
Coke All Over the World
Foto des Monats – November 2002
Ein putziges Bild, nicht wahr? Die Hintergründe aber sind
weniger putzig.
Sie hüpfen über die Simse der Tempel, rennen die Wände alter
Havelis und Forts rauf und runter - Streifenhörnchen sind in Nordindien
praktisch überall.
Coca Cola leider auch. Lange Zeit war Indien in den
1980er und 90er Jahren Coke-freie Zone - aber Mitte der 90er startete der
Urvater der massiven Imagewerbung einen zweiten Anlauf, und in wenigen Jahren
fand man selbst in den archaischen Dörfern der Stammesgruppen Lehmhütten mit
grellrot gepinselten Wänden, auf riesige Coca Cola Schriftzüge nebst Slogans
prangten.
Zuerst mußte das Logo bis in die letzten Dschungel- und
Wüstenwinkel bekannt werden. Die übliche Identifikationspsychologie griff Raum:
Coke zu trinken bedeutete Freiheit und Zugehörigkeit zum westlichen Lebensstil
- erst sehr viel später war das Getränk in diesen Dörfern auch zu haben.
So blieb Coke für viele bis heute unerreichbar. Sie leben
mit dem rotweiß gepinselten Traum vom westlichen Luxus und begnügen sich mit
der üblen indischen Cola namens "Thums up".
Bezeichnenderweise hat die Coca Cola Company die Firma Thums
up inzwischen längst aufgekauft.
Nicht daß ich Coke nicht mag. Ich trinke sogar sehr gerne
Coca Cola. Chandra erinnert sich noch heute mit Verwunderung daran, daß ich
1995 in Mount Abu bereit war, für eine kleine Dose Coke 55 Rupien zu bezahlen
(Für das Geld bekam man 5 warme Mahlzeiten mit Nachschlag).
Aber die Verschandelung von Dörfern mit riesigen Coke-Werbeflächen kann ich nicht akzeptieren.