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Hinduistische
Mythen und Legenden
INHALT Reisen im Zeichen des Ganapathi Kurze Geschichte des Hinduismus Unzählige Legenden ranken sich um
Ganesh Vinayaka Shri Ganesh Chaturti -
Ganesh-Tag Ganesh – Indiens populärste Gottesfigur Reisen im Zeichen des Ganapathi
Hadere deshalb auch nicht mit dem vermeintlichen Widerspruch
in Indien – bewundere wie ich die Vielfalt des Spirituellen und Mystischen in
einer Weltanschauung, in der jeder sich seine persönliche Lieblingslegende
aussuchen darf. Und es sind da ebenso viele, wie es Namen für das Göttliche,
Erhabene gibt. Wer genau zu wissen glaubt, welche Gestalt das Göttliche
hat, ist engstirnig – deshalb habe ich den Ganapathi (Ganesh) zu meinem
persönlichen Symbol der Allmacht gemacht. In einer Welt, in der Menschen ein goldenes Kreuz als
modischen Schmuck um den Hals tragen und den Glauben dennoch nicht ernst
nehmen, trage ich an gleicher Stelle ein Symbol aus einem Kulturkreis, in dem
der Glaube noch an erster Stelle in der Werteskala steht – meinen kleinen
goldenen Ganesh aus Udaipur (Bild rechts). Ganapathi ist also mehr als nur ein Logo auf dem
Briefkopf. Wir reisen in seinem Zeichen durch eine wilde Welt, in der das
Sicherheitsbewußtsein des Menschen noch lange brauchen wird, bis alle
potentiellen Gefahren gebannt sind. Und nie ist irgend jemandem etwas Schlimmes passiert.
Ganapathi sei Dank! (Bernd Symons) PS: Nach dem kleinen goldenen Anhänger werde ich
immer wieder gefragt. Ja, er ist aus 22-karätigem Gold (in Indien gibt es
nichts andereres) und ja, er ist unverkäuflich. Und nein, ich kann keinen
besorgen, denn der Juwelier aus Udaipur hatte nur ein Einzelstück - und bis
dahin hatte ich bereits Jahre nach so etwas gesucht… Kurze Geschichte des Hinduismus(aus den InderNettNews
125 vom 13.12.2001) Aus allen
Richtungen sehen wir dieser Tage immer öfter hinduistische Götter auf uns
herablächeln (oder ganz und gar nicht freundlich gucken). Gut, die
Kirchenheiligen und alten Gottheiten unseres Kulturkreises haben für viele
abgedankt, doch offensichtlich besteht immer noch Bedarf nach höherer Fügung.
Die indischen Götter bieten sich farbenfreudig an. Oder ist es doch nur ein
Modetrend, der sich mit der Zeit wieder verlieren wird? Wie dem auch sei, ehe
man sich einen Shiva, Ganesh oder Krishna, eine Lakshmi, Kali oder Durga an
die Wand oder an den Körper hängt, sollte man sich vielleicht doch
informieren, was es mit den hochheiligen Herrschaften auf sich hat. Rund 2500 v.Chr. blühte in Indien die Induskultur, in der
Naturphänomene als göttlicher Eingriff galten, ohne daß damit schon ein
Pantheon personifizierter Götter in Verbindung gebracht wurde. Allerdings gab
es schon Schlangenverehrung, sowie den Kult einer Muttergöttin, wie er ja so
ziemlich in jeder frühen Kultur zelebriert wurde. Die Indo-Germanen brachten bei ihrer Invasion rund 2000
v.Chr. die Verehrung personifizierter Götter mit. Die dazugehörenden
mündlichen Überlieferungen wurden erst zwischen 1200 und 400 v.Chr.
schriftlich festgelegt. Die heiligen Schriften, die Vedas, enthalten in drei
Teilen Lobgesänge zur Verherrlichung der Götter (Samhitas), ausführliche
Beschreibungen der priesterlichen Rituale und deren Inhalt und Bedeutung
(Brahmanas) sowie philosophisch-mystische Abhandlungen über die Art und das
Wesen der höchsten Wirklichkeit (Aranyakas und Upanishaden). Nach 400 v.Chr. entstand der Glaube an Brahman, das
allerhöchste und alles durchdringende göttliche Prinzip und an Atman, die
Manifestation dieses Prinzips in der menschlichen Seele (bei uns bekannt
unter dem Namen "Höheres Selbst"). In der Zeit von 400 v.Chr. bis
600 n.Chr. entstanden die großen epischen Erzählungen des Hinduismus, die
Ramayana, die Mahabharata und die Bhagavad-Gita. In diesen Epen wird der
innere Kampf des Menschen beschrieben, welcher sich immer wieder zwischen Gut
und Böse entscheiden muß. Die mitwirkenden Götter treten in menschlicher Gestalt auf
und geben dem Menschen immer wieder Gelegenheit, mit dem Göttlichen in seinem
Innern in Berührung zu kommen. Noch später entstanden dann die Puranas
("alte Erzählungen"), in denen alle Götter aufgezählt werden und
die Instruktionen zur aktiven Verehrung enthalten. In den Puranas werden drei
Hauptgötter genannt, die zusammen eine Dreifaltigkeit (Trimurti) formen:
Brahma, Vishnu und Shiva. Die Inder hatten auch ohne moderne Physik und
Chemie schon erkannt, daß unser gesamtes Universum ständiger Veränderung
unterliegt und daß jeder Versuch einer Darstellung nur eine unvollkommene
Momentaufnahme sein kann. Um doch ein vollständiges Bild des jeweiligen
göttlichen Prinzips schaffen zu können, wurden Regeln für die Darstellung der
verschiedenen Aspekte einer Gottheit entworfen. Haltung, Kleidung, Haartracht
und Attribute erzählen zusammen dem Betrachter eine Geschichte. All die bunten Farben und Symbole, die so gut in die
heutige psychedelische Kultur passen und von dieser gierig einverleibt
werden, sind nicht bloßer Schmuck und Verzierung, sondern haben eine tiefe
religiöse Bedeutung. Obwohl sein Name in den frühsten Schriften noch nicht
enthalten ist, ist Shiva eine der ältesten Gottheiten Indiens. Sein Name
bedeutet "der Freundliche", doch ist er auch als "Herr der
drei Welten", "Prinz der Asketen" und "Schützer des
Tierreiches" bekannt. Sein Vorläufer, Rudra, war ein rauher und von den
anderen Göttern gefürchteter Geselle. Er brachte Sturm und Verwüstung, hatte
aber auch schon einige freundliche Züge. Freie Götterwahl!Die Alleinigkeit des Göttlichen in Allem ist unbestritten
- aber jeder hat in Indien die freie Götterwahl und kann sich aussuchen, in
welcher Gestalt / Manifestation er für sich und seine Familie das Göttliche
sehen und ihm huldigen will. "Namasthé", der gegenseitige Gruß ist
ein Zeichen höchsten Respekts und hat die ungefähre Aussage: „ Du und ich,
wir sind eins. Ich grüße, ehre und verehre den Gott in dir.“ In Sanskrit
bedeutet das Wort „Namasté“: „Ich beuge mich vor dem Göttlichen in dir.“
Dieser Gruß verdeutlicht jedem Hindu zu jeder Zeit, daß das Göttliche überall
und in jedem zugegen ist. Im Norden heißt es manchmal auch
"Namaskaar" und in Kerala sagen die Malayalees
"Namashkaram".
Bei der Aussprache dieses Grußes werden beide Handflächen
in Herznähe zusammengepreßt und der Kopf wird leicht nach vorne gebeugt.
