher den Eintritt, damit er den schlafenden Shiva nicht störte. Parashu‑Rama versuchte voller Zorn einzudrin­gen, fand jedoch in Ganesha einen entschlossenen Widersa­cher.“ (An dieser Stelle blickte ich vor Aufregung ganz verwun­dert auf.) „Ganesha packte Parash‑Rama mit seinem langen Rüssel und schleuderte ihn so lange im Kreis herum, bis er be­nommen und hilflos war und warf ihn dann auf den Boden. Als Parashu‑Rama wieder einen klaren Kopf hatte, warf er seine Axt nach dem hartnäckigen Ganesha. Nun hätte Ganesha der Axt zwar ausweichen können, aber er erkannte, daß es eine Waffe von Shiva war. Er konnte seinen Vater nicht kränken, in­dem er dessen Waffe widerstand. Deshalb fing er die Axt de­mütig mit seinem Stoßzahn ab.“ Seither wird Ganesha immer nur mit einem Stoßzahn abgebildet.

Das Erregende an dieser Geschichte ließ für mich nicht nach, als ich die etwas prosaischere Version kennenlernte, die besagt, daß Ganesha einen seiner Stoßzähne bis auf einen Stummel ab­nutzte, als er ihn zur Niederschrift der epischen Verse des Ma­habharata gebrauchte. Deshalb bedeutet der fehlende Stoßzahn „Wissen“. Als ich älter wurde, lernte ich noch mehr solcher Sym­bole kennen, die mit Ganesha zusammenhängen. Gelehrte Ken­ner des Hindüismus erzählen uns, daß der fette Körper Gane­shas die riesigen Ausmaße des Kosmos darstelle und daß seine Verbindung von Mensch und Dickhäuter die Einheit von Mikrokosmos (Mensch) und Makrokosmos (bildlich darge­stellt als Elefant) bedeute. Einige vermuten, er diene dem we­niger esoterischen Zweck, zu beweisen, daß die äußere Erscheinung nur wenig bedeute und daß ein unattraktives Äußeres eine innere geistige Schönheit verbergen könne. (Je­denfalls ist Ganeshas Aussehen kein Hindernis dafür, daß er auf den populärsten Abbildungen von schönen Frauen umgeben ist, darunter seine Zwilfingsgattinnen Siddhi und Buddhi.) 4 Außerdem läßt sich Ganeshas Rüssel zu dem Symbol für Om , den Urlaut, einrollen; und die um seine Hüfte gewundene Schlange verkörpert die Stärke der kosmischen Energie.

„Aber warum reitet Ganesha auf einer Ratte, Ammamma?“ pflegte ich meine Großmutter zu fragen. Auf den meisten Ab­bildungen in unserem Gebetsraum wird die Gottheit nämlich in dieser ungewöhnlichen Reithaltung gezeigt. Auf der einfach­sten Ebene setzt der Anblick eines Elefantengottes auf einer winzigen Maus visuell die Bedeutung der größten und der kleinsten Gottesgeschöpfe gleich. Wie meine Großmutter er­klärte, ist jedes Tier ein Symbol für Ganeshas Fähigkeiten. „Er kann wie ein Elefant durch den Dschungel stürmen und jedes Hindernis auf seinem Weg beseitigen, während die Ratte selbst durch die engste Befestigung hindurchkriechen kann.“ Ein Gott, der auf diese Weise die Attribute des Elefanten, der Maus und des Menschen vereint, kann jedes Hindernis beseiti­gen, das sich denen, die ihn günstig stimmen, in den Weg stellt. Kein Wunder, daß viele ihn trotz seiner formell bescheideneren Stellung im Pantheon als ihre Hauptgottheit verehren.

Und was ist nun das Geheimnis seiner Anziehungskraft auf einen Großstadtbewohner am Ende des 20. Jahrhunderts wie mich? Wie sein furchtloser Blick und seine kräftigen Augen­brauen andeuten, ist Ganesha ein äußerst intelligenter Gott. Als ich noch sehr jung war, hörte ich die Geschichte, wie Par­vati ihre beiden Söhne Ganesha und Kartikeya aufforderte, zu einem Rennen um die Erde aufzubrechen. Kartikeya, der kräf­tigere und martialischere der beiden, rannte sofort los und war zuversichtlich, daß er den Globus schneller umrunden werde als sein 9 korpulenter Bruder. Nachdem Ganesha sich eine Weile ausgeruht hatte, machte er ein paar Schritte um seine Mutter herum und setzte sich wieder hin. Parvati erinnerte ihn an ihre Aufforderung. „Aber du bist doch meine Welt“, antwortete Ganesha entwaffnend, „und um dich bin ich herumgegangen.“

Unnötig zu sagen, daß er das Rennen gewann – und meine vorbehaltlose Bewunderung.

Es ist deshalb keine Überraschung, daß Ganesha in Indien nicht nur mit Ehrfurcht angebetet wird, sondern mit Begeisterung. Manchmal kann sie sich bis zum Äußersten steigern, wie damals, als Ganesha-Anhänger im Westen Indiens um 1890 es lieber zuließen, daß die Beulenpest viele Menschenleben dahinraffte, statt mit den Briten zusammenzuarbeiten, um die Ratten zu vernichten, die die Krankheit verbreiteten (schließlich waren die Ratten ja Ganeshas Reittiere).

