
„Geschäftemacher“
Foto des Monats – Mai 2002
Dieses Foto brachte Gerda aus Kaiserslautern von ihrer
Rajputana Discovery mit. Zeige es all denen, die da sagen: „Wie kannst Du in
ein solches Land fahren? Diese Armut, dieser Dreck – da holst Du Dir doch die Cholera!!“
Denn mit solchen Bildern können wir den Kreis der
Indienfreunde doch übersichtlich halten, nicht wahr?
Ja, es gibt sie zuhauf, diese Dreckecken in Indien. Sie sind
Teil dessen, was ich immer „Die wilde Schönheit Indiens“ nenne.
Paradox? Nicht für den polarisiert denkenden Europäer. Für
ihn gibt es ohne das „oben“ kein „unten“ und ohne „häßlich“ kein „schön“. Auf
der Suche nach den Schönheiten dieser Welt geht er auf die Reise, und aus
diesem subjektiven Blickwinkel dient das Häßliche dazu, das Schöne zu
identifizieren – ja noch schöner zu machen.
Von „Wilder Schönheit“ spreche ich also im Gegensatz zur
synthetischen Schönheit unserer eigenen Umwelt. Bis hin zu
Landschaftsarchitektur haben wir sie inzwischen umgekrempelt und unseren
ästhetischen Bedürfnissen angepaßt.
In Indien fehlen die Mittel für derlei Kosmetik. So finden
wir übelriechende Slums direkt neben Maharaja-Palästen, Müllhalden in atemberaubenden
Naturlandschaften, und wo eben noch Fäkalien Deine Nase beleidigten, ist
Sekunden später der liebliche Duft aus den Blütengirlanden im Haar der
vorbeischwebenden Sari-Schönheiten.
Augen, Nasen, Ohren und Geschmackssinne werden im schnellen Wechsel beleidigt und wieder versöhnt: Indien bleibt eine Attacke auf sämtliche Sinne!