
Was die Voyeure an
unseren Stränden Fortschritt nennen, ist für die Moralisten sicher Rückschritt.
Wir wollen in einem Indienmagazin wie KD-online aber nicht der Frage nachgehen,
ob wir uns in der Evolution zurückentwickeln. Auch nicht der Frage, warum heute
so ein süßes Nichts, wie es die drei rechten Grazien tragen, doppelt so teuer
sein muß wie die hochgeschlossene Komplettstaffage hundert Jahre zuvor.
Uns Indienfreunde gemahnt
dieses Bild nur, daß die Sitten an indischen Stränden eher auf dem Level
1890 stehen blieben. Zumindest für die Inder. Die indische Frau geht - wenn
überhaupt - mit voller Bekleidung ins Wasser. Es ist nicht nur die Moral -
unsere Gewohnheiten, jeden Sonnenstrahl auf möglichst jedem Quadratzentimeter
Haut edle Bronzefarbe grillen zu lassen, sind den Indern sehr suspekt. Wie kann
man nur den gesellschaftlichen Status der Hellhäutigkeit freiwillig aufgeben?
Den Touristen gestattet man
immerhin diesen Blößenwahn. Zumindest solange sie die primären und
sekundären Geschlechtsmerkmale bedeckt halten. Die Zeit der Hippies, die seit
Ende der 1960er oben oder gar ganz ohne an den Stränden der indischen Westküste
herumhüpften, ist seit den 1980ern vorbei. Mädels, die heute am indischen
Strand mit unvollständig abgeblendeten Scheinwerfern angetroffen werden, zahlen
Bußgeld in willkürlicher Höhe.
KD-Gäste haben aber seltener die Möglichkeit, an Touristenstränden zu relaxen. Bei uns sind es einsamere Strände, die noch den indischen Fischern allein gehören. Oder die Gebirgsflüsse im Dschungel, an denen wir die Seele baumeln lassen. Hier sollten wir mehr Rücksicht auf die indischen Wertvorstellungen nehmen und auf den Tangaslip (er und sie) verzichten und wenigstens ein T-Shirt über dem Bikinioberteil (nur sie) tragen.