Ende September 1995 verbreitete sich auf der ganzen Welt das Gerücht, daß Ganesha-Statuen angefangen hatte, Milch zu trinken. In einigen Fällen hieß es, daß Statuen seiner göttlichen Eltern, Shiva und Parvati, ebenfalls diese Trinkopfer zu sich genommen hätten, doch den Elefantenanteil holte sich Ganesha. Am 21. September ging von Delhi das Gerücht aus, daß die Götter Milch trinken würden; es hieß, ein Ganesha-Idol in einem Vorort der Hauptstadt habe eine halbe Tasse getrunken.

Innerhalb weniger Stunden verbreitete sich die Nachricht über den gesamten Globus; es gab Berichte von Tempeln und privaten Heiligtümern auf Long Island oder in Hongkong, wo dasselbe Phänomen beobachtet worden sei. Im Wishwa-Tempel in dem von Indern dominierten Londoner Distrikt Southhall soll eine vierzig Zentimeter große Ganesha-Figur Hunderte von dargebotenen Löffeln Milch getrunken haben; die erlauchte Londoner Times berichtete auf der Titelseite, daß „in 24 Stunden zehntausend Menschen sie trinken sahen“. Im Geta-Bhavan-Tempel in Manchester wurden einer acht Zentimeter hohen silbernen Ganesha-Figur erstaunliche Mengen einverleibt. Hartnäckige britische Journalisten von Massenblättern, die nur darauf aus waren, eine arglistige Täuschung zu enthüllen, filmten und photographierten das Phänomen und erklärten sich bestürzt. „Ich schaute ehrfürchtig“, gestand der Mann vom Daily Star, sein Konkurrent von der Sun „starrte un­gläubig hin“.

In Indien reagierten die Rationalisten ganz schnell. Es sei eine Sache der simplen Physik. Moleküle auf dem rauhen Stein und auf den Marmoroberflächen hatten eine „Kapillarwir­kung“ erzeugt, die die Milchtropfen aufsog. Die Tropfen wur­den nicht etwa von den Statuen absorbiert, sondern bildeten an der Oberfläche eine dünne Tropfenschicht, die sichtbar werde, wenn die Statue eine dunkle Farbe habe. Ein Wissenschaftler­team der Regierung machte sich daran, den Beweis dafür im Fernsehen anzutreten: es wurde ein grünes Pulver in die Milch gegeben und dann gezeigt, wie sich ein grüner Fleck über die Oberfläche einer weißen Marmorstatue verbreitete. Es war von einer Massenhysterie die Rede. Indische Priester (die von den Opfergaben der Gläubigen in den Tempeln leben) versuch­ten bloß mehr Abgaben einzutreiben, behaupteten einige; alles nur Politik, sagten andere und wiesen auf das Bedürfnis der nachlassenden Hindutva‑Bewegung hin, die Leichtgläubigen ihrem Credo näher zu bringen. Die Zeitung Pioneer in Delhi brachte die Photographie einer Tülle an der Rückseite  eines Tempels, aus der Milch in einen Eimer floß; damit sollte ange­deutet werden, daß ein Kniff und keine göttliche Nahrungsauf­nahme dafür verantwortlich war, daß aus den Tempeln Milch verschwand.

Die Rationalisten und die Gläubigen hatten wohl beide recht. Das liegt in der Natur des Glaubens; nicht weniger als der religiöse Glauben neigt auch der wissenschaftliche zur Selbstbestätigung. Ich war auf Reisen, als die Geschichte in Umlauf kam, und als dann berichtet wurde, daß das Milchtrin­ken an ‑den meisten Orten am Freitag Nachmittag aufgehört hatte, einen Tag nachdem es angefangen hatte, dachte ich, das Wunder gänzlich verpaßt zu haben. Eine Woche später, in Te­xas, erzählte man mir von einem Haus in einem Vorort von Houston, wo das Phänomen immer noch andauerte. Etwas skeptisch, aber mit entschiedener Neugier wollte ich es mir selbst ansehen. Eine weltlich gesonnene Sikh‑Geschäftsfrau, die keinerlei religiöses oder pekuniäres Interesse hatte, das be­hauptete Wunder zu sehen, fuhr mich hin. Wir fuhren bei ei­nem gewöhnlichen indischen Mittelschichthaus vor. Außen herum waren Seile gezogen worden, um die Menschenmengen unter Kontrolle zu halten, doch an diesem Tag gab es keine. Es war der achte Tag, nachdem zum ersten Mal über das Phäno­men berichtet worden, obendrein ein Arbeitstag. Die Dame des Hauses führte uns zu ihrem kleinen Heiligtum, einem un­auffälligen Puja‑Raum, wie es sie in so vielen Hindu‑Haushal­ten rund um die Welt gibt. Sie besaß zahlreiche Statuen und Porträts, doch nur eine einzige davon trank Milch. Es war eine winzige Terrakottafigur von Ganesha, knapp sechs Zentimeter groß. Meine Sikh‑Bekannte hielt mit zitternder Hand ihren Löffel an den Miniaturrüssel der Figur, und wir beide beobach­teten, wie die Milch in dem kleinen Ganesha verschwand. Nun war ich an der Reihe; mit gefühlloser Inkompetenz hielt ich den Löffel fest und ganz ruhig in der Hand, und die Milch blieb un­verändert drinnen. „Kippen sie ihn ein wenig“, forderte mich die Gastgeberin auf, und als ich es tat, verschwand die Milch er­wartungsgemäß in der Statue. Es war nicht so, als ob ich die Milch ausgegossen hätte, denn dann wäre sie anders geflossen; und ebenso wenig wurde die Milch einfach nur verschüttet, ob­wohl ein paar Tropfen auf den Boden fielen. Vielmehr schien es so etwas wie ein sanftes Herausziehen der Milch durch eine un­bekannte Kraft zu geben, vielleicht durch Kapillarwirkung. (Om capillary acrioneh namaha?) Wie man uns sagte, war die Statue acht Tage lang jeweils 180 mal „gefüttert“ worden und inzwischen waren doch ihre Kapillargefässe und das gesamte Absorptionsvermögen sicherlich erschöpft. Als wir in diesen Gedanken versunken dastanden, kam eine junge Inderin in T‑Shirt und Jeans herein, offensichtlich eine Angehörige der neuen Generation subkontinentaler Amerikaner, um der Sta­tue ihren Besuch abzustatten. Ganesha trank bereitwillig aus dem Löffel, den sie ihm hinhielt.