Hinter dieser Gestik, die „Anjali Mudra“ heißt, liegt eine große symbolische
Bedeutung. Die beiden Hände sollen die positiven und negativen Kräfte
darstellen, ähnlich dem Ying und Yang. Diese Dualität in zusammengebrachter
Form hebt sich auf und verdeutlicht eine gewisse Ausgeglichenheit. Ganeshas ElefantenkopfEs gibt wohl viele Versionen der Geschichte über die
Herkunft seines Elefantenkopfes. Eine davon erzählt, wie Ganesha von seiner Mutter
beauftragt wurde, das Haus in ihrer Abwesenheit zu bewachen, während Shiva
sich zur Meditation in die Berge zurückgezogen hatte. Als Shiva in der
Zwischenzeit zurückkehrte und von seinem Sohn auch nicht ins Haus gelassen
wurde, schlug er ihm wutentbrannt den Kopf ab. Um Parvati in ihrer Trauer zu
trösten, versprach Shiva ihr, daß Ganesha den Kopf des ersten Lebewesens
erhalten sollte, dem Shiva begegnete. Zufällig war das ein Elefant, und weil
beim Abschlagen des Kopfes ein Stoßzahn dran glauben mußte, hat Ganesha nun
einen Elefantenkopf mit nur einem Zahn. Seine Anhänger sehen ihn als
Schutzherrn der Wissenschaften, der Schulen und Schriften - was oft wie ein
Bündel Geldscheine in seiner Hand aussieht, ist eigentlich ein Buch - und des
Yoga. Seine dickbäuchige Erscheinung zeigt, daß irdische Freuden tiefer
Weisheit nicht im Weg zu stehen brauchen. Deutungen der InsignienDaher ist Ganesha auch glücklich verheiratet mit Siddhi (mystische
Kraft) und Buddhi (Einsicht). Wie auch sein Vater, trägt er eine Schlange um
den Körper, und seine häufigsten Attribute sind die Fangschnur (Bindung ans
Weltliche und Fähigkeit, das Böse und die Unwissenheit einzufangen),
Süßigkeiten (das weltliche Leben), die Lotusblüte (Symbol der Erleuchtung),
die Muschel, deren Ton den Klang OM symbolisiert und der Haken eines
Elefantentreibers, der die Aktivität des Gottes andeutet sowie die Fähigkeit,
die verschiedenen Triebfedern des Geistes zu unterscheiden und zu steuern.
Kein Wunder, daß sein Reittier die Maus (bzw. Ratte) ist; offensichtlich hat
er die Angst des Elefanten vor diesem Tier durchschaut und überwunden.
Ebenfalls wie sein Vater, wird auch Ganesha häufig tanzend dargestellt. Seine
Bewegung von einem Bein aufs andere symbolisiert den Pulsschlag des
Universums, mit dem sich das Universum ausdehnt und zusammenzieht. Also, wenn
Euch bei der nächsten Goa-Trance-Party mal wieder der Pulsschlag des
Synthesizers ans Herz greift, dann versucht es doch mal mit einem meditativen
Elefantentanz. Ganesha wird sich freuen. Und hatten wir eigentlich schon
erwähnt, daß die meisten indischen Sadhus (Asketen), die Shiva verehren, das
Haschischrauchen als tägliche religiöse Pflicht betrachten und ausüben? Unzählige Legenden ranken sich um GaneshÜber kaum eine Gottheit gibt es so viele Geschichten wie
über Ganesh. Er ist der erste Sohn Shivas und symbolisiert Weisheit und
Erfolg. Ganesha gilt als die Verkörperung des kosmischen Urlauts
"Om". Eine Silbe, die sich aus den 3 Buchstaben A (für Brahman den
Schöpfer), U (für Vishnu den Erhalter) und M (für Shiva den Zerstörer)
zusammen setzt. Die Geschichten zu seiner Geburt sind sehr
unterschiedlich. In einigen gilt er als aus dem Geist Shivas geboren, in
anderen ist er die Schöpfung Parvathis (Shivas weiblicher Aspekt) oder von
Shiva und Parvati zusammen. Unterschiedliche Geschichten gibt es auch zu
seinem Elefantenkopf. In einer Legende heißt es, Shivas Frau Parvati rieb sich
beim Baden Staub und Öl ab und formte daraus den Körper eines jungen Knabens,
dem sie Leben einhauchte. Sie erzählte ihm, dass sie seine Mutter sei und er
möge den Eingang bewachen während sie sich badet. Shiva, der sich in die Berge
zum Meditieren zurückgezogen hatte, kam zurück und fand den Knaben, der ihm
den Weg versperrte, vor seiner Tür. Darüber erboste sich Shiva und begann mit
dem Jungen zu kämpfen, dabei wurde diesem der Kopf abgeschlagen. Nachdem
Parvati vom Bad kam und ihren getöten Sohn sah, drohte sie Himmel und Erde zu
zerstörren, so groß war ihr Kummer. Shiva tröstete sie und sagte, er werde
ihn zu neuem Leben erwecken. Er nahm den Kopf des ersten Lebewesens
(Elefant), das ihm begegnete und brachte ihn am Rumpf an und hauchte dem
Körper neues Leben ein. Glücklich umarmte Parvati ihren elefantenköpfigen
Jungen, welchen Shiva Ganesha nannte, den Gebieter über die himmlischen
Heerscharen den Ganas. In einer anderen Geschichte heißt es, die Devas (kleine
Götter) baten Shiva um Hilfe gegen die ständige Belästigung durch Dämonen.
Shiva versprach Hilfe und aus seinem Kopf erschien ein strahlend schöner
Junge. Parvati war verärgert, dass der Junge ohne ihre Beteiligung geboren
wurde und sie wünschte, das sich der Kopf in einen Elefantenkopf verwandelt.
Als sie nun das elefantenköpfige Kind sah, fühlte sie eine große Liebe und
legte fest, dass keine menschliche und göttliche Bemühung erfolgreich sein
wird ohne ein vorheriges Gebet zu Ganapati (Gebieter über die himmlischen
Herrscharen den Ganas). Als Shiva auszog zum Kampf gegen den bösen Dämon
Tripuraasura, vergaß er in der Eile das Gebot, das nichts Erfolg haben wird
bevor Ganesha nicht angebetet worden ist. Er bestieg seinen Streitwagen, aber
eine Speiche brach und nichts bewegte sich. Überrascht dass ihm, Shiva so
etwas zustieß, dachte er nach. Es fiel ihm ein, dass er vergessen hatte
Ganesha anzubeten. Darauf huldigte er seinem Sohn und zog aus zum Sieg im
Tripuraantaka Krieg.
Hauptsächlich wird zwischen 32 verschiedenen Ganesh
Darstellungen unterschieden. Die Darstellung des Tempelganesh repräsentiert
den Vijaya Ganapathi (Geber des Erfolgs). Seine Attribute sind Stachelstock,
Fangschlinge, Stosszahn und eine Mango. Es gibt eine Vielzahl
unterschiedlicher Legenden bezüglich des abgebrochenen Stosszahns. Parashurama eine Inkarnation Vishnus, wurde auf der Erde
geboren um der herrschenden Klasse den Kshatriyas ihre Lektion zu lehren. Die
Kshatriyas waren sehr arrogant und regierten ihr Volk mit brutaler Gewalt.
Parashurama begann als Mensch auf Erden auf Shiva zu meditieren und erhielt
von ihm die heilige Axt Parashu, mit welcher er in den Krieg zog gegen die
sündigen Prinzen und die Erde vom Bösen befreite. Nach dem Kampf machte sich
Parashurama auf den Weg zum Kailash, dem Wohnsitz Shivas, um ihm zu huldigen.
Ganesh, der den Zugang zum Kailash bewachte, liess ihn nicht eintreten und
sagte ihm, er müsse warten bis Shiva die Erlaubnis gäbe. Parshurama meinte,
als devotee (Anhänger) bräuchte er keine Erlaubnis. Nachdem Ganesh weiter den
Zugang verwährte, soll es zu einem heftigen Streit und Kampf zwischen den
beiden gekommen sein, während dessen Verlauf Ganesh durch den Hieb mit der
heiligen Axt, den Stoßzahn abgeschlagen bekommen haben soll. Eine andere Legende erzählt, dass Ganesh sich seinen
Stosszahn selbst in seinem Kampf gegen Gajamukhaasura. abgebrochen haben
soll. Gajamukha, ein Dämon tat auf Rat des Gurus der Dämonen, Shukraachaarya
Buße und erhielt von Shiva dafür unbesiegbare Kraft. Nachdem er diese
erhalten hatte, fing er an, die Götter ständig zu belästigen und quälen. Die
Götter wanden sich an Ganesh mit der Bitte um Hilfe. Es kam zum Kampf
zwischen beiden, doch war Gajamukha durch die von Shiva verliehene Kraft nicht
zu töten. Ganesh brach sich seinen rechten Stosszahn ab und schleuderte ihn
auf Gajamukha und verwandelte ihn in eine Ratte. Ganesh setzte sich auf die
Ratte und brachte sie unter seine Kontrolle, so kam Ganesh zu seinem
Reittier.
Ganesh gilt als
der Schreiber des Mahabharata, welches er mit seinem abgebrochenen Stosszahn
schrieb. Diktiert wurde es von Vyasa im Autrag Brahmans. Vyasa, der Autor des
Epos meditierte auf Brahman und bekam von ihm den Rat, Ganesh das Epos zu
diktieren. Ganesh erschien vor Brahman und erklärte sich bereit das
Mahabaratha zu schreiben, aber nur unter der Bedingung, dass Vyasa ohne Pause
diktiert. Vyasa erklärte sich einverstanden unter der Bedingung, dass Ganesh
die Gedanken und Bedeutung erst verstanden haben muss, bevor er es
niederschreibt. Dies gab Vyasa genug Zeit die Verse zu dichten. Aus dieser
Legende wird abgeleitet, dass das Mahabaratha nicht gelesen werden sollte.
