
Daß das authentische Indien
schon Abenteuer genug ist, will manchmal den indischen Tourismusstrategen
einfach nicht in den Kopf. (Aus INN 229)
Für sie sind Tempel, farbenprächtige
Prozessionen und prunkvolle Maharajapaläste ja auch Alltag. Ebenso die
atemberaubenden Dschungel- und Wüstenlandschaften - was wir anstaunen, ist für
den Inder das Normale, oder wie soll ich mir die exotischen Ideen der
einheimischen Tourismus-Promoter erklären?
Kürzlich vermeldete die
Tourismusbehörde, man wolle Touristen Elefanten waschen und bei der Ernte
helfen lassen (ich berichtete), und nun gibt's im Norden gesiebte Luft?
"Incredible India" sage ich da nur...
Touristen können nach Plänen der
Regierung im zentralindischen Bundesstaat Chhattisgarh künftig Urlaub im
Gefängnis machen. Ich habe dazu sogleich eine Fotomontage für ein Inserat in
der internationalen Presse entworfen (s.o.). Eine leer stehende Haftanstalt
solle in eine Art Knast-Hotel umgewandelt werden, sagte der Direktor der
staatlichen Tourismusbehörde, A. Jayathilak, der "Times of
India".
"Wir werden das Ambiente
eines Gefängnisses erhalten", betonte er. Gästen, denen langweilig werde,
könnten versuchen, durch ein Tunnelsystem zu fliehen.
Das Essen werde - wie in
indischen Haftanstalten üblich - vor allem aus Weißbrot und Linsensuppe
bestehen und in zerkratztem Essgeschirr ausgegeben, sagte Jayathilak. Die Gäste
erhielten gestreifte Bademäntel. In den Zellen würden die Gitter allerdings
durch blickdichte schwere Stahltüren ersetzt.
Die Regierung des Bundesstaats
warte nun auf Angebote aus der Privatwirtschaft, um das Hotel zu führen,
berichtete die Zeitung.
Da bin ich ja mal gespannt. KD bemüht sich seit 20 Jahren zusammen mit den Gastgeberfamilien erfolgreich darum, daß unsere Gäste sich wie zu Hause fühlen. Ein Knasturlaub wird dieses heimelige Gefühl nur einem ganz besonderen Klientel vermitteln - das allerdings nicht unbedingt zu unseren bevorzugten Gesellschaftsschichten zählt. Ob Herr Jayathilak für begleitende Bewährungshelfer kostenlose Unterbringung plant?