Die Dame des Hauses nahm kein Geld und akzeptierte auch keine Spenden. Ihr Ehemann war weder Priester noch hindui­stischer Aktivist, sondern Geschäftsleiter einer Computer­firma in Houston. Als wir mit ihr sprachen, hatte sie die ein­fache religiöse Ausstrahlung vieler Mittelschichtfrauen. Was in ihrem eigenen Haus geschah, rührte sie; im Grunde glaubte sie an das Wunder und zweifelte nicht an seiner Natur und an sei­nem Sinn; sie erwartete und erhoffte sich nichts davon (in Wirklichkeit mußte sie mit großen Unannehmlichkeiten fertig­ werden, die ihr das Wunder bescherte), außer der Herausforde­rung an ihren eigenen Glauben. Jede Nacht badete sie die kleine Skulptur und legte sie auf einem kleinen goldenen Thron „zu Bett“, eingewickelt in Mousseline. Am nächsten Morgen war Ganesha wieder auf seinem kleinen Piedestal im Puja‑Zimmer, so durstig wie immer.

Ich wußte nicht, wie ich auf das eben Gesehene reagieren sollte. Ich war aus Neugier hergekommen und nicht um nach dem Glauben zu forschen oder ihn zu bestätigen. Das Milch­trinken berührte „meinen“ Hinduismus im Grunde nicht; mein Glauben wurde durch den Anblick einer Milch trinkenden Fi­gur weder gestärkt, noch wäre er erschüttert oder geschwächt worden, wenn Ganesha sich geweigert hätte, zu trinken. Ich war bereit zu glauben, daß es für das Geschehen eine rein ratio­nale Erklärung geben könnte, doch genau so war ich zu der An­nahme bereit, daß vielleicht ein Wunder geschehen war, und zwar eines, das sich nicht so leicht der Entmystifizierung durch die Wissenschaftler auslieferte. Ich glaube, die Welt hat mehr Fragen zu stellen, als die Wissenschaft bisher Antworten gefun­den hat, und deshalb habe ich auch keine intellektuellen Schwierigkeiten mit einer Vorstellung des Übernatürlichen. Ebenso wenig haben dies die Millionen von Anhängern, die auf der ganzen Welt in den Tempeln zusammenkamen und in dem Phänomen eine einfache Himmelsbotschaft sahen: daß die Götter an den Angelegenheiten der gewöhnlich Sterblichen in­teressiert bleiben.

Die Hindus haben jedoch immer schon geglaubt, daß dem so ist. Das „Milchwunder“ war nur die Bestätigung einer unausge­sprochenen Annahme über die Natur der Gottheit. Unsere Götter bevölkern die Straßen, blicken vom Himmel lächelnd oder missbilligend auf uns herab, rempeln uns im Bus an, wenn es eng wird. Sie gehören zu unserem Alltagsleben und sind uns ebenso nahe und vertraut wie die Tücher, in die wir uns nach dem Baden einwickeln. Wenn sie uns morgen früh aus dem Bett stoßen, wird es zwar immer irgendwelche Wissenschaftler geben, die auf eine geologische Verwerfung hinweisen, aber die Hindus werden die göttliche Absicht, sie aufzuwecken, genau so erkennen, wie sie das Milchwunder akzeptierten.

Das Eindringen der Götter in unser Alltagslebenmittels des Milchwunders ist somit keine große Abweichung. Sie gehören ohnehin zu unserem Leben; wir erkennen uns in ihnen, wenn auch in idealisierter Form. Meine Zuneigung gilt Ganesha selbst, einem Gott, der ‑ übergewichtig, mit langer Nase, abgebrochenem Zahn und großen Ohren ‑ auf eine lustige Weise unsere körperlichen Unvollkommenheiten widerspiegelt. Ein Land mit so vielen scheinbar unüberwindlichen Problemen braucht schließlich einen Gott, der Hindernisse bewältigen kann.