Vielmehr ist es wichtiger wie Ganesh die Geschichte in kleinen Teilen zu
hören, um die Tiefe der Bedeutung der einzelnen Verse zu verstehen.
Interessant ist, dass Brahman (der Schöpfer) den Auftrag gibt, Ganesh Sohn
Shivas (der "Zerstörer" oder soll man besser sagen der "Vollender")
das Epos schreibt und Krishna, die Inkarnation Vishnus (der Erhalter) der
Hauptheld der grössten und bedeutensten Sanskritdichtung ist. Mahabharata
(der grosse Kampf) gilt als Lehrbuch des Dharmas. Als Ganesh ein kleines Kind war, spielte er mit einer
Katze und wie es bei Babys und Kleinkindern üblich ist, fing er an sie am
Schwanz zu ziehen, im Staub zu rollen und an ihren Haaren zu zerren. Nach
einer Weile war er des Spiels überdrüssig und ließ die Katze los. Ganesh
begab sich alsbald zu seiner Mutter Parvati und fand diese in großen
Schmerzen schmutzig und zerzaust. Erstaunt fragte er, was geschehen sei,
Parvati erklärte Ganesh, dass der Schmerz den er der Schöpfung antut, ihr
Schmerz ist. Die Süßigkeit in der Hand von Ganesh symbolisiert das verwirklichte
Innere Selbst. Nritya Ganapathi (Glücklicher Tänzer) beim Tanz unter dem
Kalpavriksha Baum. Seinem Tanz wird die gleiche Bedeutung zu gemessen, wie
dem kosmischen Tanz Shivas, mit dem linken und rechten Fuß lässt Ganesha
durch die Schaukelbewegungen die Welt entstehen und wieder verschwinden. Sein
Tanz wird auch mit dem Herzschlag des Universums verglichen.
Vinayaka Shri Ganesh Chaturti - Ganesh-TagGanesh beseitigt für seine Anhänger an diesem Tag
Hindernisse. Probiert „ihn“ am nächsten Dienstag doch einfach mal aus! Ihr
wißt ja: Man muß nur daran glauben (Denn wer an gar nichts glaubt, muß erst
recht dran glauben...) Und der Ganesh-Tag ist besonders gut für: Beseitigung
großer Probleme Erfolg Befreiung von Ängsten Klarer Intellekt Wissen und
Intelligenz Verbesserung der Gesundheit Verbesserung der Finanzen Erfolg im
Examen Gott der niederen GottheitenZum Ganesh Chaturti schreibt Ilja Trojanow Ganesha ist ein sympathischer, humorvoller Gott, niedlich
mit seinem Rüssel, seinen runden Augen und den etwas pummeligen Beinchen.
Doch sagt man ihm auch Verdrießlichkeit und Jähzorn nach, vor allem jenen
gegenüber, die ihm nicht den nötigen Respekt erweisen. An allen wichtigen
Feiertagen wird er zuerst um einen Segen angerufen, und die Erstklässler
lernen zuerst den Buchstaben G. Zudem fördert er Bildung, die Künste, den
kreativen Erfolg. Kein Wunder, daß Ganesh das Götter-Ranking in Indien, vor
allem in Bombay, klar anführt. Ursprünglich war Ganesh ein Naturgeist, zuständig für die
Fruchtbarkeit der Felder. Den einst in den Dschungeln des südlichen Indiens
lebenden Stammesvölkern galt er – in der bedrohenden Gestalt eines Elefanten
– als "Erschaffer von Hindernissen", eine Charakterisierung, die
sich nach der Vermischung mit den aus Zentralasien eingewanderten Ariern in
ihr Gegenteil wandelte. Ganesh war wohl der letzte Gott, der ins
Hindu-Pantheon aufgenommen wurde. Zwar bedeutet sein Name wortwörtlich
"Gott der niederen Gottheiten", doch diese theologische
Klassifikation kann durch das im gläubigen Alltag befolgte Prinzip der freien
Götterwahl überwunden werden. Dann erscheint er als wichtigster aller Götter,
als allmächtig. Deswegen existieren Erklärungen, er vereine den ganzen Kosmos
in sich, wobei der Kopf die Sterne, der Körper den Äther und die Füße die
Erde verkörpern. Oder: Der Torso, der menschliche Teil, verkörpere die
vergängliche Schöpfung, wogegen der göttliche Kopf die Erlösung darstelle.
Oder: Sein ganzer Körper symbolisiere das magische Aum (Om); A für die Beine,
U für den Bauch und M für den Kopf. Auch um die Geburt von Ganesh ranken sich viele Legenden:
Seine Mutter Parvati hat den Sohn einst aus dem Schorf ihres Körpers unter
Hinzunahme von Salben, Ölen und Gangeswasser geformt, weil ihr ein Freund und
Begleiter fehlte, der nur ihr zur Treue verpflichtet war. Dann bat sie ihren
Sprößling, ihre Gemächer zu bewachen und niemanden hereinzulassen, denn ich
gedenke, ein Bad zu nehmen. Just zu diesem Zeitpunkt kehrte der Ehemann
Shiva, der Gott der Zerstörung, heim. Zu seinem Erstaunen wurde er von einem
frechen Burschen daran gehindert, seine Frau aufzusuchen. In Rage zückte er
sein Schwert und köpfte den Aufmüpfigen. Zum Trost versprach er Parvati, den
Kopf des ersten lebenden Wesens auf den enthaupteten Leib zu setzen, der ihm
im Wald begegnen würde. Es war ein Elefant! Das heutige Fest verdankt seine Existenz dem Nationalisten
Bal Gangadhar Tilak, der Anfang des Jahrhunderts nach Wegen der kulturellen
Selbstbehauptung suchte, die nicht unter die Verbote der britischen
Kolonialregierung fielen. Das bis dahin nur privat gefeierte Ganeshfest bot
eine volkstümliche Möglichkeit, Identität und Selbstwertgefühl zu stärken.
Vor mehr als hundert Jahren wurde Ganesh zum ersten Mal öffentlich
ausgestellt, angebetet und nach zehn Tagen in einem Gewässer versenkt. Über
die Jahrzehnte mag sich die Motivation geändert, der Charakter gewandelt
haben – Volkserziehung hat Massenkultur Platz gemacht –, doch ist die Begeisterung
im westlichen Indien unvermindert. In diesen Tagen bestimmt Ganesh über alle
Götter und Menschen. Zerstörer von HindernissenIlija Trojanow
22.11.1999 Dort, wo das
restliche Jahr über Autos parken, sitzen Idole unter einer Plastikplane in
Reih und Glied. Hunderte von ihnen, bemalte Skulpturen aus Gips und
Kokosnußfasern. Ganesh hat auf einem Globus Platz genommen, im Schneidersitz,
unter seinen Beinen der indische Subkontinent. Er trägt einen rosanen Bauch
und einen roten Schleier, sein Rüssel leuchtet mit metallischen Sternen.
Einige Jugendliche bepinseln noch die Fußnägel des Gottes – die Arbeit der
Werkstatt von Mr. Khatu, einem der führenden Ganesh-Skulptoren Bombays, wird
bald vorbei sein; sie endet an dem Tage, an dem das Fest zu Ehren des
Elefantengottes beginnt. Vor vier Monaten wurde Mr. Khatu von altbekannten Kunden
in seiner Werkstatt besucht – Mitglieder eines der 12.000 Mandals Bombays,
jener straff organisierter Vereine, die zur Festzeit in einem Provisorium am
Straßenrand ein Ganesh-Idol aufstellen und alle möglichen Aktivitäten
organisieren, von Riten über Essaywettbewerben bis hin zu
Kriegsinszenierungen. Finanziert werden sie dabei von Bürgern, Firmen,
Politikern und Gangstern. Der Präsident, der Schatzmeister und der Sekretär
des Chandanwadi-Mandals nahmen in dem kleinen Büro Platz. Sie legten ein
Album mit Fotos der Idole aus vergangenen Jahren auf dem Tisch, als Grundlage
für ein Gespräch über Veränderungen und Neuerungen. Einige Vorschläge hatten
sie mitgebracht. 25 Fuß hoch sollte der Ganesh dieses Jahr werden. Wir
wollen, sagte einer der Männer, den größten Ganesh in Bombay. Mr. Khatu
zeichnete und rechnete. Ganesh würde mit einem Fuß auf einer riesigen Trommel
stehen, das zweite Bein in tanzender Bewegung. Und er würde 150.000 Rupien
kosten, mehr als 5000 DM. Der Vorschlag wurde angenommen, der Auftrag
erteilt.
