Kerala Discovery "Das Foto des Monats 2004-03"

 

2004-03

Urlaub im Knast?

Daß das authentische Indien schon Abenteuer genug ist, will manchmal den indischen Tourismusstrategen einfach nicht in den Kopf. (Aus INN 229)

Für sie sind Tempel, farbenprächtige Prozessionen und prunkvolle Maharajapaläste ja auch Alltag. Ebenso die atemberaubenden Dschungel- und Wüstenlandschaften - was wir anstaunen, ist für den Inder das Normale, oder wie soll ich mir die exotischen Ideen der einheimischen Tourismus-Promoter erklären?

Kürzlich vermeldete die Tourismusbehörde, man wolle Touristen Elefanten waschen und bei der Ernte helfen lassen (ich berichtete), und nun gibt's im Norden gesiebte Luft? "Incredible India" sage ich da nur...

Touristen können nach Plänen der Regierung im zentralindischen Bundesstaat Chhattisgarh künftig Urlaub im Gefängnis machen. Ich habe dazu sogleich eine Fotomontage für ein Inserat in der internationalen Presse entworfen (s.o.). Eine leer stehende Haftanstalt solle in eine Art Knast-Hotel umgewandelt werden, sagte der Direktor der staatlichen Tourismusbehörde, A. Jayathilak, der "Times of India". 

"Wir werden das Ambiente eines Gefängnisses erhalten", betonte er. Gästen, denen langweilig werde, könnten versuchen, durch ein Tunnelsystem zu fliehen.

Das Essen werde - wie in indischen Haftanstalten üblich - vor allem aus Weißbrot und Linsensuppe bestehen und in zerkratztem Essgeschirr ausgegeben, sagte Jayathilak. Die Gäste erhielten gestreifte Bademäntel. In den Zellen würden die Gitter allerdings durch blickdichte schwere Stahltüren ersetzt.

Die Regierung des Bundesstaats warte nun auf Angebote aus der Privatwirtschaft, um das Hotel zu führen, berichtete die Zeitung.

Da bin ich ja mal gespannt. KD bemüht sich seit 20 Jahren zusammen mit den Gastgeberfamilien erfolgreich darum, daß unsere Gäste sich wie zu Hause fühlen. Ein Knasturlaub wird dieses heimelige Gefühl nur einem ganz besonderen Klientel vermitteln - das allerdings nicht unbedingt zu unseren bevorzugten Gesellschaftsschichten zählt. Ob Herr Jayathilak für begleitende Bewährungshelfer kostenlose Unterbringung plant?