In Bombay, als ich noch ein Kind war, verzauberte mich ein­mal im Jahr das große Ganesha Canturi‑Stadtfest, bei dem die betriebsame Handelshauptstadt die so vielfältig begabte Gott­heit feiert. Hunderte von Ganesha‑Statuen (und Statuen von seinen schönen Gattinnen) werden, hergestellt, geschmückt und liebevoll bekleidet‑ dann trägt man sie in einer Prozession, an der sich über eine Million Anhänger beteiligen, durch die belebten Straßen, bevor man sie mit einer triumphierenden Geste der Befreiung ins Meer gleiten läßt. Als kleiner Junge stand ich am Strand und sah zu, wie die Statuen allmählich in das Wasser einsanken, während die Massen der Anhänger sich zerstreuten. Es war traurig zu sehen, wie der riesige Elefanten­kopf in den Wellen versank, aber ich wußte, daß Ganesha mich nicht wirklich verlassen hatte. Ich würde ihn wiederfinden, auf meinen Wandkalendern, auf meinem Regal zu Hause, auf den ersten Seiten meiner Bücher ‑ und in den Gebeten, mit denen ich am Morgen nach dem Fest mein Leben fortsetzen würde:

Om, ich rufe den Namen von Ganapathi,
der Frieden bringt über alle Sorgen,
Om, ich rufe den Namen von Ganesha [ ... ]

Ja, es stimmt, ich bin gläubig, mit jener Mischung aus Frömmig­keit und praktischem Verstand, aus Glauben und Respektlosig­keit, die so manches am Hindu‑Glauben kennzeichnet. Es ist eine bestimmte Einstellung zur Religion, die Indien den Säku­larismus zu ertragen hilft.

(Fortsetzung im Artikel „Kerala – aus der Sicht von Shashi Tharoor“ im Kapitel Unsere Reiseregionen -> Kerala )

Ganesha

Text: Sudhamahi Regunathan

Es ist Brauch, den dickbäuchigen Elefantengott Ganesh vor Beginn eines jeden neuen Unternehmens um seinen Segen zu bitten. Die Existenz dieses Gottes ist auf eine Verschmelzung alter Traditionen zurückzuführen.

Würden wir uns nach dem Alter der Mitglieder des Hindu‑Pantheons richten, so wäre Ganesha nicht berechtigt, diese Serie über die Gottheiten der Hindus anzuführen, da Historiker behaupten, dass dieser Gott, dessen Vorläufer die Elefantenverehrung war, erst im 4. Jh. nach Chr. auftauchte. Wie kommt es also, dass er vor allen anderen Göttern zuerst besänftigt werden muss und welche Stellung nimmt er nun eigentlich unter den anderen Göttern ein?

Während ich mich mit einem Wort des Lobes für Ganesha auf den Lippen daran mache, seine Geschichte zu erzählen, lasse ich meinen Gefühlen freien Lauf, da er eine Gottheit ist, die nicht nur verehrt sondern auch von Herzen geliebt wird. Ihr Werdegang führt uns weit zurück in die Vergangenheit, als der Elefant selbst als heiliges Tier verehrt wurde. Gelehrte sprechen dabei von der Spätzeit der Industalzivilisation (2550‑2050 vor Chr.) als man das Elefantenmotiv auf Münzen verwendete. Der berühmte Kaiser Asoka der Maurya Dynastie ließ viele seiner Säulen mit Elefantenfiguren verzieren. Eine davon ist die Säule von Sarnath, die Vorbild unseres Staatswappen ist. Der Elefant ist auch eng mit der buddhistischen Mythologie verknüpft, wo er Symbol für Buddhas Empfängnis ist. Auch für die Jain ist er ein religiöses Symbol. In der Hindu‑Mythologie wimmelt es nur so von Elefanten. Das beginnt schon bei dem Gott Indra, dem Gott aller Götter, dessen himmlisches Reittier der weiße Elefant Airavata ist. Deshalb auch gibt es eine geistige Richtung, die glaubt, dass Ganesha seinen Ursprung bereits im vedischen Zeitalter hat. In den Veden wird er in anderer Form zusammen mit anderen Göttern erwähnt. Andere Gelehrte wiederum behaupten, dass ein Gott namens Ganesha, Ganapathi oder Vinayaka, wie er auch noch genannt wird, in den Veden nicht vorkommt. Deshalb scheint es sich bei diesem Gott um eine Verschmelzung mehrerer Gottheiten zu handeln. Ganesh ist ein so reizender Gott, dass es unwahrscheinlich scheint, dass seine Existenz auf die Ehrfurcht der Menschen vor den großen Kräften des Elefanten zurückzuführen ist.

Den volkstümlichen Gottheiten scheint Ganesha sein dickes Bäuchlein zu verdanken, das mit "einem mit Reichtümern gefüllten Krug" verglichen wird. Wie andere Volksgottheiten soll auch er Wünsche erfüllen können.

Wie von Vishnu, dem Weltenernährer und Beschützer, gibt es auch von Ganesa eine Reihe von Erscheinungsformen, in denen er die Kräfte des Bösen besiegte.

Über seine Geburt gibt es mehrere interessante Geschichten. In einer heißt es, dass Parvati, die Gemahlin Sivas, des Gottes der Zerstörung, bei ihrem Bad aus Sandelholzpaste und ihrem Schweiß die Figur eines schönen kleinen Jungen geschaffen hätte, den sie mit dem Befehl, niemanden einzulassen, während sie badete, vor die Tür stellte. Er nahm seine Aufgabe so ernst, dass er auch ihren Gemahl Siva nicht hineinließ, der ihm wutentbrannt den Kopf abschlug. Parvathi, die herauskam, um nachzuschauen, was los war, geriet, als sie den abgeschlagenen Kopf sah, außer sich vor Zorn. Der Gott Vishnu, der Weltenernährer, Siva und andere Götter des Hindu‑Pantheons wußten nicht, wie sie Parvati beruhigen sollten. Siva schickte sofort einen Boten los, der den Kopf des ersten schlafenden Wesens, dem er begegnete, bringen sollte. Das war ein Elefant und so erhielt Ganesa den Kopf eines Elefanten.