Nun, am späten Vorabend des ersten Festtages, warten die
Idole darauf, abgeholt zu werden. Der letzte Monsunregen hämmert auf die
Plane und ergießt sich auf die drängende Menschenmenge. Kurz nach Mitternacht
rollt der Zwanzigtonnen-Laster des Chandanwadi-Mandals, drapiert in Bannern
und Bildern, millimetergenau durch die Gasse, auf seiner Ladefläche vier
Trommler und etwa fünfzig bis in die Knochen durchnäßte Aktivisten. Doch die
Begeisterung ist unvermindert – die Gaben des Gottes entsprechen den Gaben
des Himmels. Wie eingefleischte Fußballfans skandieren, singen, gestikulieren
und tänzeln die jungen Männer im Wettstreit mit anderen Lastwägen. Der
riesige Ganesh, nach einem kurzen Ritual transportbereit, soll mit purer
Menschenkraft auf den Lastwagen gehievt werden. Der Sockel wird angehoben,
Stimmen stoßen Ganpathi in die Höhe. Auf glitschigem Grund, mit vielen
kleinen Schritten, schwankend, trippelnd, wird Ganesh in die Nacht hinaus
getragen. "Haltet das Idol, haltet das Idol. Stützt ihn. Von
hinten." Schließlich steht das Idol eingewickelt auf der Ladefläche und
die heisere Fahrt nach Hause beginnt. Neben der großen Werkstatt verkaufen an der Hauptstraße
viele Buden und Kioske Miniaturidole für den familiären Gebrauch. Die
Lastwägen haben einen Stau verursacht, durch den Fußgänger mühsam Karren
schieben, darauf Mädchen mit glitzernden Hütchen und Buben mit
Dämonenfratzen. In jeder Nische tanzen junge Männer mit roten Armen, roten
Händen, roten Gesichtern und Haaren. Inmitten all dem Trubel, weit nach
Mitternacht, versucht ein braver Vater seine zwei Töchter, unisono in rosanen
Regenschutz gekleidet, mit der einen Hand zu halten, während die andere Hand
Ganesh in sein neues Gasthaus eskortiert. Ganesh – Indiens populärste GottesfigurAuszug aus dem Buch “Indien – zwischen Mythos und Moderne” „Om
maha Ganapatha namaba,
Ganesha oder Ganapathi, wie wir ihn im Süden lieber nennen,
sitzt teilnahmslos in meinem Regal im Schlafzimmer, in Form von zahlreichen
Statuen aus Stein, Metall und Pappmache. Daran ist nichts Ungehöriges: Er
wird zu Schlimmerem mißbraucht, wenn er auf zahlreichen Kalendern, Plakaten,
Warenzeichen und Einladungskarten für Hochzeiten vorkommt. Dickbäuchig,
schwer, mit langem Rüssel (wenn auch mit einem abgebrochenen Stoßzahn), mit
jedem beliebigen Kostüm bekleidet, das dem Künstler eingefallen ist (vom Asketen
bis zum Astronauten), ist Ganesha, der seinen Weg durch die indischen Herzen
auf einer Ratte als Reittier zurücklegt, wohl Indiens populärste Gottesfigur. Man läßt sich kaum auf eine wichtige Angelegenheit ein,
ohne zuvor um den Segen Ganeshas zu bitten. Seine Hauptfunktion in der Hindu‑Mythologie
‑ ein Vorzug, der sowohl auf seine Klugheit als auch auf seine
Körperkraft zurückgeht ‑ ist das Beseitigen von Hindernissen, damit
Wünsche erfüllt werden können. Kein Wunder also, daß ein jeder Ganesha an
seiner Seite haben will, bevor er sich auf ein Projekt einläßt, sei es die
Gründung einer Fabrik oder das Werben um eine Frau. Als ich auf Freiersfüßen
wandelte, verstieß ich zwar gegen die ehr würdigen Regeln der Kaste, der
Sprache, der Region, des Alters und der elterlichen Zustimmung, doch als wir
heirateten, ließen meine Frau und ich die Vorderseite unserer
Hochzeitseinladung mit einem aufgeprägten roten Ganesha verzieren.
In meinem Hinduismus ist die
Gottheit keine entrückte und verbietende Entität in einem fernen Himmel. Gott
ist mitten unter uns, unmittelbar zugänglich, und nimmt für jene, die ihn
sich in einer stärker personalisierten Form vorstellen müssen, viele Formen
an. Das Hindu‑Pantheon enthält Tausende solcher Gestalten, große und
kleine. Ganesha ist das Oberhaupt der Gana, die einige Gelehrte als
„geringere Gottheiten“ bezeichnen. Er gehört nicht zu der Trinität von Brahma
[der Schöpfer]; Shiva [der Zerstörer] und Vishnu [der Bewahrer], den
wichtigsten Hindu‑Göttern, den drei Facetten der Allerhöchsten Ersten
Ursache. Er ist jedoch ;der Sohn Shivas oder zumindest von Shivas Gattin
Parvati (einer bestimmten Theorie zufolge formte sie ihn aus den
Hautschuppen ihres eigenen Körpers, ohne väterliches Zutun). Als Schriftsteller
habe ich mich immer schon für die verschiedenartigen Geschichten interessiert,
die die Gesellschaft über sich selbst erzählt. Deshalb liegt die
Anziehungskraft Ganeshas für mich zum Teil in der Fülle der Geschichten
darüber, wie diese schwerfälligste aller Gottheiten ihren (ursprünglichen)
Kopf verlor und zu seiner ungewöhnlichen äußeren Erscheinung kam.
Das war eine heilsame Lektion über die Gefahren eines
übertriebenen Gehorsams gegenüber den Eltern, auch wenn ich nicht glaube, daß
meine Großmutter die Geschichte so verstanden wissen wollte. Meine Mutter,
die stets erfolglos der Versuchung zu widerstehen versuchte, sich ihrer
Kinder zu rühmen, kannte eine andere Version: Die eitle Parvati bat Shani
[Saturn], ihren vollkommenen Sohn anzuschauen, wobei sie vergaß, daß Shanis
Blick den Kopf des Jungen in Asche verwandeln konnte. Wiederum war es der
Kopf eines Elefanten, der als Ersatz diente. Da ich in einem Indien aufwuchs, wo Loyalität nur allzu
oft für den Meistbietenden käuflich zu sein scheint, mußte mich Ganeshas
seltene Eigenschaft der hartnäckigen Pflichttreue ganz einfach beeindrucken.
Wie er seinen Kopf auch immer verloren haben mochte, es war Ganeshas
Hartnäckigkeit als Wächter, die ihn nach der Erzählung meiner Großmutter
einen Stoßzahn kostete. „Der mächtige Avatara Parashu‑Rama“, erzählte
sie, als wir Kleinen uns in der Dämmerung um sie scharten, „der manche
Wohltat von Shiva empfangen hatte, kam den Großen Zerstörer an dessen
Wohnsitz auf dem Berg Kailasa besuchen. Wieder war Ganesha an der Tür und
verweigerte dem Besucher den Eintritt, damit er den schlafenden Shiva nicht
störte. Parashu‑Rama versuchte voller Zorn einzudringen, fand jedoch
in Ganesha einen entschlossenen Widersacher.“ (An dieser Stelle blickte ich
vor Aufregung ganz verwundert auf.) „Ganesha packte Parash‑Rama mit
seinem langen Rüssel und schleuderte ihn so lange im Kreis herum, bis er benommen
und hilflos war und warf ihn dann auf den Boden. Als Parashu‑Rama
wieder einen klaren Kopf hatte, warf er seine Axt nach dem hartnäckigen
Ganesha. Nun hätte Ganesha der Axt zwar ausweichen können, aber er erkannte,
daß es eine Waffe von Shiva war. Er konnte seinen Vater nicht kränken, indem
er dessen Waffe widerstand. Deshalb fing er die Axt demütig mit seinem
Stoßzahn ab.“ Seither wird Ganesha immer nur mit einem Stoßzahn abgebildet.