In einer anderen Geschichte heißt es, dass Siva und Parvathi in ihr Liebesspiel vertieft gewesen wären, als Vishnu beschloss, ihnen einen Streich zu spielen. Er klopfte an Shivas Türe und gab vor, ein durstiger alter Mann zu sein. Das Paar erhob sich schnell, um ihm seine Bitte zu erfüllen, Nachdem er seinen Durst gestillt hatte, nahm Vishnu die Gestalt eines kleinen Kindes an und legte sich auf das Bett zwischen den beiden, wo sich Shivas Samen auf ihn ergoß. Dieses Kind wurde Ganesha genannt.

In einer anderen Geschichte sollen Siva und Parvathi in Gestalt von Elefanten laut trompetend mit anderen Elefanten durch die Wälder gezogen sein. Sie hießen Matanga und Matangi und ihr Sohn war Ganesha.

Seine Mutter war wie andere Mütter nicht weniger stolz auf ihr hübsches Kind, wie aus den folgenden zwei Geschichten hervorgeht. In einer davon zeigte Parvati stolz ihren Sohn dem Gott Saturn vor. Sie war aber so stolz, dass der Kopf ihres Sohnes abfiel. Vishnu eilte ihr zu Hilfe, setzte ihm einen Elefantenkopf auf und erweckte ihn wieder zum Leben. In einer anderen Geschichte soll Siva Ganesha aus Parvathis Gewand geschaffen haben. Dieses Geschöpf war so schön, dass Parvathi ihre Blicke nicht von ihm abwenden konnte. Der eifersüchtige Siva tauschte daraufhin dessen Kopf gegen den eines Elefanten aus.

Genauso wie sein Kopf und seine Gestalt schon immer indische Maler, Bildhauer und Kunsthandwerker inspirierten, ist sein Gefährt äußerst interessant. Stellen Sie sich die dickbäuchige Figur doch bloß einmal auf einer Maus vor! Aber genau das ist sein Reittier. Auch hier gibt es endlose Vermutungen, warum ausgerechnet eine Maus ihm als Gefährt dienen soll. Dabei darf nicht vergessen werden, dass es nur einer Maus gelingt, überall hin zu kriechen, in jeden Winkel und jede Ecke. Und genau das muss dem Beseitiger aller Hindernisse möglich sein. Für den Bauern gibt es keinen größeren Feind, als die Feldmaus. Wird aber der Gott Ganesha verehrt und günstig gestimmt, so kann er sich dieses Problems annehmen. In einer anderen Geschichte heißt es, dass jeder kam, um das Neugeborene zu sehen und Geschenke mitbrachte und das Geschenk der Mutter Erde war halt eine Maus.

Ganapathi ist für seine Intelligenz und Weisheit berühmt. Als Siva und Parvathi ihre beiden Söhne einen Wettstreit austragen ließen, trug Ganesha dank seiner Intelligenz den Sieg davon. Derjenige, der als erster dreimal die Welt umrundete, sollte Sieger sein. Während Karthikeya, der jüngere Bruder, treu und brav dreimal den Globus umrundete, lief Ganapathi nur dreimal um seine Eltern herum, da sie für ihn seine Welt waren.

In einigen Landesteilen gilt Ganesha als Junggeselle, in den meisten aber hat er zwei Frauen und zwar Siddhi und Buddhi. In den westlichen Teilen Indiens wird er als Gottheit der Kaufleute verehrt. Im Süden wird er in einer Reihe von Gestalten, dem Anlass entsprechend, verehrt. Es gibt auch eine Sekte, die sich GanaZatya nennt und ausschließlich diesen Gott verehrt.

In der Mythologie ist Parvati ein Symbol der Erde und deshalb symbolisiert auch Ganesha unsere Erde und Umwelt.

Bal Gangadhar Tilak, ein Freiheitskämpfer, belebte aufs Neue die Feier zum Geburtstag Ganeshas im September/Oktober, die inzwischen zu einem begeistert gefeierten religiösen Fest geworden ist. Ein Grund für die ständig steigende Beliebtheit dieser Gottheit ist, wie Indologen meinen, ganz bestimmt der immer materiellere Charakter unserer Gesellschaft, da Ganesha immerhin ein Gott ist, der Glück und Wohlstand verspricht.

Lord Genavan

Lord Genavan, Ganpathi, Ganapathi, Ganesh, Ganesha, Ganesa – und viele weitere Namen und Schreibweisen gibt es. Auch die Legenden sind vielfältig. Ein Priester und Schriftgelehrter aus Kerala schrieb mir einst auf die Rückseite eines Ganesh-Bildes:

„Ganesha, who existed in the Hindu culture, was a very important god. The god of knowledge, wisdom, literature, and fire, Ganesha was often consulted for advice. When he was a small boy, he prevented Lord Shiva to enter the bathroom where his mother Parvati was taking a bath. This made Shiva furious and he cut off Ganesha’s head. Devastated, Parvati begged Shiva to help poor Ganesha, so Shiva cut the head off of an elephant and attached the head to the boy. Another unique characteristic of Ganesha is that he has four arms. In one of his hands, he holds a conch shell, in another a discus, in a third a club, and in a fourth a lotus blossom.“