Und was ist nun das Geheimnis seiner Anziehungskraft auf
einen Großstadtbewohner am Ende des 20. Jahrhunderts wie mich? Wie sein
furchtloser Blick und seine kräftigen Augenbrauen andeuten, ist Ganesha ein
äußerst intelligenter Gott. Als ich noch sehr jung war, hörte ich die
Geschichte, wie Parvati ihre beiden Söhne Ganesha und Kartikeya aufforderte,
zu einem Rennen um die Erde aufzubrechen. Kartikeya, der kräftigere und
martialischere der beiden, rannte sofort los und war zuversichtlich, daß er
den Globus schneller umrunden werde als sein 9 korpulenter Bruder. Nachdem
Ganesha sich eine Weile ausgeruht hatte, machte er ein paar Schritte um seine
Mutter herum und setzte sich wieder hin. Parvati erinnerte ihn an ihre
Aufforderung. „Aber du bist doch meine Welt“, antwortete Ganesha entwaffnend,
„und um dich bin ich herumgegangen.“
Es ist deshalb keine Überraschung, daß Ganesha in Indien
nicht nur mit Ehrfurcht angebetet wird, sondern mit Begeisterung. Manchmal
kann sie sich bis zum Äußersten steigern, wie damals, als Ganesha-Anhänger im
Westen Indiens um 1890 es lieber zuließen, daß die Beulenpest viele
Menschenleben dahinraffte, statt mit den Briten zusammenzuarbeiten, um die
Ratten zu vernichten, die die Krankheit verbreiteten (schließlich waren die
Ratten ja Ganeshas Reittiere). Ende
September 1995 verbreitete sich auf der ganzen Welt das Gerücht, daß
Ganesha-Statuen angefangen hatte, Milch zu trinken. In einigen Fällen hieß
es, daß Statuen seiner göttlichen Eltern, Shiva und Parvati, ebenfalls diese
Trinkopfer zu sich genommen hätten, doch den Elefantenanteil holte sich
Ganesha. Am 21. September ging von Delhi das Gerücht aus, daß die Götter
Milch trinken würden; es hieß, ein Ganesha-Idol in einem Vorort der
Hauptstadt habe eine halbe Tasse getrunken. Innerhalb weniger Stunden verbreitete sich die Nachricht
über den gesamten Globus; es gab Berichte von Tempeln und privaten
Heiligtümern auf Long Island oder in Hongkong, wo dasselbe Phänomen
beobachtet worden sei. Im Wishwa-Tempel in dem von Indern dominierten
Londoner Distrikt Southhall soll eine vierzig Zentimeter große Ganesha-Figur
Hunderte von dargebotenen Löffeln Milch getrunken haben; die erlauchte
Londoner Times berichtete auf der Titelseite, daß „in 24 Stunden zehntausend
Menschen sie trinken sahen“. Im Geta-Bhavan-Tempel in Manchester wurden einer
acht Zentimeter hohen silbernen Ganesha-Figur erstaunliche Mengen
einverleibt. Hartnäckige britische Journalisten von Massenblättern, die nur
darauf aus waren, eine arglistige Täuschung zu enthüllen, filmten und
photographierten das Phänomen und erklärten sich bestürzt. „Ich schaute
ehrfürchtig“, gestand der Mann vom Daily Star, sein Konkurrent von der Sun
„starrte ungläubig hin“. In Indien reagierten die Rationalisten ganz
schnell. Es sei eine Sache der simplen Physik. Moleküle auf dem rauhen Stein
und auf den Marmoroberflächen hatten eine „Kapillarwirkung“ erzeugt, die die
Milchtropfen aufsog. Die Tropfen wurden nicht etwa von den Statuen
absorbiert, sondern bildeten an der Oberfläche eine dünne Tropfenschicht, die
sichtbar werde, wenn die Statue eine dunkle Farbe habe. Ein Wissenschaftlerteam
der Regierung machte sich daran, den Beweis dafür im Fernsehen anzutreten: es
wurde ein grünes Pulver in die Milch gegeben und dann gezeigt, wie sich ein
grüner Fleck über die Oberfläche einer weißen Marmorstatue verbreitete. Es
war von einer Massenhysterie die Rede. Indische Priester (die von den
Opfergaben der Gläubigen in den Tempeln leben) versuchten bloß mehr Abgaben
einzutreiben, behaupteten einige; alles nur Politik, sagten andere und wiesen
auf das Bedürfnis der nachlassenden Hindutva‑Bewegung hin, die
Leichtgläubigen ihrem Credo näher zu bringen. Die Zeitung Pioneer in Delhi
brachte die Photographie einer Tülle an der Rückseite eines Tempels, aus der Milch in einen
Eimer floß; damit sollte angedeutet werden, daß ein Kniff und keine
göttliche Nahrungsaufnahme dafür verantwortlich war, daß aus den Tempeln
Milch verschwand.
Die Dame des Hauses nahm kein Geld und akzeptierte auch keine
Spenden. Ihr Ehemann war weder Priester noch hinduistischer Aktivist,
sondern Geschäftsleiter einer Computerfirma in Houston. Als wir mit ihr
sprachen, hatte sie die einfache religiöse Ausstrahlung vieler
Mittelschichtfrauen. Was in ihrem eigenen Haus geschah, rührte sie; im Grunde
glaubte sie an das Wunder und zweifelte nicht an seiner Natur und an seinem
Sinn; sie erwartete und erhoffte sich nichts davon (in Wirklichkeit mußte sie
mit großen Unannehmlichkeiten fertig werden, die ihr das Wunder bescherte),
außer der Herausforderung an ihren eigenen Glauben. Jede Nacht badete sie
die kleine Skulptur und legte sie auf einem kleinen goldenen Thron „zu Bett“,
eingewickelt in Mousseline. Am nächsten Morgen war Ganesha wieder auf seinem
kleinen Piedestal im Puja‑Zimmer, so durstig wie immer. Ich wußte nicht, wie ich auf das eben Gesehene
reagieren sollte. Ich war aus Neugier hergekommen und nicht um nach dem
Glauben zu forschen oder ihn zu bestätigen. Das Milchtrinken berührte
„meinen“ Hinduismus im Grunde nicht; mein Glauben wurde durch den Anblick
einer Milch trinkenden Figur weder gestärkt, noch wäre er erschüttert oder
geschwächt worden, wenn Ganesha sich geweigert hätte, zu trinken. Ich war
bereit zu glauben, daß es für das Geschehen eine rein rationale Erklärung
geben könnte, doch genau so war ich zu der Annahme bereit, daß vielleicht
ein Wunder geschehen war, und zwar eines, das sich nicht so leicht der
Entmystifizierung durch die Wissenschaftler auslieferte. Ich glaube, die Welt
hat mehr Fragen zu stellen, als die Wissenschaft bisher Antworten gefunden
hat, und deshalb habe ich auch keine intellektuellen Schwierigkeiten mit
einer Vorstellung des Übernatürlichen. Ebenso wenig haben dies die Millionen
von Anhängern, die auf der ganzen Welt in den Tempeln zusammenkamen und in
dem Phänomen eine einfache Himmelsbotschaft sahen: daß die Götter an den
Angelegenheiten der gewöhnlich Sterblichen interessiert bleiben. Die Hindus haben jedoch immer schon geglaubt, daß dem so
ist. Das „Milchwunder“ war nur die Bestätigung einer unausgesprochenen
Annahme über die Natur der Gottheit. Unsere Götter bevölkern die Straßen,
blicken vom Himmel lächelnd oder missbilligend auf uns herab, rempeln uns im
Bus an, wenn es eng wird. Sie gehören zu unserem Alltagsleben und sind uns
ebenso nahe und vertraut wie die Tücher, in die wir uns nach dem Baden
einwickeln. Wenn sie uns morgen früh aus dem Bett stoßen, wird es zwar immer
irgendwelche Wissenschaftler geben, die auf eine geologische Verwerfung
hinweisen, aber die Hindus werden die göttliche Absicht, sie aufzuwecken,
genau so erkennen, wie sie das Milchwunder akzeptierten. Das Eindringen der Götter in unser Alltagslebenmittels
des Milchwunders ist somit keine große Abweichung. Sie gehören ohnehin zu
unserem Leben; wir erkennen uns in ihnen, wenn auch in idealisierter Form.
Meine Zuneigung gilt Ganesha selbst, einem Gott, der ‑ übergewichtig,
mit langer Nase, abgebrochenem Zahn und großen Ohren ‑ auf eine lustige
Weise unsere körperlichen Unvollkommenheiten widerspiegelt. Ein Land mit so
vielen scheinbar unüberwindlichen Problemen braucht schließlich einen Gott,
der Hindernisse bewältigen kann. In Bombay, als ich noch ein Kind war, verzauberte mich
einmal im Jahr das große Ganesha Canturi‑Stadtfest, bei dem die
betriebsame Handelshauptstadt die so vielfältig begabte Gottheit feiert.