Parvatis Sohn Ganesha

…der Gott des Anfangs und des Gelingens

Der wohl meistgeliebte Gott im hinduistischen Pantheon ist Ganesh(a), Ganp(a)athi, Ganesa, der Gott mit dem Elefantenkopf, der von Hindus, Buddhisten und Jaina gleichermaßen verehrt wird. Er wird als Sohn von Shiva und Parvati gesehen; es gibt jedoch Darstellungen eines offensichtlich heiligen Elefanten die ebenso alt sind, wie die allerersten Darstellungen eines Yogi, die als Vorläufer des Yogagottes Shiva gelten. Ganeshas Anhänger aber betrachten ihn und nicht Shiva als Herrscher des Yoga. Seine gesamte Erscheinung, einschließlich seines Reittieres, der Ratte, verbinden sie in symbolischer Bedeutung mit den Yogaprinzipien. Ganesha ist auch ein typischer Volksgott, den als Gott der Weisheit, der Überbringer des Glücks und der Beseitiger aller Hindernisse gesehen wird. Vor Beginn einer Reise, eines Rituals oder eines wichtigen Unternehmens wird immer zuerst Ganesha angerufen und verehrt. Er ist verheiratet mit Siddhi (mystische Kraft) und Buddhi (Einsicht). Er gilt als Schutzherr der Wissenschaften, der Schriften und der Ausbildung.


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Wie Skanda strenggenommen nur Shivas Sohn, so ist der elefantenköpfige Ganesha der Sohn nur der Parvati. Über Ganeshas Geburt und die Entstehung seines Elefantenkopfes gibt es verschiedene Versionen. Eine beliebte Geschichte berichtet, daß Parvati längere Zeit allein war, weil ihr Mann Shiva sich in Meditation zurückgezogen hatte. Sie beschloß, sich selbst einen Sohn zu machen und formte ihn, bevor sie ihr tägliches Bad nahm, aus dem Schorf ihres Körpers mit Salben, Ölen und Gangeswasser, und stellte ihn als Türwächter vor den Baderaum. Damals hatte Ganesha einen normalen Menschenkopf. Zum Kopf eines Elefanten kam er durch den Zorn des Shiva. Als er diesem den Weg zu seiner Gattin verstellte, weil sie gerade badete, und er Shiva ja nicht kannte, sei der große Gott so in Zorn geraten, daß er dem Ganesha mit dem Schwert den Kopf abschlug. Parvati war. außer sich und flehte Shiva an, Ganesha wieder zum Leben zu erwecken. Shiva versprach darauf, ihn mit dem Kopf des ersten vorbeikommenden Lebewesens auszutauschen und ins Dasein zurückzurufen. Das erste Wesen war ein Elefant. Durch die Wiederbelebung ist Ganesha auch Shivas Sohn geworden und wird von ihm anerkannt.

Die Kunst Indiens stellt Ganesha stehend, tanzend und sitzend dar. Oft reitet er auf seiner Ratte, die zuweilen den Rosenkranz (aksamälä) im Maul hält. Seine Farbe auf Malereien ist gelb oder fleischfarben. Ganesha oder Ganapati wird als dickbäuchiger Gott mit meistens vier Armen, auf einem Lotosthron oder seinem Reittier der Ratte sitzend oder tanzend dargestellt. Seine häufigsten Attribute sind Fangseil, Stachelstock und eine Schale mit Naschwerk. Eine Schlange ist sein Gürtel. Sein gewaltiger Bauch symbolisiert das Universum. Mit seiner freundlichen, sehr weltlichen Erscheinung verkörpert er das Paradaxon: irdische Genüsse stehen tiefgreifender geistiger Einsicht keinesfalls im Wege. Er hat zwei oder vier Hände: Die rechten halten den abgebrochenen Stoßzahn (danta) und den Stachelstock (ankusa), wie er zum Lenken des Elefanten verwendet wird, die linken tragen die (stilisierte) Schlinge (päsa) und eine Frucht (phala), manchmal einen Reiskloß (pinda), denn Ganesha ißt und nascht gern. Begleitet ist der Gott von einer Feldratte (äkhu).

Von Ganesha oder auch Ganapathi existieren etwa neunzig Erscheinungsformen. In seltenen Fällen sehen wir ihn mit zwei Armen, aber gebräuchlich sind vier, möglicherweise sogar bis zu zehn. Meist hat er nur einen Kopf, es sind aber auch Darstellungen mit vier Köpfen bekannt.

Als Omkara-Ganapathi zeigt Ganesha, daß sich seine gesamte Gestalt, wie seine Jogaanhänger behaupten, aus dem heiligen Klang AUM oder OM ableitet. Sowohl in Sanskrit- (links) als in tamilischer Schreibweise (rechts) zeigt die Silbe OM ein Schriftbild, in dem Kopf und gebogener Rüssel von Omkara-Ganapathi schwach erkennbar sind.

Eine besondere Erscheinungsform ist die des tanzenden Ganesha, Nritya-Ganapathi . Was dem arglosen Betrachter als ungelenkes Schauspiel erscheinen mag, hat doch dieselbe tiefe Bedeutung wie der kosmische Tanz von Shiva. Mit den Schaukelbewegungen seines linken und rechten Fußes läßt Ganesha die Welt entstehen und wieder verschwinden. Zwar scheint Shivas Tanz abwechslungsreicher und vor allem eleganter, aber das ist nur die äußere Choreographie. Ganeshas Tanz verkörpert den Herzschlag des Universums, der alle bestehenden Erscheinungsformen vereint, wie grob oder bizarr sie auch auf den ersten Blick wirken mögen.

Historisch scheint Ganesha aus einem Naturgeist (yaksa) hervorgegangen zu sein, wie sie für die Fruchtbarkeit der Felder zuständig sind. Die Yaksas werden als rundbäuchige Gnome vorgestellt und hüten die im Boden verborgenen Schätze einschließlich der Ernte. Manche Attribute Ganeshas lassen sich als landwirtschaftliche Geräte deuten: Der Stachelstock könnte ein Hakenpflug sein, die Schlinge dient zum Binden der Garben. Nach seiner Aufnahme in die Shiva -Familie wurde Ganesha zum »Gebieter der Scharen« (gana-isa) ernannt, nämlich der untergeordneten Gottheiten im Kreise um Shiva. Im 5. Jahrhundert n.Chr. wurde er ein Thema der bildenden Kunst. Zeitlich ist er der letzte Gott, der ins Hindu - Pantheon aufgenommen wurde.


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Ganeshas freundliches Wesen und sein Zuständigkeitsbereich machen ihn dem Hindu ungemein lieb. Er ist nicht nur der Gott der Intelligenz und Weisheit, sondern auch »Der (Herr), der die Hindernisse beseitigt« (Vighnantaka) und den Anfang ermöglicht.

Vor jedem physischen und geistigen Unternehmen wird er angerufen:

»Om, Ganeshaya namah!

Om, Ehre dem Ganesha!«

Ob man eine Reise antritt oder eine Maschine in Gang setzt, ob man ein Buch zu schreiben beginnt oder sich einem Examen zu stellen hat, ob man ein geschäftliches Projekt anpackt oder vor Gericht obsiegen will - stets ist es ratsam, dem Ganesha einen Reiskloß, eine Blüte, ein Räucherstäbchen und ein Gedenken darzubringen, damit er die Hindernisse niedertrampelt oder mit seiner breiten Elefantenstirn beiseite schiebt: Falls er nicht seine findige Ratte ein Schlupfloch suchen läßt.

Auch bei Hochzeiten wird er angerufen, denn die Ehe ist ein neuer Anfang und soll von Glück gesegnet sein. Auf den meisten Einladungen zu einer Hindu-Hochzeit ist als kleines Emblem Ganesha zu sehen. Gelegentlich ist der Stachelstock durch eine Axt, die Schlinge durch einen Lotos ersetzt, überhaupt sind ikonographische Varianten häufig. An seinem Elefantenkopf ist der Gott in jedem Falle zu erkennen, so daß seine Attribute für die Identifizierung weniger wichtig sind.

Da Ganesha am Anfang jeglichen Unternehmens steht, ist es folgerichtig, daß er morgens verehrt wird, wenn der Tag beginnt. Die günstigsten Minuten sind die, wenn die Sonne sich hochschiebt über den östlichen Horizont.

Mancherlei Volkserzählungen ranken sich um den freundlich-pfiffigen Gott. Den Stoßzahn soll er sich abgebrochen haben, um ihn auf den Mond zu schleudern, der über seinen Bauch gelacht hatte. Nach anderer Version büßte er den Zahn ein, als er dem Parasuräma am Kailäsa-Berge den Zutritt zu dem schlafenden Shiva verwehrte. Parasuräma schleuderte seine Axt auf den pflichtbewußten Türhüter, die ihm den Zahn abbrach. Einer dritten Geschichte zufolge benutzte Ganesha den Stoßzahn als Griffel, um das Epos Mahäbhärata niederzuschreiben, das der Weise Vyäsa ihm drei Jahre lang diktierte. Ganesha und Vyäsa hatten ein kluges Abkommen getroffen: Vyäsa durfte beim Diktat niemals ins Stammeln geraten und Ganesha nichts niederschreiben, was seinem Verstand nicht einging.

Um zu entscheiden, wer zuerst heiraten dürfe, veranstaltete Shiva zwischen Skanda und Ganesha einen Wettbewerb. Sieger sollte sein, wer als schnellster die Welt umrundete. Skanda auf seinem Pfau umkreiste die Erde in nur einem Tag. Ganesha auf seiner Ratte umwanderte Shiva und Parvati in wenigen Sekunden. Damit war er der Sieger denn in Shiva und Parvati ist nach Hindu-Vorstellung die ganze Welt beschlossen.

Schwerpunkte des Ganesha-Kultes sind Südindien und der Unionsstaat Mahärästra mit der Hauptstadt Bombay. Im August/September jeden Jahres feiert man dort das Ganesha- oder Ganapati-Fest, bei dem große, aus Lehm geformte Ganesha-Idole mit Kokosnüssen, Bananen und Süßigkeiten symbolisch gespeist und mit Musik verehrt werden. Zu Ende des Festes trägt man sie feierlich zum Meer oder einem Fluß und versenkt sie. Das gleiche geschieht mit den kleinen Ganesha-Figuren, die das Jahr über im Hause gestanden haben, meist auf einem Sockel über dem Türbalken oder in der Zimmerecke. Die aus der Erde gekommene Gestalt kehrt in den Naturhaushalt zurück.