Hunderte von Ganesha‑Statuen (und Statuen von seinen schönen Gattinnen)
werden, hergestellt, geschmückt und liebevoll bekleidet‑ dann trägt man
sie in einer Prozession, an der sich über eine Million Anhänger beteiligen,
durch die belebten Straßen, bevor man sie mit einer triumphierenden Geste der
Befreiung ins Meer gleiten läßt. Als kleiner Junge stand ich am Strand und
sah zu, wie die Statuen allmählich in das Wasser einsanken, während die
Massen der Anhänger sich zerstreuten. Es war traurig zu sehen, wie der
riesige Elefantenkopf in den Wellen versank, aber ich wußte, daß Ganesha
mich nicht wirklich verlassen hatte. Ich würde ihn wiederfinden, auf meinen
Wandkalendern, auf meinem Regal zu Hause, auf den ersten Seiten meiner Bücher
‑ und in den Gebeten, mit denen ich am Morgen nach dem Fest mein Leben
fortsetzen würde: Om, ich rufe den Namen von Ganapathi, Ja, es
stimmt, ich bin gläubig, mit jener Mischung aus Frömmigkeit und praktischem
Verstand, aus Glauben und Respektlosigkeit, die so manches am Hindu‑Glauben
kennzeichnet. Es ist eine bestimmte Einstellung zur Religion, die Indien den
Säkularismus zu ertragen hilft. (Fortsetzung im Artikel „Kerala
– aus der Sicht von Shashi Tharoor“ im Kapitel Unsere Reiseregionen
-> Kerala ) Ganesha
Text:
Sudhamahi Regunathan Es ist Brauch, den dickbäuchigen Elefantengott Ganesh vor
Beginn eines jeden neuen Unternehmens um seinen Segen zu bitten. Die Existenz
dieses Gottes ist auf eine Verschmelzung alter Traditionen zurückzuführen. Würden wir uns nach
dem Alter der Mitglieder des Hindu‑Pantheons richten, so wäre Ganesha
nicht berechtigt, diese Serie über die Gottheiten der Hindus anzuführen, da
Historiker behaupten, dass dieser Gott, dessen Vorläufer Während ich mich mit
einem Wort des Lobes für Ganesha auf den Lippen daran mache, seine Geschichte
zu erzählen, lasse ich meinen Gefühlen freien Lauf, da er eine Gottheit ist,
die nicht nur verehrt sondern auch von Herzen geliebt wird. Ihr Werdegang
führt uns weit zurück in die Vergangenheit, als der Elefant selbst als
heiliges Tier verehrt wurde. Gelehrte sprechen dabei von der Spätzeit der
Industalzivilisation (2550‑2050 vor Chr.) als man das Elefantenmotiv
auf Münzen verwendete. Der berühmte Kaiser Asoka der Maurya Dynastie ließ
viele seiner Säulen mit Elefantenfiguren verzieren. Eine davon ist die Säule
von Sarnath, die Vorbild unseres Staatswappen ist. Der Elefant ist auch eng
mit der buddhistischen Mythologie verknüpft, wo er Symbol für Buddhas
Empfängnis ist. Auch für die Jain ist er ein religiöses Symbol. In der Hindu‑Mythologie
wimmelt es nur so von Elefanten. Das beginnt schon bei dem Gott Indra, dem
Gott aller Götter, dessen himmlisches Reittier der weiße Elefant Airavata
ist. Deshalb auch gibt es eine geistige Richtung, die glaubt, dass Ganesha
seinen Ursprung bereits im vedischen Zeitalter hat. In den Veden wird er in
anderer Form zusammen mit anderen Göttern erwähnt. Andere Gelehrte wiederum
behaupten, dass ein Gott namens Ganesha, Ganapathi oder Vinayaka, wie er auch
noch genannt wird, in den Veden nicht vorkommt. Deshalb scheint es sich bei
diesem Gott um eine Verschmelzung mehrerer Gottheiten zu handeln. Ganesh ist
ein so reizender Gott, dass es unwahrscheinlich scheint, dass seine Existenz
auf die Ehrfurcht der Menschen vor den großen Kräften des Elefanten
zurückzuführen ist.
Wie von Vishnu, dem
Weltenernährer und Beschützer, gibt es auch von Ganesa eine Reihe von
Erscheinungsformen, in denen er die Kräfte des Bösen besiegte. Über seine Geburt gibt
es mehrere interessante Geschichten. In einer heißt es, dass Parvati, die Gemahlin
Sivas, des Gottes der Zerstörung, bei ihrem Bad aus Sandelholzpaste und ihrem
Schweiß die Figur eines schönen kleinen Jungen geschaffen hätte, den sie mit
dem Befehl, niemanden einzulassen, während sie badete, vor die Tür stellte.
Er nahm seine Aufgabe so ernst, dass er auch ihren Gemahl Siva nicht
hineinließ, der ihm wutentbrannt den Kopf abschlug. Parvathi, die herauskam,
um nachzuschauen, was los war, geriet, als sie den abgeschlagenen Kopf sah,
außer sich vor Zorn. Der Gott Vishnu, der Weltenernährer, Siva und andere
Götter des Hindu‑Pantheons wußten nicht, wie sie Parvati beruhigen
sollten. Siva schickte sofort einen Boten los, der den Kopf des ersten
schlafenden Wesens, dem er begegnete, bringen sollte. Das war ein Elefant und
so erhielt Ganesa den Kopf eines Elefanten.
In einer anderen
Geschichte sollen Siva und Parvathi in Gestalt von Elefanten laut trompetend
mit anderen Elefanten durch die Wälder gezogen sein. Sie hießen Matanga und
Matangi und ihr Sohn war Ganesha. Seine
Mutter war wie andere Mütter nicht weniger stolz auf ihr hübsches Kind, wie
aus den folgenden zwei Geschichten hervorgeht. In einer davon zeigte Parvati
stolz ihren Sohn dem Gott Saturn vor. Sie war aber so stolz, dass der Kopf
ihres Sohnes abfiel. Vishnu eilte ihr zu Hilfe, setzte ihm einen
Elefantenkopf auf und erweckte ihn wieder zum Leben. In einer anderen
Geschichte soll Siva Ganesha aus Parvathis Gewand geschaffen haben. Dieses
Geschöpf war so schön, dass Parvathi ihre Blicke nicht von ihm abwenden
konnte. Der eifersüchtige Siva tauschte daraufhin dessen Kopf gegen den eines
Elefanten aus. Genauso wie sein Kopf
und seine Gestalt schon immer indische Maler, Bildhauer und Kunsthandwerker
inspirierten, ist sein Gefährt äußerst interessant. Stellen Sie sich die dickbäuchige
Figur doch bloß einmal auf einer Maus vor! Aber genau das ist sein Reittier.
Auch hier gibt es endlose Vermutungen, warum ausgerechnet eine Maus ihm als
Gefährt dienen soll. Dabei darf nicht vergessen werden, dass es nur einer
Maus gelingt, überall hin zu kriechen, in jeden Winkel und jede Ecke. Und
genau das muss dem Beseitiger aller Hindernisse möglich sein. Für den Bauern
gibt es keinen größeren Feind, als die Feldmaus. Wird aber der Gott Ganesha
verehrt und günstig gestimmt, so kann er sich dieses Problems annehmen. In
einer anderen Geschichte heißt es, dass jeder kam, um das Neugeborene zu
sehen und Geschenke mitbrachte und das Geschenk der Mutter Erde war halt eine
Maus. Ganapathi ist für
seine Intelligenz und Weisheit berühmt. Als Siva und Parvathi ihre beiden
Söhne einen Wettstreit austragen ließen, trug Ganesha dank seiner Intelligenz
den Sieg davon. Derjenige, der als erster dreimal die Welt umrundete, sollte
Sieger sein. Während Karthikeya, der jüngere Bruder, treu und brav dreimal den
Globus umrundete, lief Ganapathi nur dreimal um seine Eltern herum, da sie
für ihn seine Welt waren. In einigen
Landesteilen gilt Ganesha als Junggeselle, in den meisten aber hat er zwei
Frauen und zwar Siddhi und Buddhi. In den westlichen Teilen Indiens wird er
als Gottheit der Kaufleute verehrt. Im Süden wird er in einer Reihe von
Gestalten, dem Anlass entsprechend, verehrt. Es gibt auch eine Sekte, die
sich GanaZatya nennt und ausschließlich diesen Gott verehrt. In der Mythologie ist
Parvati ein Symbol der Erde und deshalb symbolisiert auch Ganesha unsere Erde
und Umwelt. Bal Gangadhar Tilak,
ein Freiheitskämpfer, belebte aufs Neue die Feier zum Geburtstag Ganeshas im
September/Oktober, die inzwischen zu einem begeistert gefeierten religiösen
Fest geworden ist. Ein Grund für die ständig steigende Beliebtheit dieser
Gottheit ist, wie Indologen meinen, ganz bestimmt der immer materiellere
Charakter unserer Gesellschaft, da Ganesha immerhin ein Gott ist, der Glück
und Wohlstand verspricht.
Lord GenavanLord Genavan,
Ganpathi, Ganapathi, Ganesh, Ganesha, Ganesa – und viele weitere Namen und
Schreibweisen gibt es. Auch die Legenden sind vielfältig. Ein Priester und
Schriftgelehrter aus Kerala schrieb mir einst auf die Rückseite eines
Ganesh-Bildes: „Ganesha, who existed in the Hindu culture, was a very
important god. The god of knowledge, wisdom, literature, and fire, Ganesha
was often consulted for advice. When he was a small boy, he prevented Lord
Shiva to enter the bathroom where his mother Parvati was taking a bath. This made Shiva furious and
he cut off Ganesha’s head. Devastated, Parvati begged Shiva to help poor
Ganesha, so Shiva cut the head off of an elephant and attached the head to
the boy. Another unique characteristic of Ganesha is that he has four arms.
In one of his hands, he holds a conch shell, in another a discus, in a third
a club, and in a fourth a lotus blossom.“ Parvatis Sohn Ganesha
…der Gott des
Anfangs und des Gelingens Der wohl meistgeliebte
Gott im hinduistischen Pantheon ist Ganesh(a), Ganp(a)athi, Ganesa, der Gott
mit dem Elefantenkopf, der von Hindus, Buddhisten und Jaina gleichermaßen
verehrt wird. Er wird als Sohn von Shiva und Parvati gesehen; es gibt jedoch
Darstellungen eines offensichtlich heiligen Elefanten die ebenso alt sind,
wie die allerersten Darstellungen eines Yogi, die als Vorläufer des
Yogagottes Shiva gelten. Ganeshas Anhänger aber betrachten ihn und nicht
Shiva als Herrscher des Yoga. Seine gesamte Erscheinung, einschließlich
seines Reittieres, der Ratte, verbinden sie in symbolischer Bedeutung mit den
Yogaprinzipien. Ganesha ist auch ein typischer Volksgott, den als Gott der
Weisheit, der Überbringer des Glücks und der Beseitiger aller Hindernisse
gesehen wird. Vor Beginn einer Reise, eines Rituals oder eines wichtigen
Unternehmens wird immer zuerst Ganesha angerufen und verehrt. Er ist
verheiratet mit Siddhi (mystische Kraft) und Buddhi (Einsicht). Er gilt als
Schutzherr der Wissenschaften, der Schriften und der Ausbildung.
Wie Skanda
strenggenommen nur Shivas Sohn, so ist der elefantenköpfige Ganesha der Sohn nur
der Parvati. Über Ganeshas Geburt und die Entstehung seines Elefantenkopfes
gibt es verschiedene Versionen. Eine beliebte Geschichte berichtet, daß
Parvati längere Zeit allein war, weil ihr Mann Shiva sich in Meditation
zurückgezogen hatte. Sie beschloß, sich selbst einen Sohn zu machen und
formte ihn, bevor sie ihr tägliches Bad nahm, aus dem Schorf ihres Körpers
mit Salben, Ölen und Gangeswasser, und stellte ihn als Türwächter vor den
Baderaum. Damals hatte Ganesha einen normalen Menschenkopf. Zum Kopf eines
Elefanten kam er durch den Zorn des Shiva. Als er diesem den Weg zu seiner
Gattin verstellte, weil sie gerade badete, und er Shiva ja nicht kannte, sei
der große Gott so in Zorn geraten, daß er dem Ganesha mit dem Schwert den
Kopf abschlug. Parvati war. außer sich und flehte Shiva an, Ganesha wieder
zum Leben zu erwecken. Shiva versprach darauf, ihn mit dem Kopf des ersten
vorbeikommenden Lebewesens auszutauschen und ins Dasein zurückzurufen. Das
erste Wesen war ein Elefant. Durch die Wiederbelebung ist Ganesha auch Shivas
Sohn geworden und wird von ihm anerkannt. Die Kunst Indiens
stellt Ganesha stehend, tanzend und sitzend dar. Oft reitet er auf seiner
Ratte, die zuweilen den Rosenkranz (aksamälä) im Maul hält. Seine Farbe auf
Malereien ist gelb oder fleischfarben. Ganesha oder Ganapati wird als
dickbäuchiger Gott mit meistens vier Armen, auf einem Lotosthron oder seinem
Reittier der Ratte sitzend oder tanzend dargestellt. Seine häufigsten
Attribute sind Fangseil, Stachelstock und eine Schale mit Naschwerk. Eine
Schlange ist sein Gürtel. Sein gewaltiger Bauch symbolisiert das Universum.
Mit seiner freundlichen, sehr weltlichen Erscheinung verkörpert er das
Paradaxon: irdische Genüsse stehen tiefgreifender geistiger Einsicht
keinesfalls im Wege. Er hat zwei oder vier Hände: Die rechten halten den
abgebrochenen Stoßzahn (danta) und den Stachelstock (ankusa), wie er zum
Lenken des Elefanten verwendet wird, die linken tragen die (stilisierte)
Schlinge (päsa) und eine Frucht (phala), manchmal einen Reiskloß (pinda),
denn Ganesha ißt und nascht gern. Begleitet ist der Gott von einer Feldratte
(äkhu). Von Ganesha oder auch
Ganapathi existieren etwa neunzig Erscheinungsformen. In seltenen Fällen
sehen wir ihn mit zwei Armen, aber gebräuchlich sind vier, möglicherweise
sogar bis zu zehn. Meist hat er nur einen Kopf, es sind aber auch
Darstellungen mit vier Köpfen bekannt. Als Omkara-Ganapathi
zeigt Ganesha, daß sich seine gesamte Gestalt, wie seine Jogaanhänger
behaupten, aus dem heiligen Klang AUM oder OM ableitet. Sowohl in Sanskrit-
(links) als in tamilischer Schreibweise (rechts) zeigt die Silbe OM ein
Schriftbild, in dem Kopf und gebogener Rüssel von Omkara-Ganapathi schwach
erkennbar sind. Eine besondere
Erscheinungsform ist die des tanzenden Ganesha, Nritya-Ganapathi . Was dem
arglosen Betrachter als ungelenkes Schauspiel erscheinen mag, hat doch
dieselbe tiefe Bedeutung wie der kosmische Tanz von Shiva. Mit den
Schaukelbewegungen seines linken und rechten Fußes läßt Ganesha die Welt
entstehen und wieder verschwinden. Zwar scheint Shivas Tanz
abwechslungsreicher und vor allem eleganter, aber das ist nur die äußere
Choreographie. Ganeshas Tanz verkörpert den Herzschlag des Universums, der
alle bestehenden Erscheinungsformen vereint, wie grob oder bizarr sie auch
auf den ersten Blick wirken mögen. Historisch scheint
Ganesha aus einem Naturgeist (yaksa) hervorgegangen zu sein, wie sie für die
Fruchtbarkeit der Felder zuständig sind. Die Yaksas werden als rundbäuchige
Gnome vorgestellt und hüten die im Boden verborgenen Schätze einschließlich
der Ernte. Manche Attribute Ganeshas lassen sich als landwirtschaftliche
Geräte deuten: Der Stachelstock könnte ein Hakenpflug sein, die Schlinge
dient zum Binden der Garben. Nach seiner Aufnahme in die Shiva -Familie wurde
Ganesha zum »Gebieter der Scharen« (gana-isa) ernannt, nämlich der
untergeordneten Gottheiten im Kreise um Shiva. Im 5. Jahrhundert n.Chr. wurde
er ein Thema der bildenden Kunst. Zeitlich ist er der letzte Gott, der ins
Hindu - Pantheon aufgenommen wurde.