Shiva


Natraj oder Nataraja - die Darstellung als kosmischer Tänzer ist sicher die bekannteste Shiva-Erscheinungsform (Schlammskulptur aus meinem ebay-Shop)

In der hinduistischen Trimurti (Trinität) ist Shiva sicher die schillerndste Gestalt, die in sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen auftritt. Einmal wird er angesehen als der gnädige und milde Weltenschöpfer, zugleich verkörpert er aber auch als Shiva-Rudra den gegensätzlichen Aspekt, den furchtbaren Zerstörer. In der hinduistischen Philosophie kein wirklicher Gegensatz, denn Zerstörung bedeutet danach nicht Untergang, sondern ist im Gegenteil Voraussetzung für die schöpferische Verwandlung in neuer Gestalt.

Mit der Person Shivas, die noch viele andere Manifestationen kennt, verbinden sich einige der ausdrucksvollsten und zugleich tiefsinnigsten bildhaften Gottesvorstellungen des Hinduismus.

Zum Beispiel diese selten schöne Skulptur des Shiva als meditierender Asket auf dem Schneejuwel des Kailash im Himalaya. Als Held mit der vom Gift der Schlange Vasuka blau gefärbten Kehle, das er in seinen Mund aufnahm und so die Welt rettete. Als Bewahrer Indiens, durch dessen Haar die Ganga, der Gangesstrom, sanft vom Himalaya in die Ebene fließt, wodurch das Land die segensspendende Kraft der Ganga empfängt und vor Überschwemmung verschont bleibt. Oder - ebenfalls in meiner Auktionsliste - Shiva als liebender Gatte, der aus Trauer um seine tote Gemahlin einen exstatischen Totentanz im Feuerkreis vollführt und die gesamt Schöpfung erbeben lässt - der Natraja.

In seinen verschiedenen Erscheinungsformen und Aspekten, vor allem in seiner symbolischen Gestalt als Shiva-Lingam wird er zu vielen Anlässen gefeiert. Shiva ist zudem der göttliche Yogi und Vorbild seiner zahlreichen Anhänger, die bei den grossen Pilgerfesten allgegenwärtig sind. Einen ganz besonderen Höhepunkt der Shiva-Verehrung bildet die Shiva-Ratri, das Hochzeitsfest von Shiva und Parvati, vor allem im indischen Varanasi sowie in Pashupatinath bei Kathmandu in Nepal.

Saraswathi

Saraswathi (auch Saraswati, Sarasvati), die Göttin des Lernens und der Weisheit, vermählte sich mit Brahma, dem Schöpfergott. Als seine Frau wird sie zur Mutter der gesamten Schöpfung. 

Das Wort "Saraswathi" bedeutet: diejenige, die Essenz (sara) des eigenen Selbst (swa) gibt, ferner "die Fließende". Saraswathi repräsentiert einen immer fließenden Strom göttlicher Gnade. Sie steht auch für die menschlichen Fähigkeiten zu denken und zu unterscheiden. 


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Sie verkörpert alles Wissen, einschließlich der Künste und Wissenschaften. Als Personifikation vollendeter Weisheit verleiht sie ihren aufrichtigsten Anhängern diese höchste Weisheit. 

Saraswathi personifiziert Weisheit. Hindus auf der ganzen Welt beten sie an, wann immer es um Studien oder Lernen geht. Sie regiert die Kommunikation, Musik und den Intellekt. Während des zehntägigen Navaratri-Festivals verehren die Menschen Saraswathi am letzten Tag. Sie legen dann Bücher vor ihr Bild, um ihre Gnade und ihren Segen zu erhalten. 

Künstler stellen Saraswathi auf einer Lotusblume sitzend dar, in makelloses Weiß gekleidet. Weiß versinnbildlicht das Gegenmittel für die dunkle Welt der Unwissenheit. Die Lotusblume erblüht zu ihrer schönen Form, obwohl sie aus dem Morast des Teiches hervorgeht. Die Lotusblüte, auf der sie sitzt, symbolisiert ihre feste Etablierung in der Höchsten Realität - unberührt von den schmutzigen Unvollkommenheiten der physischen Welt. 

Saraswathi hat vier Hände. Sie hält die heiligen Schriften in einer Hand und eine Lotusblume in der anderen. Mit den anderen zwei Händen spielt sie indische Laute (veena). Künstler stellen sie folgende Dinge haltend dar: eine Schlinge (paasha), einen Dorn (ankusha), eine Lotusblüte (padma), einen Dreizack (trisula), eine Seemuschel (sankha), eine Diskusscheibe (chakra). 

Die Lotusblüte in ihrer Hand symbolisiert das letztendliche Ziel menschlichen Seins: Selbstverwirklichung. Das heilige Buch und die Laute, die sie in ihrer anderen Hand hält, weisen auf den Pfad des Wissens und den Pfad der Hingabe, über die der Mensch sein Ziel erreichen kann. Die vier Hände repräsentieren auch die vier Aspekte der menschlichen Persönlichkeit: Geist (manas), Intellekt (buddhi), ego (ahamkara), sowie konditioniertes Bewußtsein (chitta). Das bedeutet, daß Saraswathi vollständig die intellektuellen Fähigkeiten des Menschen beherrscht. 

Der Schwan (hamsa), das Gefährt ihres Gemahls Brahma, wird auch mit Saraswathi in Verbindung gebracht. Der Schwan symbolisiert Weisheit und Unterscheidungskraft.

 

 

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