Ganeshas freundliches
Wesen und sein Zuständigkeitsbereich machen ihn dem Hindu ungemein lieb. Er
ist nicht nur der Gott der Intelligenz und Weisheit, sondern auch »Der
(Herr), der die Hindernisse beseitigt« (Vighnantaka) und den Anfang
ermöglicht. Vor jedem physischen
und geistigen Unternehmen wird er angerufen: »Om, Ganeshaya
namah! Om, Ehre dem
Ganesha!« Ob man eine Reise
antritt oder eine Maschine in Gang setzt, ob man ein Buch zu schreiben
beginnt oder sich einem Examen zu stellen hat, ob man ein geschäftliches
Projekt anpackt oder vor Gericht obsiegen will - stets ist es ratsam, dem
Ganesha einen Reiskloß, eine Blüte, ein Räucherstäbchen und ein Gedenken
darzubringen, damit er die Hindernisse niedertrampelt oder mit seiner breiten
Elefantenstirn beiseite schiebt: Falls er nicht seine findige Ratte ein
Schlupfloch suchen läßt. Auch bei Hochzeiten
wird er angerufen, denn die Ehe ist ein neuer Anfang und soll von Glück
gesegnet sein. Auf den meisten Einladungen zu einer Hindu-Hochzeit ist als
kleines Emblem Ganesha zu sehen. Gelegentlich ist der Stachelstock durch eine
Axt, die Schlinge durch einen Lotos ersetzt, überhaupt sind ikonographische
Varianten häufig. An seinem Elefantenkopf ist der Gott in jedem Falle zu
erkennen, so daß seine Attribute für die Identifizierung weniger wichtig
sind. Da Ganesha am Anfang
jeglichen Unternehmens steht, ist es folgerichtig, daß er morgens verehrt
wird, wenn der Tag beginnt. Die günstigsten Minuten sind die, wenn die Sonne
sich hochschiebt über den östlichen Horizont. Mancherlei
Volkserzählungen ranken sich um den freundlich-pfiffigen Gott. Den Stoßzahn
soll er sich abgebrochen haben, um ihn auf den Mond zu schleudern, der über
seinen Bauch gelacht hatte. Nach anderer Version büßte er den Zahn ein, als
er dem Parasuräma am Kailäsa-Berge den Zutritt zu dem schlafenden Shiva
verwehrte. Parasuräma schleuderte seine Axt auf den pflichtbewußten Türhüter,
die ihm den Zahn abbrach. Einer dritten Geschichte zufolge benutzte Ganesha
den Stoßzahn als Griffel, um das Epos Mahäbhärata niederzuschreiben, das der
Weise Vyäsa ihm drei Jahre lang diktierte. Ganesha und Vyäsa hatten ein
kluges Abkommen getroffen: Vyäsa durfte beim Diktat niemals ins Stammeln
geraten und Ganesha nichts niederschreiben, was seinem Verstand nicht
einging. Um zu entscheiden, wer
zuerst heiraten dürfe, veranstaltete Shiva zwischen Skanda und Ganesha einen
Wettbewerb. Sieger sollte sein, wer als schnellster die Welt umrundete.
Skanda auf seinem Pfau umkreiste die Erde in nur einem Tag. Ganesha auf
seiner Ratte umwanderte Shiva und Parvati in wenigen Sekunden. Damit war er
der Sieger denn in Shiva und Parvati ist nach Hindu-Vorstellung die ganze
Welt beschlossen. Schwerpunkte des
Ganesha-Kultes sind Südindien und der Unionsstaat Mahärästra mit der
Hauptstadt Bombay. Im August/September jeden Jahres feiert man dort das
Ganesha- oder Ganapati-Fest, bei dem große, aus Lehm geformte Ganesha-Idole
mit Kokosnüssen, Bananen und Süßigkeiten symbolisch gespeist und mit Musik
verehrt werden. Zu Ende des Festes trägt man sie feierlich zum Meer oder
einem Fluß und versenkt sie. Das gleiche geschieht mit den kleinen
Ganesha-Figuren, die das Jahr über im Hause gestanden haben, meist auf einem
Sockel über dem Türbalken oder in der Zimmerecke. Die aus der Erde gekommene
Gestalt kehrt in den Naturhaushalt zurück. Shiva
In der hinduistischen
Trimurti (Trinität) ist Shiva sicher die schillerndste Gestalt, die in sehr
unterschiedlichen Erscheinungsformen auftritt. Einmal wird er angesehen als
der gnädige und milde Weltenschöpfer, zugleich verkörpert er aber auch als
Shiva-Rudra den gegensätzlichen Aspekt, den furchtbaren Zerstörer. In der
hinduistischen Philosophie kein wirklicher Gegensatz, denn Zerstörung
bedeutet danach nicht Untergang, sondern ist im Gegenteil Voraussetzung für
die schöpferische Verwandlung in neuer Gestalt. Mit der Person Shivas,
die noch viele andere Manifestationen kennt, verbinden sich einige der
ausdrucksvollsten und zugleich tiefsinnigsten bildhaften Gottesvorstellungen
des Hinduismus. Zum Beispiel diese
selten schöne Skulptur des Shiva als meditierender Asket auf dem Schneejuwel
des Kailash im Himalaya. Als Held mit der vom Gift der Schlange Vasuka blau gefärbten
Kehle, das er in seinen Mund aufnahm und so die Welt rettete. Als Bewahrer
Indiens, durch dessen Haar die Ganga, der Gangesstrom, sanft vom Himalaya in
die Ebene fließt, wodurch das Land die segensspendende Kraft der Ganga
empfängt und vor Überschwemmung verschont bleibt. Oder - ebenfalls in meiner
Auktionsliste - Shiva als liebender Gatte, der aus Trauer um seine tote
Gemahlin einen exstatischen Totentanz im Feuerkreis vollführt und die gesamt
Schöpfung erbeben lässt - der Natraja. In seinen verschiedenen
Erscheinungsformen und Aspekten, vor allem in seiner symbolischen Gestalt als
Shiva-Lingam wird er zu vielen Anlässen gefeiert. Shiva ist zudem der
göttliche Yogi und Vorbild seiner zahlreichen Anhänger, die bei den grossen
Pilgerfesten allgegenwärtig sind. Einen ganz besonderen Höhepunkt der
Shiva-Verehrung bildet die Shiva-Ratri, das Hochzeitsfest von Shiva und
Parvati, vor allem im indischen Varanasi sowie in Pashupatinath bei Kathmandu
in Nepal. Saraswathi
Saraswathi (auch
Saraswati, Sarasvati), die Göttin des Lernens und der Weisheit, vermählte
sich mit Brahma, dem Schöpfergott. Als seine Frau wird sie zur Mutter der
gesamten Schöpfung. Das Wort
"Saraswathi" bedeutet: diejenige, die Essenz (sara) des eigenen
Selbst (swa) gibt, ferner "die Fließende". Saraswathi repräsentiert
einen immer fließenden Strom göttlicher Gnade. Sie steht auch für die
menschlichen Fähigkeiten zu denken und zu unterscheiden.
Sie verkörpert alles Wissen,
einschließlich der Künste und Wissenschaften. Als Personifikation vollendeter
Weisheit verleiht sie ihren aufrichtigsten Anhängern diese höchste
Weisheit. Saraswathi
personifiziert Weisheit. Hindus auf der ganzen Welt beten sie an, wann immer
es um Studien oder Lernen geht. Sie regiert die Kommunikation, Musik und den
Intellekt. Während des zehntägigen Navaratri-Festivals verehren die Menschen
Saraswathi am letzten Tag. Sie legen dann Bücher vor ihr Bild, um ihre Gnade
und ihren Segen zu erhalten. Künstler stellen
Saraswathi auf einer Lotusblume sitzend dar, in makelloses Weiß gekleidet.
Weiß versinnbildlicht das Gegenmittel für die dunkle Welt der Unwissenheit.
Die Lotusblume erblüht zu ihrer schönen Form, obwohl sie aus dem Morast des
Teiches hervorgeht. Die Lotusblüte, auf der sie sitzt, symbolisiert ihre
feste Etablierung in der Höchsten Realität - unberührt von den schmutzigen
Unvollkommenheiten der physischen Welt.
Saraswathi hat vier
Hände. Sie hält die heiligen Schriften in einer Hand und eine Lotusblume in
der anderen. Mit den anderen zwei Händen spielt sie indische Laute (veena).
Künstler stellen sie folgende Dinge haltend dar: eine Schlinge (paasha),
einen Dorn (ankusha), eine Lotusblüte (padma), einen Dreizack (trisula), eine
Seemuschel (sankha), eine Diskusscheibe (chakra). Die Lotusblüte in
ihrer Hand symbolisiert das letztendliche Ziel menschlichen Seins:
Selbstverwirklichung. Das heilige Buch und die Laute, die sie in ihrer
anderen Hand hält, weisen auf den Pfad des Wissens und den Pfad der Hingabe,
über die der Mensch sein Ziel erreichen kann. Die vier Hände repräsentieren
auch die vier Aspekte der menschlichen Persönlichkeit: Geist (manas),
Intellekt (buddhi), ego (ahamkara), sowie konditioniertes Bewußtsein
(chitta). Das bedeutet, daß Saraswathi vollständig die intellektuellen
Fähigkeiten des Menschen beherrscht. Der Schwan (hamsa),
das Gefährt ihres Gemahls Brahma, wird auch mit Saraswathi in Verbindung
gebracht. Der Schwan symbolisiert Weisheit und Unterscheidungskraft. Startseite | Online-Tour | Sanfter Tourismus | KD-Publikationen | Fotogalerien | Was uns erwartet | Reiseregionen: Kerala - Rajasthan - Orissa - Gujarat | KD-Forum: Kerala-Forum – Rajputana-Forum – Kalinga-Forum – Interaktives Forum | Die Routenpläne | Reisehinweise | News-Bereich | NewsLetter an-/abmelden | Ayurveda in Kerala | Ganesh & Konsorten | Wetterbericht Indien | Termine & Preise | Reiseantrag | English Area | Interessante Links | Indienkunst & Ebay | Indienkunst-SHOP | |